Fundstück: Zitate und Belege

Fast wäre mir eine vielversprechende Quelle durch die Lappen gegangen! Zum Glück erinnerte mich man.in.the.middle in einem Kommentar daran. Er betonte, dass man selbst sauber argumentieren und auch Belege für angebliche Zitate finden muss.

Da fiel mir die Materialsammlung von Lucas Schoppe ein. Er hatte eine Zitatesammlung erwähnt mit Quellangaben, woher diese stammen. Insgesamt gibt es drei Teile:

Frankly, No:
But Misandry Don’t Real: Authors and Politicians
But Misandry Don’t Real: Professors and Academics
But Misandry Don’t Real: Bullying and Suppression of Evidence

Noch interessanter klingt für mich ich bei derselben Quelle eine ganz andere Sammlung (und auch diese hat Lucas Schoppe dankenswerterweise erwähnt). Hier geht es um Zitate, die fälschlicherweise Feministinnen zugeschrieben werden:

Unchecked feminist quotes: a list for MRAs, feminists, and anyone who likes factual accuracy

Ich habe, das muss ich zugeben, diese Quellen alle selbst noch nicht gelesen. Da wartet also noch etwas Arbeit auf mich.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal ein Lied, bei dem es im Titel ums Lügen geht.

Charles & Eddie – Would I Lie To You?

Warum ich diese beiden Stellen in Anne Wizoreks Buch perfide finde

An meinem regulären Tag hatte ich keinen Artikel veröffentlicht, sondern nur ein Fundstück zur Filmkritik, das aber offensichtlich nicht besonders interessant war. Deswegen folgt nun ein längerer Text.

Ende September ist Anne Wizoreks Buch „Weil ein Aufschrei nicht reicht. Für einen Feminismus von heute“ erschienen. Es hat in den ersten Tagen bereits jede Menge Rezensionen gegeben (bei Amazon tobte eine wahre Schlacht). Ich hatte damals keine Zeit, um es so schnell zu lesen. Geschafft habe ich es überhaupt nur, weil ich nach den ersten paar Dutzend Seiten meinen ursprünglichen Plan über Bord warf, jede diskutierenswerte Stelle zu vermerken und Notizen zu machen. Da es bereits viele Texte über das Buch insgesamt.gibt, möchte ich stattdessen in einer losen Serie immer wieder einzelne Aspekte oder Stellen herausgreifen und besprechen.

Das hat den Vorteil, dass ich einzelne Teile genauer betrachten kann. Stoff dafür bietet das Buch genug. Außerdem sind die einzelnen Kapitel so unterschiedlich, dass man das auch machen kann, ohne eine längere Argumentation aus den Augen zu verlieren.

Warum dieses Buch?

Natürlich gibt es auch Argumente gegen ein solches Vorgehen. Mir fallen sofort ein: 1. Anne Wizorek ist doch nur eine einzelne Frau, die ist überhaupt nicht repräsentativ für Feministinnen allgemein! 2. Das Buch ist gar nicht so wichtig, daran kann man doch nicht den Feminismus an sich festmachen! 3. Eine zu intensive Beschäftigung misst sowohl der Autorin als auch ihrem Buch mehr Bedeutung zu, als sie tatsächlich haben.

Dazu sei gesagt: Anne Wizorek hat den Grimme-Preis für den Aufschrei bekommen. Der Titel des Buches spielt auch auf diese Aktion an. Sie ist eine Person, die mediale Aufmerksamkeit bekommt. Sie spielt also für das, was in Deutschland derzeit unter dem Stichwort Feminismus passiert, eine große Rolle. An ihr lassen sich nicht, das sei ausdrücklich gesagt, alle Feministinnen messen oder „die typische/durchschnittliche“ Feministin festmachen.

Ich bin mehrfach dieses Jahr angeblafft worden mit dem Hinweis, ich solle doch mal lieber ein feministisches Buch lesen. Dem bin ich hiermit nachgekommen. Ab jetzt kann ich zumindest insofern mitreden. Ich halte es ohnehin für eine gute Vorgehensweise, die Bücher eines vermeintlichen oder tatsächlichen ideologischen Gegners zu lesen.

Und zuletzt kann aus dem Internet alles wieder verschwinden. Was in einem Buch steht, das bleibt. Es ist dann schwerer öffentlich zugänglich für alle, aber es kann bei Diskussionen wieder hervorgeholt werden von denen, die es haben.

Ich hatte in meinem Artikel über Hollaback bereits einmal das Buch erwähnt. Im folgenden möchte ich jedoch auf die beiden schlimmsten Stellen des gesamten Buches eingehen. Sie sind mir beim Lesen sofort unangenehm aufgefallen und sind für mich das Schlechteste, was dieses Buch zu bieten hat.

Der Fall Elliot Rodger

„Als am 23. Mai 2014 bekannt wurde, dass ein junger Mann namens Elliot Rodger in Isla Vista, Kalifornien, sechs Menschen getötet und 13 weitere in einem Amoklauf verletzt hatte, bekam ich dies wieder mal zuerst über Twitter mit. Es kursierte bereits ein Blogpost, der die Tat mit der Männerrechtsbewegung und Pick-up-Artist-Szene in Verbindung brachte.“

(Anne Wizorek, S. 303; im Original steht die URL des Artikels bei den Quellangaben, auf die jeweils via Zahl verwiesen wird)

Für mich ist das ein Paradebeispiel für „mit der Wahrheit lügen“. Es stimmt, dass im erwähnten Artikel behauptet wird, Elliot Rodger habe mit der Männerrechtsbewegung und Pickup zu tun. Was aber nicht genannt wird: Es gibt überhaupt keinen Beleg dafür – weder in dem Artikel selbst, noch in einer späteren Quelle. Das liegt daran, dass die Behauptungen nicht stimmen. Mit Männerrechten hatte Elliot Rodger überhaupt nichts am Hut. Angeblich soll er Geld für eine Pickup-Schulung ausgegeben haben, die aber bei ihm nicht funktionierte, so dass er später Zeit in Anti-Pickup-Foren verbrachte.

Nun könnte das einfach ein peinlicher Recherchefehler sein. Diese Behauptungen machten die Runde, um Belege kümmerte sich da niemand mehr. Wenn es so viele Leute schreiben, wie kann das denn falsch sein? Wie kann die Berichterstattung an so vielen Stellen versagen und ungeprüft solche Falschmeldungen übernehmen? Es waren doch Quellen, denen die Autorin eventuell sonst auch immer vertraute.

Das wäre schlimm genug. Blogartikel kann man schnell korrigieren, Bücher erst in der nächsten Auflage. Anne Wizorek müsste sich hier vorwerfen lassen, ihre Quellen nicht genügend geprüft zu haben.

Ich glaube jedoch nicht, dass das ein Versehen war, sondern gehe davon aus, dass das in voller Absicht geschehen ist. Die Stelle im Buch ist genau so geschrieben, dass man sie nicht als „an sich falsch“ kritisieren kann. Wäre Anne Wizorek tatsächlich davon überzeugt gewesen, dass die Quelle stimmte, dann hätte sie etwas schreiben können in der Form „er war ein Männerrechtler und betrieb Pickup“, also kurz und knapp und deutlich. Das hätte man leicht anfechten können. So messerscharf an dem zu bleiben, was man schreiben kann, aber alles wegzulassen, was die Behauptungen als ungerechtfertigt entlarvte (und das ist im Prinzip jede Quelle, die diese genauer untersucht hat) – das erscheint mir zu sauber ausgeführt, um das Ergebnis eines Zufalls zu sein.

Falls Anne Wizorek jedoch wusste, dass beide Behauptungen nicht stimmten (oder bisher nicht belegt worden sind), dann wäre es nur redlich gewesen, das klarzustellen – oder sie überhaupt nicht erst zu erwähnen. Und hier beginnt die Täuschung der Leser, die nicht mehr über den Fall wissen: Natürlich geht man implizit davon aus, dass kein Autor Vorwürfe erwähnt, an denen nichts dran ist, insbesondere dann, wenn keine Abwägung über ihre Glaubwürdigkeit erfolgt und keine weitere Information. Selbst in eine Frage verpackt, die scheinbar erst einmal gar nichts behauptet (fiktives Beispiel: „War Anne Wizorek beteiligt am Beschädigen einer Apotheke?“) und genauer besehen mit Sicherheit mit „nein“ beantwortet werden kann, wirkt das: Denn wenn es völlig aus der Luft gegriffen wäre, würde doch redlicherweise niemand die Frage stellen… das ist ein beliebtes Prinzip des Boulevard-Journalismus, mit nichts in der Hand etwas schreiben zu können und dabei ganz nebenbei den Ruf von Personen zu beschädigen.

Und genau davon gehe ich auch in diesem Fall aus: Anne Wizorek kann ganz nebenbei die Männerrechtsbewegung und Pickup-Verfechter in schlechtes Licht rücken, indem sie sie mit einem mehrfachen Mörder in Verbindung bringt – und das, ohne das direkt zu behaupten und damit angreifbar zu sein! Das finde ich perfide.

Wenn man schon im Mai/Juni in dieser Blogblase mitgelesen hat, dann weiß man, dass an den Vorwürfen nichts dran ist. Außerdem ist dieser Trick, wie erwähnt, durchaus aus der Presse bekannt. Der zweite Fall ist hingegen noch schlimmer.

Der Fach Jörg Kachelmann

„Als ich vor ein paar Jahren einer Bekannten riet, dass sie den sexuellen Übergriff anzeigen sollte, von dem sie mir gerade erzählt hatte, deutete sie nur auf den Fernseher, der im Hintergrund lief und die neuesten Bilder vom Kachelmann-Prozess zeigte. „Damit mir dann auch niemand glaubt? Nein danke.“ Ich hatte keine Antwort für sie – und habe sie bis heute nicht.“

(Anne Wizorek, S. 112)

Dröseln wir das erst einmal sauber auf. Jörg Kachelmann ist von dem Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden. Dabei kamen dasselbe Prinzip zur Anwendung wie überall sonst: Der Angeklagte gilt als unschuldig, solange seine Schuld nicht hinreichend bewiesen ist. Die Unschuldsvermutung gehört zum Fundament des Rechtsstaates. Es spielt dabei keine Rolle, ob jemand beliebt oder ein Außenseiter ist, ein anständiger Bürger oder ein Charakterschwein.

Natürlich steht es jedem frei, zu glauben, was er will. In der Öffentlichkeit bestimmte Dinge über andere Personen zu behaupten, kann jedoch je nach Rechtslage negative Konsequenzen nach sich ziehen. Jörg Kachelmann hat eine ganze Reihe Unterlassungsklagen gegen diejenigen gewonnen, die das vergessen hatten oder einfach mal austesten wollten.

Was lesen wir in diesem kurzen Abschnitt? Da ist eine Frau offenbar Opfer eines Verbrechens geworden, scheut jedoch vor einer Anzeige zurück, weil sie davon ausgeht, dass in einem prominenten Fall die Klägerin ebenfalls Opfer eines Verbrechens wurde und ihr niemand glaubt. Anne Wizorek fällt dazu angeblich nichts ein.

Das Perfide an dieser Schilderung ist: Anne Wizorek kann ganz nebenbei die Ansicht vertreten, Jörg Kachelmann sei in Wirklichkeit schuldig gewesen. Sie stellt diese Behauptung ja nicht selbst auf, sondern erzählt sie aus dem Mund einer Freundin.

Dass sie diese Ansicht vertritt, läßt sich recht leicht mit ein wenig Logik belegen. Gehen wir einmal vom Gegenteil aus: Da wird ein Unschuldiger in einem rechtstaatlichen Verfahren freigesprochen, eine Bekannte glaubt jedoch, die Klägerin sei tatsächlich sein Opfer gewesen und traut sich deswegen nicht, ein ihr widerfahrenes Verbrechen anzuzeigen. Dazu soll man dann nichts zu sagen wissen. Das ergibt überhaupt keinen Sinn. Deswegen muss unter der Annahme, dass Anne Wizorek grundsätzlich etwas Sinnvolles schrieb, davon ausgegangen werden, dass sie Jörg Kachelmann für schuldig hält. Dann bekommt der zitierte Absatz einen Sinn – auf fatale Weise, wie ich noch zeigen werde.

Doch zunächst zurück zum Szenario, bei dem man von der Unschuld des Freigesprochenen überzeugt ist. Was wäre das erste, was man der Freundin sagen könnte? Etwa „das ist etwas ganz anderes, der Mann ist unschuldig“ oder „das zeigt doch nur, dass Recht und Gesetz funktionieren, das sollte Dich eher ermutigen“. Auf keinen Fall würde man sie im Glauben lassen, sie habe keine Chance mit einer Anzeige, wenn sie sich auf einen Fall beruft, bei dem man der Überzeugung ist, er sei richtig entschieden worden und anders gelagert.

Gehen wir nun einen Schritt weiter. Nehmen wir (fiktiv!) an, Jörg Kachelmann sei tatsächlich schuldig. Was hätte man dann der Freundin sagen können? „Es wird immer Fehlentscheidungen geben, aber das darf Dich nicht entmutigen“ oder „Das ist doch ein ganz anderer Fall, lass uns mal lieber überlegen, was für Beweise und welche Zeugen es für das gibt, was Dir geschehen ist“.

Egal, was man also über den Fall Kachelmann glaubt – es gibt so oder so etwas, das man einem Menschen sagen kann, der laut eigener Aussage einen Übergriff erlebt, diesen noch nicht angezeigt hat und seine Zweifel mit dem Fall Kachelmann begründet. Anne Wizorek stellt das jedoch als gigantisches Problem dar. Sie, die Aufschrei-Mitinitiatorin, Feminismus-Aktivistin, Talkshowteilnehmerin und Buchautorin, ist von Sprachlosigkeit betroffen. Obwohl selbst ich mit zwei Minuten Nachdenken auf einige vernünftige Vorschläge komme, findet sie bis heute nicht die passenden Worte.

Dass ein Angeklagter in einem Vergewaltigungsprozess freigesprochen wird, wirkt also so lähmend auf Opfer von sexuellen Übergriffen und Leuten, die den Opfern helfen wollen, dass bereits die Anzeige dieser Verbrechen verhindert wird. (Ich bin hier ganz nebenbei davon ausgegangen, dass die Freundin die Wahrheit sagt. Sonst würde es noch komplizierter.) Die Unschuldsvermutung sorgt also nicht nur dafür, dass „im Zweifelsfalle für den Angeklagten“ gilt, sondern nebenbei auch, dass die Ahndung offensichtlicher, womöglich leicht beweisbarer Verbrechen nicht geschieht.

Es muss sich also entschieden werden zwischen „ein paar Unschuldige über die Klinge springen lassen“ und „Massen von Opfern im Stich lassen“. Mit derselben Logik hat man auch schon Folter und außerrechtliche Gefängnisse im Kampf gegen den Terrorismus gerechtfertigt. Da der Rechtsstaat dem Rechtsstaat im Wege steht, müssen wir auf den Rechtsstaat verzichten, weil wir sonst keinen Rechtsstaat mehr haben.

Das ist keine Einzelmeinung, sondern war insbesondere im Fahrwasser des Kachelmann-Prozesses häufig zu hören. Das sei angemerkt, damit es nicht so wirkt, als stehe Anne Wizorek mit ihrer Haltung im luftleeren Raum. Über die Hintertür zu behaupten, Jörg Kachelmann sei schuldig und so zu tun, als stehe der Rechtsstaat der Verfolgung sexueller Übergriffe im Weg, das ist doppelt perfide.

Fazit

Es sind, wie eingangs erwähnt, die beiden schlimmsten Stellen in Anne Wizoreks Buch; der Rest sieht glücklicherweise anders aus. Schade, dass sie im Einsatz für ein (ihr) hehres Ziel auf solche Mittel zurückgreift.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal ein Lied, das auf dem Amoklauf einer Schülerin basiert. Wenn wir Geschlechterrollen ausbrechen wollen, kann es ja nur sinnvoll sein, sich auch diese Fälle in Erinnerung zu rufen.

The Boomtown Rats: I Don’t Like Mondays

Feminismus und Sexismus

Die Quote mag zwar keinen besonders großen Rückhalt in der Bevölkerung haben, bei Meinungsmachern und Entscheidungsträgern ist sie umso beliebter. Während ich dies schreibe, läßt Christian über den Begriff „Staatsfeminismus“ diskutieren. Die Frauenquote wurde gerade beschlossen.

Während wir also diskutieren, inwiefern Journalisten zum Komplex „Staatsfeminismus“ gehören, habe ich mir mal proquote angeschaut. Und deren beeindruckende Anzahl von Unterzeichnern. Und deren primitiv-sexistischen Begründungen.

Wie war das mit Margret auf Onyx‘ Blog? Der böse Pütz wagt es anzusprechen, daß Karriere nicht das alleinglücklichmachende Ding im Leben ist. Daß im Schnitt Frauen eher Wert auf eine Balance zwischen Arbeit und dem ganzen Rest legen, der unser Leben auch ausmacht. Was er nicht geschrieben hat, ist das Frauen doch bitteschön zurück an den Herd sollen. Und jetzt schauen wir uns Lisa Ortgies an.

Nicht zuletzt kann die Frauenquote die vielen Männer entlasten, die sich laut Umfragen nach mehr Zeit für die Familie (60 Prozent) sehnen statt als Hauptverdiener heiß zu laufen…

Ehrlich gesagt, mir fehlen die Worte.

Noch ein Beispiel. Birgit Schrowange

Weil Frauen eine größere emotionale Intelligenz haben und deshalb einfach die besseren Führungspersönlichkeiten sind.

Liebe Frau Schrowange, Sie sind tatsächlich zu blöd für die Transferleistung, Ihre Aussage mal umzudrehen? Weil Sie dann nämlich direkt gemerkt hätten, wie selten dämlich und zutiefst sexistisch Ihr Statement ist?

Ich bin mir sicher, Ihr findet noch mehr Bullshit bei proquote.

Fundstück: Atacamas persönliche Sexualmoral

Adrian schrieb einen lesenswerten Artikel zum Thema Abtreibung, der noch bei anderer Gelegenheit diskutierenswert wäre. Atacama schrieb dabei in einem Kommentar:

Ich z.B schlafe nur mit Männern, bei denen ich mir im absoluten Notfall vorstellen könnte ein Kind von ihnen auszutragen. Wenn ich bei dem Gedanken an eine Schwangerschaft von ihm Brechreiz kriege, dann lasse ich es, weil ich genau weiß, dass ich dann im Fall der Fälle in ein Dilemma käme.

Ich finde diese Einstellung beachtlich und deswegen krame ich diesen Kommentar noch einmal hervor. Ich sehe hier einen Menschen, der die Konsequenzen seines Handelns abwägt, aus einem Verantwortungsgefühl eine Entscheidung trifft und sich damit in letzter Konsequenz selbst eine Beschränkung auferlegt. Das ist nicht wegen der ersten beiden Teile so aufsehenerregend, denn das erwarte ich von allen Leuten, die dazu in der Lage sind. Nein, beachtlich finde ich diese Selbsteinschränkung, weil sie – nach meiner Wahrnehmung, die nicht verallgemeinerbar sein muss – der gepredigten Einstellung widerspricht, nach der „alles gehen muss“ und „man nichts verpassen darf“.

Fundstück: Erzählmirnix über Rahmenbedingungen

Zuerst wollte ich ein wenig weiter ausholen. Dann jedoch stellte ich fest, dass ich die wesentlichen Punkte bereits in einem früheren Fundstück abgehakt hatte, worauf daher einfach ergänzend verwiesen sei.

Bei der Beurteilung und Handhabung einer Situation kommt es stark auf die Umstände an. In einer Diskussion bei „Alles Evolution“ schrieb Erzählmirnix einen beachtlichen Kommentar:

Ja, ich denke es geht auch viel um Sympathie und Rückhalt. Hier zweimal dieselbe Situation: 15-jährige hat Sex mit 50-jährigem Lehrer.

A) 15-jährige Jaqueline kommt aus einer als “asozial” geltenden Familie mit alleinerziehender Mutter in ärmlichen Verhältnissen, raucht und wurde schon 2x erwischt wie sie im Lädchen was hat hat mitgehen lassen. Der Lehrer hingegen ist sehr aktiv in örtlichen Vereinen, Mitglied der freiwilligen Feuerwehr, hat eine Frau und zwei Kinder, ist im Ort beliebt. –> Ganz klar, die verlogene Göre hat versucht ihren armen Lehrer zu verführen und seine Familie zu zerstören.

B) 15-jährige Anna-Sophie ist die beliebte und wohlerzogene Tochter aus einer als intakt geltenden Familie, spielt Geige und ist im Kassenwart im Volleyballverein. Der Lehrer ist geschieden, alleinstehend und lebt erst seit 10 Jahren im Dorf, wo er irgendwie auch nicht so richtig reinpasst. –> Ganz klar, dieses widerliche Schwein hat seine Machtposition ausgenutzt, wer weiß wie viele arme Schülerinnen er noch belästigt hat.

Damit hat sie mich voll erwischt. Wie ich direkt darunter kommentierte:

Volltreffer. Am schlimmsten war für mich, dass ich schon wusste, wohin jeweils die Reise ging, als ich die Namen “Jaqueline” und “Anna-Sophie” gelesen habe. Genau so funktionieren Schubladen.

Fundstück: Hin zu einer gleichberechtigten Filmkritik

Keine Frage, der Weg ist noch lang, bis Filme aus einer wirklich gesamtgesellschaftlichen Perspektive rezensiert werden, die die verschiedenen Sichtweisen und Bedürfnisse aller Gruppen berücksichtigt. Dazu ist es leider ab und zu notwendig, einige liebgewordene Klassiker noch einmal zu betrachten und kritisch zu hinterfragen, was man da eigentlich lange Zeit frenetisch bejubelt hat, obwohl es aus heutiger Sicht viel zu beanstanden gibt. Das soll keine Selbstgeißelung sein – man wusste es eben damals nicht besser, und umso weniger sollte man nun Hemmungen haben, noch einmal mit geschulten Augen auf das zu blicken, was seinerzeit als Unterhaltung gefeiert wurde.

Natürlich, die allumfassende Deutung wird uns hier nicht in einem kleinen Artikel gelingen. Aus gutem Grund heißt es „hin zu…“. Aber als ersten Schritt seien zwei verschiedene Deutungen erwähnt, die zu einer weiterführenden Diskussion einladen und um weitere Beiträge ergänzt werden können.

Die feministische Filmkritik

Der Film besteht nicht den Bechdel-Test und damit ist eigentlich schon alles wesentliche gesagt. Es tauchen keinerlei starke weibliche Charaktere auf. Stattdessen wird aus einer rein auf Männer konzentrierten Erzählperspektive geschildert. Der Mann als Macher, dem alle wesentlichen Szenen des Films gehören und der die Handlung gegen alle äußeren Umstände vorantreibt – angestaubter könnte eine Geschichte kaum sein. Hinzu kommt die starre Fokussierung auf Action-Szenen, um typisch männliche Medienkonsumgewohnheiten zu befriedigen. Ein Film, der von der ersten bis zur letzten Sekunde von antiquiertem Macho-Gehabe durchzogen ist und bei dem man sich ernsthaft fragt, wer so etwas jemals sehen wollte.

Die maskulistische Filmkritik

Selten hat man Warren Farrells Begriff des „entbehrlichen Mannes“ in einer solchen Reinform umgesetzt erlebt. Die plakative Botschaft des Films lautet von der erste Szene an: Männer kann man einfach auf den Müll werfen und sich auch noch über sie lustig machen. Empathie, so etwas haben gestrauchelte Männer eben nicht verdient. Welche Gefühle der Mann hat, was es für einer enormen Kraftanstrengung bedarf, um sich wieder hochzukämpfen, das spielt alles keine Rolle. Der Kampf des Mannes, um aus seinen unwürdigen Verhältnissen auszubrechen, wird verspottet und als zum Scheitern verurteilt dargestellt. Es gibt nur wenige Filme, die eine systemerhaltende Moral so stringend durchgezogen haben.

Der Film und seine zeitgenössische Rezeption

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal der Helenenmarsch. Fragt mich nicht, wie ich darauf gekommen bin, irgendwie hatte ich plötzlich die Musik im Ohr…

Empörte Feministinnen klagen an: Kümmert Euch gefälligst um uns.

[Triggerwarnung: PU und daher Heteronormativität. Außerdem Feminismuskritik sowie Weihnachten]

Wer mal was zum Lachen braucht, schaut doch mal einfach bei Margrets Gastbeitrag bei Onyx vorbei.

Wie gesagt, ich bin eure Freundin, ich meins euch mit jedem Wort nur gut. Kumpels, das wisst ihr doch, oder?

In süßem pseudorironischen Ton erzählt uns Margret was gut ist für uns. Die klassische Beziehung. Und wie unklug es doch ist, sein Geld für PU-Seminare auszugeben.

Und jetzt habt ihr nicht mal mehr das Geld, um eurer Schwester ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen für die Party, auf der auch die Mandy sein wird. Weil das letzte Seminar 1000 € gekostet hat.

Ein weiterer Vorschlag ist es, das Geld der Mutter zu geben.

Aber bitte seid dann kosequent und hängt wirklich nur in den Bars rum und vielleicht noch im Park, und zeugt keine Kinder, um die ihr euch dann doch nicht kümmern wollt und könnt, weil ihr ja tagsüber arbeiten und abends aufreißen müsst.

Bemerkt hier irgendjemand ein Muster? Der Geldtransfer von Mann zu Frau muß weitergehen. Wäre ja schrecklich, wenn Männer mit ihrem Geld einfach machen was sie wollen. Wir sollten lieber tagsüber arbeiten und abends die Kinder hüten. Und unseren fairen Anteil an der Hausarbeit.

Pick Up erklärt euch gar nicht, wie Frauen wirklich denken und fühlen. Das haben die euch nur eingeredet.

Nein Margret. Niemand kann erklären wie Frauen wirklich denken und fühlen. Kennst Du den mit dem Lampengeist und der Autobahn über den Atlantik? Nein? Ist ja auch egal. Es geht bei PU eben nicht um Frauen und das ist das was Du nicht verträgst. Einmal nur dreht sich die Welt nicht um Eure Zuckerpopos. Es geht um Männer. Männliches Verhalten. Und Selbstverbesserung. Nebenbei geht es dann noch darum, frei und viel Sex zu haben. Weil Männer da drauf stehen. Und Frauen eben auch. Insbesondere mit aktiven Männern. Mit selbstbewußten Männern, die männlich agieren. Ein echter Schlüpferstürmer. Sex ist schlußendlich nur das Nebenprodukt. Und das ganze zum Nutzen beider Geschlechter. Denn man kann eine Frau nicht mit Psychotricks in die Kiste quatschen. Sie machen es wenn und weil sie es wollen. Hinterher sind sie glücklich und schnurren wie kleine Kätzchen.

Leider müssen das viele von uns noch lernen. Wir versuchen mit Euch zu kommunizieren wie wir es mit unseresgleichen machen würden. Einfach und geradlinig. Wir denken, daß es völlig ok wäre einfach nett und freundlich unser Interesse zu bekunden oder gar selbst angesprochen zu werden. Aber Ihr sitzt nur passiv rum und verteilt Körbe.

Es gibt auch Männer, die mit PU eine Beziehung führen. Mit der Betonung auf das letzte Wort. Und die, die keine Beziehung führen werden von ihren Gattinnen einfach entsorgt. Weil sie sich zu sehr angepaßt haben. Nett sein wollten, bequem geworden sind und jetzt nur noch als die Lusche angesehen werden.

Und jetzt nochmal das ganze ohne Ironie. Margret, in Deinem Text lese ich sehr viel vom klassischen Rollenverständnis.

Ich bin fest davon überzeugt, dass die klassische feste Beziehung mit klassischem Kennenlernen am besten funktioniert und alle am zufriedensten macht.

Und Du bist dem Irrtum erlegen, daß ausgerechnet PU sich um die Psyche von Frauen dreht.

Sie versprachen euch, endlich den Mythos Frau zu entschlüsseln, diese schwierige kleine Sache, die man die Psyche der Frau nennt.

PU wählt frei etwas andere als die klassische Beziehung. PU kümmert sich um das Wohl von Männern und ihrem besten Stück. Und ist wunderbar für Frauen, die ehrliche Männer und deren bestes Stück wollen. Da ist nichts schlechtes dran, es schafft wenn überhaupt Waffengleichheit zwischen den Geschlechtern. Auch ich hatte manche einsame Nacht obwohl ich mehr Langfristgespielinnen als freie Abende in der Woche habe. Ein Schicksal, das keine Frau haben muß, wenn sie es nicht will.

Es gibt genug Männer, die hier und da Nachhilfe brauchen. Warum? Man könnte nachdenken. Über Väter, die nicht aus dem Krieg zurückgekehrt sind. Väter, die aus der Familie gedrängt wurden. Fehlende Vorbilder in Kita und Schule. Generelles Schlechtmachen aller männlichen Eigenschaften. Brandmarken aller schlechten Eigenschaften als männliche. Aber auch Hypergamie oder überhöhtes Anspruchsdenken auf weiblicher Seite. Skandalöse Rechtsprechung zuungunsten von Vätern. All so was findet in unserer Gesellschaft nicht statt, denn was zählt ist der Aufkreisch und die Frauenquote. Aber wenn diese Art von Gesprächen nicht gewünscht wird, kein Problem. Ich treffe mich dann lieber weiter mit großartigen, selbstbewußten, emanzipierten und dadurch sehr attraktive Frauen. Und lasse die häßlichen Feministinnen links liegen.

Fundstück: Achdomina und die gesittete Auseinandersetzung

Nach zehn Monaten Pause kehrte der Blogger „Achdomina“ zurück – und seitdem ist wieder viel los in seinem Blog. Lesenswert ist praktisch alles, was er in letzter Zeit veröffentlicht hat, aber es gibt einen Beitrag, der ein wenig mehr Zeit benötigt und in seiner Grundaussage auch zeitlos ist, so dass es sich lohnt, diesen besonders hervorzuheben: Rationalität, Liberalität und Zivilisation.

Der entscheidende Aspekt in diesem Artikel: Wenn mich ich entschlossen für etwas einsetze, muss ich sicher sein, Recht zu haben. Das kann ich aber nur, indem ich immer wieder überprüfe, dass dem so ist. Je sicherer ich mir bin, desto mehr sollte ich an mir zweifeln. Aber ersteres schließt ja für gewöhnlich letzteres aus und ist auch die Ursache des Problems, dass Leute für ein hehres Ziel über die Stränge schlagen. Nicht mit allen verfügbaren Mitteln auf den Gegner einzudreschen (ob verbal oder im wörtlichen Sinne), ist eine wichtige Basis der Zivilgesellschaft. Und genau die ist in Gefahr, wenn ich Ziele definiere, die so hoch und heilig sind, dass für ihre Erreichung alles erlaubt ist. Kurioserweise spüle ich also, wenn ich ohne Rücksicht auf Verluste für eine bessere Gesellschaft eintrete, eben diese gute Gesellschaft über Bord.

Das heißt, kurios ist es nur auf den ersten Blick. Denn diese Gefahr ist seit langem bekannt. Ausgehebelt wird dieser zentrale Einwand üblicherweise damit, dass der Gegner das pure Böse ist, zu allem entschlossen und so mächtig, dass er einen selbst vernichten wird, wenn man nicht sofort mit aller Härte zuschlägt. Das ist der Stoff, aus dem die Kriege sind – auch der „Krieg gegen den Terror“, in dem plötzlich Folter und Gefängnisse außerhalb der Rechtsstaatlichkeit erlaubt sind im Namen von Demokratie und Freiheit.

Achdomina verweist auf einen längeren Artikel von Scott Alexander namens „In favor of niceness, community, and civilization„. Das ganze Stück ist überraschend einfach konsumierbar und doch ein wichtiges Plädoyer für einen zivilen Umgang miteinander. Die Zeit zum Durchlesen sollte man sich wirklich nehmen! Wie schon die Artikel über Genderfeminismus 101 halte ich diese Quellen (die beiden genannten Beiträge von Achdomina, Scott Alexander) für Grundlagenartikel in der Geschlechterdebatte.

Eine Bewegung für was auch immer, die jegliches Maß verloren hat, driftet schnell in Richtung Unfreiheit. Das kam am Rande eines Artikels beim nachdenklichen Mann vor und wäre einen eigenen, längeren Beitrag wert.

Ich vermeine mich an folgende Argumentation zu erinnern, um solche Warnsignale zu übergehen: Jegliche Einschränkung in der Wahl der Mittel eines Aktivisten für eine gute Sache ist Teil der reaktionären Agitation für das herrschende System. Außerdem sind die Leute außerhalb der Gruppe der „Guten“ so gehirngewaschen / unwissend, dass sie überhaupt nicht in der Lage sind, qualifizierte Kritik zu leisten.

Wohin Kritikresistenz und Maßlosigkeit führen, das kann man derzeit wunderbar an einem laufenden Experiment beobachten: Vor etwa einem Monat wurden Jaclyn Friedman und ihre Organisation WAM! von Twitter authorisiert, gegen Belästigung vorzugehen. Christian Schmidt erläuterte in seinem Blog Alles Evolution die Hintergründe, unter anderem, dass Friedman eine Bilderbuch-Radikalfeministin ist, laut deren Weltbild praktisch alles, was Männer tun, böse und Belästigung ist. Nur um sicherzugehen, dass wir uns richtig verstehen, was das „radikal“ angeht: Dass soviel Beethoven gespielt wird, ist in ihren Augen etwa ein Zeichen für Sexismus („Beethoven hören unterdrückt Frauen!„, wie der nachdenkliche Mann irritiert die Position von WAM! wiedergab).

Der Blogger emannzer erinnerte daran, dass es schon einmal eine radikalfeministische Aktion bei Twitter gegeben hat, die unter dem Namen „Blockempfehlung“ unliebsame Leute zum Verstummen bringen wollte und nach hinten losging, weil das Einschränken der Meinungsfreiheit dann doch irgendwie nicht generell vermittelbar war. Christian Schmidt gab sich denn zuversichtlich, dass diese neue Aktion schnell aus dem Ruder laufen würde und mehr Leute gegen die Radikalfeministen aufbringen würde:

Man sehen, wie frei Twitter sie walten lässt. Eigentlich muss man hoffen, dass sie alles umsetzen, was Friedman und Co so als Diskriminierungsabwehr ansehen.

Da hätte man gleich einen netten Shitstorm verärgerter Twitterer.

Und was soll ich sagen? Es haben sich bereits jetzt ein paar tolle Beispiele gefunden. Via Genderama stieß ich auf einen Artikel von Janet Bloomfield, in dem sie fünf prominente Beispiele dafür nennt, wie Leute von Radikalfeministen zum Schweigen gebracht werden sollten. Alle stammen aus der letzten Zeit, drei haben mit Twitter zu tun, zwei mit der Huffington Post UK (letzteres übrigens ein schöner Diskussionsbeitrag zur These „Alternative Medien brechen das Meinungskartell, weil sie freier berichten“). (Vorsicht in eigener Sache: Ob diese Beispiele mit Jaclyn Friedman und WAM! zu tun haben, kann ich nicht sagen.)

Diese fünf Beispiele sind deswegen so wichtig, weil sie konkrete Namen nennen und den Hintergrund dieser Menschen erläutern. Eine anonyme Masse kann man leicht als „Tiere“ oder „Monster“ verunglimpfen (Danke an Lucas Schoppe für die entlarvende Bebilderung!), die schier unaufhaltbar auf die armen Feministinnen einstürmen und jetzt gestoppt werden müssen, bevor es zu spät ist. So als ob die Orks vor Minas Tirith stehen. Sobald man einzelne Personen aus der Masse heraushebt, und dabei günstigenfalls Beispiele wählt, die sowohl eloquent als auch vernünftig genug auftreten, löst sich das Narrativ in Wohlgefallen auf: Plötzlich fragt man sich, warum man denn diese Leute so fürchtet. Selbst wenn sie deutliche Worte benutzen (im Internet nichts Besonderes) oder einen klaren Standpunkt vertreten (dito), ist das doch kein Grund, sie auszugrenzen?

Radikalfeministinnen missbrauchen ihre Macht bei Twitter, um Leute zum Schweigen zu bringen, deren Meinung ihnen nicht passt. Um den bereits bei Achdomina erwähnten Blogger fefe zu zu zitieren, der diesen ironischen Spruch standardmäßig bei solchen Gelegenheiten verwendet: „Also damit konnte ja wohl niemand rechnen!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal kann ich sogar einen Klassiker von den Beatles bemühen. Veränderung ja, sogar radikale, aber nicht um jeden Preis.

The Beatles: Revolution

Feminismus und die gelebte Geschlechtergerechtigkeit

Meine Tabs quellen mal wieder über. Oft lasse ich ein paar Tabs auf über Dinge die mich nerven. Was mir zuhauf über den Patriarchatstwitterticker geliefert wird. In der Zeit habe ich mal darüber lesen dürfen wie ungerecht es doch ist, daß sich keiner für häßliche Feministinnen interessiert. Diesmal beim Surfen. http://www.zeit.de/sport/2014-12/surfen-sexismus-rassismus-cori-schumacher.

Mehr als drüberlesen lohnt sich kaum. Die alte Leier halt.

Die großen Surfmarken wie Billabong, Quiksilver, O’Neill oder Hurley besitzen so die Deutungshoheit darüber, wie der Körper von Surfern und Surferinnen auszusehen hat. Im Wasser ist kein Platz für alle. „

Natürlich sind es nicht die großen Marken und die so wahnsinnig mächtigen weissen Männer, sondern schlicht die Konsumenten. Schade für sie, daß sie diesmal das Attribut „Alt“ auslassen muß. Denn surfende Sportler sind eher jung. Auch wenn ich mich ein bisschen wundere woher sie weiß, daß die alle heterosexuell sind und heteronormativ wirken. Es gibt doch recht wenige Sportarten, in denen durchtrainierte Muskelmänner in coolen Posen und noch kürzeren Hosen dominieren. Immerhin, ganz am Schluß ihrer abstrusen Anklage gegen alles was böse ist bekommt sie so halb die Kurve.

Die Veränderung müsste stattdessen von unten passieren, und sie müsste die Privilegien der weißen, männlichen Spitze infrage stellen. „Mein Ziel ist es nicht, die Menschen zu kritisieren, die sich von dem System haben vereinnahmen lassen, sondern den neoliberalen Wettbewerb, der diese Kultur des Sexismus und Rassismus kreiert. Kein victim blaming, sondern Veränderung durch Graswurzelbewegung.“

Naja gut, in ihrem irren Femispeak klingt das jetzt nicht so ganz vernünftig, aber es ist ja schon was wahres dran. Wenn die Konsumenten der Werbeanzeigen lieber schwarze, alte querschnittsgelähmte Lesben auf den Boards sehen wollten, so gäbe es für sie keinen Grund mehr sich über Sexismus beim Surfen aufzuregen.

Das ist übrigens dieselbe Zeit, in der eine andere Autorin ganz witzig Vergleiche zwischen Männern und Hunden zieht und sich fragt, warum nur letztere kastriert werden. http://www.zeit.de/zeit-magazin/2014/47/ruede-zusammen-leben-maenner . Ich will die Autorin gar nicht als Männerfeindin darstellen, ziemlich wahrscheinlich ist aber auch, daß ich in der Zeit eher keinen ironischen Artikel über PMS finden werde. Und ich glaube, ich würde den Artikel amüsanter finden, wenn der Zeitgeist es erlauben würde, sich über beide Geschlechter lustig zu machen. Oder auch positives über beide Geschlechter zu schreiben.

Denn was steht nicht in der Zeit? https://gleichmass.wordpress.com/2014/12/05/unterhaltspflicht-und-pflicht-zur-ausubung-einer-nebentatigkeit/ . Wenn man Unterhaltspflichtig ist, scheint es zumutbar noch einen Nebenjob neben dem Vollzeitjob zu machen. Und das betrifft in der Hauptsache Männer. Wie war nochmal die Ausfallquote bei unterhaltspflichtigen Müttern? Deutlich höher, ja.

Was das nun mit Feminismus zu tun hat? Irre Mindermeinungen über Surfen und Sexismus bekommen eine große Bühne. Gewohnt wird dem Sexismus gefrönt, der sich darin ausdrückt, daß der weiße, heterosexuelle Mann eigentlich nur das Böse repräsentiert. Außerdem kann man sich immer über Männer lustig machen. Und man sieht was fehlt, wenn feministischer Zeitgeist die Zeit entert. Die Auseinandersetzung mit tatsächlichen und handfesten Problemen. Mit echten Skandalen in unserem eigenen Land. Mit etwas was eine Vielzahl von Menschen betrifft und ihre Existenz und das Wohl ihrer Kinder betrifft. Aber leider betrifft das in der Hauptsache Männer. Na dann.

Fundstück: Mythos Gender Pay Gap

Es wird natürlich niemanden mehr wundern, der in dieser Blogblase regelmäßig mitliest: Die Behauptung, Frauen erhielten für gleiche Arbeit 23% weniger Lohn als Männer, gehört ins Reich der Märchen. Es lohnt sich dennoch, solchen scheinbar unausrottbaren Mythen mit Argumenten zu begegnen, etwa mit der Unstatistik des Monats des Rheinisch-Westfälischen Institus für Wirtschaftsforschung. Hinter dieser Serie steckt unter anderem der Statistik-Experte Prof. Dr. Walter Krämer, der Bücher darüber geschrieben hat, wie mit Statistik gelogen wird, an welchen Stellen Menschen immer wieder Trugschlüssen im Zusammenhang mit Statistik aufliegen und zuletzt auch, wie man es stattdessen richtig macht.

Krämer ist ein zweifellos streitbarer Geselle und man muss nicht jede seiner Ansichten teilen. In Sachen Statistik ist er aber eine unbestreitbare Autorität und vor allem strahlt aus seinen Büchern auch der Wunsch, die Leute schlauer zu machen und Wissen zu verbreiten. Deswegen halte ich diesen Beitrag für besonders wichtig, weil er von einem Statistiker selbst stammt, der schon viel Schund und Schmuh gesehen und auseinandergenommen hat.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal wollte mir zum Thema „Frauen, Arbeit, Fairness“ nichts Besseres einfallen…

Donna Summer: She Works Hard For The Money