#freethenipple und feministische Doppelstandards

Das Ding hier kommt auf uns zu. Ein Film über Frauen, die es total empauernd und befreiend finden, ihre Nippel in aller Öffentlichkeit zu zeigen. Junge Mädchen, die mit blankem Oberkörper durch die Straßen rennen, und das „equality movement against female oppression and censorship“ nennen. Aber seht selbst:

Ganz so neu ist das ganze ja nicht, spätestens seit der Hippie-Bewegung und Woodstock kommt das immer mal wieder und nicht zuletzt „argumentieren“ die Femen ja auch so.

Darauf gestoßen bin ich über den Feuerbringer, der das ganze schon mal gebührend kommentiert hat. Allerdings möchte ich da noch ein paar Aspekte anfügen. Der Feuerbringer weist zurecht darauf hin, dass das Hollaback-Video, dessen Inhalt ich jetzt in unserer Szene nicht nochmal erklären muss, noch nicht mal richtig um die Ecke ist, und jetzt das. Ich zitiere ihn mal:

Der ungewollten Aufmerksamkeit des anderen Geschlechts möchte man nun also entgegensteuern, indem man Frauen auffordert, ohne Oberteil durch die Straßen zu laufen.

Das kommentiert bei ihm eine gewisse Alexia mit:

Ich habe eine Weile mit dem Versuch verbracht, zu verstehen, was die Belästigung von Frauen in Fußgängerzonen mit dem Recht auf das Auftreten ohne Oberteil in der Öffentlichkeit zu tun haben soll.

Echt jetzt? Offensichtlich hat die Gute noch nie was von „Wie man in den Wald hineinruft…“ gehört. Je offenherziger Frau sich zeigt, desto lauter ruft sie in den Wald, sprich desto eher provoziert sie damit entsprechende Reaktionen von Männern. Das sollte doch wirklich jeder klar sein. Das hat nichts mit „victim blaming“ oder patriarchaler Unterdrückung zu tun. Die Grenze ist für mich erreicht, wo es um ungewünschte Berührungen geht. Damit wir uns nicht falsch verstehen, im Zweifelsfall bin ich immer eher für Freiheit als für Prüderie. Von mir aus sollen das die Frauen gerne machen. Aber man kann sich nun wirklich nicht hinstellen, das Entblößen von Brüsten als total empauernd feiern und sich dann anschließend über lüsterne Blicke oder anzügliche Bemerkungen empören. Aber am End sind natürlich wieder die triebgesteuerten Männer die Bösewichte.

Wenn der Feminismus nicht langsam komplett seine Glaubwürdigkeit verlieren will, dann sollte er sich aber mal ein wenig mehr auf eine Linie einigen. Während halbnackte Mädels in der Werbung, im Pirelli-Kalender oder auf dem Hemd eine Astrophysikers natürlich tooootal sexistisch sind, und das geradezu einer Aufforderung für Männer zum Benutzen und Vergewaltigen von Frauen gleichkommt, ist es das natürlich nicht, wenn sich die Frauen selbst entblößen. Dann ist das natürlich überhaupt keine Aufforderung zu nichts, sondern im Gegenteil super empauert selbstbestimmtes Handeln. Dass die Damen auf dem besagten Pirelli-Kalender oder auch in Pornos oder in den Puffs der Welt das vielleicht auch völlig selbstbestimmt machen, das lassen Feministen natürlich wieder nicht gelten. Im Grunde hat Birgit Kelle mit ihrem epischen Beitrag „Dann mach doch die Bluse zu!“ vor zwei Jahren schon alles dazu gesagt.

Wenn Männer blank ziehen

Auf der anderen Seite gibt es natürlich immer wieder Beschwerden von Feministinnen über entblößte Oberkörper von Männern. Denen würde man das am liebsten verbieten. Jedenfalls ist ein entblößter Männerkörper ja sooo patriarchal und sexistisch. Letztes Jahr erst gab es große Wallung bei dem Konzert der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ im  ArbeiterInnen-Jugend-Zentrum Bielefeld, das schon nach dem zweiten Song abgebrochen wurde, weil der Schlagzeuger der Band sich erdreistet hatte, sein T-Shirt auszuziehen. Weil das nach den Regeln des Zentrums als sog. Trigger für Opfer sexueller Gewalt und damit als sexistischer Akt gilt. Außerdem ist das Blankziehen des Oberkörpers ja ein männliches Privileg, auf das Männer doch bitteschön verzichten sollten. Hätte irgendein Mann auf diesem Event als Lösungsvorschlag gebracht, die Frauen könnten doch gleichziehen und auch ihre Nippel befreien, er wäre nach der abschwellenden Schnappatmung der anwesenden Feministinnen von denselben geteert und gefedert worden. Leo Fischer (auch Chefredakteur der Titanic) hat in der Konkret zu dem Vorfall den m.E. besten Kommentar verfasst. Er nimmt diesen aber nur als Aufhänger, um die ganze Privilegientheorie schön auseinander zu nehmen. Sehr lesenswert! Zitat:

Privileg ist ein Wort, von dem auch geduldigen Lesern linker Blogs und Pamphlete mittlerweile speiübel werden dürfte, so omnipräsent ist es; wie Glutamat wird es über fade Textprodukte gestreut, die aus eigener Kraft kaum nach Kritik schmecken. Es entstammt jenem Heimwerkerbedarf für Theorie, der überall dort aufmacht, wo kritische Wissenschaft erfolgreich aus den Universitäten getilgt wurde und ihre Reste in studentischen Lektürezirkeln und offenen Seminaren studiert werden wie kuriose Fossilien. Ähnlich wie bei den Szenevokabeln »Übergriff«, »triggern« und »Kackscheiße« ersetzt dabei die Wut, die den Begriffen injiziert wird, die Theorie, die ihnen nicht mehr zur Verfügung steht. Dabei darf der Terminus Privileg ruhig als wissenschaftlicher Geisterzug verstanden werden – denn weit kommt man damit nicht, und die Orte, die man damit erreicht, will man gar nicht sehen.

Kommen wir zum Schluß, wir lernen also: Es gibt Menschen (i.a. Frauen), die Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt haben, und sich durch den Anblick eines entblößten (männlichen) Körpers getriggert fühlen. Männer dürfen sich aber durch den Anblick eines entblößten (weiblichen) Körpers ganz und gar nicht getriggert fühlen, weder im Sinne einer Aufforderung noch im Sinne eines Sich-Belästigt-Fühlens.

Frauen sollen nach dem Willen von Feministen ihre Shirts ausziehen dürfen, Männer nicht mehr. Was daran jetzt antisexistisch sein soll, erschließt sich mir jetzt nicht wirklich.

Und weils grad so gut passt: Auch in Hommage an Matt Taylor schlage ich für allzu überzogene feministische Forderungen künftig folgenden Hashtag vor: #idontgiveashirt

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