Fundstück: Sargon of Akkad über Bell Hooks

Der von mir bereits einige Male erwähnte Sargon of Akkad hat ein neues Video veröffentlicht, in dem er argumentiert, Anita Sarkeesian sei wesentlich von Bell Hooks beeinflusst worden. Auch wenn er einige gute Punkte zu Bell Hooks nennt, die für gewöhnlich bei Radikalfeministinnen fehlen, so führt er insbesondere die seltsame Weltsicht Anita Sarkeesians auf sie zurück.

Sargon of Akkad hat viele interessante Videos gemacht, insbesondere liefert er regelmäßig eine Zusammenfassung der dümmsten Meldungen der Woche („This Week In Stupid“). Dieses Video halte ich deswegen für besonders erwähnenswert, weil es relativ zeitlos ist und nicht irgendwelche Aufreger behandelt, sondern sich stattdessen mit theoretischen Grundlagen des (Radikal-)Feminismus befasst.

Gerade das Lesen und Beurteilen der Quellen, das sich Befassen mit Argumentationsmustern und dem Weltbild von Gegnern in der Debatte halte ich für eine wichtige Sache. Es kam zuletzt mal wieder bei Alles Evolution auf.

Außerdem (eine persönliche Vorliebe von mir) wird Sargon of Akkad hier nicht laut und flucht herum. Aus irgendeinem Grund scheint das ansonsten im angelsächsischen Raum als Indikator für Meinungsfreiheit zu dienen…

Bell Hooks: Anita Sarkeesian’s Influence

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Es gäbe viele Möglichkeiten für Titel mit Glocke („Bell“) oder Haken („Hook“) im Titel. „Hooked On A Feeling“ kennt man vor allem in der „Ooga chaka“-Version von Blue Swede – das hier ist das Original.

B. J. James: Hooked On A Feeling

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5 Antworten zu Fundstück: Sargon of Akkad über Bell Hooks

  1. Matze schreibt:

    Sarkeesian sagt mit einem Lächeln auf dem Gesicht:

    „Everthing is sexist, everything racist, everything is homophobic and you had to point it all out.“

    In was für einer schönen Welt sie doch lebt. Und wie es aussieht findet sie es auch noch gut so.

    Empowerment! YOU GO GRRRLLL!!!

  2. „Anita Sarkeesian sei wesentlich von Bell Hooks beeinflusst worden.“

    Kannst du diesen wesentlichen Einfluss mal kurz darstellen? Das wäre doch interessant.

    • Graublau schreibt:

      Das hat jetzt etwas gedauert, aber nicht, weil es schwierig gewesen wäre. Das Video kann man ohne Probleme ein zweites Mal ansehen. Außerdem hat Sargon of Akkad die löbliche Angewohnheit, seine Quellen fein säuberlich in der Videobeschreibung zu erwähnen (inzwischen meistens eine URL, bei der dann die Quellen stehen).

      Ich fasse einmal die aus meiner Sicht wesentlichen Inhalte des Videos zusammen. Zum Teil kommentiere ich hier auch direkt rein:

      Auffällig ist zunächst ein Zitat von Anita Sarkeesian: „Beim Feminismus geht es um die kollektive Befreiung der Frau als soziale Klasse. Beim Feminismus geht es nicht um die persönliche Wahl.“

      Hinzu kommt eine seltsame Erklärung während eines Podiumsgespräches, die sie komplett abgelesen hat. Dabei erwähnt sie, dass sie früher mehr die Entscheidungen von Individuen gesehen habe (jede Frau sollte gucken, was sie bestärkt), heute sei sie gegen „choice feminism“. Der ist böse, weil der mehr die individuelle Entscheidung jeder Frau betone statt „die Systeme“. Wer innerhalb des System gewinne, erzeuge trotzdem schlechte Konsequenzen für die anderen. In diesem Video wird ausdrücklich (und nur) Bell Hooks als Einfluss genannt. Bell Hooks kommt auch als Quelle bei Anita Sarkeesian vor. Im Video der gesamten Veranstaltung wird der Einfluss noch einmal zusätzlich ab ca. 42:25 genannt.

      Hinzu kommen Aussagen wie diese in einem Interview: „As for real life heroes, bell hooks has been highly influential both in my political formation and my professional life. Her cultural criticism work continually inspires me“.

      Das könnte (mein eigener Hinweis) natürlich nur ein reines „Erwähnen zur Zierde“ zur Zierde sein. Sargon of Akkad hat sich jedoch Bell Hooks‘ Buch „Feminism is for everybody“ besorgt und gelesen.

      Die aus seiner Sicht positiven Aspekte daran:

      • jeder sollte fair (gleich) behandelt werden, kein „Mann böse, Frau gut“
      • keine Männerhasserin, distanziert sich von solchem Feminismus
      • leicht zu lesendes Buch

      Dann geht es allerdings schon zur Kritik:

      Bell Hooks macht typische Logikfehler in der Diskussion.
      S. 11 „kein echter Schotte“: „Frauen, die Wahlfeministinnen sind, untergraben den Feminismus und sind daher keine echten Feministinnen“
      S. 29 „Wasserrutsche“: „Wenn Frauen keine vollständige Kontrolle über ihren Körper haben, riskieren sie, alle ihre Rechte zu verlieren“ (also „ohne Abtreibung laufen wir Gefahr, unser Wahlrecht zu verlieren“)
      S. 73 „Nirvana-Fehler“: „Jeden Tag werden Kinder missbraucht“ – richtig, aber das wird sich nie zu 100% abstellen lassen, nur auf ein niedriges Niveau bringen ist möglich

      Sie widerspricht sich selbst – manchmal auf derselben Seite.
      S. 27 Zum einen die Erfindung der Anti-Baby-Pille als Befreiung der Frau (durch Männer!), zum anderen das medizinische System, kapitalistisch-patriarchisch-männerdominiert, das mit den Körpern der Frauen beliebig umgeht.
      Auf derselben Seite: Abtreibung laut einigen Freundinnen better als die Pille, S. 29 Pille verringert Anzahl der Abtreibungen

      Einflüsse auf Anita Sarkeesian: vgl. seltsamen Tweet und die Erklärung am Anfang

      Bell Hooks ist (Pseudo-)Marxistin, liest Männer und Frauen als „soziale Klassen“
      (insbesondere S. 39). Das ist allerdings nicht nach Marx, der (nach dem Ende des Feudalismus) kein Patriarchat am Werk sah. Es handelt sich also um ein Verbiegen der marxistischen Idee. (Es wäre auch schwer, nach Marx zu begründen, warum die Frau des Fabrikbesitzers vom Fabrikarbeiter unterdrückt wird.) Diese absurde Idee ist jedoch die Grundlage von Bell Hooks Weltanschauung.

      Widersprüche stellen sich schnell ein, etwa wenn Bell Hooks reichen Frauen aus der Oberschicht dafür kritisiert, nicht solidarisch mit ihren „Schwestern“ zu sein, sondern innerhalb des Systems zu leben. („Reformfeministinnen“, quasi Verräterinnen, weill diese das System reformieren wollen in Richtung Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern und es nicht zerstören wollen.) Bell Hooks und Anita Sarkeesian sind damit (pseudo-)marxistische Feministinnen, die Wahlfeministinnen „kapitalistische Feministinnen“

      Es folgen Ausführungen darüber, dass die Frauen (fälschlicherweise) Freiheit und Wohlstand innerhalb des Systems suchen; das Prosperieren einiger lenkt jedoch vom Elend der vielen ab (nur der Frauen, wohlgemerkt).

      Bell Hooks sieht sich selbst als radikale Feministin und meint, der Radikalismus sei der „ursprüngliche“ Feminismus gewesen (im Gegensatz zum Reformfeminismus).

      (Das ist natürlich Blödsinn, denn die Frauenbewegung konnte sich nur im wohlhabenden Bürgertum entwickeln, in dem die Frauen plötzlich Zeit hatten. Ansonsten siehe Lucas Schoppe:
      „Klar wird aber auch, dass die Konzepte, über die Kucklick schreibt, tief bürgerliche Konzepte sind: Weder im Adel noch im Proletariat – bei Fabrik- oder Landarbeitern etwa, bei denen Männer und Frauen gleichermaßen selbstverständlich arbeiten mussten – hätte diese Geschlechterkonzeption einen Sinn ergeben.“)

      Dazu noch einmal Anita Sarkeesian vor großem Publikum ab 15:50: „Eine der radikalsten Sachen, die man machen kann, ist tatsächlich Frauen zu glauben, die von ihren Erfahrungen erzählen.“

      (So als ob das von sich aus niemand tun würde!) Dazu zeigt sie die Worte „Hört zu und glaubt“. Das ist natürlich so lesbar: Einfach zuhören und glauben. Keine kritischen Fragen, keine Belege… also das Gegenteil von einer nachvollziehbaren Debatte.

      Bell Hooks ist eine Art Kultführerin. Sie ist eine tief religiöse Frau; viel in ihrem Buch klingt pseudoreligiös. Anita Sarkeesian ist gegen kritisches Denken und scheint selbst eine Art Kultführerin geworden zu sein.

      Und schließlich: Die Wörterbuchdefinition von Feminismus passt tatsächlich zu dem, was Reformfeministinnen wollen, und nicht zu Bell Hooks oder Anita Sarkeesian.

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