Fundstück: Anleitung für ein Hassblog

Mit Statistikkenntnissen Aufklärung leisten gegen Mythen wie „Jede dritte Frau in der EU von Gewalt betroffen“ oder das „Gender Pay Gap“ – das halte ich für ein generell lohnenswertes Ziel, welches noch einigen Stoff für dieses Blog abwerfen wird. Tatsächlich hatte ich einen weiteren Beitrag dazu in Vorbereitung, aber der wurde immer länger, so dass ich ihn jetzt aufteile und in kleineren Häppchen serviere.

Fangen wir an mit der Anleitung für ein Hassblog. Den Text habe ich vor Jahren auf politicallyimpotent.narod.ru gefunden.

Auszug: (Zum Hassblog braucht man…)

  1. eine Faktenbasis – findet sich leicht, denn jede größere und langlebige Menschengruppe hat oder hatte irgendwelche Verbrecher in ihren Reihen.
  2. eine Pseudotheorie, die erklärt, warum diese verbrecherische Minderheit das Wesen der Gruppe punktgenau repräsentiert, obwohl sich die Mehrheit der Gruppe nicht verbrecherisch verhält.
  3. einen inneren Feind, der als Erklärung dafür herhält, warum es außerhalb eurer Hasscommunity keiner merkt, dass die Hassgruppe die ganze Menschheit terrorisiert und kurz vor der Weltherrschaft steht.

Ehrlich gesagt habe ich diesen Text im Kopf, seit ich ihn das erste Mal gelesen habe. Das hilft mir oft, um über stumpfe Propaganda schmunzeln zu können.

Zum Gegenlesen sei noch ein Artikel zum selben Thema von Erzählmirnix erwähnt (in einem Kommentar erwähne ich natürlich die Anleitung für ein Hassblog):
Menschen hassen, leicht gemacht!

Auch bei der Analyse der Ansichten von Mördern wie Elliot Rodger kann man die Anleitung wieder hervorholen. Als es etwa um die Einstellung “Ich habe eine Frau verdient, sie steht mir zu” (Entitlement) ging, schrieb ich auch da wieder einen Kommentar. Allerdings ging es mir da weniger um den Verbrecher als um die Deutung seiner Weltanschauung als „typisch“ für alle Männer. Oder wie ich damals schrieb:

Interessant finde ich bei dem Entitlement-Vorwurf, dass aus dem falschen Verhalten einer Minderheit eine repräsentative Qualität der Grundgesamtheit gefolgert wird.

Siehe auch Regel 2 der Anleitung für ein Hassblog. Ich denke, man kann damit noch eine Menge Spaß haben!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal mit einem alten, etwas kitschigen Lied.

Jackie Deshannon: What the World Needs Now is Love

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Mythos: Jede dritte Frau in der EU von Gewalt betroffen

Dies ist ein Gastartikel von „Denselbst

Ich hatte als Fundstück zum Mythos Gender Pay Gap die „Unstatistik des Monats“ des Rheinisch-Westfälischen Institus für Wirtschaftsforschung erwähnt. Mit Statistikkenntnissen kann man tatsächlich eine Menge Unsinn als solchen erkennen, weswegen es sich meiner Meinung nach sehr lohnt, sie zu haben. Vor allem ist solches Wissen weltanschaulich neutral; es kann von jedem vernünftig eingesetzt werden.

In der genannten Serie sind noch weitere lesenswerte Beiträge erschienen, etwa im März diesen Jahres „Gewalt gegen Frauen in Zahlen“ (PDF). Dabei geht um die Meldung „Jede dritte Frau in Europa von Gewalt betroffen“, die die Runde machte. In dieser Blogblase gab es schon eine Menge Kritik. Die Statistiker weisen noch auf einige weitere Punkte hin: So etwa wurden die Daten unterschiedlich erhoben, was sie bereits nicht vergleichbar macht. (Wenn ich Leute telefonisch befrage, bekomme ich andere Antworten, als wenn sie mir gegenübersitzen.) Zusammenrechnen ist dann natürlich ebenfalls unseriös. Das ist nicht der einzige Kritikpunkt, der genannt wird, aber der für mich bereits offensichtlichste.

Wie der Zufall es so will, reichte jemand vor einigen Tagen noch einen Artikel zum selben Thema ein. Es folgt ein Gastartikel, der unter dem Pseudonym Denkselbst! eingereicht worden ist.

„Jede dritte Frau in Europa ist Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt“

Im März 2014 veröffentlichte die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte eine Studie über Gewalt gegenüber Frauen, die in der Schlagzeile mündete: „Jede dritte Frau in Europa ist Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt“. Willfährig wurde diese Schlagzeile von sämtlichen Medien übernommen und dominierte für ein paar Tage die Informationslandschaft. Eine differenzierte Betrachtungsweise oder gar eine tiefere Beschäftigung mit der Studie fanden nicht statt. So schnell wie die Pressemitteilung der EU-Agentur sich in Schlagzeilen niederschlug, konnte das auch gar nicht passiert sein. Es ärgerte mich schon damals. Der Journalismus ergötzte sich an einer Sensationsmeldung („nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“) und kam seinen Aufgaben des Hinterfragens und des differenzierten Betrachtens nicht nach. Wie in so vielen Dingen heutzutage.

Jetzt, wo ich diesen Artikel schreibe, ist Mitte Dezember 2014 und den Zuschauern von ARD und ZDF wurde die Schlagzeile innerhalb von vier Tagen erneut zweimal um die Ohren gehauen. Am 11. Dezember im „Heute Journal“, als eine Feministin sie zum Thema der Frauenquote in Aufsichtsräten nannte. Mit dem Nachsatz, dass daher „noch Einiges im Argen läge“ (was nun Gewalt gegen Frauen mit der besagten Frauenquote zu tun hat, wurde nicht gesagt – Hauptsache, es wurde mal wieder erwähnt). Ein zweites Mal fand der Satz am 14. Dezember Eingang in „Titel, Thesen, Tempramente“ der ARD. Dort ging es im Thema tatsächlich um Gewalt gegen Frauen.

Diese Schlagzeile bzw. Aussage wird uns wohl noch länger begleiten, so dass ich mich veranlasst sehe, doch ein paar Punkte dazu zu schreiben. Was in diesen 33% enthalten ist und was man zur Beurteilung dieser Zahl berücksichtigen sollte. Dazu habe ich mir die Studie selbst und auch einen Report zur Studie vorgenommen, der ebenfalls von der EU-Agentur veröffentlicht wurde.

Doch eines vorweg: Ich bestreite nicht im Mindesten, dass es Gewalt gegen Frauen gibt und bezweifle auch nicht, dass die Taten, die dort in der Studie zusammengetragen wurden, dem entsprechen, was die interviewten Frauen zum Ausdruck gebracht haben.

Die Studie wurde 2010 in Auftrag gegeben, die Interviews mit 42.000 Frauen in 28 EU-Ländern überwiegend im ersten Halbjahr 2012 durchgeführt. Pro Land um die 1.500 Frauen, lediglich in Luxemburg waren es 900. Befragt wurden Frauen zwischen 18 und 74 Jahren.
Der ersten Punkt, den ich bezüglich der „33%“ anbringen möchte, gilt der Vermischung von qualitativ unterschiedlichsten Taten. Diese reichen von „Schubsen und Stoßen“ und gehen bis zur vollzogenen Vergewaltigung. Die Studie gibt etwas differenzierter an, dass 31% aller befragten Frauen seit ihrem 15. Lebensjahr eine der nicht-sexuellen Gewaltformen erlebt haben, die die Studie in Kategorien vorgab, und 11% sexuelle Gewalt. Von der mathematischen Logik her müssen dann 2% der Frauen ausschließlich sexuelle Gewalt erlebt haben (31+2=33), 9% sowohl sexuelle als auch nicht-sexuelle Gewalt (11-2=9) und 22% ausschließlich nicht-sexuelle Gewalt (31-9=22).
Die Kategorien nicht-sexuellen Gewaltakte sind:

  • Schubsen und Stoßen
  • Mit der flachen Hand geschlagen
  • Mit einem harten Gegenstand beworfen
  • Gepackt oder in den Haaren gezogen
  • Mit der Faust oder einem harten Gegenstand geschlagen
  • Verbrennungen zugefügt
  • Versucht, zu ersticken oder strangulieren
  • Mit Messer verletzt oder mit Schusswaffen beschossen
  • Den Kopf gegen etwas geschlagen.

Bei sexueller Gewalt:

  • Versuchte Vergewaltigung / versuchter erzwungener Oralverkehr
  • Vollzogene Vergewaltigung / vollzogener erzwungener Oralverkehr
  • Andere erzwungene sexuelle Handlungen
  • Zustimmung zu sexuellen Handlungen, aus Angst vor Repressalien bei Verweigerung

Den Erstellern ist wohl selbst aufgefallen, dass es ein eklatanter Unterschied ist, ob „Geschubst / Gestoßen“ wird oder eine andere schwerwiegendere Gewalt vorliegt. Infolgedessen wird angegeben, dass es noch 25% Frauen ab ihrem 15. Lebensjahr waren, die nicht-sexuelle Gewalt erfahren haben, jedoch ohne die Kategorie „Schubsen und Stoßen“ zu berücksichtigen. Leider kann man nun nicht so einfach errechnen, wie die Gesamt-Schlagzeile hätte lauten müssen, ließe man diese Bagatellen weg, aufgrund der möglichen Mehrfachnennungen bzw. Überschneidungen zwischen erfahrener nicht-sexueller und sexueller Gewalt (Frauen könnten „nur“ geschubst worden sein, andererseits zu einem anderen Zeitpunkt zu sexuellen Handlungen gezwungen worden sein).

Nicht nur bei den Bagatellen kann man den Kontext der Gewaltakte, die in den „33%“ stecken, nicht erkennen. Insbesondere (aber nicht nur) bei den leichteren Gewaltformen kann man durchaus auch rein weibliche Gefechte vermuten (z.B. auf dem Schulhof oder vor einer Disko), denn dass bei nicht-sexueller Gewalt die Täterschaft zu 26% weiblich, zu 7% gemischt und zu 67% männlich ist, kann man an der Schlagzeile nicht ablesen. Auch nicht, dass es sich beim Täter nicht zwangsläufig um den aktuellen oder einen früheren Partner handelt. Bezüglich nicht-sexueller Gewalttaten gaben die Befragten an, sie hätten zu 7% Gewalt vom aktuellen Partner erfahren, zu 24% von einem früheren Partner und zu 20% von anderen Personen (zusammenrechnen darf man wegen möglicher Mehrfachnennungen nicht, zusammen sind es die besagten 31% nicht-sexuelle Gewalt).

Natürlich, da beißt die Maus keinen Faden ab, sind die rein von männlicher Seite verübten Gewalttaten mit 2/3 immer noch deutlich in der Mehrheit, aber die Schlagzeile lässt die Gesellschaft nur allzu leicht im Glauben eines Bildes vom prügelnden Mann. Es soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, dass bezüglich der 11% der Frauen, die sexuelle Gewaltakte erlebt haben, es sich zu 97% um männliche Täter handelte.

Fazit aus dem Vorgenannten: Mit dem Schlagsatz wird ein sehr grobes Bild gemalt, wichtige, zur Einordnung notwendige Informationen fallen bei lediglicher Nennung des „Gesamtergebnisses“ unter den Tisch.
Schwerwiegender ist jedoch der nachfolgende Punkt. Die Studie kennt zwei extreme Zeithorizonte bezüglich der stattgefundenen Taten: Innerhalb von 12 Monaten vor der Befragung oder einfach nur ab dem 15. Lebensjahr der jeweilig Befragten bis zum Befragungszeitpunkt.

Für die Schlagzeile „33%“ wurde letzterer Zeithorizont herangezogen. Dazu mal ein paar Informationen über die Alterszusammensetzung der befragten 42.000 Frauen:

26% waren im Jahr 2012 zwischen 60 und 74 Jahren alt
Knapp jeweils 20% zwischen 50-59 und 40-49
18% zwischen 30-39
16% zwischen 18-29.
(Die Daten stehen auf Seite 29 des zusätzlichen Reports zur Studie).

Zur Erinnerung: Gefragt wurden die Frauen, was sich in ihrem Leben ab dem 15. Lebensjahr ereignet hat. Ich definiere dies als Zeitraum nach dem vollzogenen 14. Geburtstag, denn dann beginnt das 15. Lebensjahr. Für die älteste Teilnehmergruppe bedeutet dies, dass es um einen Zeitraum beginnend zwischen 1952 und 1966 bis zum Jahr 2012 handelt(!). Mithin um fünf bis sechs Jahrzehnte, in denen die Zeit nicht stehen geblieben ist. Bei den jüngeren Semestern kann man Schritt für Schritt jeweils ein Jahrzehnt Zeitspanne abziehen, dennoch wird in weit in die Vergangenheit geschaut.

Man kann anhand der Studie nicht wissen, ob eine bestimmte Tat, die einer Frau angetan wurde, 1965 passiert ist, 1978 oder 2009. Aber man darf die Frage stellen, was es noch mit unserer heutigen Gesellschaft zu tun, wenn es um weit zurückliegende Dinge geht. Denn Gesellschaften verändern sich aufgrund der Personen in den Gesellschaften.

Insbesondere haben wir mehrere Jahrzehnte Frauenbewegung hinter uns, in denen die Gesellschaft für die Benachteiligung von Frauen sensibilisiert wurde, was es für Gewalttäter deutlich schwerer gemacht haben sollte, ihre Taten vor sich und der Gesellschaft zu rechtfertigen.

Oder anders ausgedrückt: Bei der Studie handelt es sich um eine Verbrechensstatistik. Welcher Statistiker würde heute fragen, ob jemand seit seinem Erwachsenenalter einen Wohnungseinbruch oder einen Betrugsfall zu verzeichnen hatte? Wohl niemand, außer dem, der eine Entwicklung über die Jahrzehnte darstellen will. Seltsamerweise wurde mit der vorliegenden Studie ein immenser Aufwand betrieben, aber dies gleich damit zu verbinden, zu ermitteln, wie sich das Gewaltpotential in den letzten Jahrzehnten entwickelte, unterblieb (oder wurde zumindest nicht veröffentlicht).

Stattdessen wurde nur untersucht, wie es um Gewalt in den letzten 12 Monaten bestellt war. Dort waren es 7% bei den nicht-sexuellen Gewalttaten und 2% bei sexueller Gewalt, bzw. 8% beides zusammengezählt. Damit diese Zahlen nicht so „mickrig“ aussehen, wurden auffälligerweise die absoluten Zahlen beigestellt: 13 bzw. 3,7 Mio. Frauen (S. 17 der Studie).

Hätte man eine Studie machen wollen, die die gegenwärtigen Verhältnisse darstellt, hätte man meines Erachtens Taten erfassen sollen, die in den letzten 10-15 Jahren passiert sind. Das wäre gegenwartsnah gewesen. Das Ergebnis hätte dann irgendwo zwischen 8% und 33% gelegen.

Letzter wesentlicher Kritikpunkt. Eine vollständige Interpretation des Ergebnisses wäre nur möglich, wenn nicht nur einseitig nach Gewalterfahrungen der Frauen, sondern auch der der Männer gefragt worden wäre. Jede Gewalt, die einem widerfährt, ist schlimm, da spielt das eigene Geschlecht keine Rolle. Es fehlt die für Studien wichtige Referenz, an dem sich diese Studie würde messen können. Es ist nicht begreiflich, warum seitens der EU, die ja angeblich so viel von Gleichbehandlung hält, nicht parallel eine entsprechende Abfrage für Männer durchgeführt hat. Sind denn nur das Anprangern und die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen wichtig? Gewalt an und zwischen Männern „sollen die Jungs unter sich ausmachen, das ist deren Bier“?

Die Studie beschränkte sich mitnichten nur auf körperliche/sexuelle Gewalt. Auch psychische Gewalt und z.B. (Cyber-)Stalking gegenüber Frauen wurde untersucht. Es wäre doch interessant gewesen, wie die Verhältnisse in diesem Bereich für Männer ausgesehen hätten, in einem Bereich, wo es nicht auf Muskelkraft ankommt.

Unerwähnt gelassen habe ich die tendenziöse Formulierungsweise, die in der Studie wiederholt vorkommt. Oder auch unbekümmert gemutmaßt wird. So wird auf Seite 16 wegen der Unterschiede zwischen den einzelnen EU-Staaten angenommen, dass es an den kulturellen Unterschieden läge, ob eine Frau über Gewalt berichten würde und gefolgert, dass auch in den Interviews nicht alles gesagt worden sein könnte. Man sollte die Studienmacher darauf hinweisen, dass sie damit die Ergebnisse ihrer eigenen Studie in Zweifel ziehen. Denn was „kulturell bedingt“ in einem Land in die eine Richtung geht, kann in einem freizügigen Land auch in die andere Richtung gehen. Aber das ist natürlich reine Spekulation. Merke: Wenn „zu wenig“ Gewalt in einem Land herrscht, dann hat man sich nicht getraut, in vertrauter Atmosphäre des Interviews darüber zu sprechen. Gibt es mehr Gewalt, dann liegt es daran, dass die freiheitlichen Umstände des Landes dazu ermuntern, darüber zu sprechen.

Als Resümee bleibt mir ein: „Traue keiner Studie, deren Ergebnisse du nicht selbst interpretiert hast“ (frei nach Winston Churchill).

P.S. (von Graublau): Das Zitat stammt übrigens nicht von Winston Churchill, sondern wurde ihm von Joseph Goebbels in den Mund gelegt. Ein gutes Beispiel dafür, dass man auch Zitate hinterfragen sollte.

Fundstück: Feministisches Wörterbuch

Der Hinweis bei Genderama erschien schon im August, aber seitdem ist viel Zeit vergangen, um es zu vervollständigen: Auf Twitter gibt es ein „feministisches Wörterbuch„, das ich allerdings als „radikalfeministisch“ oder „genderfeministisch“ nenne. All die verquasten Begriffe und selsamen Neudefinitionen, die man so an Kopf geworfen bekommt, werden einmal so erklärt, dass sogar ich sie verstehe.

Wie immer ist längst nicht alles ein Treffer. Aber um mich zwischendurch mal zum Schmunzeln zu bringen, hat der ursprüngliche Eintrag bei Genderama gereicht – und auch der Blick neulich.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal geht es um „Hass“ – nur ein Vierbuchstabenwort.

Fundstück: Zitate und Belege

Fast wäre mir eine vielversprechende Quelle durch die Lappen gegangen! Zum Glück erinnerte mich man.in.the.middle in einem Kommentar daran. Er betonte, dass man selbst sauber argumentieren und auch Belege für angebliche Zitate finden muss.

Da fiel mir die Materialsammlung von Lucas Schoppe ein. Er hatte eine Zitatesammlung erwähnt mit Quellangaben, woher diese stammen. Insgesamt gibt es drei Teile:

Frankly, No:
But Misandry Don’t Real: Authors and Politicians
But Misandry Don’t Real: Professors and Academics
But Misandry Don’t Real: Bullying and Suppression of Evidence

Noch interessanter klingt für mich ich bei derselben Quelle eine ganz andere Sammlung (und auch diese hat Lucas Schoppe dankenswerterweise erwähnt). Hier geht es um Zitate, die fälschlicherweise Feministinnen zugeschrieben werden:

Unchecked feminist quotes: a list for MRAs, feminists, and anyone who likes factual accuracy

Ich habe, das muss ich zugeben, diese Quellen alle selbst noch nicht gelesen. Da wartet also noch etwas Arbeit auf mich.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal ein Lied, bei dem es im Titel ums Lügen geht.

Charles & Eddie – Would I Lie To You?

Warum ich diese beiden Stellen in Anne Wizoreks Buch perfide finde

An meinem regulären Tag hatte ich keinen Artikel veröffentlicht, sondern nur ein Fundstück zur Filmkritik, das aber offensichtlich nicht besonders interessant war. Deswegen folgt nun ein längerer Text.

Ende September ist Anne Wizoreks Buch „Weil ein Aufschrei nicht reicht. Für einen Feminismus von heute“ erschienen. Es hat in den ersten Tagen bereits jede Menge Rezensionen gegeben (bei Amazon tobte eine wahre Schlacht). Ich hatte damals keine Zeit, um es so schnell zu lesen. Geschafft habe ich es überhaupt nur, weil ich nach den ersten paar Dutzend Seiten meinen ursprünglichen Plan über Bord warf, jede diskutierenswerte Stelle zu vermerken und Notizen zu machen. Da es bereits viele Texte über das Buch insgesamt.gibt, möchte ich stattdessen in einer losen Serie immer wieder einzelne Aspekte oder Stellen herausgreifen und besprechen.

Das hat den Vorteil, dass ich einzelne Teile genauer betrachten kann. Stoff dafür bietet das Buch genug. Außerdem sind die einzelnen Kapitel so unterschiedlich, dass man das auch machen kann, ohne eine längere Argumentation aus den Augen zu verlieren.

Warum dieses Buch?

Natürlich gibt es auch Argumente gegen ein solches Vorgehen. Mir fallen sofort ein: 1. Anne Wizorek ist doch nur eine einzelne Frau, die ist überhaupt nicht repräsentativ für Feministinnen allgemein! 2. Das Buch ist gar nicht so wichtig, daran kann man doch nicht den Feminismus an sich festmachen! 3. Eine zu intensive Beschäftigung misst sowohl der Autorin als auch ihrem Buch mehr Bedeutung zu, als sie tatsächlich haben.

Dazu sei gesagt: Anne Wizorek hat den Grimme-Preis für den Aufschrei bekommen. Der Titel des Buches spielt auch auf diese Aktion an. Sie ist eine Person, die mediale Aufmerksamkeit bekommt. Sie spielt also für das, was in Deutschland derzeit unter dem Stichwort Feminismus passiert, eine große Rolle. An ihr lassen sich nicht, das sei ausdrücklich gesagt, alle Feministinnen messen oder „die typische/durchschnittliche“ Feministin festmachen.

Ich bin mehrfach dieses Jahr angeblafft worden mit dem Hinweis, ich solle doch mal lieber ein feministisches Buch lesen. Dem bin ich hiermit nachgekommen. Ab jetzt kann ich zumindest insofern mitreden. Ich halte es ohnehin für eine gute Vorgehensweise, die Bücher eines vermeintlichen oder tatsächlichen ideologischen Gegners zu lesen.

Und zuletzt kann aus dem Internet alles wieder verschwinden. Was in einem Buch steht, das bleibt. Es ist dann schwerer öffentlich zugänglich für alle, aber es kann bei Diskussionen wieder hervorgeholt werden von denen, die es haben.

Ich hatte in meinem Artikel über Hollaback bereits einmal das Buch erwähnt. Im folgenden möchte ich jedoch auf die beiden schlimmsten Stellen des gesamten Buches eingehen. Sie sind mir beim Lesen sofort unangenehm aufgefallen und sind für mich das Schlechteste, was dieses Buch zu bieten hat.

Der Fall Elliot Rodger

„Als am 23. Mai 2014 bekannt wurde, dass ein junger Mann namens Elliot Rodger in Isla Vista, Kalifornien, sechs Menschen getötet und 13 weitere in einem Amoklauf verletzt hatte, bekam ich dies wieder mal zuerst über Twitter mit. Es kursierte bereits ein Blogpost, der die Tat mit der Männerrechtsbewegung und Pick-up-Artist-Szene in Verbindung brachte.“

(Anne Wizorek, S. 303; im Original steht die URL des Artikels bei den Quellangaben, auf die jeweils via Zahl verwiesen wird)

Für mich ist das ein Paradebeispiel für „mit der Wahrheit lügen“. Es stimmt, dass im erwähnten Artikel behauptet wird, Elliot Rodger habe mit der Männerrechtsbewegung und Pickup zu tun. Was aber nicht genannt wird: Es gibt überhaupt keinen Beleg dafür – weder in dem Artikel selbst, noch in einer späteren Quelle. Das liegt daran, dass die Behauptungen nicht stimmen. Mit Männerrechten hatte Elliot Rodger überhaupt nichts am Hut. Angeblich soll er Geld für eine Pickup-Schulung ausgegeben haben, die aber bei ihm nicht funktionierte, so dass er später Zeit in Anti-Pickup-Foren verbrachte.

Nun könnte das einfach ein peinlicher Recherchefehler sein. Diese Behauptungen machten die Runde, um Belege kümmerte sich da niemand mehr. Wenn es so viele Leute schreiben, wie kann das denn falsch sein? Wie kann die Berichterstattung an so vielen Stellen versagen und ungeprüft solche Falschmeldungen übernehmen? Es waren doch Quellen, denen die Autorin eventuell sonst auch immer vertraute.

Das wäre schlimm genug. Blogartikel kann man schnell korrigieren, Bücher erst in der nächsten Auflage. Anne Wizorek müsste sich hier vorwerfen lassen, ihre Quellen nicht genügend geprüft zu haben.

Ich glaube jedoch nicht, dass das ein Versehen war, sondern gehe davon aus, dass das in voller Absicht geschehen ist. Die Stelle im Buch ist genau so geschrieben, dass man sie nicht als „an sich falsch“ kritisieren kann. Wäre Anne Wizorek tatsächlich davon überzeugt gewesen, dass die Quelle stimmte, dann hätte sie etwas schreiben können in der Form „er war ein Männerrechtler und betrieb Pickup“, also kurz und knapp und deutlich. Das hätte man leicht anfechten können. So messerscharf an dem zu bleiben, was man schreiben kann, aber alles wegzulassen, was die Behauptungen als ungerechtfertigt entlarvte (und das ist im Prinzip jede Quelle, die diese genauer untersucht hat) – das erscheint mir zu sauber ausgeführt, um das Ergebnis eines Zufalls zu sein.

Falls Anne Wizorek jedoch wusste, dass beide Behauptungen nicht stimmten (oder bisher nicht belegt worden sind), dann wäre es nur redlich gewesen, das klarzustellen – oder sie überhaupt nicht erst zu erwähnen. Und hier beginnt die Täuschung der Leser, die nicht mehr über den Fall wissen: Natürlich geht man implizit davon aus, dass kein Autor Vorwürfe erwähnt, an denen nichts dran ist, insbesondere dann, wenn keine Abwägung über ihre Glaubwürdigkeit erfolgt und keine weitere Information. Selbst in eine Frage verpackt, die scheinbar erst einmal gar nichts behauptet (fiktives Beispiel: „War Anne Wizorek beteiligt am Beschädigen einer Apotheke?“) und genauer besehen mit Sicherheit mit „nein“ beantwortet werden kann, wirkt das: Denn wenn es völlig aus der Luft gegriffen wäre, würde doch redlicherweise niemand die Frage stellen… das ist ein beliebtes Prinzip des Boulevard-Journalismus, mit nichts in der Hand etwas schreiben zu können und dabei ganz nebenbei den Ruf von Personen zu beschädigen.

Und genau davon gehe ich auch in diesem Fall aus: Anne Wizorek kann ganz nebenbei die Männerrechtsbewegung und Pickup-Verfechter in schlechtes Licht rücken, indem sie sie mit einem mehrfachen Mörder in Verbindung bringt – und das, ohne das direkt zu behaupten und damit angreifbar zu sein! Das finde ich perfide.

Wenn man schon im Mai/Juni in dieser Blogblase mitgelesen hat, dann weiß man, dass an den Vorwürfen nichts dran ist. Außerdem ist dieser Trick, wie erwähnt, durchaus aus der Presse bekannt. Der zweite Fall ist hingegen noch schlimmer.

Der Fach Jörg Kachelmann

„Als ich vor ein paar Jahren einer Bekannten riet, dass sie den sexuellen Übergriff anzeigen sollte, von dem sie mir gerade erzählt hatte, deutete sie nur auf den Fernseher, der im Hintergrund lief und die neuesten Bilder vom Kachelmann-Prozess zeigte. „Damit mir dann auch niemand glaubt? Nein danke.“ Ich hatte keine Antwort für sie – und habe sie bis heute nicht.“

(Anne Wizorek, S. 112)

Dröseln wir das erst einmal sauber auf. Jörg Kachelmann ist von dem Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden. Dabei kamen dasselbe Prinzip zur Anwendung wie überall sonst: Der Angeklagte gilt als unschuldig, solange seine Schuld nicht hinreichend bewiesen ist. Die Unschuldsvermutung gehört zum Fundament des Rechtsstaates. Es spielt dabei keine Rolle, ob jemand beliebt oder ein Außenseiter ist, ein anständiger Bürger oder ein Charakterschwein.

Natürlich steht es jedem frei, zu glauben, was er will. In der Öffentlichkeit bestimmte Dinge über andere Personen zu behaupten, kann jedoch je nach Rechtslage negative Konsequenzen nach sich ziehen. Jörg Kachelmann hat eine ganze Reihe Unterlassungsklagen gegen diejenigen gewonnen, die das vergessen hatten oder einfach mal austesten wollten.

Was lesen wir in diesem kurzen Abschnitt? Da ist eine Frau offenbar Opfer eines Verbrechens geworden, scheut jedoch vor einer Anzeige zurück, weil sie davon ausgeht, dass in einem prominenten Fall die Klägerin ebenfalls Opfer eines Verbrechens wurde und ihr niemand glaubt. Anne Wizorek fällt dazu angeblich nichts ein.

Das Perfide an dieser Schilderung ist: Anne Wizorek kann ganz nebenbei die Ansicht vertreten, Jörg Kachelmann sei in Wirklichkeit schuldig gewesen. Sie stellt diese Behauptung ja nicht selbst auf, sondern erzählt sie aus dem Mund einer Freundin.

Dass sie diese Ansicht vertritt, läßt sich recht leicht mit ein wenig Logik belegen. Gehen wir einmal vom Gegenteil aus: Da wird ein Unschuldiger in einem rechtstaatlichen Verfahren freigesprochen, eine Bekannte glaubt jedoch, die Klägerin sei tatsächlich sein Opfer gewesen und traut sich deswegen nicht, ein ihr widerfahrenes Verbrechen anzuzeigen. Dazu soll man dann nichts zu sagen wissen. Das ergibt überhaupt keinen Sinn. Deswegen muss unter der Annahme, dass Anne Wizorek grundsätzlich etwas Sinnvolles schrieb, davon ausgegangen werden, dass sie Jörg Kachelmann für schuldig hält. Dann bekommt der zitierte Absatz einen Sinn – auf fatale Weise, wie ich noch zeigen werde.

Doch zunächst zurück zum Szenario, bei dem man von der Unschuld des Freigesprochenen überzeugt ist. Was wäre das erste, was man der Freundin sagen könnte? Etwa „das ist etwas ganz anderes, der Mann ist unschuldig“ oder „das zeigt doch nur, dass Recht und Gesetz funktionieren, das sollte Dich eher ermutigen“. Auf keinen Fall würde man sie im Glauben lassen, sie habe keine Chance mit einer Anzeige, wenn sie sich auf einen Fall beruft, bei dem man der Überzeugung ist, er sei richtig entschieden worden und anders gelagert.

Gehen wir nun einen Schritt weiter. Nehmen wir (fiktiv!) an, Jörg Kachelmann sei tatsächlich schuldig. Was hätte man dann der Freundin sagen können? „Es wird immer Fehlentscheidungen geben, aber das darf Dich nicht entmutigen“ oder „Das ist doch ein ganz anderer Fall, lass uns mal lieber überlegen, was für Beweise und welche Zeugen es für das gibt, was Dir geschehen ist“.

Egal, was man also über den Fall Kachelmann glaubt – es gibt so oder so etwas, das man einem Menschen sagen kann, der laut eigener Aussage einen Übergriff erlebt, diesen noch nicht angezeigt hat und seine Zweifel mit dem Fall Kachelmann begründet. Anne Wizorek stellt das jedoch als gigantisches Problem dar. Sie, die Aufschrei-Mitinitiatorin, Feminismus-Aktivistin, Talkshowteilnehmerin und Buchautorin, ist von Sprachlosigkeit betroffen. Obwohl selbst ich mit zwei Minuten Nachdenken auf einige vernünftige Vorschläge komme, findet sie bis heute nicht die passenden Worte.

Dass ein Angeklagter in einem Vergewaltigungsprozess freigesprochen wird, wirkt also so lähmend auf Opfer von sexuellen Übergriffen und Leuten, die den Opfern helfen wollen, dass bereits die Anzeige dieser Verbrechen verhindert wird. (Ich bin hier ganz nebenbei davon ausgegangen, dass die Freundin die Wahrheit sagt. Sonst würde es noch komplizierter.) Die Unschuldsvermutung sorgt also nicht nur dafür, dass „im Zweifelsfalle für den Angeklagten“ gilt, sondern nebenbei auch, dass die Ahndung offensichtlicher, womöglich leicht beweisbarer Verbrechen nicht geschieht.

Es muss sich also entschieden werden zwischen „ein paar Unschuldige über die Klinge springen lassen“ und „Massen von Opfern im Stich lassen“. Mit derselben Logik hat man auch schon Folter und außerrechtliche Gefängnisse im Kampf gegen den Terrorismus gerechtfertigt. Da der Rechtsstaat dem Rechtsstaat im Wege steht, müssen wir auf den Rechtsstaat verzichten, weil wir sonst keinen Rechtsstaat mehr haben.

Das ist keine Einzelmeinung, sondern war insbesondere im Fahrwasser des Kachelmann-Prozesses häufig zu hören. Das sei angemerkt, damit es nicht so wirkt, als stehe Anne Wizorek mit ihrer Haltung im luftleeren Raum. Über die Hintertür zu behaupten, Jörg Kachelmann sei schuldig und so zu tun, als stehe der Rechtsstaat der Verfolgung sexueller Übergriffe im Weg, das ist doppelt perfide.

Fazit

Es sind, wie eingangs erwähnt, die beiden schlimmsten Stellen in Anne Wizoreks Buch; der Rest sieht glücklicherweise anders aus. Schade, dass sie im Einsatz für ein (ihr) hehres Ziel auf solche Mittel zurückgreift.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal ein Lied, das auf dem Amoklauf einer Schülerin basiert. Wenn wir Geschlechterrollen ausbrechen wollen, kann es ja nur sinnvoll sein, sich auch diese Fälle in Erinnerung zu rufen.

The Boomtown Rats: I Don’t Like Mondays

Feminismus und Sexismus

Die Quote mag zwar keinen besonders großen Rückhalt in der Bevölkerung haben, bei Meinungsmachern und Entscheidungsträgern ist sie umso beliebter. Während ich dies schreibe, läßt Christian über den Begriff „Staatsfeminismus“ diskutieren. Die Frauenquote wurde gerade beschlossen.

Während wir also diskutieren, inwiefern Journalisten zum Komplex „Staatsfeminismus“ gehören, habe ich mir mal proquote angeschaut. Und deren beeindruckende Anzahl von Unterzeichnern. Und deren primitiv-sexistischen Begründungen.

Wie war das mit Margret auf Onyx‘ Blog? Der böse Pütz wagt es anzusprechen, daß Karriere nicht das alleinglücklichmachende Ding im Leben ist. Daß im Schnitt Frauen eher Wert auf eine Balance zwischen Arbeit und dem ganzen Rest legen, der unser Leben auch ausmacht. Was er nicht geschrieben hat, ist das Frauen doch bitteschön zurück an den Herd sollen. Und jetzt schauen wir uns Lisa Ortgies an.

Nicht zuletzt kann die Frauenquote die vielen Männer entlasten, die sich laut Umfragen nach mehr Zeit für die Familie (60 Prozent) sehnen statt als Hauptverdiener heiß zu laufen…

Ehrlich gesagt, mir fehlen die Worte.

Noch ein Beispiel. Birgit Schrowange

Weil Frauen eine größere emotionale Intelligenz haben und deshalb einfach die besseren Führungspersönlichkeiten sind.

Liebe Frau Schrowange, Sie sind tatsächlich zu blöd für die Transferleistung, Ihre Aussage mal umzudrehen? Weil Sie dann nämlich direkt gemerkt hätten, wie selten dämlich und zutiefst sexistisch Ihr Statement ist?

Ich bin mir sicher, Ihr findet noch mehr Bullshit bei proquote.

Fundstück: Atacamas persönliche Sexualmoral

Adrian schrieb einen lesenswerten Artikel zum Thema Abtreibung, der noch bei anderer Gelegenheit diskutierenswert wäre. Atacama schrieb dabei in einem Kommentar:

Ich z.B schlafe nur mit Männern, bei denen ich mir im absoluten Notfall vorstellen könnte ein Kind von ihnen auszutragen. Wenn ich bei dem Gedanken an eine Schwangerschaft von ihm Brechreiz kriege, dann lasse ich es, weil ich genau weiß, dass ich dann im Fall der Fälle in ein Dilemma käme.

Ich finde diese Einstellung beachtlich und deswegen krame ich diesen Kommentar noch einmal hervor. Ich sehe hier einen Menschen, der die Konsequenzen seines Handelns abwägt, aus einem Verantwortungsgefühl eine Entscheidung trifft und sich damit in letzter Konsequenz selbst eine Beschränkung auferlegt. Das ist nicht wegen der ersten beiden Teile so aufsehenerregend, denn das erwarte ich von allen Leuten, die dazu in der Lage sind. Nein, beachtlich finde ich diese Selbsteinschränkung, weil sie – nach meiner Wahrnehmung, die nicht verallgemeinerbar sein muss – der gepredigten Einstellung widerspricht, nach der „alles gehen muss“ und „man nichts verpassen darf“.