Warum ich Transsexuelle nicht für Kronzeugen bei Geschlechterthemen halte

Bei Vergleichen zwischen Geschlechtern werden ab und zu Transsexuelle hinzugezogen, welche sich erfolgreich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen haben. Die simple Begründung dahinter: „Die haben schon einmal beide Geschlechter gehabt und müssen es ja besser wissen als wir!“

Nun sind die Erfahrungen Transsexueller grundsätzlich interessant und und es ist gut, wenn diese Menschen Gehör finden. Als Maßstab dafür, welches Geschlecht es nun besser hat / edler ist usw. taugen sie jedoch nichts.

  1. Menschen sind nicht objektiv – einzelne Menschen schon gar nicht, egal, welche. Einzelpersonen sind das Gegenteil einer verlässlichen Stichprobe.
  2. Alle Transsexuellen haben das Pech, im falschen Körper geboren worden zu sein. Da enden auch schon die Gemeinsamkeiten. Warum sollte also einer stellvertretend für alle von ihnen sprechen können?
  3. Ein Mensch hat von Geburt an Geschlecht X, empfindet sich aber als Geschlecht Y. Ganz klar, der kann automatisch besonders nüchtern über die Geschlechter reden – es ist ja nicht so, dass das für ihn womöglich ein hochemotionales Thema wäre, das sein Leben geprägt hat!

In Wirklichkeit pickt man sich jeweils ein Beispiel heraus, dass die eigene Weltanschauung bestätigt. Auf meinen Artikel über blödsinnige Comics bei Everyday Feminism wies maddes8cht in einem Kommentar noch auf einen Artikel hin, in dem ein Transmann „25 männliche Privilegien“ auflistete. Auseinandergenommen hat diese Liste etwa Sargon of Akkad:

Male Privilege as Experienced by Women

Das Verhältnis von Transsexualität und Feminismus ist ohnehin ein eher seltsames bei denjenigen feministischen Strömungen, laut denen Geschlecht nur eine soziale Konstruktion sei. Kurz gefasst könnte nichts davon weiter entfernt sein als ein Mensch, der zwei klar unterscheidbare biologische Geschlechter erkennt, eines davon hat, aber unbedingt das andere haben will, um endlich glücklich zu werden.

Ein anderes Beispiel aus einem anderen Artikel wurde im Februar bei Alles Evolution behandelt („Transgender wissen, welches Geschlecht welche Privilegien hat„). Auch wenn im ursprünglichen Artikel einige Vorteile für Frauen vorkamen, war der Grundtenor derselbe: Männer haben es besser.

Aber wie gesagt – aus den Erfahrungen Transsexueller einen objektiven Maßstab zu machen, führt in die Irre. Ansonsten müsste man ja folgender Aussage zustimmen, die im Februar in einem Fundstück bei Genderama zu lesen war. In der Sendung „This American Life“ ging es um Testosteron und ein Transsexueller, der im Körper einer Frau geboren worden war, beschrieb, was nach der Hormoneinnahme geschah:

Griffin Hansbury: Something that happened after I started taking testosterone, I became interested in science. I was never interested in science before.

Alex Blumberg: No way. Come on. Are you serious?

Griffin Hansbury: I’m serious. I’m serious.

Alex Blumberg: You’re just setting us back a hundred years, sir.

Es sei erwähnt, dass etwa im Blog Mel Chua dieselbe Sendung behandelt wird und in einer längeren Version des Zitates dort ausdrücklich nur der zeitliche, nicht jedoch ein kausaler Zusammenhang bestätigt wird.

Dort wird in einem anderen Zitat aus der Sendung nebenbei mit dem Mythos aufgeräumt, dass Männer „nicht klar denken, wenn sie testosterongesteuert sind“:

People who are deprived of testosterone don’t become Spock-like and incredibly rational. They become nonsensical because they’re unable to distinguish between what is and isn’t interesting, and what is worth noting and what isn’t.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Mir gingen die Titel über Männer und/oder Frauen aus, deswegen habe ich eines aus den 1980ern genommen von einer Gruppe namens „Trans X“.

Trans X: Living On Video

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