»Für den Fall, dass ihr verwirrt seid …«

Ursprünglich getweetet von Gerard Araud, dem französischen Botschafter in den USA:

terrorist_muslim

(Einfach nur, weil es mir wichtig ist, das weiter zu verbreiten)

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22 Kommentare zu „»Für den Fall, dass ihr verwirrt seid …«“

  1. Aha. Wenn aber der Terrorist täglich zu Allah betet, den Koran liest und aus diesem die Handlungsanweisung herausliest, Ungläubige zu töten, dann ist er kein Moslem?

    1. Doch, das ist er auch. Aber da der gewöhnliche Moslem kein Terrorist ist und Moslems nicht mehrheitlich Terroristen sind, ist der Moslem, der sich zu terroristischen Handlungen entscheidet, in erster Linie Terrorist, und erst in zweiter Linie Moslem. Und genau das bringt das Bild zum Ausdruck.

    1. Ich nehme an du wolltest schreiben:
      Nicht alle Moslems sind Terroristen, aber auffällig viele Terroristen sind Moslems.

      So herum stimmt es jedenfalls – zumindest in unserem Jahrzehnt.

  2. Persönlich finde ich das Bild nicht in Ordnung. Denn der Mann, der da auf dem Boden liegt wurde max. zwei Sekunden nach dieser ‚Szene‘ hingerichtet von dem auf ihn zugehenden schwarzen Mann.

    Und mal zum Nachdenken:

    „Doch, dieses Massaker hat mit dem Islam zu tun!“
    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article136176806/Doch-dieses-Massaker-hat-mit-dem-Islam-zu-tun.html

    “… Nach jeder Attacke von Islamisten heißt es, sie dürfe nicht in Verbindung gebracht werden mit dem Islam, der eine Religion des Friedens sei. Dieses Beschwichtigen muss endlich aufhören. …”

    1. @Emannzer:

      »der Mann, der da auf dem Boden liegt wurde max. zwei Sekunden nach dieser ‘Szene’ hingerichtet von dem auf ihn zugehenden schwarzen Mann.«

      Exakt, und genau *das* hat Gerard Araud gemeint: ein Muslim, der mordet, und ein anderer Muslim, der stirbt: für das liberale Frankreich!

      Also: mit *welchem* Islam hat das Massaker jetzt zu tun? Mit dem Islam der Mörders oder mit dem Islam des Ermordeten? Und was haben beide Versionen des Islam *miteinander* zu tun? Eine Religion ist das, was ihre Gläubigen daraus machen. Wer Rechtfertigungen der Gewalt *sucht*, findet sie auch in den Texten des Christentums und Judentums: in denen des beiden Religionen gemeinsamen Alten Testaments. Die ugandische »Lord’s Resistance Army« ist christlich, benimmt sich aber kaum besser als die islamische Boko Haram. Von der Verfolgung Homosexueller im mehrheitlich christlichen Uganda nicht zu reden.

      Der Verweis auf eine bestimmte Religion ist daher nichtssagend. *Relevant* sind die Umstände, unter denen sich bestimmte Gruppen auf die gewalttätigen Potentiale von Religionen *berufen*. Dass der islamische *Fundamentalismus* unbestreitbar an der Spitze derjenigen Religionen steht, auf die sich heute zum Zwecke der Legitimierung von Gewalt berufen wird, liegt daran, dass die islamische Welt derzeit eine Transformation in Richtung auf eine moderne Gesellschaft durchmacht. Diese Epoche hat Europa (zum Glück) bereits hinter sich.

      Wir waren aber in unserem Zeitalter der Religionskriege nicht weniger gewalttätig.

      Wir hatten nur keine Kalaschnikovs.

      1. Kleiner Einwurf dazu (via Thomas Böhm, Chefredakteur von „Journalistenwatch“):

        Die Islamisierung unserer Gedanken

        … Die schrecklichen Ereignisse der letzten Tagen verdeutlichen das. Muslime haben in Paris Nichtmuslime und andere Muslime im Namen eines muslimischen Propheten ermordet, woraufhin Nichtmuslime und Muslime sofort behaupteten, dass diese Anschläge nichts mit dem muslimischen Glauben zu tun hätten und dass man nun Sorge haben müsse, dass feindlich gestimmte Nichtmuslime den muslimischen Gemeinden mit muslimfeindlichen Anschlägen das muslimische Leben erschweren würden. …“

        https://conservo.wordpress.com/2015/01/11/die-islamisierung-unserer-gedanken/

        Zum Thema Christen-Terror-ohne-Kalaschnikovs:

        Das ist Jahrhunderte her (und war sicherlich scheixxe). Aber solches nun als Argument zu nehmen, erinnert an die Argumentation von Feministinnen, welche sich ja auf Jahrtausende der Unterdrückung der Frau durch das Patriarchat berufen.

        Um es noch mal klarzustellen: Ich denke nicht, dass alle Moslems Terroristen sind. Aber ich stelle fest, dass die letzten Jahre fast ausschließlich Islam-Fanatiker diejenigen waren, die teils grauenhafte Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt haben. Das fängt mit Selbstmordattentätern an, geht über IS(IS) und hört bei Boko Haram nicht auf, welche neulich ein Dorf mit 2.000 Einwohnern niedermetzelten und anschließend dem Erdboden gleichmachten.

        Und dann wären da noch die Kopftreter am Alexander Platz und ein junger Lackierer in einer anderen Stadt, dem selbiges widerfuhr. Von ‚Kartoffelfressern‘ in Schulen, die sich nicht mehr auf den Pausenhof trauen ganz zu schweigen.

        Ja, nicht alle Moslems sind Terroristen. Aber das Gros rekrutiert sich genau aus diesem Milieu. Im Großen, wie im Kleinen.

        Ich halte es für gefährlich, dieses durch solche Bilder wie oben zu tabuisieren. Und geschmacklos gegenüber dem toten Polizisten Ahmed ist es auch. Denn damit wird der Moment vor seiner Exekution instrumentalisiert und Ahmed seine letzte Würde genommen.

      2. @emannzer:

        Erstens: ich behaupte nicht, dass die Anschläge *nichts* mit dem islamischen Glauben zu tun hätten. Sie haben tatsächlich etwas mit einem Gewaltpotential dieser Religion zu tun, und pauschale Behauptungen, dass der Islam eine »Religion des Friedens« sei, lehne ich ebenso ab wie pauschale Behauptungen, er sei eine Religion des Krieges.

        Die Frage ist aber, was genau eigentlich damit erklärt werden soll bzw. erklärt wird (s.u.).

        Zweitens: der Verweis auf die Gewaltgeschichte des Christentums soll keine Relativierung einer islam(ist)isch legitimierten Gewalt darstellen, sondern unterstreichen, dass Religion stets nur im Kontext historisch konkreter Aktualisierungsbedingungen wirkt. Man muss die Legitimation von Gewalt systematisch aus dem Text herauslesen *wollen* – eine Mehrheit der Muslime tut das aber nicht. Die Bereitschaft zur Radikalisierung entsteht nicht, weil jemand in einem religiösen Buch den »falschen« Satz liest, ebenso wenig, wie Ego-Shooter *per se* zu Gewalttätigkeit ihrer Konsumenten führen. Es kommt auf das »framing« an.

        Drittens: für die Gewalt Jugendlicher und junger Erwachsener ist Religion nicht ursächlich (das gibt es auch in »Russenghettos« mit ihrer Bevölkerung aus der religionsfeindlichen Sowjetunion), sondern jede Jugendgang *verschafft sich* eine (im Prinzip beliebige) Gruppenidentität. Vor vierzig Jahren lief das (beispielsweise) über die *säkulare* Identität einer Identifikation mit den »Befreiungskämpfen der Dritten Welt«. Heute hat das Identifikationsangebot gewechselt: es ist der fundamentalistische Islam, der als »Widerstand gegen den westlichen Imperialismus« interpretiert wird.

        Viertens: das von Araud gepostete Bild verstehe ich tatsächlich genau anders herum als Du: es nimmt dem Ermordeten seine Würde nicht, es verleiht ihm im Gegenteil eine. Der Terrorist *fühlt* sich als Märtyrer, der ermordete Polizist *ist* einer: für die liberale Gesellschaft, deren Werte er in seinem Amt und seiner Tätigkeit verteidigt.

        Was kann bzw. soll also ein Verweis auf den muslimischen Glauben der Attentäter erklären? Er kann m. E. nur besagen, dass die Gewalt legitimierende Aktualisierung der islamischen Religion durch den Islamismus nicht unwidersprochen bleiben darf. Dieser Widerspruch kann aber nicht darin bestehen, »dem Islam« ein gewalttätiges »Wesen« zu unterstellen, sondern nur darin, im Gegenzug eine *alternative* Aktualisierung der islamischen Religion zu betreiben.

        Und *hier* sehe ich die muslimischen Gemeinden tatsächlich auch in einer gewissen Bringschuld: wenn es nicht zulässig ist, ein kriegerisches »Wesen« des Islam zu unterstellen, dann kann es umgekehrt auch nicht hinreichen, sich als Verteidigung auf ein friedliches »Wesen« des Islam zu berufen. Sondern auch hier kommt es auf die aktive Aktualisierung an. Darum darf und soll man m. E. von den »normalen« muslimischen Gläubigen tatsächlich ein aktiveres, sichtbareres und streitbareres Einstehen für die liberalen Werte derjenigen Gesellschaften fordern, von denen sie ein Teil sind bzw. sein wollen. Der Islam als eine »Religion des Friedens« muss ebenso aktiv aktualisiert werden, wie es die Islamisten mit ihrer »Religion des Kriegs« tun.

      3. @djadmoros:

        Danke für deine ausführliche Antwort und Klarstellung. Mit Ausnahme der Bildbetrachtung sind wir scheinbar ähnlicher Meinung.

        Und was die kritische Auseinandersetzung mit den Auswirkungen der muslischen Relegion (bzw. deren Einheizern und Imanen) anbelangt, sehe ich es genau so. Es ist eine Bringschuld unserer Mitbürger aus den Islam-Regionen. Mittlerweile werden von diesen auch diesbezügliche Forderungen laut:

        „Nach den Anschlägen von Paris fordert Politikwissenschaftler Abdel Mottaleb El Husseini eine Neuauslegung des Islam. Er ist sich sicher, dass die politische Instrumentalisierung des Islam in vielen Ländern den Terrorismus befeuert. Der einzige Ausweg: Die Muslime müssen einen großen Richtungsstreit ausfechten.

        http://www.focus.de/politik/ausland/interview-mit-abdel-el-husseini-wer-sagt-islamismus-habe-nichts-mit-dem-islam-zu-tun-macht-es-sich-zu-einfach_id_4394855.html

        Und auch aus theologischen Kreisen kommen mittlerweile kritische Stimmen:

        „Haben die Terrorattacken in Frankreich etwas mit dem Islam zu tun? Durchaus, sagt der Münsteraner Professor Mouhanad Khorchide. Er erklärt im FOCUS-Online-Interview, inwiefern der Koran missbraucht wird, was die Theologie jetzt tun muss – und warum er Hoffnung hegt.“

        http://www.focus.de/politik/ausland/mouhanad-khorchide-im-focus-online-interview-islamwissenschaftler-extremisten-berufen-sich-auf-kein-anderes-buch-als-den-koran_id_4395381.html

      4. Spannende Diskussion. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.

        Der Frontberichterstatter (ja, der Name wirkt makaber!) wohnt in Frankreich und die Schule seines Sohnes liegt in der Nähe des jüdischen Supermarktes, der überfallen wurde. Es fällt mir sehr schwer, seinen (langen!) Artikel bis ins kleinste abzuwägen, aber ich fand viele gute Punkte dort. Die Welt ist nicht so einfach, wie sie leider von den Medien so dargestellt wird!

        Zu dem muslimischen Polizisten: Es ist schon sehr hart, dieses Bild zu sehen, wie ein Mann hilfslos am Boden liegt und sein baldiger Mörder auf ihn zugeht. Das Gute im Schlechten: Das Schicksal dieses Mannes wird nicht verschwiegen, sondern sogar hervorgehoben. Es wird auch nicht als selbstverständlich abgetan, dass er als Polizist im Einsatz sein Leben gelassen hat.

        Vor allem aber ist der Hinweis auf den Moslem, der auf der Seite der Guten stand, sehr wichtig. Ich kann mich nicht daran erinnern, das seit dem 11. September 2001 jemals in irgendwelchen Terrordiskussionen erlebt zu haben. Der Polizist hat ebenso ein Gesicht bekommen wie der muslimische Supermarktmitarbeiter, der aus Mali stammt und wohl einige Kinder geschützt haben muss.

        Wir haben zwei konkrete Beispiele für Moslems, bei denen es heißt: Das sind welche von uns. Die stehen für die Zivilgesellschaft. Solche Symbolfiguren sind wichtig. Das Narrativ der Muslime in Frankreich läßt sich nicht mehr darauf beschränken, dass sie als „Versager“ oder „Kleinkriminelle“ ihr Dasein fristen, sondern es gibt zwei Helden, mit denen man sich identifizieren kann. Ich glaube, dass das noch eine große, positive Wirkung haben kann.

        Natürlich machen auch die Namen und Fotos der Täter die Runde. Aber gleichzeitig diese Hervorhebung des toten Polizisten und des alerten Supermarktmitarbeiters… das nimmt den Bösen ein Stück weit den unverdienten Ruhm der Nachwelt.

        Insofern glaube ich nicht, dass wir hier einen Murmeltiertag erleben, bei dem sich unverändert alles wiederholt, was Terroranschläge und politische Morde angeht. Sicherlich wird auch viel Müll geschrieben (das ist Meinungsfreiheit), aber ich sehe doch auch die anderen Signale.

  3. Schon mal aufgefallen wie ähnlich das mit NAWALT und dem Feminismus ist?

    Es fehlt die innere Auseinandersetzung der Moslems untereinander damit. Die Abgrenzung davon. Vor allem auf der Ebene der geistlichen Führung.

    Es wird gänzlich bizarr, wenn man betrachtet, dass die (Terror-) Kriege auch Moslems gegen Moslems beinhalteten, jedenfalls gegen jene Moslems, die nicht in die dogmatische Terrorlinie passen. Gegen Ungläubige sowieso. Selbst Genozid wie bei den Jesiden

    Und es gibt dieses Eigentümliche stillschweigende tolerierte bzw sympathisierende Mitnehmen der Durchsetzung des Islam durch den radikalen Islamismus. Wobei genau dieses unehrliche Element auch bei den Kreuzzügen und der Inquisition zu ihrer eigentlichen Behauptung gegenüber möglichen Widerständen geführt hat. Das war wohl auch so bei anderen fürchterlichen Ideologien. Und ist eben auch so beim Feminismus. Das Opfer-Sündenbock Denken und die klammheimliche Hoffnung vieler davon doch zu profitieren ist die Honigfalle was es immer wieder so erfolgreich macht. Das alles obwohl sie auch Angst davor haben. Oder gerade deswegen?

    Wie tritt man dem entgegen?

  4. @petpanther

    Du schreibst: „Es fehlt die innere Auseinandersetzung der Moslems untereinander damit. Die Abgrenzung davon. Vor allem auf der Ebene der geistlichen Führung.“

    Drei Anmerkungen:

    1. Es gab bereits eine Presseerklärung am 7.1. vom Zentralrat der Muslime, in der diese Distanzierung unübersehbar ist:

    „Anlässlich der erschütternden Anschläge in Paris, gab der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) heute in Köln folgende Mitteilung heraus:

    Wir verurteilen diesen abscheuliche Terroranschlag aufs Schärfste. Wir sind erschüttert und schockiert über das Massaker, das an Zeitungsredakteuren und anderen Personen verübt wurde und wir trauern mit den Hinterbliebenen.
    Es gibt in keiner Religion und keiner Weltanschauung auch nur einen Bruchteil einer Rechtfertigung für solche Taten. Dies ist ein feindlicher und menschenverachtender Akt gegen unsere freie Gesellschaft. Durch diese Tat wurde nicht unser Prophet gerächt, sondern unser Glaube wurde verraten und unsere muslimischen Prinzipien in den Dreck gezogen.“
    http://www.zentralrat.de/24507.php

    Petpanther, wo kannst du hier die „stillschweigende tolerierte bzw. sympathisierende Mitnehmen der Durchsetzung des Islam durch den radikalen Islamismus“ erkennen???

    Meiner Meinung nach werden solche Erklärungen medial ignoriert, gerade *weil* damit „Grauzonen“ konstruiert werden. In denen dann bspw. in Printmedien seitenlang darüber „nachgedacht“ werden kann, dass die Islamisten zwar extreme Ränder sind; aber ob nicht doch evtl. die schweigende Mehrheit der Muslime klammheimlich mit ihnen sympathisiert.
    Weil ja die Abgrenzung fehlt…
    Das wird man doch wohl mal schreiben dürfen!

    2. Das Problem an deinem Begriff „geistliche Führung“ ist, es gibt keine dem Papst in der katholischen Kirche vergleichbare Zentralinstanz im Islam.

    3. Das Handeln (deutscher) Politik im Inland folgt a. ökonomischen Interessen der Export-Industrie, b. den Interessen, die ausländische Investoren ermuntern, ihr Geld in deutsche Aktion, Firmen, Staatsanleihen anzulegen.
    Und weil man es sich nicht mit Saudi-Arabien, Kuwait oder Katar verscherzen will, hält man beim mit Milliarden subventionierten Export des Wahhabismus ganz einfach die Klappe.
    Dass diese dogmatische Sekte wiederum eine sehr große Schnittmenge mit den Salafisten hat, übersieht man großzügig. Denn im Zweifelsfall gibt es „gute“ Salafisten, die man in ihrem bewaffneten Kampf in Syrien sieht. Genauso, wie al Qaida eine dufte Organisation war, so lange sie gegen die sowjetischen Truppen in Afghanistan vorging.

    Schönen Gruß, crumar

    1. @crumar

      Die Abgrenzung durch den ZMD ist zu begrüßen, aber viel zu dünn. Dies geht nicht unbedingt zu Lasten des ZMD, obwohl er sich medial mit sehr viel größerem Fervor engagieren könnte. Gerade im Angesicht der Entwicklung.

      Ich meine auch und vor allem die muslemischen Staaten. Gerade auch z.B. die, die Du erwähnst.

      Und es können sehr wohl einige der Geistlichen hervortreten und sich öffentlich engagiert dagegenstellen, ohne das es einer zentralen Führung bedarf. Das passiert seit langem nicht.

      Da passt etwas nicht. Es bildet sich keine echte kraftvoll interne Gegenbewegung die kohärent wahrnehmbar wäre. Die Gründe dazu kenne ich nicht. Angst? Oder das was ich angedeutet habe?

      Was sehr wohl sichtbar ist, ist das es eine modern aufgeschlossene Opposition gibt, die im arabischen Frühling mit (nicht alleinig, denn auch die Moslembrüder etc. waren dabei) treibende Kraft war. Insofern ist mein Argument diesen Menschen gegenüber ungerecht, denn sie riskierten auch ihr Leben.

      Im übrigen teile ich Deine Auffassung im Hinblick auf die Presse und Politik.

  5. @emannzer: Danke für den Hinweis auf das Interview mit dem Münsteraner Professor Mouhanad Khorchide. Ich hatte vorgestern einen längeren Kommentar bei Adrian abgegeben, der konsistent mit diesem Interview ist. Einen Punkt aus diesem Kommentar will ich hier noch mal aufgreifen:

    Konsens ist, daß unter dem Begriff Islam
    1. die Religionslehre gemäß Koran, die „Buchreligion“, und
    2. die real praktizierte Religionslehre gemäß einer bestimmten Polulation, z.B. die deutschen Muslime verstanden werden.

    Von 1. gibt es theologische Auslegungsvarianten, 2. hängt vom Land ab uns ist in Deutschland, Frankreich, Tunesien, Ägypten usw. jeweils anders. Wir haben also eine heillose Vielfalt von Haupt und Untervarianten, die praktisch niemand auseinanderhalten kann. Z.B. verlangt die sehr interessante Auslegungsvariante von Khorchide, daß die Tötungsgebote nur im Kontext damaliger Kriege interpretiert werden dürfen, sehr spezielles geschichtliches Expertenwissen, das kein Durchschnittsbürger hat.

    Die real praktizierte Religionslehren sind kaum dokumentiert. Aus Sicht des Durchschnittsbürgers gibt es nur die Zusage, wir halten die deutschen Gesetze ein, d.h. z.B. die Tötungsgebote gegen Nichtgläubige oder den Dieben die Hände abhacken dürfen wie hier in D. nicht, also lassen wir das. Was machen diese Leute aber in Saudi-Arabien auf der Pilgerfahrt?

    Die offiziellen Deklarationen, man sei friedlich und achte die Menschenrechte etc. klingen sehr gut, was das aber im der Substanz bedeutet, bleibt verschwommen. Beispielsweise gelten die Menschenrechte natürlich nicht für kleine Jungs, deren Genitalien man verstümmelt. D.h. Muslime zeigen hier ständig, daß sie keineswegs vollständig in unserem Wertesystem angekommen sind.

    Summa summarum halte ich trivialisierende Äußerungen von der Art „der Islam ist friedlich“ für unproduktiv (egal ob von Gauck oder dem Zentralrat der Muslime oder wem auch immer).

    Als Privatmensch schafft man es nicht, das genauer einzugrenzen, was die deutschen Muslime tatsächlich machen, also welche Ge- und Verbote sie tatsächlich gelten und auch durchgesetzt werden. Diese Klarheit, nach außen und nach innen, ist aber kommunikative Aufgabe der Muslime, nicht meine. Am besten würden die Muslime ein Buch mit den in 2015 und D. gültigen Verhaltensnormen aufschreiben. Dann hätte jeder einen Referenztext, auf dessen Basis er sich mit wenig Aufwand eine fundierte Meinung bilden kann und die Spekulationen, was „der Islam“ nun wirklich ist, hätten ein Ende.

    Dazu müßte aber die Muslime erstens sich zusammenraufen und zweitens endlich die Hausaufgaben, die im Interview von Khorchide angemahnt werden, erledigen. Und im Ergebnis erwarte ich u.a. ein Verbot von Genitalverstümmelungen und mehr Toleranz gegenüber Homosexuellen. Wenn schon im 21. Jahrhundert, dann bitte ganz.

    1. „Die offiziellen Deklarationen, man sei friedlich und achte die Menschenrechte etc. klingen sehr gut, was das aber im der Substanz bedeutet, bleibt verschwommen.“

      Kann man das nicht genauso über die Christen in Deutschland sagen?

      „Beispielsweise gelten die Menschenrechte natürlich nicht für kleine Jungs, deren Genitalien man verstümmelt. D.h. Muslime zeigen hier ständig, daß sie keineswegs vollständig in unserem Wertesystem angekommen sind.“

      Dann sind die Juden in Deutschland ebenfalls nicht vollständig in unserem Wertesystem angekommen.

      „Summa summarum halte ich trivialisierende Äußerungen von der Art “der Islam ist friedlich” für unproduktiv (egal ob von Gauck oder dem Zentralrat der Muslime oder wem auch immer).“

      Die Aussage ist so vereinfacht ausgedrückt und vollkommen wörtlich genommen natürlich Blödsinn. „Die Deutschen sind friedlich“, „Die Christen sind friedlich“, „Die Ausländer sind friedlich“ stimmt ja alles nicht. Im Sinne von „Die überwiegende Mehrheit der XY ist friedlich“ schon. Wenn das gemeint ist: kein Problem.

      „Als Privatmensch schafft man es nicht, das genauer einzugrenzen, was die deutschen Muslime tatsächlich machen, also welche Ge- und Verbote sie tatsächlich gelten und auch durchgesetzt werden.“

      Wie sieht es bei den Christen aus? Das ist den meisten Privatmenschen ebenfalls nicht bekannt.

      „Am besten würden die Muslime ein Buch mit den in 2015 und D. gültigen Verhaltensnormen aufschreiben. Dann hätte jeder einen Referenztext, auf dessen Basis er sich mit wenig Aufwand eine fundierte Meinung bilden kann und die Spekulationen, was “der Islam” nun wirklich ist, hätten ein Ende.“

      Das scheitert daran, dass es nicht den allumfassenden Islam gibt, ebenso wie es nicht das Christentum gibt. Es wäre ein großer Spaß, alle christlichen Konfessionen (in Deutschland) zu bitten, ein gemeinsames Buch herauszugeben. Wenn ich mir überlege, wie schwierig es ist, überhaupt (von oben) irgendwelche Signale zur Ökumene zu bekommen… und selbst wenn sich die größten christlichen Kirchen einigen würden, gäbe es noch einzelne versprengte kleinere, radikale Gemeinschaften, die so einen Konsens ablehnen würden. (Vielleicht begründet sich auch ihr Zulauf gerade darin, dass sie eben nicht Wischiwaschi machen.)

      „Dazu müßte aber die Muslime erstens sich zusammenraufen (…). Und im Ergebnis erwarte ich u.a. ein Verbot von Genitalverstümmelungen und mehr Toleranz gegenüber Homosexuellen. Wenn schon im 21. Jahrhundert, dann bitte ganz.“

      Das Zusammenraufen ist kaum zu machen, siehe die Parallele zum Christentum. Zur Homosexualität kommen immer wieder widersprüchliche Signale.

      Das zeigt das Dilemma: Der Islam erscheint vielen von uns als fremde und unbekannte Religion. Wenn wir jedoch gleiche Rechte für alle fordern, können wir nicht aus unserem Unwissen und unserer Angst heraus einigen strengere Auflagen machen als anderen.

    2. @Graublau: Ich sollte vorausschicken, daß ich überzeugter Atheist bin, allerdings natürlich christlich durch die Erziehung geprägt. Trotz dieser Prägung ist mir das Christentum genauso fremd geworden wie es der Islam schon immer war.

      zu den Vergleichen mit den Christen, Buddhisten und anderen Religionen, die überall vorgebracht werden: prinzipiell sind die mMn kein Argument zur Sache, sondern ein Ablenkungsmanöver der Art „wenn die Mafia ein paar Leute umbringt, wieso nicht, die Camorra macht es ja auch“. Wenn ich Religion X hinsichtlich ihrer ethischen Maßstäbe beurteile, dann möglichst nicht mit Argumenten der Form, daß sie gleich oder anders als Religion Y ist.

      Hinsichtlich der Diskrepanz zwischen Buchreligion und in bestimmten Populationen praktizierter Religion hat der Islam ein viel größeres Problem als das Christentum: Dieses hat nicht entfernt so umfangreiche und allgemeine Tötungsvorschriften wie der Islam, die kommen m.W. nur um alten Testament vor, sind also durch das neue Testament überholt worden, und es gibt ein extrem prominent plaziertes Tötungsverbot in den 10 Geboten, das selbst ein blutiger Anfänger nicht übersehen kann. D.h. bei einer Lektüre der religiösen Schriften ist es beim Christentum viel wahrscheinlicher als beim Islam (aber nicht garantiert), zur Erkenntnis zu kommen, töten sei eine schwere Sünde. Empirisch kann man diese Wahrscheinlichkeit an der Zahl der Terroristen (inkl. Terror-Staaten wie in Arabien) ablesen, die sich auf die beiden Religionen beziehen.

      Ich vergleiche es mal mit Autofahren mit 1 Promille Alkohol: die meisten dieser Fahrten verlaufen glimpflich, aber die Unfallwahrscheinlichkeit steigt stark an, deswegen ist es verboten. Christentum entspricht 0,5 Promille, Islam entspricht 1,5 Promille. Es geht nicht alleine ums Prinzip, sondern um das Unfallrisiko. Die beiden oben zitierten Interviews von Abdel Mottaleb El Husseini und Mouhanad Khorchide bringen das auf die Formel, daß der Islam endlich eine innere Auseinandersetzung führen muß, die – nach meiner Interpretation – Dokumente produziert, die die heute ethischen Standards für jeden verständlich benennt.

      Die Christen haben ja den Katechismus, das kann als Denkmuster dienen. Die Christen hatten auch einen Martin Luther, der die Originalschriften zumindest sprachlich um über 1000 Jahre modernisierte und damit sehr viele Gefahrenstellen für Mißverständnisse beseitigte.

      „Dann sind die Juden in Deutschland ebenfalls nicht vollständig in unserem Wertesystem angekommen.“

      Hinsichtlich der Genitalverstümmelung mit Sicherheit nicht.

      „Wenn das gemeint ist: kein Problem“

      Darauf will ich gerade hinaus. Die Diskussion über den Islam benutzt Begriffe, die sehr verschieden interpretiert werden, und scheitert meist schon an der sprachlichen Ebene, bevor man überhaupt zum inhaltlichen Verständnis anderer Meinungen kommt. Deswegen reite ich immer auf Referenzdokumenten herum, wo jeder nachsehen kann, was gemeint ist.

      „Wenn wir jedoch gleiche Rechte für alle fordern, können wir nicht aus unserem Unwissen und unserer Angst heraus einigen strengere Auflagen machen als anderen.“

      Das ist eine Art Beweislastumkehr zu lasten des Opfers. Um bei dem Vergleich zu bleiben: jede (Buch-) Religion schafft ähnlich wie betrunken Autofahren Risiken, daß 1% der Leser die Schriften wörtlich nehmen und sich davon ein Bruchteil radikalisiert. Es ist zuallervorderst eigene Aufgabe jeder Religion bzw. der Religionsgemeinschaft, diese Risiken zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu planen und durchzuführen, und das auch der restlichen Gesellschaft gegenüber zu dokumentieren und kommunizieren. Vergleich es von mir aus auch mit dem Fußball. Der ist nicht per se gewalttätig, zieht aber Schlägertypen magnetisch an. Diese empirische Eigenschaft verpflichtet die Vereine zu entsprechenden Gegenmaßnahmen vor dem Stadion.

      In diesem Zusammenhang nervt mich auch der Begriff „Mißbrauch“ einer Religion durch Extremisten. Das leugnet das inhärente Risiko, das von der Buchreligion selber ausgeht und fällt in die Kategorie der Ferndiagnosen. Man kennt zwar keinen persönlich, weiß aber genau, daß diese Extremisten zuerst extrem waren und danach erst nach passenden Stellen im Koran gesucht haben, die ihre Morde rechtfertigen.

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