Warum ich diese beiden Stellen in Anne Wizoreks Buch perfide finde

An meinem regulären Tag hatte ich keinen Artikel veröffentlicht, sondern nur ein Fundstück zur Filmkritik, das aber offensichtlich nicht besonders interessant war. Deswegen folgt nun ein längerer Text.

Ende September ist Anne Wizoreks Buch „Weil ein Aufschrei nicht reicht. Für einen Feminismus von heute“ erschienen. Es hat in den ersten Tagen bereits jede Menge Rezensionen gegeben (bei Amazon tobte eine wahre Schlacht). Ich hatte damals keine Zeit, um es so schnell zu lesen. Geschafft habe ich es überhaupt nur, weil ich nach den ersten paar Dutzend Seiten meinen ursprünglichen Plan über Bord warf, jede diskutierenswerte Stelle zu vermerken und Notizen zu machen. Da es bereits viele Texte über das Buch insgesamt.gibt, möchte ich stattdessen in einer losen Serie immer wieder einzelne Aspekte oder Stellen herausgreifen und besprechen.

Das hat den Vorteil, dass ich einzelne Teile genauer betrachten kann. Stoff dafür bietet das Buch genug. Außerdem sind die einzelnen Kapitel so unterschiedlich, dass man das auch machen kann, ohne eine längere Argumentation aus den Augen zu verlieren.

Warum dieses Buch?

Natürlich gibt es auch Argumente gegen ein solches Vorgehen. Mir fallen sofort ein: 1. Anne Wizorek ist doch nur eine einzelne Frau, die ist überhaupt nicht repräsentativ für Feministinnen allgemein! 2. Das Buch ist gar nicht so wichtig, daran kann man doch nicht den Feminismus an sich festmachen! 3. Eine zu intensive Beschäftigung misst sowohl der Autorin als auch ihrem Buch mehr Bedeutung zu, als sie tatsächlich haben.

Dazu sei gesagt: Anne Wizorek hat den Grimme-Preis für den Aufschrei bekommen. Der Titel des Buches spielt auch auf diese Aktion an. Sie ist eine Person, die mediale Aufmerksamkeit bekommt. Sie spielt also für das, was in Deutschland derzeit unter dem Stichwort Feminismus passiert, eine große Rolle. An ihr lassen sich nicht, das sei ausdrücklich gesagt, alle Feministinnen messen oder „die typische/durchschnittliche“ Feministin festmachen.

Ich bin mehrfach dieses Jahr angeblafft worden mit dem Hinweis, ich solle doch mal lieber ein feministisches Buch lesen. Dem bin ich hiermit nachgekommen. Ab jetzt kann ich zumindest insofern mitreden. Ich halte es ohnehin für eine gute Vorgehensweise, die Bücher eines vermeintlichen oder tatsächlichen ideologischen Gegners zu lesen.

Und zuletzt kann aus dem Internet alles wieder verschwinden. Was in einem Buch steht, das bleibt. Es ist dann schwerer öffentlich zugänglich für alle, aber es kann bei Diskussionen wieder hervorgeholt werden von denen, die es haben.

Ich hatte in meinem Artikel über Hollaback bereits einmal das Buch erwähnt. Im folgenden möchte ich jedoch auf die beiden schlimmsten Stellen des gesamten Buches eingehen. Sie sind mir beim Lesen sofort unangenehm aufgefallen und sind für mich das Schlechteste, was dieses Buch zu bieten hat.

Der Fall Elliot Rodger

„Als am 23. Mai 2014 bekannt wurde, dass ein junger Mann namens Elliot Rodger in Isla Vista, Kalifornien, sechs Menschen getötet und 13 weitere in einem Amoklauf verletzt hatte, bekam ich dies wieder mal zuerst über Twitter mit. Es kursierte bereits ein Blogpost, der die Tat mit der Männerrechtsbewegung und Pick-up-Artist-Szene in Verbindung brachte.“

(Anne Wizorek, S. 303; im Original steht die URL des Artikels bei den Quellangaben, auf die jeweils via Zahl verwiesen wird)

Für mich ist das ein Paradebeispiel für „mit der Wahrheit lügen“. Es stimmt, dass im erwähnten Artikel behauptet wird, Elliot Rodger habe mit der Männerrechtsbewegung und Pickup zu tun. Was aber nicht genannt wird: Es gibt überhaupt keinen Beleg dafür – weder in dem Artikel selbst, noch in einer späteren Quelle. Das liegt daran, dass die Behauptungen nicht stimmen. Mit Männerrechten hatte Elliot Rodger überhaupt nichts am Hut. Angeblich soll er Geld für eine Pickup-Schulung ausgegeben haben, die aber bei ihm nicht funktionierte, so dass er später Zeit in Anti-Pickup-Foren verbrachte.

Nun könnte das einfach ein peinlicher Recherchefehler sein. Diese Behauptungen machten die Runde, um Belege kümmerte sich da niemand mehr. Wenn es so viele Leute schreiben, wie kann das denn falsch sein? Wie kann die Berichterstattung an so vielen Stellen versagen und ungeprüft solche Falschmeldungen übernehmen? Es waren doch Quellen, denen die Autorin eventuell sonst auch immer vertraute.

Das wäre schlimm genug. Blogartikel kann man schnell korrigieren, Bücher erst in der nächsten Auflage. Anne Wizorek müsste sich hier vorwerfen lassen, ihre Quellen nicht genügend geprüft zu haben.

Ich glaube jedoch nicht, dass das ein Versehen war, sondern gehe davon aus, dass das in voller Absicht geschehen ist. Die Stelle im Buch ist genau so geschrieben, dass man sie nicht als „an sich falsch“ kritisieren kann. Wäre Anne Wizorek tatsächlich davon überzeugt gewesen, dass die Quelle stimmte, dann hätte sie etwas schreiben können in der Form „er war ein Männerrechtler und betrieb Pickup“, also kurz und knapp und deutlich. Das hätte man leicht anfechten können. So messerscharf an dem zu bleiben, was man schreiben kann, aber alles wegzulassen, was die Behauptungen als ungerechtfertigt entlarvte (und das ist im Prinzip jede Quelle, die diese genauer untersucht hat) – das erscheint mir zu sauber ausgeführt, um das Ergebnis eines Zufalls zu sein.

Falls Anne Wizorek jedoch wusste, dass beide Behauptungen nicht stimmten (oder bisher nicht belegt worden sind), dann wäre es nur redlich gewesen, das klarzustellen – oder sie überhaupt nicht erst zu erwähnen. Und hier beginnt die Täuschung der Leser, die nicht mehr über den Fall wissen: Natürlich geht man implizit davon aus, dass kein Autor Vorwürfe erwähnt, an denen nichts dran ist, insbesondere dann, wenn keine Abwägung über ihre Glaubwürdigkeit erfolgt und keine weitere Information. Selbst in eine Frage verpackt, die scheinbar erst einmal gar nichts behauptet (fiktives Beispiel: „War Anne Wizorek beteiligt am Beschädigen einer Apotheke?“) und genauer besehen mit Sicherheit mit „nein“ beantwortet werden kann, wirkt das: Denn wenn es völlig aus der Luft gegriffen wäre, würde doch redlicherweise niemand die Frage stellen… das ist ein beliebtes Prinzip des Boulevard-Journalismus, mit nichts in der Hand etwas schreiben zu können und dabei ganz nebenbei den Ruf von Personen zu beschädigen.

Und genau davon gehe ich auch in diesem Fall aus: Anne Wizorek kann ganz nebenbei die Männerrechtsbewegung und Pickup-Verfechter in schlechtes Licht rücken, indem sie sie mit einem mehrfachen Mörder in Verbindung bringt – und das, ohne das direkt zu behaupten und damit angreifbar zu sein! Das finde ich perfide.

Wenn man schon im Mai/Juni in dieser Blogblase mitgelesen hat, dann weiß man, dass an den Vorwürfen nichts dran ist. Außerdem ist dieser Trick, wie erwähnt, durchaus aus der Presse bekannt. Der zweite Fall ist hingegen noch schlimmer.

Der Fach Jörg Kachelmann

„Als ich vor ein paar Jahren einer Bekannten riet, dass sie den sexuellen Übergriff anzeigen sollte, von dem sie mir gerade erzählt hatte, deutete sie nur auf den Fernseher, der im Hintergrund lief und die neuesten Bilder vom Kachelmann-Prozess zeigte. „Damit mir dann auch niemand glaubt? Nein danke.“ Ich hatte keine Antwort für sie – und habe sie bis heute nicht.“

(Anne Wizorek, S. 112)

Dröseln wir das erst einmal sauber auf. Jörg Kachelmann ist von dem Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden. Dabei kamen dasselbe Prinzip zur Anwendung wie überall sonst: Der Angeklagte gilt als unschuldig, solange seine Schuld nicht hinreichend bewiesen ist. Die Unschuldsvermutung gehört zum Fundament des Rechtsstaates. Es spielt dabei keine Rolle, ob jemand beliebt oder ein Außenseiter ist, ein anständiger Bürger oder ein Charakterschwein.

Natürlich steht es jedem frei, zu glauben, was er will. In der Öffentlichkeit bestimmte Dinge über andere Personen zu behaupten, kann jedoch je nach Rechtslage negative Konsequenzen nach sich ziehen. Jörg Kachelmann hat eine ganze Reihe Unterlassungsklagen gegen diejenigen gewonnen, die das vergessen hatten oder einfach mal austesten wollten.

Was lesen wir in diesem kurzen Abschnitt? Da ist eine Frau offenbar Opfer eines Verbrechens geworden, scheut jedoch vor einer Anzeige zurück, weil sie davon ausgeht, dass in einem prominenten Fall die Klägerin ebenfalls Opfer eines Verbrechens wurde und ihr niemand glaubt. Anne Wizorek fällt dazu angeblich nichts ein.

Das Perfide an dieser Schilderung ist: Anne Wizorek kann ganz nebenbei die Ansicht vertreten, Jörg Kachelmann sei in Wirklichkeit schuldig gewesen. Sie stellt diese Behauptung ja nicht selbst auf, sondern erzählt sie aus dem Mund einer Freundin.

Dass sie diese Ansicht vertritt, läßt sich recht leicht mit ein wenig Logik belegen. Gehen wir einmal vom Gegenteil aus: Da wird ein Unschuldiger in einem rechtstaatlichen Verfahren freigesprochen, eine Bekannte glaubt jedoch, die Klägerin sei tatsächlich sein Opfer gewesen und traut sich deswegen nicht, ein ihr widerfahrenes Verbrechen anzuzeigen. Dazu soll man dann nichts zu sagen wissen. Das ergibt überhaupt keinen Sinn. Deswegen muss unter der Annahme, dass Anne Wizorek grundsätzlich etwas Sinnvolles schrieb, davon ausgegangen werden, dass sie Jörg Kachelmann für schuldig hält. Dann bekommt der zitierte Absatz einen Sinn – auf fatale Weise, wie ich noch zeigen werde.

Doch zunächst zurück zum Szenario, bei dem man von der Unschuld des Freigesprochenen überzeugt ist. Was wäre das erste, was man der Freundin sagen könnte? Etwa „das ist etwas ganz anderes, der Mann ist unschuldig“ oder „das zeigt doch nur, dass Recht und Gesetz funktionieren, das sollte Dich eher ermutigen“. Auf keinen Fall würde man sie im Glauben lassen, sie habe keine Chance mit einer Anzeige, wenn sie sich auf einen Fall beruft, bei dem man der Überzeugung ist, er sei richtig entschieden worden und anders gelagert.

Gehen wir nun einen Schritt weiter. Nehmen wir (fiktiv!) an, Jörg Kachelmann sei tatsächlich schuldig. Was hätte man dann der Freundin sagen können? „Es wird immer Fehlentscheidungen geben, aber das darf Dich nicht entmutigen“ oder „Das ist doch ein ganz anderer Fall, lass uns mal lieber überlegen, was für Beweise und welche Zeugen es für das gibt, was Dir geschehen ist“.

Egal, was man also über den Fall Kachelmann glaubt – es gibt so oder so etwas, das man einem Menschen sagen kann, der laut eigener Aussage einen Übergriff erlebt, diesen noch nicht angezeigt hat und seine Zweifel mit dem Fall Kachelmann begründet. Anne Wizorek stellt das jedoch als gigantisches Problem dar. Sie, die Aufschrei-Mitinitiatorin, Feminismus-Aktivistin, Talkshowteilnehmerin und Buchautorin, ist von Sprachlosigkeit betroffen. Obwohl selbst ich mit zwei Minuten Nachdenken auf einige vernünftige Vorschläge komme, findet sie bis heute nicht die passenden Worte.

Dass ein Angeklagter in einem Vergewaltigungsprozess freigesprochen wird, wirkt also so lähmend auf Opfer von sexuellen Übergriffen und Leuten, die den Opfern helfen wollen, dass bereits die Anzeige dieser Verbrechen verhindert wird. (Ich bin hier ganz nebenbei davon ausgegangen, dass die Freundin die Wahrheit sagt. Sonst würde es noch komplizierter.) Die Unschuldsvermutung sorgt also nicht nur dafür, dass „im Zweifelsfalle für den Angeklagten“ gilt, sondern nebenbei auch, dass die Ahndung offensichtlicher, womöglich leicht beweisbarer Verbrechen nicht geschieht.

Es muss sich also entschieden werden zwischen „ein paar Unschuldige über die Klinge springen lassen“ und „Massen von Opfern im Stich lassen“. Mit derselben Logik hat man auch schon Folter und außerrechtliche Gefängnisse im Kampf gegen den Terrorismus gerechtfertigt. Da der Rechtsstaat dem Rechtsstaat im Wege steht, müssen wir auf den Rechtsstaat verzichten, weil wir sonst keinen Rechtsstaat mehr haben.

Das ist keine Einzelmeinung, sondern war insbesondere im Fahrwasser des Kachelmann-Prozesses häufig zu hören. Das sei angemerkt, damit es nicht so wirkt, als stehe Anne Wizorek mit ihrer Haltung im luftleeren Raum. Über die Hintertür zu behaupten, Jörg Kachelmann sei schuldig und so zu tun, als stehe der Rechtsstaat der Verfolgung sexueller Übergriffe im Weg, das ist doppelt perfide.

Fazit

Es sind, wie eingangs erwähnt, die beiden schlimmsten Stellen in Anne Wizoreks Buch; der Rest sieht glücklicherweise anders aus. Schade, dass sie im Einsatz für ein (ihr) hehres Ziel auf solche Mittel zurückgreift.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal ein Lied, das auf dem Amoklauf einer Schülerin basiert. Wenn wir Geschlechterrollen ausbrechen wollen, kann es ja nur sinnvoll sein, sich auch diese Fälle in Erinnerung zu rufen.

The Boomtown Rats: I Don’t Like Mondays

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30 Kommentare zu „Warum ich diese beiden Stellen in Anne Wizoreks Buch perfide finde“

  1. Danke für den Text! „sechs Menschen getötet“ Auch diese Formulierung bei Wizorek ist m.E. kein Zufall – in vielen Texten über diese Morde wird das Geschlecht der Todesopfer nicht angegeben. Dabei wäre das in diesem Fall wichtig, weil oft suggeriert (wie bei Wizorek) oder sogar ausdrücklich behauptet wird, Rodger hätte seine Taten aus Frauenhass begangen. Vier der Toten waren Männer, zwei waren Frauen: Die Suggestion, Frauenhass sei sein wesentliches Motiv gewesen, klappt nicht mehr, wenn das klargestellt wird. Insofern hast Du sicher recht mit der Behauptung, dass Wizorek absichtlich manipuliert und ihre Angaben nicht einfach auf journalistischen Schlampigkeiten beruhen.
    Beim Kachelmann-Beispiel ist das ähnlich. Auch hier deuten unendlich viele Texte an, oder sagen es deutlich (wie z.B. Schwarzers Gerede von „Freispruch dritter Klasse“, das eigentlich nur ihre Verachtung für rechtsstaatliche Prinzipien dokumentiert), dass Kachelmann schuldig gewesen sei, dass ihn das Gericht irgendwie unkorrekt habe davonkommen lassen.
    Interessant ist hier, wie selbstverständlich Wizorek sich auf diese ressentimentgeladene Vorannahme schon verlassen kann. Denn dass einem Menschen „nicht geglaubt“ wurde, könnte ja zunächst einmal Kachelmann behaupten. Der saß Monate in Haft, obwohl er beteuerte, unschuldig zu sein. Seiner Beschuldigerin wurde erst nicht mehr geglaubt, als sie sich konsequent unglaubwürdig machte. Trotzdem ist bei Wizorek offenbar ganz klar, wem angeblich automatisch nicht geglaubt würde – der Frau natürlich.
    Interessant ist hier ja auch der Punkt, dass eine Feministin ganz offensichtlich ein Interesse daran hat, die Zustände bei Polizei und Gerichten so zu beschreiben, dass vergewaltigte Frauen von einer Anzeige abgeschreckt werden. Es geht Wizorek überhaupt nicht um Vergewaltigungen und schon gar nicht um ihre Verhinderung – es geht ihr nur darum, Politik damit zu machen.

  2. Feministinnen fahren (zu) oft politische Kampagnen, bei den die Wahrheit auch gerne mal zu kurz kommen kann. So z.B. auch hier zu Thema häusliche Gewalt:

    http://www.schulte-frohlinde.de/node/179

    Gleiches passiert beim Gender Pay Gap, den gläsernen Decken oder, wie gerade in den USA, mit der rape culture. Und dann fordern einige Feministinnen auch noch das man Frauen immer glauben soll, weil Frauen niemals lügen. Eigentlich schon komisch. ^^

    http://time.com/3222543/5-feminist-myths-that-will-not-die/

  3. Wenn man allerdings zu besagter Zeit manchmal auf PUAHate gelesen hat, dann war das damals tatsächlich keine Seite von PU-Kritikern, sondern tatsächlich ein Frauenhasserblog der schlimmsten Sorte.

    1. Rodger hatte eindeutig einen ungeheuren Hass auf Frauen – weil die nichts von ihm wissen wollten, obwohl er gut aussah, reich war, aus einer guten Familie kam und sich für „den perfekten Gentleman“ hielt. Er hatte auch einen ungeheuren Hass auf andere Männer – weil die Erfolg bei Frauen hatten, obwohl er sie im Vergleich zu sich selbst für minderwertig hielt.

      Eigentlich war der Wunsch, von einer Frau erhört zu werden, die Achse, um die seine kranke Welt kreiste. Es lässt sich eben nicht alles gut in das Muster „patriarchale Herrschaft“ einbauen – manchmal nicht einmal der Frauenhass.

    2. Ich habe 2 Jahre auf Puahate gepostet und glaube ich, eins-zweimal mit Rogers geredet.
      Puahate hatte tatsächlich viel Frauen, Schwulenhass zu bieten, das ist ein trauriges Faktum.
      Trotzdem würde ich es als Trollforum bezeichnen, in dem jedenfalls Anfangs das Spaß und Humorelement überwog, und die üblichen Idioten in solchen Foren, wo Moderation lasch ist, eben nicht ausbleiben.
      Die Leute dort waren in der Mehrzahl keine MRAs. Man glaubt es nicht, aber auch dort war zum Teil feministische Kritik zu lesen.

      Puahate heute existiert nur noch als Redditchannel und hat ein paar andere Foren hervorgebracht, die ich allerdings meide, weil mir das Humorelement fehlt.
      Interessanterweise hat die EX Puahate community die feministische Aktion gegen Julien Blank #takedownjulienblank unterstützt, weil man dort PUAs eben hasst.

      Was würde wohl Frau Wizorek sagen, wenn Sie wüsste das eine feministische Aktion gerade Unterstützung von ehemaligen PUA Hatern bekommt, also die Leute, die sie hier versucht schlecht zu reden?

  4. Stimmt, er hatte wohl einen ziemlichen Menschenhass im allgemeinen, offenbar auch das ein oder andere psychische Problem. Eventuell befand er sich in einer Art Teufelskreis, wie er in den Kommentaren unter EMNs „netter Kerl“ beschrieben wird.

    Was ich aber schon interessant finde: Nach gängiger Logik über die (angeblichen) Auswahlkriterien von Frauen hätte er doch kein Problem damit haben müssen, eine Freundin zu finden. Wie du sagst, (sehr) reich, aus guter Familie, nicht unattraktiv. Woran lag es also? Oder sind die Auswahlkriterien von Frauen doch anders, als gemeinhin angenommen?

    Mir ging es nur darum festzustellen, dass PUA-Hate zu der Zeit als er dort aktiv war, tatsächlich eine Seite war, auf der sich allerlei Frauenhasser munter tummelten.

    1. @margret

      „Nach gängiger Logik über die (angeblichen) Auswahlkriterien von Frauen hätte er doch kein Problem damit haben müssen, eine Freundin zu finden. Wie du sagst, (sehr) reich, aus guter Familie, nicht unattraktiv. Woran lag es also? Oder sind die Auswahlkriterien von Frauen doch anders, als gemeinhin angenommen?“

      Er hätte es einfach haben können. Klar. Aber er hat eben null Selbstbewußtsein gehabt und war zu hasszerfressen. Insofern kein Alpha.
      Hier in dem Artikel ging es mal zum Charakteristika eines „Gamma“:

      https://allesevolution.wordpress.com/2013/09/08/gamma-charakeristika/

      High intelligence that he overvalues the importance of

      God complex in his belief in his own omnipotence and failure to recognise his errors

      Relentless bullying of those further down the hierarchy

      Burning toxic rage against the world for failing to recognise his genius.

      Prickly pride that constantly causes him to sabotage otherwise smoothly functioning systems
      Creepily over-investing in the one woman who gives him interest

      Das meiste dürfte auf ihn zugetroffen haben.
      Er hielt sich für etwas besseres, hat auf alle anderen herabgesehen, fand es ungerecht, dass sie seinen (über den Vater und das Geld erlangten) Status nicht anerkennen

      Es ist ein Problem dessen, was ich als „sozialer Status vs. gesellschaftlichen Status“ beschreiben würde. Über Geld etc hätte er vielleicht einen gesellschaftlichen Status gehabt, im Umgang hat er aber nichts davon ausgestrahlt, sondern eher Gamma-Charakteristika. Diese Differenz hat ihn noch eher dazu getrieben, dass er sich ungerecht behandelt fühlte.

      Im Pickup hätte er jetzt erst einmal lernen müssen, dass sein gesellschaftlicher Status egal ist, wenn er im Gegensatz zu seinem durch das Verhalten wahrgenommen Status steht. Das hätte natürlich die Einsicht erfordert, dass er sich selbst erheblich verbessern muss und weit weniger toll ist als er verdient hat. Was er nicht leisten konnte und wollte. Statt dessen hat er sich eben lieber in die Idee geflüchtet, dass alle ihm etwas zu unrecht vorenthalten und ihm daher unrecht führen. Wofür er sich rächen wollte.

      1. Hätte er doch einen Vater gehabt, der ihm ab und an wohlwollend den Kopf gewaschen und PickUp beigebracht hätte. Dann wären seine Opfer jetzt wohl noch am Leben.

  5. Ich finde das gut, daß Du diese Beispiele von rhetorischen Tricks detailliert aufdröselst, denn man muß das Erkennen derselben immer wieder üben. Ich habe hier eine längere Liste mit Beispielen.

    Wiezorek ist keineswegs die einzige, die mit derartigen Tricks arbeitet. Beispiel, das mir vor ein paar Tagen aufgestoßen ist: Ulrike Baureithel, die regelmäßig auf dem Freitag Propaganda verbreitet. Sie hatt dort einenText zur gesetzlichen Frauenquote, der schon im Titel alle Kritiker zu Hysterikern erklärt. Ich habe hier und hier zwei versteckten Aussagen im Text die Fakten gegenübergestellt, es sind aber noch mehr solche versteckten Lügen in diesem Text.

    Man muß natürlich aufpassen, daß man selber keine Fehler macht und sich im Zweifel zurückhalten. Das ist mir zufällig vor einer Stunde passiert. Ich bin irgendwo auf ein angebliches Zitat von A. Schwarzer gestoßen „Was wäre eine Befreiungsbewegung ohne Hass?“. Es gibt mehrere Stellen, wo sie so oder so ähnlich zitiert wird, aber nirgendwo mit einer Quellenangabe. Kennt jemand die Quelle? Würde zwar zu ihr passen und wäre gut für meine Zitatesammlung, aber ohne Quelle lasse ich die Finger davon.

    1. Diese „Stellen“ beziehen sich vermutlich auf meine Bücher, in denen dieses Zitat verschiedentlich auftaucht. Ich selbst habe es aus Schwarzer, Alice: So fing es an! Die neue Frauenbewegung. Dtv 1983, S. 32-33. Das reicht als Beleg, ist aber wohl nicht die Originalquelle, weil es sich um eine Zusammenstellung älterer Texte handelt. Warum ich dieses Zitat kenne, weiß ich nicht; schließlich werden dir zahllose Feministinnen erklären, dass wir Männerrechtler von feministischen Schriften überhaupt keine Ahnung haben, sonst würden wir ja nicht ständig so dummes Zeug behaupten …

      1. Danke für die Quellenangabe!

        „Das reicht als Beleg, ist aber wohl nicht die Originalquelle“
        Immerhin ist damit klar, daß es von ihr stammt.

  6. Soweit ich sehen kann, ist eine für das im post beschriebene Dilemma zwischen Unschuldsvermutung und psychologischer Wirkung von Freisprüchen Bedingung hier noch gar nicht genannt worden – daher hole ich das mal nach.

    Dieser Abschnitt

    “ deutete sie nur auf den Fernseher, der im Hintergrund lief und die neuesten Bilder vom Kachelmann-Prozess zeigte. “Damit mir dann auch niemand glaubt? Nein danke.” Ich hatte keine Antwort für sie – und habe sie bis heute nicht.” “

    suggiert, daß das angebliche Opfer in Wizorek darin übereinstimmen, daß ein Strafprozeß in irgendeinem Sinne „für das Opfer“ stattfinde, daß geschehen müsse, was das Opfer wolle oder wenigstens der Sinn eines solchen Prozeßes darin liege, daß sich das Opfer besser fühle. Doch weder die Rechtsordnung, noch die Gerichte sind dieser Meinung – was man wissen könnte, wenn man die Notwendigkeit sehen würde, sich mit den organisatorischen Merkmalen der Gesellschat, in der mna lebt, auseinanderzusetzten.

    Ziel von Strafprozeßes ist gerade die Wahrheit herauszufinden. Entsprechend wird Anklage nicht dann erhoben, wenn man der Staatsanwalt der Meinung ist, daß der Beschuldigte vermutlich der Täter ist, sondern ist wird genau dann Anklage erhoben, wenn der Staatsanwalt der Meinung ist, daß es etwas herauszufinden, etwas aufzuklären gibt. Die Tätigkeit des Richters besteht dann auch nicht darin, in Vertretung des Opfers mit den Mitteln des Staates gegen den Angeklagten vorzugehen und ihm das Leben schwer zu machen, sondern darin, die Wahrheit in allen Details herauszufinden, insoweit sie für den Tathergang und die Schuld, die der Angeklagte möglicherweise auf sich geladen hat, eine Rolle spielt. Die Folge ist

    1. daß der Richter alle Leute befragt, auch das Opfer und die Grenzen des Wissens ausloten muß, daß das Opfer über den Tathergang hat. Das mag für ein Opfer nicht angenehm sein, aber da es um die Wahrheit geht, ist das für die Aufgabe des Richter egal.
    2. daß der primäre Strafzwecke die Generalprävention ist, d.h. die Demonstration für alle, daß die Rechtsordnung unverbrüchlich ist und somit alle anderen in der Zukunft von möglichen Straftaten abzuschrecken. Der sekundäre Strafzweck ist die Spezialprävention, die Abschreckung des Täter von allen möglichen zukünftigen Straftaten. Die Genugtuung dem Opfer gegenüber ist hingegen irrelevant, den die Strafzumessungskriterien sind allein Schuldabhängig, hängen als davon ab, inwiefern der Täter Schuld auf sich geladen hat. 30 Jahre Ehehölle durch die Ehefrau z.B. können diese Schuld erheblich mindern, wenn der Ehemann irgendwann ausrastet und seine Ehefrau verprügelt. Die Frage, ob das für da Opfer ausreichend Genugtuung bedeutet oder es sich schlimmere Folgen für den Täter wünscht, gehört nicht zu den Strafzumesseungskriterien.

    Das Zitat belegt, daß die Feministen fälscherlicherweise glauben, daß die Justiz sich stellvertretend für das Opfer am Täter zurächen und dem Opfer Genugtuung verschaffen müßte. Da ist nicht der Fall, die Justiz ist am Täter interessiert und an der Öffentlichkeit. Anzeige wird daher erstatt, nicht um sich besser zu fühlen und weniger Probleme zu haben, sondern die Anzeige ist – wie der Strafprozeß eher ein Dienst an der Allgemeinheit. Von einer Verurteilung soll nicht das Opfer profitieren, sondern die Gemeinschaft. Das Opfer kann – wenn es will – aus der Feststellung der Wahrheit Genugtung ziehen. Sollte sich aber das Opfer durch die Wahrheit nicht besser fühlen, dann interessiert das die Justiz und die Rechtsordnung genau soviel – nichts.

    Natürlich kann man eine anders konzipierte Rechtsordnung wollen, die primär der Rache der Opfer dient oder sich dem Ausgleich der Gefühlslage der Betroffenen widmet. Doch ich für meinen Teil habe erhebliche Zweifel, daß diese dann noch noch dem Prinzip der Rechtsstaatlichkeit vereinbar wäre, i.e. mit der Fähigkeit der Angeklagten, sich in fairer Weise dagegen zu wehren, daß der Staat gegen ihn vorgeht.

    DARIN besteht das eigentliche Problem der zitierten Passage: Feminsten wissen nicht, wie ihre Rechtsordnung funktioniert, sie glauben, sie müsse ihnen persönlich mehr Zufriedenheit bringen und beschwehren sich darüber, daß dem nicht so ist. Was man also der anonymen Freundin hätte sagen müssen, wäre Folgendes:

    „Die Rechtsordnung dieser Gesellschaft funktioniert anders. Und würde sie so funktionieren, wie du dir das im Moment wünscht, dann würde eine Gesellschaft entstehen, in der du selbst nicht würdest leben wollen.“

    Allgemeiner Hinweis: Diese, wie auch die parallel laufende Diskussion über Abtreibung zeigt deutlich, daß die Männerrechtler sich mit juristischem Hintergrundwissen gegen feministische Propaganda wappnen können und müssen. Die im Moment üblichen Aus-Dem-Bauch-Heraus-Argumentationen, die sich in den meisten posts finden, bleiben nicht umsonst wirkungslos.

    1. „suggiert, daß das angebliche Opfer in Wizorek darin übereinstimmen, daß ein Strafprozeß in irgendeinem Sinne “für das Opfer” stattfinde, daß geschehen müsse, was das Opfer wolle oder wenigstens der Sinn eines solchen Prozeßes darin liege, daß sich das Opfer besser fühle.“

      Das die Bestrafung des Täters für das Opfer eine gewisse Genugtuungsfunktion haben soll, wenn er es denn war, würde ich schon auch vom Strafzweck umfasst sehen. Das Gewaltmonopol des Staates umfasst auch ein „ich übernehme die Bestrafung für dich“ und der Gedanke, dass der andere bestraft wird, dürfte ein häufiger Grund für eine Anzeige sein und viele Opfer werden sich auch besser fühlen, wenn er bestraft wird.

      1. @Evochris

        „Das die Bestrafung des Täters für das Opfer eine gewisse Genugtuungsfunktion haben soll, wenn er es denn war, würde ich schon auch vom Strafzweck umfasst sehen.“

        Keineswegs: Er umfaßt lediglich das Angebot dafür. Wenn das dem Opfer nicht genügt, interessiert das keinen.

        „Das Gewaltmonopol des Staates umfasst auch ein “ich übernehme die Bestrafung für dich” “

        Das sagt aber nichts darüber aus, warum das geschieht. Und darum geht es.

        „und der Gedanke, dass der andere bestraft wird, dürfte ein häufiger Grund für eine Anzeige sein“

        Das mag sein: Die Motive, aus denen jemand eine Anzeige stellt, interessiert das Rechtssystem nicht.

      2. @elmar

        „Er umfaßt lediglich das Angebot dafür. Wenn das dem Opfer nicht genügt, interessiert das keinen.“

        Insoweit Zustimmung
        ich wollte lediglich hervorheben, dass der Ausgleichsgedanke dem Strafrecht nicht per se fremd ist.
        Man sieht dies auch daran, dass einige Delikte Antragsdelikte sind, dass der Frage, ob eine anderweitige Wiedergutmachung durch den Täter gegenüber dem Opfer erfolgt ist, bei der Strafzumessung durchaus nachgegangen wird und das das Opfer auch als Nebenkläger auftreten darf.

        Die Wertung, was als Ausgleich gerecht ist und was eine Tat ist, die zu strafen ist, trifft aber nicht das Opfer

      3. @EvoChris

        „Ich wollte lediglich hervorheben, dass der Ausgleichsgedanke dem Strafrecht nicht per se fremd ist.“

        Natürlich. Andersfalls wären die Strafzumessungskriterien nicht schuldabhängig sondern allein tatbestandsabhängig. Doch der Tatbestand gibt lediglich den Strafrahmen vor.

      4. Für die persönliche „Rache“ bzw. Genugtuung gibt es ja noch zusätzlichen den zivilrechtlichen Schadensersatzanspruch bzw. Schmerzensgeld.

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