Fundstück: Frauen sprechen Männer an

Easy German Episode 12: Flirten

Zufällig stieß ich vor ein paar Tagen auf dieses Video, in dem zwei junge Damen alle möglichen Leute, vor allem Männer, ziemlich direkt anmachen. Das geschieht im Rahmen einer Serie, um Deutsch als Fremdsprache zu lernen (!), und bietet einen interessanten Kontrast zu den politisch motivierten Videos à la Hollaback, die ich in den letzten Monaten mitbekommen habe:

Es geht nicht darum, irgendeinen gesellschaftlichen Sachverhalt anhand eines Beispieles zu „beweisen“. Es ist einfach nur ein harmloser Spaß!

Das Video ist nicht hochprofessionell gemacht. Sicher, da ist schon etwas Ausrüstung dabei, aber es steckt kein Riesenbudget dahinter, wie man es von einer Agentur kennt.

Es wird nicht überdramatisiert. Stattdessen erstaunlich, wie normal das alles ist:

Die beiden jungen Damen sind etwa nicht etwa besonders herausgeputzt, sondern sehen ganz normal aus wie Frauen, denen man im Alltag über den Weg läuft. Hübsch finde ich sie schon und vor allem natürlich.

Der Versuchsort Münster ist nicht für besonders heißblütige Menschen bekannt. Auch das schlechte Wetter lädt nicht gerade dazu ein, irgendwelche Leute auf der Straße anzuflirten.

Die beiden Damen sind nicht besonders gut darin, ihre Sprüche gut herüberzubringen. Mit auswendig gelernten alten Kalauern ziehen schon Männer nichts vom Teller, aber wenn sie eher halbherzig vorgetragen werden, funktionieren sie auch für hübsche Frauen nicht. Überhaupt scheinen die Interviewerinnen dem Irrtum verfallen zu sein, man brauchte einen guten Spruch, um zu flirten. Was es an Aufwand und Einfallsreichtum auf Seiten der Männer kostet, wird also stark unterschätzt.

Die meisten Männer finde ich spontan sympathisch. Natürlich reagieren sie nicht natürlich im Sinne von „wie in freier Wildbahn“, schließlich bemerken sie Kamera und Mikrofon. Einige reagieren skeptisch auf so eine direkte Anmache, mindestens einem ist es sogar „zu plump“ und einer attestiert der Befragerin direkt, dass sie nicht gut flirtet.

„Charme und Überzeugung“, „auf der Tanzfläche ins Gespräch kommen“, „spontan entscheiden, was man sagt“ – das wird statt den Sprüchen von den Männern als Mittel genannt, mit dem sie Erfolg haben. Das klingt nach einer recht realistischen Einschätzung, auch wenn die Rezepte sehr vage bleiben.

Zwischendurch werden auch einige Frauen angequatscht, die sogar recht spontan positiv reagieren. Da frage ich mich, wie viele Versuche es brauchte, oder ob die Angesprochenen den Quatsch der Situation erkannten und entsprechend antworteten.

Insgesamt ist all das jedenfalls meilenweit entfernt von der Welt einer Anne Wizorek (siehe Zitat im folgenden Zitat). Wie Christian es bei Alles Evolution schön beschrieb:

„Was mich an vielen feministischen Theorien stört, ist der Umstand, dass die dort geschilderte Welt geradezu die Hölle auf Erden ist. Frauen werden unterdrückt und sind so verängstigt, dass es “für ganz viele Frauen extrem schlimm ist, einfach schon auf die Straße zu gehen“. Überall warten lüsterne Männer darauf, die Frau zu belästigen oder zu vergewaltigen. Ein Spießrutenlauf für jede Frau, die an dieser Unterdrückung krank wird. Kaum ein Aspekt des täglichen Lebens ist von dieser Unterdrückung nicht durchzogen.“

Würde dieses Weltbild der Wahrheit entsprechen, dann hätte kaum einer der Männer skeptisch oder ablehnend reagiert; sie hätten hingegen alle vollkommen aufgegeilt über die armen jungen Damen herfallen müssen. Schließlich sind Männer von Natur aus alle potentielle Vergewaltiger, welche kein Unrechtsbewusstsein für diese Taten haben und die sich in den meisten Fällen nur noch gerade eben zurückhalten können.

Stattdessen sehe ich ein Stück Normalität in diesem Video. Ich möchte mir nicht einreden lassen, dass das Unterdrückung oder Patriarchat sein sollen und die Frauen kollektiv ganz dolle leiden.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal die Ärzte mit einem Beitrag, der zeigt, was passiert, wenn niemand den ersten Schritt macht.

Die Ärzte: Geh mit mir

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