Warum ich auf Nicht-gut-genug-Aktivismus verzichten kann

Homosexuelle dürfen US-weit heiraten – da war ein großer Tag. In meinem Bekanntenkreis gab es viele, die sich gefreut haben.

Aber es finden sich natürlich auch immer Leute, denen das nicht genug ist. So wie schon bei der Einführung der Ehe für Homosexuelle in Irland, beispielsweise im Artikel Why I’m not celebrating Ireland’s legalization of gay marriage as a win for ‘equality’ (gefunden via Sargon of Akkad).

Dabei lese ich dann sinngemäß Sachen wie:

  • Jetzt, wo die Homosexuellen glücklich sind, werden die Belange der Transsexuellen vergessen.
  • Statt Ehe für gleichgeschlechtliche Paare sollte man die Ehe ganz abschaffen!
  • Solange nicht alle glücklich sind, ist das alles nichts!

Und damit sind wir angelangt beim klassischen Nicht-gut-genug-Aktivismus, der sich dadurch auszeichnet, dass man zwar nichts macht, aber sich dadurch als moralisch höherwertig erweist, dass man auch mit Teilerfolgen, die in die richtige Richtung gehen, bloß nicht zufrieden ist oder gar nur einen Tag feiert. Ein solcher Aktivismus ist unmenschlich, weil er nicht berücksichtigt, dass Menschen das Bedürfnis haben, sich ab und zu zu freuen. Er ist auch nicht attraktiv, weil er das Motto verbreitet, dass man sich niemals über etwas freuen sein darf, wenn nicht das absolute Ideal erreicht ist (was man naturgemäß nie schaffen kann). Toll ist so etwas nur für wenige Leute, die sich wie verstockte Religiöse als etwas Besseres beweisen wollen, in dem sie nie die Freuden des Alltags in ihr Leben lassen. Mit ihrem moralinsaurem Auftreten und ihrer permanenten Unzufriedenheit verfehlen sie jedoch den Kern einer erfolgreichen Gruppe von Aktivisten: Sie hat nicht nur ein gemeinsames Ziel, sondern zeichnet sich auch durch gute Beziehungen untereinander und positive Gefühle aus. Von so irdischen Dingen wie Salamitaktik oder der Politik der kleinen Schritte einmal ganz zu schweigen.

Der Nicht-gut-genug-Aktivismus ist ein sicheres Rezept, um auch morgen noch unglücklich zu sein. Einige wollen das anscheinend.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Zum Thema „Aktivismus“ fiel mir als erstes dieses Lied von den Ärzten ein.

Die Ärzte: Deine Schuld

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Graublau abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Warum ich auf Nicht-gut-genug-Aktivismus verzichten kann

  1. bernhardlassahn schreibt:

    Eben. So ist es. Feministen (und das haben sie mit der Homo-Bewegung gemein) sind NIE zufrieden, weil die Ziele, die sie erreichen, nicht das ist, was sie wirklich wollen.

  2. Pingback: Fundstück: Sargon of Akkad über Bell Hooks | Geschlechterallerlei

  3. Pingback: Fundstück: Michael Blume und der “Nicht-gut-genug-Aktivismus” | Geschlechterallerlei

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s