KeineEhefürNiemand — Warum es mal wieder gar nicht um Gleichberechtigung geht

Seit kurzem heißt die Homoehe plötzlich „#Ehefüralle“. Was einfach nicht richtig ist. Denn es geht nicht um Ehe für alle. Nicht um Ehe zwischen Frau und Hund, nicht um Ehe zwischen drei Partnern und nicht um Ehe für Dreizehnjähre. Nein, es geht um das Recht eine Ehe zu schließen, egal welchen Geschlechts die beiden Beteiligten sind. Und das wird kommen, auch wenn irgendwelche Hindlerwäldler in Bayern von CSU und katholischer Kirche irgendein religiöses und/oder homophobes Problem damit haben. Christlich-jüdische Kultur, wissnschon. Wenn zwei bekloppte Minderheiten mit zuviel Macht wie die ebengenannten und die Genderisten sich kloppen, so kann man sich eigentlich nur zurücklehnen und nach dem Popcorn greifen.

Warum aber nennt man es Ehefüralle, warum die Vehemenz?

Zwei Antworten, davon eine kurz.

Erstens, in der korrekten Bezeichnung Homoehe steckt das Wort „Homo“ drin. Wie ekelhaft? Ist Homosexualität etwas so schlimmes, das man das Wort besser nicht nutzt? Dieser Aspekt an der Umbenennung behagt mir ganz und gar nicht. Man darf ruhig stolz und aufrecht Homoehe sagen, wenn man der Meinung ist, daß Homosexualität sich nicht verstecken muß. Aber weil Ehefüralle so schön inklusiv klingt, versteckt man seine eigene Homophobie, die unter anderem darin besteht, einen Hashtag mit dem hässlichen Wort nicht nutzen zu wollen. Bullshit. Schwule und Lesben dürfen genauso heiraten wie Heteros auch. Demnächst halt sogar die, die sie lieben und heiraten wollen.

Zum zweiten, es geht gar nicht um die Ehe. Die Ehe ist in der heutigen Zeit einfach nicht mehr das was die Eiggestrigen und die mit ihrem unsichtbarem Freund verteidigen. Ok, ein paar radikale Feministinnen in selbstverschuldeter prekärer Lage würde es gefallen, ein paar Steuervorteile mitnehmen zu können und dem Patriarchat ein Schnippchen zu schlagen. Eine politisch korrektere Sexualität ohne Penis und dranhängendem Mackertum gefällt doch recht vielen, ohne sich bewußt zu sein, eigentlich den reaktionären Gedanken weiterzuführen, daß Homosexualität heilbar sei.

Was wirklich befremdlich ist –auch und gerade weil es leider handfeste Gründe dafür gibt– ist, daß nicht etwa die Ehe geschützt und gefördert werden sollte, sondern eben die Familie. Das ist heutzutage eben nicht mehr dasselbe. Feministinnen bekommen es ja so gerade noch hin, auf die äußerst unerfreuliche Lage von Alleinerziehenden hinzuweisen. Dafür bräuchte es übrigens dringend ein neues Wort, Alleinerziehende gibt es ja kaum. Es gibt zumeist Alleinbestimmende und Alleinbezahlende. Die mindestens genauso schlimme Situation der Alleinbezahler, der Rechtlosen und sanktionsarm Ausgegrenzten wird geflissentlich ignoriert. Gerne auch mit einem ordentlichen Schuß Biologismus, der so ekelerregend reaktionär ist wie doch so vieles, was von den Genderisten kommt. Denn plötzlich gehört das Kind dann der Mutter.

Mit dem Hashtag Ehefüralle wird genau diese Diskussion eben nicht geführt. Denn hier sind Antworten schwierig. Zu schwierig für unsere AktivistInnen.

Noch etwas wird mit Ehefüralle überdeckt. Denn eigentlich geht es hier zum großen Teil auch um das Adoptionsrecht. Ich denke, viele Kritiker der Homoehe merken dies ganz genau. Indem man das Adoptionsrecht im Fahrwasser der sog. Ehefüralle segeln läßt, läßt man die Kritiker einer entsprechenden Adoptionsregel als fiese Schweine, als Gegner der Homoehe erscheinen.

Aber gerade aus einem Männer- und Väterrechtlichen Kontext heraus ist das Adoptionsrecht für Homosexuelle Paare durchaus als kritisch zu betrachten. Niemand, der noch alle beisammen hat, kann ernsthaft bestreiten, daß zwei Männer oder zwei Frauen nicht auch gute Eltern sein können. Es bestreitet ja auch niemand, daß Kinder ganz selbstverständlich auch mit nur einem Elternteil glücklich sein können. Aber es geht hier nicht um Elternrechte. Kinder sind weder das Spielzeug von Hetero- noch vom Homosexuellen Paaren. Es kann und darf hier ganz allein nur um Kinderrechte gehen. Und um die Überlegung, wo es den Kindern am besten geht. Auch wenn es Teenagerschwangerschaften gibt, auch wenn Drogensüchtige oder Arbeitslose oder gar Wohnungslose Kinder bekommen können und dürfen(!), so wird es doch nicht passieren, daß Adoptivkinder in eine Familie gegeben werden, die nicht entsprechend gut verdienen und entsprechenden Wohnraum und gefestigte Persönlichkeit vorweisen können. Wer jetzt behaupten will, ich vergleiche Homosexuelle mit Drogensüchtigen ist ein* Idiot_In und mißachtet böswillig das vorher von mir geschriebene. Wir sind hier in einer Diskussion, die ein bisschen komplexer ist als ein Twitteraufruhr und ich finde es durchaus schwierig, Gedanken in Sätze fließen zu lassen, ohne das man Einzelne aus den Kontext reissen kann und ihn gegen mich verwenden kann.

Uns in der männerrechtlichen Blase ist sattsam bekannt, wie sehr Staat und Gesellschaft die Bedeutung von Vätern für das Kindeswohl systematisch negiert haben. Wie sehr von dem sehr komplexen Thema Reproduktionsrechte die Seite der Männer komplett ignoriert wird (Nur ein Stichpunkt: Anonyme Geburt vs Erzeuger). Wenn ich also an die Homeehe denke, und eigentlich an das Adoptionsrecht, so befürchte ich, daß der Punkt, daß Kinder Mutter und Vater brauchen mal wieder überhaupt nicht bedacht wird. Ganz explizit Mutter UND Vater, das ist hier ja kein umgedrehter Feminismus. Wer Väter für wichtig hält, macht die Rolle der Mutter nicht klein.

Lesbische Paare mit Kindern sind sowieso Realität. Hier hege ich den Verdacht, daß es insbesondere darum geht, den biologischen Vater weiter verdrängen zu können. Wenn man die Erfahrungen extrapoliert, die Heteroväter mit Jugendämtern und Gerichten machen, so sehe ich eine tatsächliche Gleichstellung des Adoptivrechts für schwule Paare eher im Bereich des Wunschdenkens.

Ich bin nicht grundsätzlich gegen das Adoptionsrecht für Homosexuelle. Ich bin sicher, daß Homosexuelle Paare tolle Eltern sein können. Aber ich möchte, daß es auch anerkannt wird, daß Väter ebenso wichtig für ihre Kinder sind wie ihre Mütter. Niemand wird befürworten, ein Adoptivkind zu einem Heteropaar ohne Job und Ausbildung in eine Einzimmerwohung zu geben. Aber daß das Vorhandensein einer Adoptivmutter und eines Adoptivvaters eine durchaus wünschenswerte Sache ist, ist eine schwachsinnige Idee?

Und das ist das Problem an der Ehefüralle. Wer Bedenken äußert ist ein homophobes Schwein in unserer schönen Twitterdemokratie.

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