Gastartikel: Leszeks Kritik an den Thesen zum Maskulismus

Auf „Alles Evolution“ sind gestern Thesen zum Maskulismus (von Lightyear) erschienen.

Der Stammkommentator Leszek, welcher sich nicht zu schade ist, in ellenlangen Kommentaren verschiedene Strömungen des Feminismus und Maskuslismus zu differenzieren, hat auch hierzu einen Kommentar geschrieben. Vom Autor des Blogs Meinungen und Deinungen kam die erste Reaktion: „Sehr schöne Zusammenfassung, hätte einen eigenen, verlinkbaren Blogpost verdient.“

Das läßt sich machen! Ich hatte ja ohnehin schon früher „angedroht“, eine „Wir zitieren Leszek“-Aktion zu machen, und nehme das als Anlass, dies in die Tat umzusetzen. Der Kommentar selbst hat natürlich ebenfalls Kritik und Kommentare verdient (er wurde ja auch bei Christian Schmidt diskutiert). Ich habe mir erlaubt, ein wenig Formatierung und bessere Verlinkung durchzuführen; inhaltlich bleibt es dasselbe.

“Was würdet ihr gegen Lightyears Thesen anführen?”

Die Thesen sind komplett unwissenschaftlich, ohne Kenntnis männerrrechtlicher Literatur, männerrechtlicher Strömungen und Theorien und der Männerrechtsbewegung nahestehender Organisationen.

“1. Im Maskulismus sind Männer immer Opfer”

Der Maskulismus lehnt die Auffassung ab, dass Männer eine privilegierte Klasse seien:

Die Ablehnung der Theorie von Männern als privilegierter Klasse als zentraler Ausgangspunkt maskulistischen Denkens

Er verweist auf Diskriminierungen, Benachteiligungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen, von denen Jungen und Männer betroffen sind (Männerbewegung, Was wir wollen, Rezension zu „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“), versucht die Existenz dieser Mißstände zu belegen, ihre Ursachen zu erforschen, diese Mißstände in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und Mittel und Wege zu ihrer schnellstmöglichen Beseitigung zu finden.

Es gibt im linken und liberalen Maskulismus aber keine Theorie, nach der Frauen eine privilegierte Klasse seien analog zu der Auffassung, dass Männer eine privilegierte Klasse seien im vorherrschenden Feminismus. Dafür gibt es im linken und liberalen Maskulismus aber theoretische Ansätze, um zu versuchen Diskrimierungen, soziale Problemlagen und Menchenrechtsverletzungen bezüglich beider Geschlechter zu erfassen.

Der zentrale Vordenker der Männerrechtsbewegung Warren Farrell sprach von der bisexistischen Rollenverteilung, durch die beide Geschlechter diskrimimiert werden, der Philosoph David Benatar thematisiert gegen Jungen und Männer gerichteten Sexismus auf eine Weise, die sich gleichzeitig auch gegen Sexismus wendet, von dem Mädchen und Frauen betroffen sind, der Soziologe Christoph Kucklick analysiert Männerfeindlichkeit in ihrer historischen Dimension bei gleichzeitiger Kritik jeder Frauenfeindlichkeit, außerdem gibt es im linken Maskulismus das Konzept des integralen Antisexismus, das eine geschlechtsübergreifende Perspektive auf geschlechtsbezogene Diskriminierungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen anstrebt, welche Männer, Frauen, Intersexuelle und Transgender theoretisch, wissenschaftlich und politisch berücksichtigt.

Solche integrierenden Ansätze fehlen im zeitgenössischen Mainstream-Feminismus komplett, es gibt sie nur bei dissidenten Feministinnen aus dem Spektrum des liberalen Feminismus. Allerdings müssen diese integrierenden Ansätze im Maskulismus noch genauer ausgearbeitet werden, um sie stärker zur Geltung zu bringen.

“2. Maskulisten haben keine Praxis”

Der Männerrechtsbewegung nahestehende Organisationen wie MANNdat, Gleichmaß, Agens und Väteraufbruch für Kinder haben selbstverständlich eine Praxis.

Es trifft allerdings zu, dass es in der Männerrechtsbewegung in Deutschland im Gegensatz zu anderen sozialen Bewegungen leider bislang keine gewaltfreien Aktionsgruppen gibt, die mit Hilfe der potentiell sehr wirkungsvollen Methoden des zivilen Ungehorsams und der gewaltfreien direkten Aktion versuchen berechtigte männerrechtliche Anliegen in der Öffentlichkeit bekanntzumachen und Sympathie und Interesse für diese zu wecken. Die Durchführung von gewaltfreien Aktionen, die geeignet sind Sympathie und Interesse für männerrechtliche Anliegen in der Öffentlichkeit zu schaffen, wäre m.E. ein wichtiger nächster Schritt für die Männerrechtsbewegung.

“3. Maskulisten bashen Feminismus, haben sonst keine eigenen Ideen”

Das Schwerpunktthema des Maskulismus sind Diskriminierungen, Benachteiligungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen, von denen Jungen und Männer betroffen sind. Um diese bekannt zu machen und die falsche Auffassung, Männer seien eine privilegierte Klasse zurückzudrängen ist eine Kritik am heute in westlichen Gesellschaften vorherrschenden Feminismus (Radikal-/Gender-/Staatsfeminismus) unvermeidbar, da diese mit ihren medial, akademisch und politisch leider zur Zeit noch einflussreichen einseitigen und falschen Konzepten zu männlichen Diskriminierungen beitragen.

Allerdings ist der vorherrschende Feminismus nur einer von mehreren Aspekten, die zu männlichen Diskriminierungen beitragen. Nicht in den zentralen männerrechtlichen Büchern, aber auf manchen männerrechtlichen Blogs wird einer Analyse der Ursachen männlicher Diskriminierungen in multikausaler und intersektionaler Perspektive m.E. manchmal zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

“4. Maskulisten wünschen sich ihre Privilegien zurück, die vor 50 Jahren noch hatten.”

Männer waren auch vor 50 Jahren und davor keine privilegierte Klasse (Wehrpflicht, schwere und gefährliche Arbeiten als typische Männerjobs, Einschränkung der persönlichen Entfaltung und der freien Wahl der Lebensweise durch traditionelle Geschlechterrollen). Im linken und liberalen Maskulismus will niemand dahin zurück. Im konservativen Flügel der Männerrechtsbewegung gibt es auch Einzelpersonen, die traditionelle Geschlechterrollen bejahen, aber diese Leute sind irrelevant für die maskulistische Theorie.

Arne Hoffmann schreibt in seinem Buch “Plädoyer für eine linke Männerpolitik” zu den Nachteilen der traditionellen Geschlechterrolle für Männer:

„Diese Ablehnung (von traditionellen Geschlechterrollen als Leitbild) ist innerhalb der Männerbewegung allerdings keineswegs neu. Bereits im Jahr 1981 erklärte der amerikanische Männerrechtler Fredric Hayward in einer Rede, die er bei dem Nationalen Kongress für Männer hielt: „Wir dürfen die Frauenbewegung nicht umkehren, wir müssen sie beschleunigen. Die Befreiung der Männer ist kein Backlash, denn es gibt nichts an den traditionellen Geschlechterrollen, wozu ich zurückkehren will.“
Auch ich habe in meinen Veröffentlichungen immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass vielen von uns Männerrechtlern der Feminismus nicht zu weit gehe, sondern nicht weit genug. Der Rosenheimer Sozialpädagoge Wolfgang Wenger, einer der Pioniere einer linken Männerrechtsbewegung in Deutschland, vertritt eine ähnliche Haltung: „Persönlich beschäftigt mich noch die Frage nach der Ausgestaltung eines modernen Maskulismus“, verrät Wenger in einem Interview, „da mir einseitige und falsch verstanden altmodische Männerbilder ein Greuel, weil einengend sind. Mir geht es sehr darum, Männlichkeit und Jungenhaftigkeit in all seiner Vielfalt wahrzunehmen und zu akzeptieren und vor allem, diese Bilder positiv zu besetzen.“

In meinem im Frühjahr 2012 veröffentlichten Essay „Vergesst die Rechten!“ habe ich dazu schon Wesentliches ausgeführt. Aufhänger war dabei eine Diskussion, die ich auf Facebook mitverfolgt hatte. Einer der Teilnehmer, den ich seinem Profil nach dem Lager der Neuen Rechten zuordnen würde, ereiferte sich darüber, wie wenig es in unserer sichtlich zugrunde gehenden Kultur noch ganz normaler Konsens sei, dass ein Mann sein Leben gibt, um das einer Frau zu schützen. Neugierig geworden erkundigte ich mich danach, ob er damit meinte, dass eine Frau ein höheres Recht auf Leben als ein Mann habe. Ich erhielt zur Antwort, ja, so sei es, das wisse man doch schon von Schiffsunglücken, wo es „Frauen und Kinder zuerst“ heiße. Ich fragte nach, mit welcher Begründung denn eine Gruppe von Menschen ein höheres Recht auf Leben als eine andere genießen solle. Mein Gesprächspartner teilte mir mit, das sei doch offenkundig: Frauen würden „die Brut“ austragen und seien damit von wesentlich größerer Bedeutung als Männer für den Fortbestand der menschlichen Rasse (von der Nation vermutlich ganz zu schweigen). Ich hakte unverdrossen noch einmal nach und erkundigte mich, ob er dann auch der Ansicht sei, dass eine nicht mehr gebärfähige Frau ein geringeres Recht auf Leben habe als eine, die in der Lage ist, noch viele Kinder auszutragen. Mein inzwischen immer mürrischer gewordener Gesprächspartner grummelte etwas davon, dass ich allmählich auf den Trichter kommen würde zu kapieren, wie in einer gesunden Volksgemeinschaft die Hierarchie des Rechts auf Lebens geregelt sein sollte. Andere Männer aus seinem politischen Umfeld begannen ihm beizuspringen. Gegenwind bekam er außer von mir bezeichnenderweise nur von einer Frau, die seine Einstellung als so reaktionär bezeichnete, wie sie war: entweder weil diese Frau die Etablierung der hierarchiefreien Menschenrechte noch mitbekommen hatte, die für meinen Gesprächspartner wohl nur ein weiteres Verfallssymptom unserer Gesellschaft darstellten, oder weil sie witterte, dass mit dem angeblichen höheren Lebensrecht von Frauen, von dem man auf Facebook schnell daherschwadronieren kann, solange man nicht selbst in Todesgefahr schwebt, Regelungen verbunden sind, die für eine Frau im Jahr 2012 nicht nur von Vorteil sind. Wenn beispielsweise Taliban ihre Frauen nicht ohne Begleitung aus dem Haus gehen lassen, dann ganz sicher nur in dem wohlmeinenden Interesse, deren höheres Recht auf Leben so gut wie nur irgend möglich zu schützen…
Tatsächlich stellt das althergebrachte Männerbild eine gigantische Belastung dabei dar, sich für Männerrechte und gegen Männerdiskriminierung einzusetzen, denn eben dieser Anachronismus verlangt es von Männern, stark zu sein wie eine Eiche, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl. Jungen weinen nicht und Indianer kennen keinen Schmerz. Es wird im Verlauf dieses Buches noch zu zeigen sein, wie geschickt gerade auch viele Feministinnen diese überholten Rollenerwartungen immer wieder zu instrumentalisieren versuchen, um Männer, die über Opfererfahrungen sprechen, als „Jammerlappen“ und „Plärrer“ abzuwerten. Tatsächlich, macht der Soziologe und Geschlechterforscher Professor Walter Hollstein klar, ist nicht zuletzt unser tradiertes Rollenbild schuld daran, dass sich Jungen und Männer zigfach häufiger das Leben nehmen als Frauen und Mädchen: Sie töten sich lieber, als Schwäche zu zeigen. An eben jenem überholten Rollenbild liegt es auch, dass beispielsweise die Häufigkeit von Depressionen bei Männern massiv unterschätzt und selbst von Ärzten unterdiagnostiziert wird: ein Missverhältnis, das sich erst in den letzten Jahren, unter anderem nach der medialen Berichterstattung über die Selbsttötung des Nationaltorwarts Robert Enke zu ändern begann.

Einer der entscheidenden Pferdefüße der althergebrachten Männerrolle liegt darin, wie sehr sie dazu führte, dass nicht nur das Leiden, sondern auch das Leben von Männern gering geschätzt wird. Als etwa beim Bau des Panamakanals circa 25.000 Männer ihr Leben verloren und ziemlich genau null Frauen, kam kein Mensch auf die Idee, dies als Grundlage für eine Bewegung gegen die Diskriminierung von Männern zu verwenden. Wären die Geschlechterverhältnisse umgekehrt gewesen, hätten Feministinnen längst darauf aufmerksam gemacht.“

(Aus: Arne Hoffmann – Plädoyer für eine linke Männerpolitik, S. 75 f.)

Die Kritik an den Nachteilen der traditionellen Geschlechterrolle für Männer im linken und liberalen Maskulismus impliziert jedoch nicht, Männern und Frauen, die von sich aus gerne traditionell leben möchten vorzuschreiben, sie dürften dies nicht tun oder sie für diese Lebensweise abzuwerten. Über die eigene Lebensweise soll jedes Individuum selbst bestimmen. Eine konsequente Ablehnung von Geschlechterrollen als Leitbild bedeutet eben gerade: Keine normativen Rollenvorgaben.

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25 Kommentare zu „Gastartikel: Leszeks Kritik an den Thesen zum Maskulismus“

  1. „Die Durchführung von gewaltfreien Aktionen, die geeignet sind Sympathie und Interesse für männerrechtliche Anliegen in der Öffentlichkeit zu schaffen, wäre m.E. ein wichtiger nächster Schritt für die Männerrechtsbewegung.“

    Die Frage wäre natürlich, was solche gewaltfreien Aktionen sein könnten und wie man sie organseren könnte.
    Vielleicht könnte man hier oder einem anderen Blog mal anfangen, Ideen zu sammeln, was man sich da vorstellen könnte.

    Ich sammle malein paar Gedanken, unsortiert und ohne Wertung in der Reihenfolge::

    Der Vorteil gegenüber Demonstrationen, zu denen uns offenkundig nach wie vor die Masse fehlt, ist natürlich, dass man sehr viel wweniger Leute braucht, um einen Effekt zu erreichen.

    Grundsätzlich natürlich überall denkbar, wo sich genug Leute drauf einigen können, was zu machen.

    Effektvolle Symbolträchtige Orte sind natürlich immer
    Berlin
    wg Regierung und so

    aber auch
    Karlsruhe (liegt mir näher .. bei Berlin müsste ich passen)
    wg Bundesverfassungsgericht und Bundesgerichtshof, sitz der wichtigsten Gerichte eben

    Themen, zu denen sich effektvoll öffentlichkeitswirksam was machen lässt, ist einmal die Väterentsorgung/ Familienzerstörung, weil das emotional Menschen anrührt.
    Die Empathiebefreitheit gegenüber Männern wird durch die Empathie für Kinder aufgehoben, wenn mans richtig macht. Es muss etwas sein, dass die empathie für die Kinder betont.

    Noch größeren Schockeffekt hätte das Suizid-Thema.

    Empathielosigkeit lässt sich da nur aufrecht erhalten, indem man es ausblendet und nicht wahrnimmt.
    Persönlich sichtbar machen könnte für richtig Gesprächsstoff sorgen.

    Denkbar wäre etwas in der Art von Flashmobs.

    Ideen weiterspinnen?
    Wer mag?

    Oder sollen wir dafür einen eigenen Artikel machen?

    1. Hi maddes8cht,
      schön, dass dich das Thema interessiert.

      „Die Frage wäre natürlich, was solche gewaltfreien Aktionen sein könnten und wie man sie organseren könnte.“

      Ja, es wäre eine gute Sache, wenn es gelänge darüber Diskussionen in der Männerrechtsbewegung anzustoßen. Arne Hoffmann hatte in einem MANNdat-Interview bereits auf Erfahrungen mit gewaltfreien direkten Aktionen von Männerrechtlern in anderen Ländern verwiesen, ich zitiere mal kurz:

      MANNdat: Du befasst dich auch sehr intensiv mit der amerikanischen Männerrechtsbewegung. Ist man dort schon weiter und wenn ja, was können wir für uns daraus lernen?

      Arne Hoffmann: Ich würde hier nicht nur auf den amerikanischen, sondern den angelsächsischen Raum insgesamt schauen – Kanada und Australien sind uns ja auch weit voraus. Ein gutes Beispiel für gelingendes Engagement sind aber auch die britischen Fathers 4 Justice. Deren Mitglieder haben als Superhelden verkleidet bekannte Bauwerke bestiegen, sich an eine Ministerin gekettet, Tony Blair mit Mehlbomben beworfen und vor dem Haus eines Ministers einen Hungerstreik veranstaltet. Als Folge davon erreichten sie mit ihren Anliegen landesweite Bekanntheit und das sprang auf andere Männeranliegen über. Inzwischen kann in Großbritannien eine Mutter ins Gefängnis kommen, die einen Scheidungsvater sein Kind nicht sehen lässt, Frauenhäuser müssen auch Männer aufnehmen, Männerrechtler wie Glen Poole und Ally Fogg veröffentlichen regelmäßig in führenden Zeitungen und junge Männer gelten an Hochschulen als „benachteiligte Gruppe“. In Kanada und den USA kleben Männerrechtler provokative Plakate gegen Falschbeschuldigungen sexueller Gewalt, sie halten Vorträge in Universitäten und versuchen, dort bleibende Einrichtungen zu etablieren. Die gewalttätigen Übergriffe von Feministinnen auf männerpolitische Aktivisten führen regelmäßig zu einer breiten Berichterstattung über die Anliegen der Männerrechtler.
      So erfreulich die in den letzten Jahren entstandene maskulistische Bloggerszene ist, so bedauerlich ist es zugleich, wie sehr sich die meisten von uns noch darauf beschränken, innerhalb der eigenen Filterbubble zu lamentieren, zu analysieren, zu kommentieren und zu diskutieren. Zahllose Blogposts und endlos lange Kommentarspalten helfen uns aber nur begrenzt. Allmählich wären Beiträge dringend geboten, die Aktionen initiieren, um die Positionen und Argumente der Männerbewegung so vielen Leuten wie möglich bekannt machen.

      http://manndat.de/interview/gleichgesinnte-finden-anstatt-sich-fanatikern-abarbeiten.html

      Das Anketten an eine Ministerin und die Mehlbomben passen nicht so wirklich ins Arsenal gewaltfreier Kampfmittel, aber ansonsten ist das ja schonmal ein guter Ansatzpunkt für weitere Reflektionen.

      „Vielleicht könnte man hier oder einem anderen Blog mal anfangen, Ideen zu sammeln, was man sich da vorstellen könnte.“

      Ich verweise an dieser Stelle als erstes auf ein paar Bücher zum Thema „Gewaltfreie direkte Aktion“ für den Fall, dass jemand, dessen Interesse vielleicht geweckt wird, sich näher über das Thema informieren möchte:

      – Theodor Ebert – Gewaltfreier Aufstand. Alternative zum Bürgerkrieg, Waldkirchener Verlag, 4. Auflage, 1981

      – Theodor Ebert – Ziviler Ungehorsam. Von der APO zur Friedensbewegung, Waldkircher Verlag, 1984

      – Karl-Heinz Bittl Drempetic – Gewaltfrei Handeln, Mit mehr als 200 Übungen und Beispielen für die Traingsarbeit, City Verlag, 1993

      – Reiner Steinweg & Ulrike Laubenthal (Hrsg.) – Gewaltfreie Aktion: Erfahrungen und Analysen, Brandes & Apsel Verlag, 2011

      – Martin Arnold – Gütekraft: Ein Wirkungsmodell aktiver Gewaltfreiheit nach Hildegard Goss-Mayr, Mohandas K. Gandhi und Bart de Ligt, Nomos Verlag, 2011

      Für die Entwicklung einer konstruktiven Praxis männerrechtlicher gewaltfreier Aktion wäre es natürlich sehr wichtig, dass gewaltfreie Aktionen auf eine Art und Weise durchgeführt werden, die geeignet ist Sympathie und Interesse für die Männerrechtsbewegung und ihre Anliegen in der Öffentlichkeit zu wecken. Das spricht keineswegs prinzipiell dagegen auch unterhaltsam-provokative Mittel zu nutzen, aber es müssten dann Provokationen sein, die nicht abstoßend wirken. Darüber hinaus sollten männerrechtliche gewaltfreie direkte Aktionen sowohl in ihrer Art der Durchführung als auch in ihren vermittelten Inhalten dem humanistischen und menschenrechtlichen Geist entsprechen, der sowohl den Traditionen des gewaltfreien Widerstands als auch den besten männerrechtlichen Traditionen zugrundeliegt.

      „Ich sammle malein paar Gedanken, unsortiert und ohne Wertung in der Reihenfolge:: Der Vorteil gegenüber Demonstrationen, zu denen uns offenkundig nach wie vor die Masse fehlt, ist natürlich, dass man sehr viel wweniger Leute braucht, um einen Effekt zu erreichen.“

      Richtig, auch Demonstrationen sind zwar eines der vielen Kampfmittel der gewaltfreien Aktion, aber im Augenblick ist es noch unwahrscheinlich für uns genügend Leute zusammenzubekommen, damit eine Demonstration für männerrechtliche Anliegen nennenswerte Wirkungen entfalten könnte. Andere gewaltfreie Aktionsformen wären da zur Zeit potentiell hilfreicher.

      „Grundsätzlich natürlich überall denkbar, wo sich genug Leute drauf einigen können, was zu machen.“

      Ja, man bräuchte noch nicht mal zwangsläufig eine große Gruppe dafür.
      Je mehr verantwortungsvolle Aktivisten man hat, desto besser ist es zwar für ein konstruktives Anliegen, aber auch einige wenige könnten hier potentiell schon Einiges bewirken.

      „Effektvolle Symbolträchtige Orte sind natürlich immer Berlin wg Regierung und so aber auch Karlsruhe (liegt mir näher .. bei Berlin müsste ich passen) wg Bundesverfassungsgericht und Bundesgerichtshof, sitz der wichtigsten Gerichte eben“

      Ja, wobei man über Örtlichkeiten für gewaltfreie Aktionen wahrscheinlich erst sprechen könnte, wenn sich überhaupt schon Leute darauf verständigt hätten, damit zu beginnen.

      „Themen, zu denen sich effektvoll öffentlichkeitswirksam was machen lässt, ist einmal die Väterentsorgung/ Familienzerstörung, weil das emotional Menschen anrührt.“

      Ja, die Benachteiligung von Vätern wäre ein wichtiges Thema. Diesbezüglich gibt es in der Männerrechtsbewegung ja auch viele Betroffene.

      „Die Empathiebefreitheit gegenüber Männern wird durch die Empathie für Kinder aufgehoben, wenn mans richtig macht. Es muss etwas sein, dass die empathie für die Kinder betont.“

      Hier wäre auch an die Jungendiskriminierung als Thema zu denken.

      „Noch größeren Schockeffekt hätte das Suizid-Thema.“

      Und ebenfalls Männer als Opfer häuslicher oder sexueller Gewalt. Wobei es dabei natürlich besonders wichtig wäre darauf zu achten, gewaltfreie Aktionen zu diesen Themen auf eine Art und Weise durchzuführen, die auf Betroffene nicht instrumentalisierend oder unempathisch wirkt.

      „Empathielosigkeit lässt sich da nur aufrecht erhalten, indem man es ausblendet und nicht wahrnimmt.“

      Genau, und Unwissenheit und Empathielosigkeit bezüglich männlicher Diskriminierungen und sozialer Problemlagen bei der breiten Masse könnten durch männerrechtliche gewaltfreie Aktionen potentiell effektiv durchbrochen werden.

      „Persönlich sichtbar machen könnte für richtig Gesprächsstoff sorgen.“

      Gerade das persönlich Sichtbarmachen ist allerdings leider der zentrale Hemmschuh bezüglich Leuten, die Gründe dafür haben anonym zu bleiben.

      „Denkbar wäre etwas in der Art von Flashmobs.“

      Wenn es sehr gut geplant wäre.

      „Ideen weiterspinnen? Wer mag?“

      Ich fände weitere Ideen natürlich sehr interessant.

      „Oder sollen wir dafür einen eigenen Artikel machen?“

      Wir bräuchten eigentlich einen Einführungsartikel zum Thema „gewaltfreie Aktion“. Dass ein solcher Artikel fehlt, habe ich auch schon seit längerem im Hinterkopf, aber im Moment fehlt mir noch die Zeit.
      Ich denke, nicht wenige Teilnehmer der Männerrechtsbewegung können sich unter gewaltfreien Aktionen für männerrechtliche Anliegen noch zu wenig vorstellen.

      Ich beschließe diesen Kommentar mal mit einem Zitat des Friedensforschers Theodor Ebert, der viel zur Theorie und Praxis gewaltfreier Aktion geschrieben hat:

      “Die gewaltfreie Aktion unterscheidet sich von gewaltsamen Methoden der Konfliktaustragung dadurch, dass sie den Gegnern und unbeteiligten Dritten nicht zu schaden, sondern auch ihre emanzipatorische Interessen zu berücksichtigen sucht. Dies verbietet es im Laufe von gewaltfreien Aktionen auf Personen physischen Zwang auszuüben und sie zu verletzen; oder die Ausübung von Dienstleistungen und die Herstellung und Verteilung von Gütern zu verhindern, wenn daraus eine unmittelbar lebensbedrohliche Notlage entsteht. Sachbeschädigungen sind spätestens dann nicht mehr mit einer gewaltfreien Grundhaltung zu vereinbaren, wenn in ihrem Verlauf Personen verletzt werden können. Sie sollten in allen Fällen vermieden werden, in denen der emanzipatorische Charakter der Sachbeschädigung einer breiten Öffentlichkeit nicht unmittelbar einsichtig ist. (…) Bei Go-Ins sind aber zuweilen begrenzte Sachbeschädigungen – wie die gewaltsame Öffnung einer Tür oder das Eindrücken einer Glasscheibe – unvermeidlich.”

      (aus: Theodor Ebert – Gewaltfreier Aufstand. Alternative zum Bürgerkrieg, Verlag Rombach & Co, 1970, S. 34)

  2. Ah, hab schon gedacht da kommt nix mehr als Antwort.
    Ich hab davon gehört, hab aber keine Ahnung wie die Dynamik der Berichterstattung und der öffentlichen Wahrnehmung in England dabei ablief, und ob da nicht schon zuvor eine deutlich größere Sympathie in der Berichterstattung über Männeranliegen vorhanden war.
    Als Superhelden verkleidet bekannte Bauwerke zu besteigen, sich an Frau Schwesig zu ketten, Merkel oder die Lügenbaronin mit Mehlbomben bewerfen – das alles käme meiner Meinung in D ganz und gar nicht gut an und würde die Aktion nur der Lächerlichkeit preisgeben.

    Ich betone sehr, dass der Aspekt „gewaltfrei“ bei gewaltfreien Aktionen für Männerthemen in D absolut essentiell ist, und zwar mehr als bei irgend einem anderen Thema. Weil ja gerade das Bild von Männern als gewalttätige, unempathische, kontrollsüchtige Monster im Raum steht.
    An eine Ministerin anketten? Neben der „Gewalt“ dabei noch eine remineszenz an Stalking. Sieht man mal wieder, wie sie sind, die Männer.

    Ich hab mich in der Diskussion mit Lightyear sehr bemüht, sachlich und ruhig zu diskutieren, aber an einer Stelle ist mir dann doch der Kragen geplatz: Als LJ2k in einem Atemzug in einem Satz im Zusammenhang mit Selbstmorden, Obdachlosigkeit und Lebenserwartung vom „mimimi der Männerrechtler“ sprach, hab ich das kalte Kotzen gekriegt.

    Etwas zu tun, das mit gewisser Schockwirkung das grausame an Selbstmorden sichtbar macht, und dabei die Gleichgültigkeit gegenüber dem Umstand zu thematisieren, dass es weit überwiegend Männer sind, die davon betroffen sind, könnte ich mir vorstellen.

    Ort könnte vor einem Familiengericht sein, mit der impliziten Annahme, dass Entscheidungen dieser Gerichte hinter einer beträchtlichen Zahl von Selbstmorden stecken dürfte.

    Eine Vorstellung wäre z.B. eine Art Galgen zu errichten und eine lebensgroße Puppe daran zu exekutieren

    Am Galgen könnte sogar noch draufgeschrieben sein: „Mimimi“ und „Ich bade in Männertränen“
    Dazu natürlich informationsmaterial zu Faminiengerichtsentscheidungen und Selbstmorden bereithalten.

    Und, immer ganz wichtig, rechtzeitig vorher Presse informieren, dass da was sein wird.

    Im Infomaterial darf man ruhig darauf hinweisen, dass der Zusammenhang mit Familiengerichtsentscheidungen spekulativ ist, weil es ja nicht mal Forschung dazu gibt, warum die Selbstmordrat von Männern so viel höher ist, sind ja nur Männer. Man ist daher auf Spekulation angewiesen, sie liegt allerdings nahe.

  3. Der Mann, der sich am Ende selbst umbringt, kann für vieles stehen – auch für fehlende Hilfe in allen möglichen Belangen.

    Dass Männer ja eh sich keine Hilfe suchen und niecht nach dem Weg fragen ist mir in dem Zusammenhang auch schon gesagt worden.
    Die bei Genderama und anderen nachzulesende Erkenntnis, was einem Mann so alles an den Kopf geworfen wird, wenn er sich als Mann bei Beratungsstellen oder der Polizei meldet, brauch ich Dir nicht zu erzählen.

    Beratung gar nicht erst anzubieten oder, wie der Feminismus, solche auch noch zu bekämpfen und zu dämonisieren, ist eine unverantwortliche „Schlussfolgerung“.

    Vielleicht ließe sich also der „hangman“ als Schlüsselfigut Männerrechtlicher gewaltfreier Aktion etablieren. Denn als Endpunkt passt er immer, und wird auch für unterschiedliche Männer der Endpunkt verschiedener typischer Männerrechtlicher Problemlagen geworden sein.

    Er ist das Symbol, dass nichts für Männer getan wird, und dass Männer im Stich gelassen werden.

  4. Und was für ein Kontrast:
    Während sich Frauen frivol nackt auf Altäre stellen, um auf sogenannte „Frauenthemen“ aufmerksam zu machen, ist es bei Männeranliegen immer wieder der tote Mann, der sich aus Ausweglosigkeit das Leben genommen hat.

    Welche Symbolik!

  5. Ein schnell zu errichtender Galgen samt Puppe könnte im Übrigen auch durchs Land geschickt werden zwischen verschiedenen Gruppen, die sie für verschiedene Aktionen benutzen.
    Der Galgen kann Straßenstopper, Event und Informationsstand in einem sein.

    1. @ maddes8cht

      „Ah, hab schon gedacht da kommt nix mehr als Antwort.“

      Nee, ich war nur die letzten 2 Tage kaum zu Hause.

      „Als Superhelden verkleidet bekannte Bauwerke zu besteigen, sich an Frau Schwesig zu ketten, Merkel oder die Lügenbaronin mit Mehlbomben bewerfen – das alles käme meiner Meinung in D ganz und gar nicht gut an und würde die Aktion nur der Lächerlichkeit preisgeben.“

      Kostümierungen können bei bestimmten Aktionen auch zweckmäßig sein und zu einer größeren Aufmerksamkeit der Medien führen, aber das muss man natürlich im Einzelfall entscheiden. Mehlbomben und Anketten an einen Politiker fände ich für Deutschland auch strategisch ungünstig und widerspricht zudem dem traditionellen Konzept gewaltfreier Aktion, wie es z.B. in dem Zitat von Theodor Ebert definiert wird. Aber Anketten an ein Ministerium könnte m.E. durchaus sinnvoll sein.

      „Ich betone sehr, dass der Aspekt “gewaltfrei” bei gewaltfreien Aktionen für Männerthemen in D absolut essentiell ist, und zwar mehr als bei irgend einem anderen Thema. Weil ja gerade das Bild von Männern als gewalttätige, unempathische, kontrollsüchtige Monster im Raum steht.“

      Ja, was übrigens auch beinhaltet, dass bei gewaltfreien Aktionen auf eventuelle Provokationen seitens Polizisten, Passanten oder politischer Gegner auf keinen Fall mit Beleidigungen, Drohungen oder Pöbeleien reagiert werden darf.
      In gewaltfreien Aktionsgruppen wird auf Trainings für gewaltfreie direkte Aktionen oft sogar geübt nicht zurückzuschlagen, wenn man z.B. von einem Polizisten geschlagen wird und stattdessen auf eine situationsspezifisch angemessene Weise gewaltfrei zu reagieren.
      Individuen, die sich an gewaltfreien Aktionen beteiligen, sollten also über ein gewisses Maß an Impulskontrolle verfügen.

      „An eine Ministerin anketten? Neben der “Gewalt” dabei noch eine remineszenz an Stalking. Sieht man mal wieder, wie sie sind, die Männer.“

      Ja, negative Berichterstattung sollte stets versucht werden zu vermeiden. Zwar kann es natürlich trotzdem passieren, dass irgendwelche Medien aufgrund feministischer (oder traditionalistischer) Einflüsse negativ über eine männerrechtliche gewaltfreie Aktion berichten, aber dergleichen sollte nicht durch von vornherein falsch angelegte Aktionen begünstigt werden.

      „Ich hab mich in der Diskussion mit Lightyear sehr bemüht, sachlich und ruhig zu diskutieren, aber an einer Stelle ist mir dann doch der Kragen geplatz: Als LJ2k in einem Atemzug in einem Satz im Zusammenhang mit Selbstmorden, Obdachlosigkeit und Lebenserwartung vom “mimimi der Männerrechtler” sprach, hab ich das kalte Kotzen gekriegt.“

      Er ist wohl aufgrund zu starker politisch korrekter Sozialisation Empathie und Gerechtigkeitsgefühl gegenüber Jungen und Männern nicht gewohnt und müsste einen längeren Lernprozess durchmachen, damit sich dies ändert. Zudem würde ein Teil seines Weltbildes und seiner Identität dadurch zusammenbrechen und es müsste diesbezüglich ein neues Gleichgewicht gefunden werden.

      „Etwas zu tun, das mit gewisser Schockwirkung das grausame an Selbstmorden sichtbar macht, und dabei die Gleichgültigkeit gegenüber dem Umstand zu thematisieren, dass es weit überwiegend Männer sind, die davon betroffen sind, könnte ich mir vorstellen.
      Ort könnte vor einem Familiengericht sein, mit der impliziten Annahme, dass Entscheidungen dieser Gerichte hinter einer beträchtlichen Zahl von Selbstmorden stecken dürfte.“

      Damit würden die Themen „männliche Selbsttötungen“ und „Ungerechtigkeiten gegenüber Männern im Familienrecht“ dann quasi kombiniert.

      „Eine Vorstellung wäre z.B. eine Art Galgen zu errichten und eine lebensgroße Puppe daran zu exekutieren
      Am Galgen könnte sogar noch draufgeschrieben sein: “Mimimi” und “Ich bade in Männertränen”
      Dazu natürlich informationsmaterial zu Faminiengerichtsentscheidungen und Selbstmorden bereithalten.“

      Ja, das ist schonmal ein kreativer Vorschlag.

      „Und, immer ganz wichtig, rechtzeitig vorher Presse informieren, dass da was sein wird.“

      Die Presse zu informieren ist für männerrechtliche gewaltfreie Aktionen absolut essentiell.

      Außerdem wäre es sinnvoll, dass zumindest immer ein Teilnehmer an einer jeweiligen gewaltfreien Aktion über die spezifischen Themen, um die es geht, sehr gut informiert ist und auf eventuelle Fragen von Passanten oder Presse dazu fundiert antworten kann.

      „Im Infomaterial darf man ruhig darauf hinweisen, dass der Zusammenhang mit Familiengerichtsentscheidungen spekulativ ist, weil es ja nicht mal Forschung dazu gibt, warum die Selbstmordrat von Männern so viel höher ist, sind ja nur Männer. Man ist daher auf Spekulation angewiesen, sie liegt allerdings nahe.“

      Informationsmaterial sollte möglichst zutreffende Informationen beinhalten (und bei längeren Ausführungen Belegquellen enthalten).

      Wobei speziell beim Verteilen von Flugblättern allerdings zu berücksichtigen ist, dass Flugblätter mit zu langem Text erfahrungsgemäß leider nur von wenigen Passanten auch gelesen werden. Überschriften sollten so konzipiert sein, dass sie Interesse wecken und mitreißend wirken, da sind etwas vereinfachte Slogans manchmal unvermeidbar.

      „Vielleicht ließe sich also der “hangman” als Schlüsselfigut Männerrechtlicher gewaltfreier Aktion etablieren. Denn als Endpunkt passt er immer, und wird auch für unterschiedliche Männer der Endpunkt verschiedener typischer Männerrechtlicher Problemlagen geworden sein.“

      Passt sicherlich potentiell zu vielen Themen, die bezüglich männerrechtlicher gewaltfreier Aktionen relevant sind. Trotzdem muss man es wohl im Einzelfall entscheiden, ob und inwieweit der hangman bei einer bestimmten gewaltfreien Aktion wahrscheinlich zweckmäßig ist oder nicht.

      „Und was für ein Kontrast:
      Während sich Frauen frivol nackt auf Altäre stellen, um auf sogenannte “Frauenthemen” aufmerksam zu machen, ist es bei Männeranliegen immer wieder der tote Mann, der sich aus Ausweglosigkeit das Leben genommen hat.“

      Ja, da bestünde ein deutlicher und positiv zu beurteilender Kontrast zu radikalfeministischen Gruppen wie Femen und das muss auch so sein.

  6. Mir fällt als Aktionsform – gut gemachtes (!) – Straßentheater ein. Dies entweder offensichtlich oder – quasi „undercover“ – als „verborgenes“ Theater. Setzt schauspielerische Fähigkeiten und gute Vorbereitung, dh. insbes. Proben, voraus.

    1. Ich bin begeisterter Laienschauspieler und großer Fan von Straßentheater, obwohl ich noch nie selbst Straßentheater gemacht habe.
      Ich wäre für sowas jederzeit zu haben, und denke schon, da auch solide schauspielerische Fähigkeiten zu haben.
      Zu dem Thema fällt mir aber sehr sehr schwer, mir was passendes vorzustellen, das tatsächlich funktionieren könnte.
      Wenn Du eine Idee hast, nur her damit.

      Abgesehen davon, dass mit simplem Straßentheater kaum zu erreichen ist, in der Presse erwähnt zu werden und somit ein Stück größere Aufmerksamkeit zu erreichen.

      Eine Schauspieleinlage im Zusammenhang mit irgend einer anderen Aktionsform – sicher, gerne, das könnte passen.

    2. @ Klaus T

      Danke für deinen Beitrag.
      Straßentheater mit männerrechtlichen Themen wäre natürlich insbesondere für bestimmte sehr belebte Plätze in Städten gut geeignet.
      Man könnte sowas potentiell auch filmen und auf Youtube stellen.
      Neben einem gewissen Maß an schauspielerischen Fähigkeiten wäre hier auch noch etwas künstlerische Kreativität gefragt um zu guten Ideen für entsprechende Szenen zu kommen.
      Man könnte Strassentheater in der Tat auch mit anderen gewaltfreien Aktionsformen verknüpfen wie maddes8cht erwähnt. Ich habe in der Vergangenheit mal an einer Aktion gegen prekäre Beschäftigungsverhältnisse teilgenommen, bei der Stassentheater und andere gewaltfreie Aktionsformen sinnvoll verbunden waren.

      1. Improvisationstheater spiele ich seit 15 Jahren, ist m.E. kein gut geeignetes Mittel, weil es eben ohne Skript auskommt und spontan ist. Natürlich kann man aber Methoden des Improvisierens nutzen, um sich Szenen zu erarbeiten, diese aufzuschreiben und dann wie beim herkömmlichen Regietheater den Text auswendig zu lernen und zu spielen.
        Vielleicht wäre es sogar möglich, EU- oder sonstige Fördertöpfe – Kulturförderung oder gar Genderförderung – anzuzapfen. Dann könnte man sogar professionelle Schauspieler und Regisseure engagieren! Eine andere Möglichkeit der Professionalisierung wäre das moderne Crowdfounding. Das alte Problem der Männerrechtler aber auch hier : Es müsste sich halt jemand kümmern, initiieren und begleiten!

  7. „[…] wäre hier auch noch etwas künstlerische Kreativität gefragt um zu guten Ideen für entsprechende Szenen zu kommen“

    Am trockenen Schreibtisch fällt mir das zu dieser konkreten Form schwer.
    Da ich mit Improvisationstheater-Übungen vertraut bin, sähe ich es als erfolgversprechender, sich in einer Gruppe aktiv „spielend“ eine Idee zu entwickeln.
    Dabei allerdings vorausgesetzt, dass die Gruppe insgesamt eine hohe „Spielbereitschaft“ aufbringt, sonst klappt das leider nicht.

  8. Ich bin ja eher der Theoretiker… Und will als socher mal etwas klarstellen. Die Idee von den Frauen als einer „unterdrückten Klasse“ geht auf eine feministische Auslegung des Marxismus zurück. Der Gedanke der Klasse als solcher ist marxistisch. Natürlich gibt es in der Männerrechtsbewegung kein Konzept von den Männern als unterdrückter Klasse, denn dafür müsste sie die Prämissen des Marxismus teilen. Von einem marxistischen Maskulismus habe ich noch nie gehört, habe auch nichts gesehen, was auch nur tendentiell in die Richtung geht und – offen gesagt – hielte ich das auch für großen Unfug.
    Als Liberaler verstehe ich nicht ganz, wieso es heißt, Männer seien für uns keine „privilegierte“ Klasse. Sie sind schlicht überhaupt keine Klasse. Genauso wenig wie Frauen eine Klasse sind. Es reicht nicht, die Behauptung der Privilegiertheit abzulehnen, ohne zugleich das Konzept der Klasse als solcher abzulehnen. Behält man das bei, dann wird man immer wieder mit der Privilegiertheit konfrontiert werden, denn wo es Klassen gibt, da gibt es Klassenkämpfe.
    Und offen gesagt ist mir nicht ganz klar, aus welchem Grund man sich scheuen sollte, heutzutage den Marxismus abzulehnen… Ist es nicht offensichtlich, dass der obdachlose Kriegsinvalide nicht der selben Klasse angehört wie der Präsident, der ihn in den Krieg geschickt hat? Ist es nicht offensichtlich, dass die alleinerziehende Mutter mit HartzIV einer anderen Klasse angehört als das Hollywood-Sternchen? Ernsthaft mal, wer sowas behauptet, der hat sie nicht mehr alle.

    1. @ Der nachdenkliche Mann

      „Ich bin ja eher der Theoretiker… Und will als socher mal etwas klarstellen. Die Idee von den Frauen als einer “unterdrückten Klasse” geht auf eine feministische Auslegung des Marxismus zurück.“

      Das ist falsch. Frauen zu einer unterdrückten Klasse zu erklären ist keine Auslegung des Marxismus, sondern eine Abwendung vom Marxismus.

      „Der Gedanke der Klasse als solcher ist marxistisch.“

      Das Konzept der Klasse im Marxismus ist ökonomisch und hat eine klare Definition, die mit der radikalfeministischen Auffassung unvereinbar ist.
      Und natürlich gibt es auch ökonomische Klassentheorien und Klassenanalysen außerhalb des Marxismus.

      „Natürlich gibt es in der Männerrechtsbewegung kein Konzept von den Männern als unterdrückter Klasse, denn dafür müsste sie die Prämissen des Marxismus teilen.“

      Ein Konzept von Männern als unterdrückter Klasse ist genausowenig marxistisch wie ein Konzept von Frauen als unterdrückter Klasse, da der marxistische Klassenbegriff ein ökonomischer ist. Sowohl eine radikalfeministische als auch eine radikalmaskulistische Auffassung begünstigt in marxistischer Perspektive eine Spaltung der Klassensolidarität der Frauen und Männer der Arbeiterklasse und ist daher abzulehnen.

      „Von einem marxistischen Maskulismus habe ich noch nie gehört, habe auch nichts gesehen, was auch nur tendentiell in die Richtung geht und – offen gesagt – hielte ich das auch für großen Unfug.“

      Einen marxistischen Maskulismus gibt es und das ist auch gut so. Bei Crumar und ichichich handelt es sich z.B. um marxistische Männerrechtler (was selbstverständlich nicht bedeutet, dass sie die Auffassung verträten, Männer seien eine unterdrückte Klasse, denn das hat mit Marxismus nichts zu tun).

      Ich selbst bin kein Marxist, sondern libertärer Sozialist, d.h. traditioneller Anarchist, allerdings bin ich ebenfalls im ökonomischen Sinne klassenkämpferisch orientiert.
      Der linke Maskulismus im deutschsprachigen Raum hat mindestens 4 Untervarianten, es gibt eine linksliberale, eine sozialdemokratische, eine marxistische und eine anarchistische Variante des linken Maskulismus.

      „Und offen gesagt ist mir nicht ganz klar, aus welchem Grund man sich scheuen sollte, heutzutage den Marxismus abzulehnen…“

      Das sollte man deshalb nicht tun, weil der Marxismus viele wichtige Erkenntnisse beinhaltet, allerdings sympathisiere ich ausdrücklich nur mit den antiautoritär-freiheitlichen Strömungen des Marxismus.

      1. Nun, es sind marxistisch geschulte Feministinnen, die von Frauen als Klasse ausgehen. Ob man es nun eine feministische Auslegung nennt oder dass Feministinnen marxistische Konzepte für sich gekapert hätten, ist mir letztlich gleichgültig. Aber ich denke doch, wir sind uns einig, dass die Idee auf den Marxismus zurückgeht und niemand mit diesem Unsinn von den Frauen (und den Männern) als Klasse angefangen hätte, wenn es keinen marxistischen Klassenbegriff gegeben hätte. Natürlich ist das nicht im eigentlichen Sinne marxistisch, aber die Idee geht auf den Marxismus zurück – dessen theoretische Entwicklung endete ja schließlich auch nicht mit dem Tode Marx‘. Ich würde sogar sagen, dass durch die feministische Auslegung (oder wie immer du es auch nennen möchtest) der Marxismus heute neu befruchtet wird. Leute wie Anita Sarkeesian sind offenkundig dadurch marxistisch beeinflusst, dass sie sich auf marxistische Feministinnen berufen (wie Bell Hooks).

        Natürlich kann jemand gleichzeitig Marxist und Männerrechtler sein, so wie jemand gleichzeitig im Schwimmverein und der CDU sein kann. Aber das erlaubt noch nicht, von einem marxistischen Maskulismus zu sprechen, wenn keine Adaption marxistischer Denkmodelle in eine maskulistische Großtheorie stattfindet.

      2. @ Der nachdenkliche Mann

        „Nun, es sind marxistisch geschulte Feministinnen, die von Frauen als Klasse ausgehen.“

        Also „marxistisch geschulte“ Feministinnen sogar. 🙂
        Feministinnen mit ernsthaften Kenntnissen marxistischer Theorie, die z.B. „Das Kapital“ gelesen haben oder sonst in irgendeiner Weise als „marxistisch geschult“ gelten können, kannst du in den zeitgenössischen Hauptströmungen des Feminismus (vulgär-poststrukturalistischer Gender-Feminismus und klassischer Radikalfeminismus) mit der Lupe suchen.

        Im (vulgär-)poststrukturalistischen Gender-Feminismus, der derzeit einflussreichsten feministischen Strömung, spielt marxistisches Denken in der Regel keine nennenswerte Rolle, dafür spielt es im Gender-Feminismus aber eine große Rolle zu versuchen mehr Frauen in Vorstände und Aufsichtsräte zu bringen, (was der marxistischen Theorie zufolge vollkommen nutzlos ist).

        Im klassischen Radikalfeminismus, der zweiten heutzutage einflussreichen feministischen Strömung gab es in den 70er Jahren auch oberflächliche Anknüpfungsversuche an Elemente marxistischen Denkens, einfach weil marxistische Theorien damals mehr dem Zeitgeist entsprachen sowie um einen Fuß in die Linke zu bekommen. Nichtsdestotrotz wurde der sozialistische Feminismus der ersten Welle der Frauenbewegung von Radikalfeministinnen abgelehnt, denn dieser war ihnen zu männerfreundlich. Heute ist von marxistischen Aspekten im Radikalfeminismus allerdings in der Regel nichts mehr übrig. Alice Schwarzer und die Emma stehen z.B. in der Tradition des klassischen Radikalfeminismus und dass dort heutzutage nichts Marxistisches zu finden ist, dürfte offensichtlich sein.

        Die einzigen Feministinnen mit tatsächlichen Kenntnissen marxistischer Theorie finden sich in der Unterströmung des marxistischen Feminismus. Marxistische Feministinnen gibt es heutzutage aber nur noch wenige und die, die es gibt, haben oft eine kritische Haltung zum Gender-Feminismus aufgrund dessen offensichtlicher Neoliberalismuskompatibilität. Es gibt eine eigenständige marxistisch-feministische Kritik am Gender-Feminismus.
        Der zeitgenössische marxistische Feminismus ist – im Gegensatz zur marxistischen Frauenbewegung der ersten Welle der Frauenbewegung – zwar leider meistens nicht mit männerrechtlichen Anliegen vereinbar, da auch heutige marxistische Feministinnen viel Unsinn aus dem Mainstream-Feminismus übernommen haben, trotzdem ist die marxistisch-feministische Kritik an der Neoliberalismuskompatibilität des Gender-Feminismus in vielen Punkten zutreffend (und sollte daher m.E. von linken Männerrechtlern rezipiert werden).

        Ein paar Texte zu einer Kritik am Gender-Feminismus aus der Perspektive marxistischer Feministinnen finden sich hier (die Texte sind in ihrem feministischen Gehalt wie gesagt leider nicht mit der Männerrechtsbewegung vereinbar, aber in einigen Kritikpunkten am Gender-Feminismus trotzdem treffend):

        Nancy Fraser – Neoliberalismus und Feminismus: Eine gefährliche Liaison

        http://emanzipatorischelinke.files.wordpress.com/2013/12/fras1312.pdf

        Nancy Fraser – Feminismus, Kapitalismus und die List der Geschichte

        http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2009/august/feminismus-kapitalismus-und-die-list-der-geschichte

        Tove Soiland – ‚Gender’: Kontingente theoretische Grundlagen und ihre politischen Implikationen

        http://www.fu-berlin.de/sites/gpo/pol_theorie/Zeitgenoessische_ansaetze/Kontingente_theoretische_Grundlagen/soiland.pdf?1361541238

        Tove Soiland – Subversion, wo steckst Du? Eine Spurensuche an den Universitäten

        http://subjektstruktur.blogsport.de/images/Soiland.pdf

        Tove Soiland – Wie die Frauenbewegung zum gender-Management kam, oder: Warum gender im patriarchalen Kochtopf verdampft

        http://www.agpolpsy.de/wp-content/uploads/2010/01/soiland-11.pdf

        Gehen wir noch weiter zurück, zur ersten Welle der Frauenbewegung, stellt es sich sogar tendenziell umgekehrt dar wie du behauptest. Die sozialistische – einschließlich der marxistischen – Frauenbewegung der ersten Welle der Frauenbewegung beruhte auf der Idee der Klassensolidarität zwischen den Frauen und Männern der Arbeiterklasse. Marxistische Frauenrechtlerinnen der ersten Welle der Frauenbewegung setzten sich auch für männliche Anliegen ein, z.B. für ein allgemeines Wahlrecht auch der Männer der Arbeiterklasse, für bessere Arbeitsbedingungen und besseren Gesundheitsschutz auch für Männer, gegen Militarismus und Krieg.
        Männerfeindliche Unterströmungen der ersten Welle der Frauenbewegung gab es, wenn es sie gab, im Spektrum der bürgerlichen Frauenbewegung. Dieser Unterschied zwischen bürgerlicher und sozialistischer Frauenbewegung der ersten Welle der Frauenbewegung wird in mehreren Büchern zur Geschichte der Frauenbewegung auch thematisiert:

        “Während die meisten “bürgerlichen Damen” um gleiche Teilhabe an den männlichen Privilegien kämpften, stritten Sozialistinnen für eine bessere Welt für alle (…)”

        (aus: Gisela Notz – Feminismus, PapyRossa Verlag, 2011, S. 47)

        “Die sozialistische Frauenbewegung Deutschlands”, so Ottilie Baader (…) sei “von der Überzeugung durchdrungen, dass die Frauenfrage ein Teil der sozialen Frage sei und nur zusammen mit ihr gelöst werden kann.” Ihr ging es um den “Kampf aller Ausgebeuteten ohne Unterschied des Geschlechts gegen alle Ausbeutenden ebenfalls ohne Unterschied des Geschlechts”. Deshalb war es ihr Anliegen “mit dem Mann ihrer Klasse gegen die kapitalistische Klasse Seite an Seite mit den Männern zu kämpfen”.

        (aus: Gisela Notz – Feminismus, PapyRossa Verlag, 2011, S. 52)

        “Die Frauenfrage war für Clara Zetkin immer Teil der Klassenfrage. Die proletarische Frauenbewegung war in erster Linie sozialistisch. Aus diesem Grund lehnte sie eine Zusammenarbeit mit der bürgerlichen Frauenbewegung ab. Hauptgegensatz war ihrer Ansicht nach die Tatsache, dass die bürgerlichen Frauen gegen die Männer der eigenen Klasse kämpften, während die Proletarierinnen Seite an Seite mit den Männern ihrer Klasse gegen den Kapitalismus für die Revolution eintraten.”

        (aus: Michaela Karl – Die Geschichte der Frauenbewegung, Reclam Verlag, 2011, S. 97)

        Bereits bezüglich der Einstellung zum Wahlrecht gab es signifikante Unterschiede zwischen bürgerlicher und sozialistischer Frauenbewegung. In Deutschland waren ja vor 1919 auch nicht alle Männer in dieser Hinsicht gleichberechtigt. Es existierte in manchen Bundesstaaten noch das sogenannte Zensuswahlrecht, bei dem das Wählen vom Vermögen abhing:

        http://de.wikipedia.org/wiki/Zensuswahlrecht

        Große Teile der bürgerlichen Frauenbewegung forderten in dieser Hinsicht oft nur die gleichen Rechte für Frauen, was also im Falle des Vorhandenseins des Zensuswahlrechts ebenfalls ein beschränktes Wahlrecht analog dem der Männer bedeutete, welches die Frauen und Männer der unteren Klassen benachteiligte.

        Die sozialistische Frauenbewegung forderte dagegen ein allgemeines, gleiches, geheimes und direktes Wahlrecht für alle Männer und Frauen. Die Forderung nach dem Wahlrecht für Frauen ging bei ihnen also mit einer Forderung nach Abschaffung des Zensuswahlrechts einher, so dass alle Männer und Frauen der unteren Klassen die gleichen Rechte erhalten wie die der oberen Klassen.

        http://de.wikipedia.org/wiki/Frauenwahlrecht#Internationale_Vernetzung

        Eine andere Position zum Wahlrecht nahmen manche anarchistische Frauenrechtlerinnen ein. Emma Goldman und Voltairine de Cleyre, die beiden bekanntesten US-amerikanischen anarchistischen Frauenrechtlerinnen lehnten das Frauenwahlrecht ab, da sie der Überzeugung waren, dass Wählen ohnehin zu keinen Verbesserungen führen könne und durch den Kampf für das Frauenwahlrecht nur Energie vergeudet würde, die man besser in konstruktiveres Engagement investieren solle.

        Jene Argumentation, die das Wahlrecht von der Wehrpflicht abhängig machen will und den frühen Feministinnen gerne den Vorwurf macht, sie hätten sich nur für gleiche Rechte, aber nicht für gleiche Pflichten stark gemacht, trifft bei Emma Goldman und Voltairine de Cleyre interessanterweise auf eine völlig andere Position: Diese lehnten das Frauenwahlrecht ab, forderten aber die Abschaffung der Wehrpflicht.

        „Ob man es nun eine feministische Auslegung nennt oder dass Feministinnen marxistische Konzepte für sich gekapert hätten, ist mir letztlich gleichgültig.“

        Radikale Feministinnen haben kein marxistisches Konzept der Klasse GEKAPERT, sie haben es höchstens entkontextualisiert, entstellt und zu einer Karikatur gemacht, indem sie es – theoretisch inkongruent – auf einen anderen Bereich als den ökonomischen übertragen haben. Und gerade darum ist es nicht marxistisch.
        Es stimmt zwar, dass der klassische Radikalfeminismus in den 70er Jahren explizit ein bis heute wirkmächtiges feministisches Paradigma schuf, in dem Frauen und Männer als verfeindete Klassen konzeptualisiert wurden, wobei Männern die Rolle als „allgemein privilegiert“, „Täter“ und „Unterdrücker“ zugewiesen wurde und Frauen die Rolle als „allgemein diskriminiert“, „Opfer“ und „unterdrückt“. Dies wird von mir als Paradigma des Radikalfeminismus bezeichnet:

        https://allesevolution.wordpress.com/2014/03/30/das-paradigma-des-radikalfeminismus/

        Das macht die radikalfeministische Theorie aber gerade nicht zu einer marxistischen, sondern zu einer antimarxistischen Theorie, denn das marxistische Klassenverständnis wird dadurch auf der theoretischen und praktischen Ebene zerstört.

        Falls einer jener zeitgenössischen Konservativen, die sich unterdrückt fühlen und gerne mit dem rechten Kampfbegriff „Gutmensch“ um sich werfen, auf einmal erklären würde, er sähe Konservative als „unterdrückte Klasse“, die von der Klasse der „Gutmenschen“ unterdrückt würden, so würde dieser Unsinn ja auch nicht marxistisch, nur weil hier verfeindete Klassen im Kontext eines Unterdrückungsverhältnisses konzeptualisiert werden, weil der INHALT nunmal kein marxistischer ist.

        Ein wesentlicher Unterschied zwischen Marxismus einerseits und Radikal- und Genderfeminismus andererseits, hinsichtlich dessen fundamentale Unvereinbarkeit gegeben ist, ist eben die spezifische Sichtweise, nach der privilegierte und benachteiligte Gruppen bestimmt werden. Im klassischen Marxismus gibt es hierfür ein entscheidendes Kriterium: Das Verhältnis zu den Produktionsmitteln. Wer diese besitzt und kontrolliert, gehört zur herrschenden Kapitalistenklasse, wer dagegen keine Produktionsmittel besitzt und gezwungen ist seine Arbeitskraft zu verkaufen, gehört nicht dazu. (Auf genauere Ausarbeitungen und Differenzierungen von Marx Verständnis von Klassen gehe ich an dieser Stelle nicht weiter ein.) Die Kategorie „Geschlecht“ ist für die Zuordnung zur Gruppe der Privilegierten oder der Benachteiligten irrelevant.
        Es ist im Rahmen dieses Modells also völlig unmöglich Männer AN SICH der herrschenden Klasse zuzuordnen. Männer, die keine Produktionsmittel besitzen und gezwungen sind ihre Arbeitskraft zu verkaufen sind Teil der Arbeiterklasse, Frauen, die am Besitz von Produktionsmitteln teilhaben sind Teil der Kapitalistenklasse.

        Es ist sicherlich möglich, durchschnittliche Unterschiede hinsichtlich der spezifischen Problemlagen von Männern und Frauen der Arbeiterklasse herauszuarbeiten, aber es ist NICHT möglich, eine Zuordnung zur Kapitalistenklasse oder zur Arbeiterklasse ausgehend von der Kategorie „Geschlecht“ vorzunehmen.

        Das radikal- und genderfeministische Verständnis von struktureller Ungleichheit, nach dem Männer an sich privilegiert, Frauen an sich benachteiligt sind, steht dem marxistischen Verständnis somit diametral entgegen.

        „Aber ich denke doch, wir sind uns einig, dass die Idee auf den Marxismus zurückgeht und niemand mit diesem Unsinn von den Frauen (und den Männern) als Klasse angefangen hätte, wenn es keinen marxistischen Klassenbegriff gegeben hätte.“

        Dass Radikalfeministinnen sich bei ihrer Theoriebildung von Frauen als unterdrückter Klasse – assoziativ und nicht etwa theoretisch kongruent – das marxistische Klassenverständnis quasi zum Vorbild nahmen, mag sein, denn in den 70er Jahren entsprachen marxistische Theorien dem akademischen Zeitgeist. Es wäre jedoch m.E. ein gravierender Irrtum anzunehmen, dass ohne die marxistische Klassentheorie keine Radikalisierung des Feminismus in einem äquivalenten Sinne möglich gewesen wäre. Die sozialpsychologischen und psychodynamischen Motivationen radikaler Feministinnen sind ja nicht von der Existenz einer marxistischen Klassentheorie abhängig. Radikale Feministinnen hätten bei Nicht-Vorhandensein einer marxistischen Klassentheorie auch ohne weiteres an männerfeindliche Unterströmungen der bürgerlichen Frauenbewegung der ersten Welle der Frauenbewegung anknüpfen können und diese noch einmal zusätzlich theoretisch radikalisieren können.

        „Natürlich ist das nicht im eigentlichen Sinne marxistisch, aber die Idee geht auf den Marxismus zurück“

        Auf Marx geht u.a. die empirisch korrekte Beobachtung zurück, dass es ökonomische Klassen und Klassenkämpfe gibt, aber nicht die Idee, dass Frauen und Männer verfeindete Klassen seien.
        Männerfeindliche Tendenzen in der Frauenbewegung gehen hingegen ideengeschichtlich auf bestimmte Unterströmungen der bürgerlichen Frauenbewegung der ersten Welle der Frauenbewegung zurück und gerade nicht auf die marxistische Frauenbewegung der ersten Welle der Frauenbewegung.
        Die bekannte marxistische Frauenrechtlerin Clara Zetkin polemisierte sogar in folgender (allerdings viel zu undifferenzierter) Weise gegen die damalige bürgerliche Frauenbewegung:

        “Die gegenrevolutionäre Macht der organisierten Frauenrechtlerei (gemeint ist die bürgerliche Frauenbewegung im Gegensatz zur kommunistischen Frauenbewegung, die Clara Zetkin befürwortete) beruht nicht auf der Sammlung der Bourgeoisdamen, sondern auf dem täuschenden, lähmenden Einfluß auf große werktätige Frauenmassen, deren Wollen und Handeln auf den Kampf von Geschlecht zu Geschlecht für die Reform der bürgerlichen Ordnung konzentriert wird, statt auf den Kampf von Klasse zu Klasse für die Revolution. Die bürgerliche Frauenbewegung erniedrigt diese Massen zu Kräften der Gegenrevolution. (…) Sie schleift eine Gefolgschaft von vielen Millionen hinter sich her. Sie umfaßt Bildungsorganisationen, die zu kapitalfrommer Demut erziehen, Genossenschaften, Gewerkschaften, Berufsvereinigungen, die kleine Vorteile verschaffen; Wohltätigkeitsvereine, die als Ketten und Knebel antibürgerlicher Gesinnung und Betätigung wirken. Sie verfügt über raffiniert ausgeklügelte Propaganda- und Agitationsapparate, über viele Zehntausende aktiver Kräfte. Sie wird aus öffentlichen und privaten Kassen mit reichen materiellen Mitteln bedacht. (…) Kurz, die bürgerliche Frauenbewegung ist eine ernste, gefährliche Macht der Gegenrevolution. Mit ihr kann, darf es kein Kompromiß, keine Bundesgenossenschaft geben, sie muß geschlagen werden, damit die proletarische Weltrevolution siege.”

        (aus: Clara Zetkin – Zur Geschichte der proletarischen Frauenbewegung Deutschlands, S. 196 f.)

        „– dessen theoretische Entwicklung endete ja schließlich auch nicht mit dem Tode Marx’.“

        Ja, glücklicherweise gibt es einige konstruktive Weiterentwicklungen marxistischer Theorie in den freiheitlich-marxistischen Strömungen (wie Rätekommunismus, Kritische Theorie, Operaismus, Postoperaismus, Wertkritik etc.)

        „Ich würde sogar sagen, dass durch die feministische Auslegung (oder wie immer du es auch nennen möchtest) der Marxismus heute neu befruchtet wird.“

        Eindeutig nicht, denn marxistisches Denken spielt im zeitgenössischen Feminismus keine große Rolle.

        Eine Renaissance marxistischen Denkens vollzog sich dagegen als Reaktion auf die zeitgenössische Etablierung des Neoliberalismus und durch die Globalisierung, weil dadurch kapitalismuskritische Theorien und Analysen wieder eine verstärkte Relevanz bekamen.

        „Leute wie Anita Sarkeesian sind offenkundig dadurch marxistisch beeinflusst, dass sie sich auf marxistische Feministinnen berufen (wie Bell Hooks).“

        Das wäre nur dann der Fall, wenn Anita Sarkeesian in signifikanter Weise ganz spezifisch an bestimmte marxistische Ideen anknüpfen würde, die Bell Hooks vertritt. Bell Hooks schreibt auch über viele andere Themen.

        „Natürlich kann jemand gleichzeitig Marxist und Männerrechtler sein, so wie jemand gleichzeitig im Schwimmverein und der CDU sein kann. Aber das erlaubt noch nicht, von einem marxistischen Maskulismus zu sprechen, wenn keine Adaption marxistischer Denkmodelle in eine maskulistische Großtheorie stattfindet.“

        Von marxistischem Maskulismus kann gesprochen werden, wenn ein Männerrechtler männerrrechtsrelevante Themen (zumindest bis zu einem gewissen Grad) aus der Perspektive der theoretischen Grundlagen einer Strömung des Marxismus betrachtet, wenn also eine marxistische Perspektive der Beschäftigung mit männerrechtsrelevanten Themen in bedeutsamer Weise zugrundeliegt. Das ist bei marxistischen Männerrechtlern m.E. durchaus der Fall.

      3. Zum Einfluss von Bell Hooks auf Anita Sarkeesian habe ich gerade folgenden längeren Kommentar geschrieben, in dem ich wesentliche Inhalte des Videos von Sargon of Akkad wiedergebe. Beide Frauen sind nicht marxistisch, sondern pseudo-marxistisch, weil das Lesen von Männern und Frauen als „soziale Klasse“ nichts mit Marx zu tun hat.

        Dennoch ist das ein guter Hinweis darauf, worauf man in Diskussionen hinweisen sollte: Das pseudo-marxistische Weltbild ist geeignet, um praktisch alle abzuschrecken. Die meisten Menschen haben mit marxistischer Ideologie nichts am Hut und werden sich bereits bei der Erwähnung des Namens abwenden. Die paar Intellektuellen und/oder echten Marxisten, die dann noch übrig bleiben, kann man durch die intellektuelle Unredlichkeit bzw. Primitivität des Gedankengutes sowie die Aneignung und Fehlübertragung der marxistischen Theorie wirksam impfen.

  9. Hi Graublau,
    würde es dir etwas ausmachen, die gröberen Rechtschreibfehler in meinem obigen Beitrag zu korrigieren?

    Bei dem Satz:

    „Arne Hoffmann schreibt in seinem Buch “Plädoyer für eine linke Männerpolitik” zu den Nachteillender traditionellen Geschlechterrolle für Männer:“ (also Nachteile versehentlich mit zwei l geschrieben und fehlendes Leerzeichen)

    sollte natürlich eigentlich stehen:

    Arne Hoffmann schreibt in seinem Buch “Plädoyer für eine linke Männerpolitik” zu den Nachteilen der traditionellen Geschlechterrolle für Männer:

    Und bei dem Satz:

    Die Kritik an den Nachteilen der traditionellen Geschlechterrolle für Männer im linken und liberalen Maskukismus impliziert jedoch nicht

    sollte natürlich nicht Maskukismus stehen, sondern Maskulismus

    Bei einem Blogkommentar kann sowas immer mal passieren, aber bei einem Artikel ist es, denke ich, schon besser sowas zu korrigieren.

    Falls du es ändern würdest, kannst du danach diesen Kommentar hier gerne wieder löschen.

    Beste Grüße (und ich freue mich über deine Produktivität auf diesem Blog)

    Leszek

    1. „würde es dir etwas ausmachen, die gröberen Rechtschreibfehler in meinem obigen Beitrag zu korrigieren?“

      Ganz im Gegenteil, das mache ich gerne. Sollte jetzt schon korrigiert zu sehen sein.

      „und ich freue mich über deine Produktivität auf diesem Blog“

      Ein kleiner Satz, der runter geht wie Öl! 🙂

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