Warum ich mich freue

Das flächendeckende Erlauben der homosexuellen Ehe in den USA ist ein wichtiger Durchbruch für die westliche Gesellschaft. Man muss weder selbst homosexuell noch ein besonders großer Freund der Vereinigten Staaten sein, um das einzusehen.

Sicher, das „katholische“ Irland ist vorangegangen und da habe ich nichts geschrieben. Aber machen wir uns nichts vor: Die USA sind das mächtigste Land der Welt; kein anderes Land übt außerdem eine solche kulturelle Strahlkraft auf alle anderen aus. Ausgerechnet ein Land, das in Deutschland gerne dargestellt wird als zutiefst gespalten zwischen ultraliberalen Großstädtern und erzreligiösen Hinterwäldlern, hat also ein richtigen Schritt gemacht, um die Gesetzgebung der Realität folgen zu lassen.

Und damit hat dasjenige Land, welches „befreundete“ Staaten beliebig ausspioniert, Gefangene jenseits von Recht und Gesetz foltert und beliebige Ausländer mit Drohnen abschießt, plötzlich in einem Punkt die Nase vorn, in dem ich es ihm nun wirklich nicht zugetraut hätte. Schön, wenn ich mich so irre! Selbst wenn sich damit für deutsche Homosexuelle noch nichts ändert: Die Einschläge kommen näher.

Natürlich haben wir andere Probleme; es reicht, Ländernamen wie Griechenland, Ukraine und Syrien zu schreiben und schon sollte jeder Bescheid wissen. Das schmälert jedoch nicht den Fortschritt; im Gegenteil ist es doch schön, dass wenigstens eine Sache sich einmal gut entwickelt hat.

Zur Situation in Deutschland sich hat der konservative Journalist Michael Spreng Anfang des Monats eine bemerkenswerte Kolumne geschrieben, in der er Angela Merkel Feigheit vorwirft und ganz locker davon ausgeht, dass weder die Mehrheit der Christen noch die große Mehrheit der CDU-Mitglieder gegen die Ehe für Homosexuelle ist. Nur aus taktischen Gründen, um eine Minderheit hartgesotten konservativer Wähler nicht zu verlieren, bekenne die Kanzlerin keine Farbe:

Es ist traurig, aber wahr: Die Verweigerung der Gleichstellung der Homo-Ehe ist die letzte konservative Bastion der CDU/CSU.

Ähnlich enttäuscht hatte sich Spreng bereits vor über zwei Jahren geäußert:

Bitter für die CDU, wenn sie ihren christlichen Markenkern nur noch über die Verweigerung einer Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften definieren kann.

„Nur Nixon konnte nach China gehen.“ Wenn sich ein Konservativer so äußert, sollte klar sein, wie die Lage ist.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal ein Klassiker über Liebe, die man verstecken muss.

The Beatles: You’ve got to hide your love away

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