Warum ich das Sommerloch über die Kleidung in der Schule positiv finde

Das Sommerloch ist da! Wenn auf der Welt gerade nichts Spannendes passiert (Griechenland, Ukraine, Syrien…), muss halt irgendeine Lächerlichkeit her, um die Seiten zu füllen – selbst wenn es im Internet egal ist, wie viele Seiten es überhaupt sind. Dieses Jahr nehmen wir mangels Originalität einfach ein Thema, das immer geht: Im Sommer wird es heiß (falls nicht, wäre das der Aufreger) und die Leute ziehen sich luftiger an. Manche versuchen dabei, die Grenzen des Erlaubten voll auszureizen. Jetzt muss man nur noch warten, bis irgendjemand vorschlägt, dass sich alle etwas dezenter anziehen, und – tadaa! – fertig ist der Anlass, um über das kurz bevorstehende Ende der Freiheit bereits prophylaktisch zu klagen.

Das ist eine vorhersehbare, oberflächliche Grütze, die Radikalfeministinnen natürlich alles liefert, was sie so lieben: Ein plakatives Kämpfen für „Frauenrechte“, ein Feindbild ohne echten Feind dahinter, der einem wirklich gefährlich werden könnte, und vor allem ein Anlass, um mal wieder von den Medien wahrgenommen zu werden und wichtig zu erscheinen. Am besten hat es der Sexismusbeauftragte zusammengefasst.

Er nennt auch die Details, die dem einfachen Narrativ vom Patriarchat widersprechen: Der Brief in Horb am Neckar stammt von einer Frau, von den Sanktionen waren bisher nur zwei Jungs betroffen. (Ist übrigens bereits jemandem aufgefallen, dass die T-Shirts in Übergröße, die im Zweifelsfall zusätzlich angezogen werden sollen, wie Star-Trek-Hemden aussehen? Also, wenn das nicht abschreckt… hätte man rote Hemden genommen, wäre es jedenfalls eine Warnung.)

Als zwei Schulen in Pocking und Middendorf wegen in Turnhallen untergebrachten Flüchtlingen einige Bitten bzw. Verhaltensregeln in einem Brief mitteilten, waren die Rechten sofort zur Stelle: „Unsere“ Mädchen würden gezwungen, wegen Ausländern keine Miniröcke mehr zu tragen! Die taz argumentierte in die andere Richtung: Überhaupt anzunehmen, dass ein solcher Kleidungsstil missverständliche Signale aussende, sei bereits rassistisch. Eine der absurdesten Deutungen stammt jedoch von mir selbst: Da sind Flüchtlinge, zum Teil traumatisiert, die auf engstem Raum zusammenleben müssen. Sie kommen in ein Land, dessen Sprache sie nicht beherrschen und mit dessen kulturellen Regeln (die vielfach das Zusammenleben regeln) sie nicht vertraut sind. Was läge näher als ein wenig Rücksichtnahme? Oder wie ich aus anderem Anlass schrieb:

Nichts auf der Welt kann verhindern, dass ich als aufgeklärter Bürger Leute anständig behandele und damit meinen Teil dazu beitrage, dass die Welt ein Stück besser wird.

Die Gegner einer auch nur in irgendeiner Form dargebotenen Rücksicht empfinden es als eine Zumutung, sich entweder auf andere Menschen einzustellen oder mit den Konsequenzen des eigenen Handelns zurechtzukommen. Dabei ist die Schule gerade kein Ort, an dem alles geht und die volle Freiheit ausgelebt wird. Ansonsten gäbe es das Problem nicht, weil die Leute einfach zu Hause bleiben würden. Doch eben das ist der Kern der Sache: Es geht um eine Situation, bei der man zwangsweise mit Leuten auf engem Raum zusammen ist. Genau dann klingt eine erhöhte Achtsamkeit für die Mitmenschen nach einem guten Rezept für „Wie vermeide ich unnötige Streitereien?“.

Einen Hinweis habe ich bei dem vielen Lärm um nichts bislang allerdings vermisst: In was für einer luxuriösen Situation sich die Frauen in Deutschland befunden und dass das viel über Wohlstand und Freiheit in diesem Land aussagt, worüber wir uns alle freuen können. In Deutschland kann sich eine Frau sowohl nach Lust als auch nach Wetter anziehen, je nachdem, was ihr wichtiger ist. Im Ergebnis bedeutet das, dass viele Frauen sich (etwa im Vergleich zu Süd- oder Osteuropa) deutlich bedeckter halten. Man hat sich bezüglich der intrasexuellen Konkurrenz also auf ein niedriges Niveau geeinigt, was einer sehr vorteilhaften Situation entspricht. Gerade deswegen sind es Männer nicht gewohnt, viele leichtbekleidete Frauen auf der Straße zu sehen, weswegen es in jedem Sommer, der den Namen halbwegs verdient, etwas dauert, bis sie sich daran gewöhnt haben (so ähnlich wie bei der Zeitumstellung). Das bedeutet andererseits, dass Frauen sich so etwas trauen und die gefühlte oder tatsächliche Gefahr vor Übergriffen nicht sehr groß sein kann. Auch das entspricht einer sehr guten Lage der Dinge. Dass zu großen Teilen einfach Bock und Temperatur bestimmen, was eine Frau in Deutschland anzieht, ist bezüglich Kleidung die wohl größtmögliche Freiheit.

Andere Beiträge zu dem Thema:

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Die Aufregung um knappe Kleidung im Sommer und am Strand ist schon vor Jahrzehnten auf schönere Art und Weise behandelt wurden. (Aber keine Angst, das Lied wurde erwartungsgemäß bereits bei einem radikalfeministischen Vortrag zitiert.)

Brian Hyland: Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polka Dot Bikini

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1 Kommentar zu „Warum ich das Sommerloch über die Kleidung in der Schule positiv finde“

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