Warum ich kein Konzept der Zustimmung erkenne

Was bisher geschah: Radikalfeministinnen wie Anne Wizorek sehen praktisch überall eine Rape Culture (Vergewaltigungskultur). Dieser kann man nur entkommen, indem man sich ausdrücklich der Consent Cultur (Zustimmungskultur) anschließt. Das entscheidende Element besteht darin, dass derjenige, der den nächsten Schritt macht, vorher sicherstellt, dass der Partner dem zustimmt. Bei einem heterosexuellen Paar fällt diese Verantwortung in der überwiegenden Mehrheit der Fälle dem Mann zu, denn allen Rufen nach Gleichberechtigung zum Trotz wollen in dieser Situation viele Frauen offenbar eine traditionelle Rollenverteilung.

Mal von dem grundsätzlichen Problem, dass plötzlich intime Dinge ohne ausdrückliche verbale Zustimmung automatisch unter „Vergewaltigungskultur“ einsortiert werden, abgesehen: Wie kann man denn sicher sein, dass die Partnerin wirklich zustimmt?

Der Gedanke hinter der ausdrücklichen Zustimmung ist ja, dass sich ein übergriffiger Mann nicht mehr damit herausreden kann, er dachte, sie wollte es doch auch. Dass sie das schon sagen würde, davon darf man nicht ausgehen, schließlich könnte die Frau ja verängstigt sein oder unter Schock stehen.

Und damit gehen die Probleme erst richtig los: Natürlich muss niemand, der A sagt, auch B sagen. Also muss für jeden Schritt eine Zustimmung eingeholt werden, damit sich niemand unter Druck gesetzt fühlen kann. Und die Zustimmung muss enthusiastisch sein, damit ein eventuell erzwungenes „ja“ nicht als Entschuldigung dienen kann.

Nun gehört es zu einem der wichtigsten Bestandteile des Radikalfeminismus, dass man nie sagen kann, wann es mal gut ist, weil man sich damit dem Verdacht aussetzt, reaktionär zu sein. Deswegen kann auf jede noch so extreme Forderung noch eine weitere draufgesetzt werden.

Inzwischen sind wir bei „Auch ja bedeutet nein“ und „Man kann seine Zustimmung im Nachhinein zurücknehmen“:

Das ist durchaus stimmig: Man will jegliche mögliche Situation, in der das Opfer später nicht gegen den Täter vorgehen kann, verhindern, und sozusagen alle an Bord holen mit ihren jeweiligen Problemen, sich so zu verhalten wie es eine breite Mehrheit der Menschen kann.

Damit sind wir aber endgültig auf dem Gebiet der Verschwörungstheorien angelangt. Denn letztendlich läßt sich nie beweisen, dass jemand nicht doch unter Druck stand (oder sich so fühlte, was auf dasselbe hinausläuft).

Es gibt daher keinerlei Möglichkeit, mit Sicherheit Einvernehmen zu bekommen. Jeder Mann (der ja meistens aktiven Part übernimmt) kann wegen Belästigung oder Vergewaltigung an den Internet-Pranger gestellt werden. Zum Glück leben wir nicht in einer „accusation culture“, in der normale Frauen eine Beschuldigung wegen Vergewaltigung für eine ganz alltägliche Sache halten.

Es kam vor einiger Zeit mal in einer Diskussion auf und ich nenne es gerne ausdrücklich: Für mich ist es entscheidend, ob ich jemandes Maßstäbe erfüllen kann. Hohe Ansprüche können gerechtfertigt sein. Wenn ich jedoch den Eindruck habe, es sowieso nicht recht machen zu können, dann versuche ich es auch erst gar nicht – so wie hier.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? OOMPH! mit „Du willst es doch auch“ passen wie die Faust aufs Auge.