»Maskulistische Theoriewoche«: Biologische und soziale Faktoren der Geschlechterrollen

Nachdem ich in meinem vorletzten Blogpost die Grenzen bestimmter kulturwissenschaftlicher Auffassungen im Hinblick auf die Biologie zu skizzieren versucht habe, gehe ich nun einen Schritt in die andere Richtung und versuche – leider erneut in Form einer gedrängten Skizze, die eigentlich mehr Zeit verlangte – zu erläutern, wo die Grenzen bestimmter biologischer und evolutionspsychologischer Auffassungen im Hinblick auf die Kulturwissenschaften liegen. Ich versuche zu skizzieren, dass sich eine Eingrenzung der Reichweite solcher Erklärungen mit denselben Grundunterscheidungen durchführen lässt, mit denen in der modernen Philosophie der so genannte »Psychologismus« kritisiert worden ist. Dabei handelt es sich um den Versuch, Erkenntnistheorie auf die Psychologie als empirische Wissenschaft zu stützen, wie er wesentlich von John Stuart Mill und Wilhelm Dilthey unternommen und von Gottlob Frege und Edmund Husserl kritisiert wurde. Insbesondere Husserls erstes Hauptwerk, die »Logischen Untersuchungen« aus dem Jahre 1900, waren hierfür maßgeblich: »Der Effekt der Kritik der ›Logischen Untersuchungen‹ ist dem von Kants Vernunftkritik vergleichbar. Wie Kant für die Schulmetaphysik zum Alleszermalmer wurde, so Husserl für den Psychologismus.« (Marquard 1987: 13)

Meine Grundthese lautet, dass sich Evolutionsbiologie und Evolutionspsychologie vor derselben Überziehung ihrer Erklärungsansprüche in Acht nehmen müssen, wie der Versuch einer psychologischen Begründung der Logik am Ende des 19.Jahrhunderts.
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