Fundstücke 2014: Nivea(u) mit Vätern

Pünktlich zum Nikolaus möchte ich eine Geschichte aufgreifen, die letztes Jahr in der Vorweihnachtszeit für einigen Wirbel gesorgt hat. Nivea brachte einen Weihnachtsspot heraus, bei dem auffälligerweise der Vater der Familie vollkommen selbstverständlich ausgeblendet war. Weder tauchte er auf, noch wurden er oder sein Fehlen erwähnt. (Zu weiteren und genaueren Analysen verweise ich auf die Darstellung von Lucas Schoppe mit weiterführenden Links.)

Nivea: Weihnachten (2013)

Das wurde jedoch nicht nur in diversen Blogs auf die Tagesordnung gebracht, nein, es gab einen offenen Brief an die Firma Beiersdorf und einige Leute ließen nicht locker, trafen sich sogar mit einem Vertreter der Firma. Das erste Zwischenergebnis, über das auch hier im Blog berichtet wurde: Zum Vatertag kam ein eigener Spot heraus. (Emannzer hat darüber mehrfach geschrieben – auch hier mit weiterführenden Links.)

Nivea: Danke, Papa (zum Vatertag 2014)

Klar, einen endgültigen Beweis dafür, dass dieser Aktivismus letzten Endes zu diesem Ergebnis geführt hat, habe ich nicht. Dennoch gehe ich nach dem mir vorliegenden Informationsstand davon aus: Protest lohnt sich.

Da sind Leute aus ihrer Blogblase herausgegangen, wurden ungemütlich, blieben hartnäckig an der Sache. Man kann etwas erreichen – ich halte das für eine der wichtigsten Botschaften aus dem Jahr 2014, was Männerrechte angeht.

Über das Twitterkonto „Das Patriarchat“ wurde ich – ohne selbst Twitter zu benutzen, ich lese nur bei Alles Evolution und Ach Domina mit – auf einen Beitrag bei Agens e.V. aufmerksam. Nivea hat dazugelernt und zeigt dieses Jahr einen viel schöneren Spot:

Nivea – Weihnachten (2014)

Da fällt der Satz „Zusammen ist Weihnachten am schönsten“ – das ist doch schön gesagt. Leider werden dieses Jahr manche die Freude ihrer Kinder nicht mehr erleben, weil sie im Kampf um das Sorgerecht zermürbt wurden.

Ein wenig Medienanalyse

Es ist mir erst beim Anschauen der älteren Videos aufgefallen: Da wurde dasselbe Kleinkind verwendet und einige Szenen für den aktuellen Weihnachtsclip einfach wiederverwertet. Deswegen habe ich mir mal die Mühe gemacht und genauer hingesehen (Videos zu besprechen kann ja recht nützlich sein):

Nivea: Weihnachten (2014)
1. Szene: Kind auf Sofa mit Plätzchen: schon Weihnachten 2013, ab ca. 0:30
2. Szene: Kind tapert durch die Wohnung und weckt die Eltern: schon Vatertag, ab 0:00
3. Szene: Kind kommt mit Papa vom Einkaufen wieder: schon Vatertag, ab ca. 0:41
4. Szene: Mutter erwartet Vater und Kind: nicht in den zwei anderen Videos
5. Szene: Mutter schmückt Baum mit Kind: nicht in den zwei anderen Videos
6. Szene: Mutter mit Onkel und Kind: schon Weihnachten 2013, ab ca. 0:19
7. Szene: Kind guckt aus dem Fenster, die Großeltern kommen: schon Weihnachten 2013, ab ca. 0.36

Gesamtlänge: 0:49 Minuten, davon ca. 9 Sekunden Material, das nicht aus zwei konkreten älteren Videos stammt. So wenig kostete es, einen Weihnachtsspot zu drehen, in dem auch der Vater einen Platz hat. Klar, das musste noch richtig geschnitten und vertont werden, aber: Es brauchte anscheinend keine Neu- oder Nachdrehs, die Aufnahmen waren offensichtlich in weiser Voraussicht „auf Halde“ geschossen worden, um sie bei Bedarf neu zu kombinieren. Das Kind ist dasselbe vom letzten Jahr und in den neuen Szenen keinen Tag gealtert. Es gibt im Video 2013 eine etwas andere Baumschmückszene, in der die Mutter dieselben Sachen anhat.

Wir sehen denselben Hauseingang, wenn einmal Vater und Kind vom Einkauf zurückkehren und ein anderes Mal die Großeltern eintreffen. Vater und Kind sind dabei erstaunlich luftig angezogen für die Winterzeit – man beachte im Vergleich dazu die deutlich erkennbar auf Winter getrimmten Großeltern. Hingegen sind Kleidung und Frisur der Mutter in der darauffolgenden Szene, die die Einkaufsrückkehr abschließt und den Vater in denselben Sachen zeigt, anders als in ihren Weihnachtsszenen. Die Szene, in der das Kind ins Schlafzimmer der Eltern tappst, ist etwas zusammengeschnitten, weil die ursprüngliche Aussage „irgendetwas ist mit meinem Spielzeug, Papa bringt das wieder in Ordnung“ zum Vatertag-, aber nicht zum Weihnachtssetting passt. Und schließlich kommt der Vater in keiner eindeutig als Winter oder Weihnachten erkennbaren Szene auf.

Das alles könnte darauf hindeuten, dass man die Szenen mit dem Vater ursprünglich gar nicht für Weihnachten vorgesehen hatte. In der polnischen Version des Weihnachtsspots 2013 war angeblich ein anderer Text verwendet worden, in der der Onkel der deutschen Version der Vater war. Vielleicht wollte man auf Deutsch den etwas nerdig wirkenden und als „ungeschickt“ dargestellten Mann dann doch nicht als Vater verwenden, weil man damit gleich ins nächste Fettnäpfchen getappt wäre. Dass Väter angeblich nichts auf die Kette kriegen und nutzlos sind, wäre ja keine bessere Botschaft. (Einem Onkel, der zu Gast ist und offensichtlich keine eigenen Kinder hat, kann man zumindest verzeihen, dass er mit den praktischen Tagesabläufen einer Familie nicht vertraut ist.)

Wie auch immer es gewesen ist (das letzte war ja Spekulation meinerseits): Der neue Spot zeigt, dass man es besser machen kann!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal ganz naheliegend ein Lied, in dem der Vater schon im Titel auftaucht.

Cat Stevens: Father and Son

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Fundstück: Genderfeminismus 101

Unter asemann.de wurden vor einiger Zeit zwei Teile einer Serie veröffentlicht, die mehr Leser verdient hat. Ein dritter Teil ist bereits angekündigt.

Das alternative Gender-Feminismus 101
Teil 1: Die Grundlagen des Genderfeminismus
Teil 2: Der Genderfeminismus und die „Verschwörung des Patriarchats“

Solche Texte erfüllen gleich drei Funktionen: Erstens werden hierbei theoretische Grundkenntnisse geordnet abgelegt, so dass man sie leicht nachlesen und darauf verweisen kann. Zweitens sind sie von tagesaktuellen Debatten entkoppelt, bei denen einerseits schnell die Emotionen hochkochen und anderseits bestimmte Sachen nur noch in Form von Zitaten oder Stichwörtern erwähnt werden, was es einem Außenstehenden schwer bis unmöglich macht, zu folgen. Drittens sind gut formulierte Texte immer ein Kandidat, um ein möglicher Zufallstreffer via Google zu werden.

Die vorliegende Arbeit scheint ganz im Stil eines Autoren wie Man in the Middle zu sein. (Achtung, bei ihm ist die Seitenleiste mit den Grundsatzartikeln von der Hauptseite aus derzeit unter den Blogtexten zu finden – schlechtes Blog-Thema ausgewählt?)

Zwei persönliche Erlebnisse aus diesem Jahr, die mir in dieser Hinsicht Mut gemacht haben: Als eine Diskussion zu einem völlig anderen Thema plötzlich auf Sexismus gelenkt wurde und ich die Welt nicht mehr verstand, empfahl mir einer, zu meiner eigenen Bildung doch einmal „Privilegientheorie“ zu googeln und die ersten Ergebnisse durchzulesen. Lustigerweise bekam ich auf Deutsch als ersten Treffer besagten „Man in the Middle“, als zweiten Alles Evolution von Christian Schmidt.

Aus persönlichen Gesprächen stellte ich zudem fest: Viele Leute lassen sich „impfen“, indem man ihnen ungeschminkt, aber sachlich (und sie dabei ernst nehmend) den theoretischen Überbau einer radikalfeministischen Strömung präsentiert. Wer mitten im Leben steht und offenen Auges durch die Welt geht, läßt sich danach auch nicht mehr so leicht mit künstlich erzeugten Schuldgefühlen oder dem Druck sozialer Ächtung manipulieren.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal mit einem Lied, das gleichzeitig ruhig wie optimistisch ist.

Des’ree – You Gotta Be

The Physical Approach

Den folgenden Text hatte ich gelegentlich bereits hier verlinkt. Er fasst einige meiner persönlichen Erfahrungen als Frau in einem von Männern dominierten Beruf zusammen.

Ich habe – das ist schon ein paar Wochen her – eine Mail bekommen, ob ich mich als „MINT Role Model“ bewerben will.
Nein, will ich nicht.

IMHO ist es keine gute Idee, Mädchen unbedingt in MINT-Berufe zu drängen. Die wenigsten haben das Zeug dazu (BTW, auch die wenigsten Jungen).
Die Wenigen, die das schaffen können, werden das wohl auch ohne zusätzliche Ermunterung tun.

Und man sollte schon wissen, worauf man sich einlässt. Die meisten MINT-Berufe (von Biologie mal abgesehen, das ist aber auch keine exakte Wissenschaft) sind reine Männerdomänen. Da braucht man als Frau schon einiges an Durchsetzungsvermögen, um da mitzuhalten.

Und natürlich sollte man Männer – trotz all ihrer unbestreitbaren Macken – mögen. Insbesondere ist es sehr hilfreich, wenn man auch ihren – öfters zotigen – Humor teilen kann, ohne sich gleich persönlich angegriffen oder belästigt zu fühlen.
Wer eine Androphobie hat, oder wem es mulmig wird bei dem Gedanken, mit zig Männern alleine in einem Raum zu sein, und ggf. auch noch selbst zu referieren, sollte es bleiben lassen. Oder wem die Vorstellung nicht behagt, mit einem Mann alleine in einem finsteren Raum unter Rotlicht zu sein (Dunkelkammer zur Entwicklung von Röntgenfilmen).

Ein Teil der Frauen in Männerberufen hält es für notwendig, sich auch optisch den Männern anzugleichen, sprich Hosenanzug und kurze Haare. Aber ich meine, es reicht wirklich, in einem Männerberuf zu arbeiten. Ich für meinen Teil möchte nicht so aussehen und mich auch nicht so verhalten.

Wenn ich mich an mein Studium erinnere, war die Abbruchquote unter den Frauen deutlich größer, als unter den Männern. Aber die paar, die die ersten zwei Semester durchgehalten haben, haben’s dann auch bis zum Schluss geschafft.
Bei guten Prüfungsnoten muss man mit gewissen Unterstellungen seitens der männlichen Kommilitonen (insbesondere von denen mit schlechteren Noten) rechnen, denn die Professoren sind ja alle Männer.

Obwohl ich mich zu Studienzeiten noch unauffällig gekleidet habe und auch meinen typischen Charme noch nicht entwickelt hatte, ist es vorgekommen, dass ich angestarrt wurde, als hätten die Leute noch nie eine Frau gesehen, naja zumindest nicht in diesen geheiligten Hallen. Mit solch einem Exotenstatus muss man leben können. (Naja, nach und nach konnte ich dem auch positive Aspekte abgewinnen.)

Es ist nicht üblich, sich zu schminken, was wieder einmal ein Indiz dafür ist, dass Frauen sich nicht für Männer (meiner Erfahrung nach mögen die meisten Männer – zumindest die Männer, mit denen ich zusammen war – geschminkte Frauen auch gar nicht so), sondern gegen andere Frauen schminken. Selbst A.M. schminkt sich erst, seit sie diesen hohen Posten hat. Ich schminke mich nur zu besonderen Anlässen, und auch dann nur ganz dezent.

Hin und wieder passiert es, dass man mit „Herr“ oder „Sir“ adressiert wird. Wen das zu sehr stört, wird in einem MINT-Beruf nicht glücklich.
Und der Unterschied zwischen Genus und Sexus sollte einem sowieso selbstverständlich sein.

Ach ja, und manche Leute sind wirklich geschockt, wenn man als Frau bekennt, einen technischen oder naturwissenschaftlichen Beruf auszuüben.

Solche Jobs sind nichts für Emanzen und Feminstinnen, die sich ständig benachteiligt oder diskriminert fühlen (wollen), sondern für pragmatische Realisten, die sich – ohne lang herumzudiskutieren – mit den Gegebenheiten arrangieren.

Fundstücke 2014: Thomas Hitzlsperger

Das Jahr war erst wenige Tage alt, da gab der ehemalige Fußballprofi Thomas Hitzlsperger in einer Erklärung (PDF) und einem begleitenden Videointerview (siehe unten) bekannt, dass er homosexuell sei. Damit hatte 2014 seinen ersten Knüller.

Interview Thomas Hitzlsperger – Deutsche Fassung

Die Wortwahl war wohl sorgfältig ausgetüftelt worden, dennoch: Auf mich wirkte das alles authentisch und natürlich.

Was natürlich die nächste Frage aufwirft: Ja, wenn das alles kein so großes Ding ist, warum dann so einen Bohei darum machen?

Weil es eben, da mache ich mir nichts vor, nach wie vor keine Selbstverständlichkeit ist, dass ein männlicher Fußballer sagt: „Ich möchte mit einem Mann zusammen leben.“

Bei all der öffentlichen Zustimmung, die als Reaktion auf diese Erklärung kam, gab es auch kritische Stimmen, die darauf hinwiesen, was nach wie vor nicht erreicht worden sei: Das Coming out kam erst vier Monate nach dem Karriereende, das eines aktiven Spielers im Männerfußball steht noch aus.

Dazu sei jedoch gesagt: Die Einschläge kommen näher. Gut darauf hingewiesen hat etwa Arndt Zeigler in seinem offenen Brief (der zur Gänze lesenswert ist, bitte nicht von der Facebook-URL irritieren lassen). Thomas Hitzlsperger, das ist nicht irgendeine Randfigur, ein Gescheiterter oder Unbekannter. Thomas Hitzlsperger hat für die Nationalmannschaft gespielt, hat die Kapitänsbinde getragen, für Deutschland Tore geschossen. Er ist WM-Dritter und EM-Zweiter geworden, war Teil jener Gruppe von Spielern, die ab 2006 recht erfolgreich spielten und dabei insgesamt doch sehr sympathisch wirkten. Thomas Hitzlsperger, das ist einer aus der Mitte, einer von uns – und genau das macht seinen Schritt so bedeutsam.

Es fällt mir erst im Rückblick auf, wie selbstverständlich Frauen und Freundinnen der Spieler nach dem gewonnenen WM-Finale Teil des Blitzlichtgewitters wurden. Es gab sogar eine eigene Fotostrecke nur mit den Damen. Klar, viele von ihnen sind Fotomodelle, die sich präsentieren müssen, da kommt ihnen diese Aufmerksamkeit natürlich entgegen. Bei soviel öffentlich ausgelebter Heterosexualität muss aber umso mehr auffallen, wenn einer nicht mitmacht. Man könnte dann sozusagen residual darauf schließen, wer anscheinend homosexuell ist, aber das – aus welchen Gründen auch immer – nicht bekannt geben möchte. Um sein Privatleben privat zu halten, müsste man plötzlich zur Tarnung eine Alibi-Freundin präsentieren. Ohne dass jemand anderes bewusst Zwang ausübt, wird man am Ende durch das kollektive Verhalten doch gezwungen.

(Diesen Mechanismus kennt man übrigens auch aus anderen Zusammenhängen. Wenn bei einem Massen-DNA-Test fast alle mitmachen, kommt man in Erklärungsnot, wenn man sich verweigert. Wenn ohne Anlass die Kommunikation der Bevölkerung überwacht werden soll und als Argument angeführt wird: „Wer nichts zu verbergen hat, hat ja nichts zu befürchten.“)

Bei der Kritik am radikalen Feminismus habe ich in den letzten Monaten mehrfach den kritischen Hinweis gelesen, dass das Private zum Politischen wird. Im Fall Thomas Hitzlsperger hat das Private nach wie vor eine politische Dimension, hier lassen sich die beiden Ebenen nicht vollständig trennen. Seine Erklärung, die streng genommen nur sein Privatleben betreffen sollte, hat dafür gesorgt, dass Homosexualität in Deutschland ein Stück weit mehr Normalität geworden ist

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal mit einem Lied, das unmittelbar mit dem Thema zu tun hat.

Marcus Wiebusch: Der Tag wird kommen

Inaktive Autoren und feste Tage

Das Konzept sieht vor, dass jeder Autor zumindest einmal im Monat, an seinen festen Tagen, einen Artikel einstellt.

Ich habe gerade mal nachgeschaut und von denen mit festen Tagen scheinen mir:

  • M.,
  • Malniski
  • Zuerst Mensch
  • Franz
  • wie man in den Wald

nicht mehr wirklich dabei zu sein. Ich würde sie, wenn sie sich nicht bis zum 10.12.2014 melden aus der Liste nehmen (aber als Autoren aktiv lassen, so dass sie gerne wieder einsteigen können), damit die Tage für andere Interessenten frei werden.

(wer mitschreiben will, der kann sich gerne melden)

 

Movember – wie war es?

Es ist schon einen Monat her, da ging der Movember 2014 los. Laut dem offiziellen Internetauftritt werden nach wie vor Spenden eingesammelt – und, viel wichtiger, es finden sich dort zahlreiche Fakten zur Männergesundheit.

Dieses Jahr wurde zusätzlich ein neues Tabu angesprochen: Die geistige Gesundheit, die ich für ein wichtiges Thema halte – so wichtig, dass ich auch einmal alle Mitglieder des Gesundheitsausschusses anschreiben lasse. (Die Reaktionen dazu muss ich noch dokumentieren. Es kam inzwischen einiges zusammen.)

Auf meinen Aufruf zur Teilnahme am Movember hier in der Blogblase folgte nur ein sehr verhaltenes Echo. Es gab keine weiteren Artikel beim Geschlechterallerlei zu dem Thema – zugegeben, es gab auch ein paar andere Säue, die in dieser Zeit durchs Dorf getrieben wurden und die spektakulärer waren. Immerhin, Neuer Peter wollte mitmachen, und Matze wies in einem Kommentar noch auf ein Spiegel-Interview mit Christoph Waltz hin.

Aber natürlich sollte ich mich zuerst an die eigene Nase fassen und fragen: Was habe ich denn gemacht?

Da ich pseudonym blogge, habe ich mich nicht offiziell registriert, um Spenden einzusammeln, und auch ansonsten den Ball eher flach gehalten. Mir geht Aktivismus auf die Nerven, der nur anderen Leuten ein schlechtes Gewissen macht und wenig mit Wissen und Argumenten unterfüttert wird. Ich wollte nicht hektisch und schrill als der Megaauskenner auftreten, der ich einfach nicht bin, denn es war mein erster Movember. Also habe ich mir bescheidenere Ziele gesetzt, die ich dann auch wirklich vertreten konnte.

Ganz trivial wollte ich zunächst einmal sehen, ob ich das überhaupt einen Monat durchhalte mit dem Schnurrbart oder ob nicht irgendwann ein Punkt kommt, in dem ich mich wieder komplett rasieren muss. Und vor allem: Wie würde das Umfeld reagieren?

Die gute Nachricht lautet: Es war überhaupt kein Problem. Ich lebe in einer so toleranten Gesellschaft, dass sich einen Schnurrbart wachsen lassen keine Sache ist, die irgendwie groß kommentiert, diskutiert, bemängelt wird. (Böse interpretiert: „Ich bin anderen Leuten so etwas von egal!“ oder „Die schauen mich so wenig an; die merken ja noch nicht einmal, wenn ich mir einen Bart wachsen lasse!“)

Die schlechte Nachricht lautet: Das bedeutet natürlich auch, dass solche symbolischen Gesten alleine wenig Anlass für Gespräche bringen. Es muss also schon noch ein wenig mehr passieren – zumindest in meinem Umfeld – um für ein Thema Aufmerksamkeit zu erregen.

Immerhin ergaben sich einige sehr gute Gespräche, die vielleicht, gerade weil sie zwanglos entstanden, sehr locker und entspannt waren und in denen ich einige wesentliche Punkte ansprechen konnte. Natürlich wird man damit am Anfang vor allem Leute erreichen, die ohnehin interessiert an neuen Dingen sind und aufgeschlossen gegenüber Argumenten. Aber wenn man diejenigen mit offenem Geist für ein Thema gewinnt, hat man schon einen wichtigen Teil der Bevölkerung angesprochen. Sich am Anfang einfache Ziele zu setzen, ist ja nicht die schlechteste Idee für Aktivisten.

Das Geschlechterallerlei im Advent

Hier im Blog war es zwischenzeitlich ruhig geworden und nach zwei besseren Monaten im September und Oktober hat sich das im November wieder eingestellt. Selbstverständlich läßt sich darüber streiten, ob mehr unbedingt besser ist. Andererseits (so meine Lesart der Statistiken) bringen neue Artikel deutlich mehr Aufrufe als dasselbe Thema über mehr als einige Tage stehen zu lassen, selbst wenn es ein gutes/beliebtes/vieldiskutiertes ist. Ein guter Artikel, der einen Hinweis bei Genderama wert ist, sorgt für hohe Zugriffszahlen. 2/3 der Aufrufe kommen dann durch die Erwähnung bei Arne Hoffmann.

Trotzdem möchte ich im Dezember noch einmal etwas ausprobieren, auch wenn ich mich nicht vorbereitet habe: Wie wäre es mit einer Art Adventskalender? Versuchen wir doch, ab heute bis zum 24. jeden Tag einen Artikel zu haben, und sei es nur ein Fundstück. Wenn jemand anderes etwas schreibt, umso besser. Wenn ich sehe, dass für den nächsten Tag kein Artikel zur Veröffentlichung geschrieben und eingeplant ist, nehme ich mir die Freiheit, im Verlauf des Tages etwas zu bloggen. Ich habe keine Ahnung, ob der Stoff reicht, aber ich denke da an verschiedene kleinere Fundstücke. Außerdem geht jetzt die Seuche mit den Jahresrückblicken los, das wäre doch einmal ein Anlass, um das positiv zu nutzen und über Themen zu schreiben, die einen besonders geprägt haben in diesem Jahr. (Das wäre sogar eine schöne Blogparade, aber ich will die Erwartungen nicht zu hoch setzen…)

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal mit einem ganz bekannten Schnurrbart der Popgeschichte. Freddie Mercury ist bärtig in Erinnerung geblieben, auch wenn der Bart gar nicht so lange blieb. Hier ein Song vom Album „Hot Space“, auf dessen Cover er erstmals prominent in Erscheinung tritt.

Queen: Under Pressure