Fundstück: Genderfeminismus 101

Unter asemann.de wurden vor einiger Zeit zwei Teile einer Serie veröffentlicht, die mehr Leser verdient hat. Ein dritter Teil ist bereits angekündigt.

Das alternative Gender-Feminismus 101
Teil 1: Die Grundlagen des Genderfeminismus
Teil 2: Der Genderfeminismus und die „Verschwörung des Patriarchats“

Solche Texte erfüllen gleich drei Funktionen: Erstens werden hierbei theoretische Grundkenntnisse geordnet abgelegt, so dass man sie leicht nachlesen und darauf verweisen kann. Zweitens sind sie von tagesaktuellen Debatten entkoppelt, bei denen einerseits schnell die Emotionen hochkochen und anderseits bestimmte Sachen nur noch in Form von Zitaten oder Stichwörtern erwähnt werden, was es einem Außenstehenden schwer bis unmöglich macht, zu folgen. Drittens sind gut formulierte Texte immer ein Kandidat, um ein möglicher Zufallstreffer via Google zu werden.

Die vorliegende Arbeit scheint ganz im Stil eines Autoren wie Man in the Middle zu sein. (Achtung, bei ihm ist die Seitenleiste mit den Grundsatzartikeln von der Hauptseite aus derzeit unter den Blogtexten zu finden – schlechtes Blog-Thema ausgewählt?)

Zwei persönliche Erlebnisse aus diesem Jahr, die mir in dieser Hinsicht Mut gemacht haben: Als eine Diskussion zu einem völlig anderen Thema plötzlich auf Sexismus gelenkt wurde und ich die Welt nicht mehr verstand, empfahl mir einer, zu meiner eigenen Bildung doch einmal „Privilegientheorie“ zu googeln und die ersten Ergebnisse durchzulesen. Lustigerweise bekam ich auf Deutsch als ersten Treffer besagten „Man in the Middle“, als zweiten Alles Evolution von Christian Schmidt.

Aus persönlichen Gesprächen stellte ich zudem fest: Viele Leute lassen sich „impfen“, indem man ihnen ungeschminkt, aber sachlich (und sie dabei ernst nehmend) den theoretischen Überbau einer radikalfeministischen Strömung präsentiert. Wer mitten im Leben steht und offenen Auges durch die Welt geht, läßt sich danach auch nicht mehr so leicht mit künstlich erzeugten Schuldgefühlen oder dem Druck sozialer Ächtung manipulieren.

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal mit einem Lied, das gleichzeitig ruhig wie optimistisch ist.

Des’ree – You Gotta Be

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4 Kommentare zu „Fundstück: Genderfeminismus 101“

  1. @graublau: die seltsame Anzeige der Seitenliste ist mir auch schon aufgefallen, das ist erst seit kurzem so. Früher war das seitlich, in dem Layout-Editor für den Blog steht sie auch seitlich, angezeigt wird sie trotzdem unterhalb. Scheinbar ist die Software umgestellt worden, vermutlich um auf Smartphones besser lesbar zu sein. Als ad hoc Lösung habe ich jetzt die Seitenliste in den Kopf verschoben, auch wenn das für meinen Geschmack unübersichtlich ist.

    Zu google: ich wundere mich auch, daß der Blog relativ hoch in den Trefferlisten auftritt. Liegt mit Sicherheit daran, daß es inzwischen relativ viele Links darauf gibt.

    Zur Frage einführender Texte: m.E. ein sehr wichtiges Thema, wenn man mehr Öffentlichkeit erreichen will. Ich komme am WE darauf zurück.

  2. Das Thema einführende Texte beschäftigt mich schon lange, am naheliegendsten in Form der Frage, welches Faktenwissen man braucht, um an den heutigen Geschlechterdebatten erfolgreich teilnehmen zu können und eine eigene qualifizierte Meinung zu entwickeln. Anders gesehen lautet die Frage, welche Lernziele einführende Texte haben, wenn man den Unterhaltungswert einmal außen vorläßt. Damit landen wir bei einigen didaktischen Folgefragen über das Publikum bzw. bei der Entscheidung, für welches Publikum man Texte schreibt:

    1. Welche Interessen treiben eventuelle Interessenten dazu, sich Wissen anzueignen?

    2. Welche Vorkenntnisse sind vorhanden? d.h. welche Lücken sind zu füllen?

    3. Welcher Lernaufwand ist leistbar?

    Interesse entsteht mMn vor allem durch die Präsenz der Geschlechterdebatte in den Medien und der Politik und durch die große Diskrepanz zwischen den offiziellen feministischen Ideologien und der selber erlebten Realität. Im besten Fall führt dies zu einem ergebnisoffenen Wissensdurst in biologischen, soziobiologischen, psychologischen usw. Themen, im schlechtesten Fall zur Suche nach Bestätigung der eigenen Vorurteile.

    Die Vorkenntnisse dürften sehr gemischt sein, ebenso die Lernfähigkeit. Ich weiß wenig darüber, was an Schulen in den letzten 10 oder 20 Jahren einschlägiges unterrichtet wurde; zumindest scheint mir der Biologieunterricht mitsamt Vererbungslehre etc. der natürliche Feind des Feminismus zu sein (deshalb soll er ja auch abgeschafft werden).

    Der leistbare Lernaufwand dürfte i.d.R. beschränkt sein, zumindest bei Normalverbrauchern. Die Leute, die Blogs wie diesen lesen, dürften weitaus mehr Zeit für diese Themen verwenden als der Durchschnitt.

    Eine Frage ist also, ob man auf eine breite Allgemeinheit zielt (die man vermutlich nicht erreicht) und deren man Wissensstand verbessern will oder eher auf eine interessierte Fachöffentlichkeit, die auf Dauer meinungsbildend sein könnte. Vermutlich ist das zweite realistischer.

    Selbst wenn man auf die interessierte Fachöffentlichkeit zielt, steht man vor dem Problem, daß einen die schiere Stoffmenge erschlägt. djadmoros hat ja letztens einen herausragenden Text (Natur, Kultur und Geschlecht. Eine anthropologische Skizze.) geschrieben, der die Bandbreite und die Komplexität der Themen verdeutlicht.

    Einführende Texte müssen nicht alle Details enthalten, sollten aber auch nichts wichtiges weglassen. Vor allem müssen sie eine angemessene Simplifizierung der vollen Wahrheit sein – und die scheint keiner zu kennen. Wir lästern ja regelmäßig über die Unwissenschaftlichkeit der Gender Studies, haben aber nach meinem Eindruck auch keinen Konsens, wie wichtig z.B. biologische Einflüsse sind und welche Rolle sie in den Debatten einnehmen sollten.

    Summe summarum fehlt so etwas wie ein „maskulistisches Curriculum“, also eine – zumindest im demokratischen Maskulismus – allgemein akzeptierte Theorie über das Geschlechterverhältnis, die entsprechende Fakten und Schlußfolgerungen beinhaltet, und eine Didaktik, wie man diese Lerninhalte überzeugend und motivierend bei typischen Interessenten vermittelt.

    Darüber scheint bisher noch niemand nachzudenken, zumindest kenne ich nichts. Die Gender Studies, so absurd sie inhaltlich sein mögen, haben immerhin konkrete Curricula. Die Diskussionen auf den diversen Masku-Blogs betreffen meistens Tagespolitik oder irgendwelche aktuellen Aufreger. Man lernt auch so einiges dabei, aber sehr zufällig. Ein Beispiel ist der im Post zitierte 2. Artikel von Asemann zum Genderfeminismus: Inhaltlich ist das eine Kritik der zentralen Grundlagen des Gender-Feminismus (Blank-Slate-Annahme, Patriarchatsannahme) und in der zweiten Hälfte eine soziologische Analyse, warum die feministischen Akteure blind gegen die Mängel ihrer Theorie sind bzw. wie sie sich gegen Kritik immunisieren. Als fortgeschrittener Masku sollte man das wissen, muß man speziell das auch als Anfänger wissen (speziell die 2. Hälfte)? Ich bin da unsicher, das ist auch ein Grund, warum der Abschnitt über Gender Studies auf meinem Blog ziemlich unfertig ist und bisher sehr allgemein gehalten ist.

    Außerdem hat man, wenn man feministische Theorien widerlegt, damit noch keine eigene, bessere Theorie präsentiert.

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