Parallele Welten

Mit etwas Zeitabstand reblogge ich diesen Post hier, der aber immer noch aktuell ist.

Ich würde insbesondere gerne auch die Frage diskutieren, inwieweit es einen gesellschaftlichen Druck gibt, sich sexuell belästigt „zu fühlen“.

Aktualisierung (7. September 2015)
Durch meinen Blogumzug ist der Reblog hier leider verloren gegangen.
Der ursprüngliche Blogeintrag lässt sich jetzt unter https://bpmeta.wordpress.com/2014/10/14/parallele-welten/ nachlesen.

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Über breakpoint AKA Anne Nühm

Die Programmierschlampe.
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36 Antworten zu Parallele Welten

  1. LoMi schreibt:

    Mir hat mal jemand gesagt, er habe das Verhalten einer Lehrerin als Belästigung empfunden. Sie hat sich gerne an den Rücken der Schüler gelehnt, wenn sie sich von hinten übers Heft desjenigen beugte. Keine Ahnung, ob ich das so empfunden hätte. In meiner Welt: Sexuelle Belästigung ist ausschließlich Frauenthema. Ob das so stimmt? Darüber wurde in meiner Welt bisher selten diskutiert

    „In meiner Welt trauen sich Männer kaum noch, eine Frau anzusprechen, aus Angst, sie könnte das als Belästigung missverstehen.“

    Absolut. In dieser Welt lebe ich auch. In dieser Welt gilt das Spiel: Tu so, als würde Dich Sex ganz und gar nicht interessieren!

    „In meiner Welt wird man angegiftet, wenn man sich für die Belange der Männer einsetzt.
    Wenn mir als Frau das schon so geht, wie unerträglich muss es dann erst für Männer sein?“

    Mann wird als Sonderling wahrgenommen, wenn man das tut. Es erscheint absurd. Oder man bekommt ein spöttisches „ach, Ihr aaaaaarmen Männer!“ zu hören. Auf jeden Fall nimmt einen keiner ernst.

    • djadmoros schreibt:

      @LoMi:

      »Absolut. In dieser Welt lebe ich auch. In dieser Welt gilt das Spiel: Tu so, als würde Dich Sex ganz und gar nicht interessieren!«

      Ist exakt auch meine Erfahrung, zu erheblichem Teil auch Bestandteil meines Verhaltens. Wobei ich vermutlich den Altersvorteil genieße, dass mir das als zweifacher Vater nicht mehr so wichtig sein muss, sofern ich nicht selbst darunter leide (was ich nicht mehr tue – ich habe da mittlerweile einige »mgtow«-Qualitäten entwickelt 🙂 )

    • @LoMi
      „Sexuelle Belästigung ist ausschließlich Frauenthema. Ob das so stimmt?“
      M.E. reagieren die meisten Männer einfach gelassener. Ich habe es jedenfalls noch nicht erlebt, dass sich ein Mann darüber echauffiert hätte, wenn ich mal eine etwas deftigere Bemerkung gemacht habe.

      „Tu so, als würde Dich Sex ganz und gar nicht interessieren!“
      Tja, das ist einfach nur traurig.

      „Mann wird als Sonderling wahrgenommen, wenn man das tut. Es erscheint absurd.“
      Und als Frau wird man als Nestbeschmutzerin angegriffen.

  2. only_me schreibt:

    „In meiner Welt trauen sich Männer kaum noch, eine Frau anzusprechen, aus Angst, sie könnte das als Belästigung missverstehen.“

    Das erinnert mich an die Folgen, die das „schwedische Modell“ für schwedische Prostituierte hat. Für eine Prostituierte gibt es gute und schlechte Kunden. Die guten sind die, die sich an Regeln halten; hier konkret: die für das bezahlen, was sie bekommen und keinen Stress machen. Die schlechten sind die, die sich nicht an Regeln halten, die Glauben, Gesetze gelten für andere, nicht für sie.
    Wenn nun der Besuch einer Prostituierten gegen das Gesetz verstößt, welche Kunden bleiben dann wohl weg und welche bleiben über?
    Genau.

    Auf dem Flirt-Markt passiert grad das Gleiche. Es sind nicht „Männer“, die sich nicht mehr trauen, Frauen anzusprechen. Es sind nur bestimmte Männer. Jene, die Miss Marple „gute Männer“ genannt hätte.

    • @only_me

      So gesehen, gibt es ja fast nur „gute Männer“. Denn „belästigende“ Männer sind seltene Ausnahmen – zumindest dann, wenn man sich nicht wegen jeder Bagatelle belästigt „fühlt“.

    • Joachim schreibt:

      Männer mit einem gesunden oder auch übersteigerten Selbstwertgefühl werden weiter auf Frauen zugehen wie bisher. Sie haben ja auch Erfolg damit, viel mehr Erfolg als die ohnehin meist schüchternen Männer die Kampagnen wie Hollerback zu ernst nehmen und sich noch weniger trauen. Wobei, kann man sich noch weniger als nichts zutrauen?

      Ich habe in den 90ern erstmals bemerkt, wie der uns nahegelegte feministische Verhaltenskodex dazu führt, daß wir „artigen Männer“ allenfalls mit unseren Kuscheltieren ins Bett schlüpfen durften. Die offensiv an Frauen herantretenden Männer, gerne auch die sogenannten „Machos“ aus südlichen Ländern, hatten ein reichhaltigeres erotisches Leben.
      Ich fand diese Beobachtung damals nicht frustrierend, sondern fühlte viel mehr durch sie befreit.
      Mein Gott, die feministische Kaiserin war vollkommen nackt.

      • @Joachim

        „Männer mit einem gesunden oder auch übersteigerten Selbstwertgefühl werden weiter auf Frauen zugehen wie bisher.“
        Naja, leider gibt es mehr und mehr Bestrebungen, ihnen dieses gesunde Selbstwertgefühl auszutreiben.
        Und leider nur zu oft auch erfolgreich.

        „Ich fand diese Beobachtung damals nicht frustrierend, sondern fühlte viel mehr durch sie befreit.“
        Nur wer wagt, gewinnt.

  3. djadmoros schreibt:

    Ob es einen Druck gibt, sich belästigt zu fühlen? Aus soziologischer Perspektive dürfte das davon abhängen, in welchem Milieu oder welcher Subkultur oder welchem Diskurs man sich bewegt. Bestimmte Diskurse geben bestimmte Deutungsmuster vor. Wenn ich den Wunsch hege, »dazuzugehören«, dann werde ich mich diesen Deutungsmustern unterordnen. Und es existiert ein feministisches Deutungsmuster, das sich *vorbehält*, männliches Interesse an Frauen als »Belästigung« auszulegen, weil dieser Vorbehalt eine weibliche *Diskursmacht* konstituiert.

    Falls dieses feministische Angebot an Frauen, eine eigenständige, spezifische Diskursmacht auszuüben, also nicht schon für sich einen Anreiz darstellt, die feministische Perspektive zu übernehmen, dann dürfte von einer Frau in diesen Kreisen erwartet werden, bezüglich dieses Deutungsmusters zumindest keine kognitiven Dissonanzen zu produzieren. Insofern dürfte tatsächlich ein gewisser Druck bestehen, sich der »Belästigungsperspektive« als *Norm* unterzuordnen. Eine solche Frau wird also unter dem Druck stehen, zumindest nicht allzu offensichtlich davon zu schwärmen, dass Männer an ihr interessiert sind, weil dies das männliche Interesse grundsätzlich positiv konnotiert.

    Das dürfte sich außerdem mit dem feministischen »Autonomiediskurs« verbinden, der Frauen vorschreibt, dass sie in Bezug auf Männer gefälligst keine emotionale Abhängigkeit (oder Anhänglichkeit) zu verspüren haben.

    • @djadmoros

      Sicherlich hängt dieser „Druck“ auch vom jeweiligen Umfeld ab.
      Ich kann hier nur meinen persönlichen Eindruck wiedergeben. Und da musste ich in den letzten Jahren immer wieder Aussagen hören oder lesen, die implizieren, dass eine Frau, die noch nie von einem Mann sexuell belästigt wurde, entweder zu unattraktiv oder zu doof ist, das zu merken.
      Das empfinde ich schon als eine Art Druck.

      Erst heute morgen habe ich sinngemäß irgendwo gelesen, dass inzwischen an den Universitäten „jede“ Frau bereits belästigt worden sei.
      Also zu meinen Studienzeiten habe ich davon nichts gemerkt (Blicke und freundlich gemeinte Bemerkungen zähle ich nicht als Belästigung).
      Sexuelle Belästigung müsste also erst in den letzten Jahren dermaßen zugenommen haben.
      Nach meiner Erfahrung sind Männer allerdings in den letzten zehn bis zwanzig Jahren sogar deutlich zurückhaltender geworden.

      • LoMi schreibt:

        Ich kann mir diesen Druck nicht vorstellen. Auch fehlt mir eine Idee davon, wie das Thema „sexuelle Belästigung“ so bei Frauen ankommt, dass sie sich unter Druck fühlen. In welchen Situationen geschieht es, dass man impliziert, eine nicht belästigte Frau ist zu doof oder zu unattraktiv? Und wie gelangen dann die unter Druck geäußerten Aussagen zurück in den feministischen Belästigungsdiskurs?

        Jener ist vor allem deshalb problematisch, weil er keine sauberen Begriffe hat. Wir wissen ja, dass der #aufschrei z.B. den Begriff „Alltagssexismus“ sehr, sehr beliebig definiert. Begriffsverschleifungen scheinen eine spezielle feministische Strategie zu sein, siehe Gleichstellung und Gleichberechtigung. Für Belästigung gilt das allemal. Dieses Video aus New York hat es wieder eindrucksvoll vorgeführt, dass man nicht differenzieren mag. Der Skandal lebt ja auch vom Mangel an Differenzierung. BILD-Skandale wären nicht wirkungsvoll, würde man das skandalisierte Thema genauer beleuchten. So wirkt nun auch vieles, was der Feminismus skandalisiert, auf mich. Es geht dabei um Medienecho und Aufmerksamkeit, zu deren Gunsten man auf eine klare Definition von Begriffen verzichtet.

        Unsere konservative Fraktion hält dies ja für typisch links. Aber ein derartiges Moralunternehmertum hat z.B. die Teaparty in den USA auch betrieben.

        Vereinfachung und Verallgemeinerung und damit natürlich die Aufhebung von Unterscheidungen zwischen „Belästigung“, „sexueller Belästigung“, schlichter Kontaktaufnahme usw. gehören zum Instrumentarium des Skandals.

        Mit dem Konzept „Definitionsmacht“ wird zudem die Idionsynkrasie, die Subjektivität der Definition von „Belästigung“ zur Regel erhoben. Damit entziehen sich diese Damen der Begründungspflicht. Es ist schlicht auch unkooperativ, denn letztlich müssten Mann und Frau kulturell allgemeinere Normen „vereinbaren“, wie man zueinander finden kann. Aber wo man auf unbedingte Individualität der Deutung von männlichem Verhalten pocht, kann es keine solchen Normen geben, außer der, dass Mann sich komplett nach den Befindlichkeiten der konkreten Frau richtet. Aber würden sich Feministinnen auf solche Regelbeschreibungen einlassen (z.B. in abstrakter Form als „Ethik“ oder so), würden sie das Skandalisierungspotenzial aus der Hand geben. Denn dann kann man Fälle unterscheiden, die der „Ethik“ entsprechen oder nicht. Dann kann man über Kriterien der Zuordnung zur „Ethik“ streiten. Eine ungebremste Hysterie wäre jedenfalls nicht mehr drin.

      • @LoMi
        Genau diese Subjektivität und das Fehlen einer verbindlich definierten Begrifflichkeit sind das Problem.
        Die eine Frau fühlt sich schon von einem halbwegs lüsternen Blick (oder was sie so interpretiert) belästigt, der nächsten fällt so ein Blick gar nicht auf, die dritte fühlt sich geschmeichelt, die vierte lächelt zurück.
        Wenn man schon Blicke oder (geschmacklose) Komplimente als Belästigung wertet, waren wohl tatsächlich schon die meisten Frauen betroffen.
        Eine Frau, die sich aber schon dadurch gestört fühlt, hat allerdings die Option, sich unauffällig und bieder zu kleiden, um das Auftreten solcher Ereignisse zu minimieren.

        „In welchen Situationen geschieht es, dass man impliziert, eine nicht belästigte Frau ist zu doof oder zu unattraktiv?“
        Beispielsweise äußert eine Frau, dass es ja so wahnsinnig viele sexuelle Belästigungen gibt, und dass soundso viele (also praktisch „alle“) Frauen das bereits ertragen mussten (sie selbst natürlich sowieso, erst kürzlich, bla bla bla ..).
        Wenn man dann zugibt, sich selbst noch nicht belästigt gefühlt zu haben, ruft das Ungläubigkeit hervor, und es werden Gründe gesucht.

        Frei nach C. Morgenstern:
        „Weil, so schließt sie messerscharf,
        nicht sein kann, was nicht sein darf.

        Auch durch die #aufschrei-Kampagne wurde Druck aufgebaut, in möglichst jedem Kompliment und jeder Geste der Bewunderung eine unwillkommene Belästigung zu sehen.

      • djadmoros schreibt:

        @Anne:

        »Eine Frau, die sich aber schon dadurch gestört fühlt, hat allerdings die Option, sich unauffällig und bieder zu kleiden, um das Auftreten solcher Ereignisse zu minimieren.«

        Genau das wird dann aber im Feminismus als »victim blaming« betrachtet: die Frau soll mit *keinerlei* Konsequenzen rechnen müssen, *ganz gleich* wie sie sich anzieht. Genau das wird ja von den »slut walks« auf die Spitze getrieben und explizit gefordert.

        Es ändert bloß nichts daran, dass Frauen (ebenso wie Männer) in einer »gemischtgeschlechtlichen« Öffentlichkeit mit dem jeweils anderen Geschlecht *nicht nicht kommunizieren* können, und dass sich eine erotische Komponente dieser Kommunikation nicht a priori ausschließen lässt. Der einzig *konsequente* Ausweg ist die Scharia: man kann einerseits, wie der radikale Islam, alle Frauen komplett unter Tüten und Säcken verstecken, oder man kann andererseits von allen Männern verlangen, in Gegenwart einer Frau grundsätzlich den Blick zu senken und sie nicht anzuschauen. Letzteres ist die Konsequenz der feministischen Forderungen – und viele Männer tun das bereits.

        Es läuft auf eine Neuauflage der mönchischen Askese hinaus: selbst wenn alle Frauen nackt herumliefen, soll kein Mann dabei auf »sündige Gedanken« verfallen. Und das *ist* bereits feministische Scharia.

      • @djadmoros

        Mit welcher Berechtigung erdreisten sich eigentlich Feministinnen, anderen Frauen vorschreiben zu wollen, aus welchen Motiven sie sich wie kleiden?

        Wenn ich doch weiß, dass bestimmte Reize gewisse Reaktionen bei Männern triggern können, dann kleide ich mich halt nur dann freizügig, wenn mich diese Reaktionen zumindest nicht stören.
        Alles andere empfände ich als scheinheilig.

        „selbst wenn alle Frauen nackt herumliefen, soll kein Mann dabei auf »sündige Gedanken« verfallen.“
        Das geht völlig an der Realität vorbei, und es ist unfair, den Männern einseitig den schwarzen Peter zuzuschieben.

      • djadmoros schreibt:

        @Anne:

        »Mit welcher Berechtigung erdreisten sich eigentlich Feministinnen, anderen Frauen vorschreiben zu wollen, aus welchen Motiven sie sich wie kleiden?«

        Genau das ist die Frage! Meiner Meinung nach liegt das daran, dass der Feminismus in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer ein Ansehen der politischen Unschuld genießt, anstatt sich wie jede institutionalisierte Emanzipationsbewegung einer historischen Schadensbilanz aussetzen zu müssen. Dass die bürgerliche Emanzipationsbewegung ihren Robespierre hatte und die Arbeiteremanzipationsbewegung ihren Stalin, weiß außer einem geringfügigen Restbestand an Betonkommunisten heute jeder.

        Aber dass man schon seit Alice Schwarzers Faschismus-Denunziation gegen Esther Vilar oder der feministischen Hexenjagd(!) auf Erin Pizzey von totalitären Tendenzen des Feminismus hätte wissen können, wird in der Öffentlichkeit bis heute fein beschwiegen. Jede beliebige Geschichte der Frauenbewegung ist mehr oder weniger eine Lobeshymne, auch einer Miriam Gebhardt (»Alice im Niemandsland«) kommt es nicht in den Sinn, dass man (oder frau) mal eine solche historische Schadensbilanz aufstellen könnte.

        Und das ist der Grund, warum Feministinnen sich auch heute immer noch nahezu alles herausnehmen können – inklusive des Anspruchs, jede Kritik an ihnen als »frauenfeindlich« zu denunzieren.

      • Seitenblick schreibt:

        >Meiner Meinung nach liegt das daran, dass der Feminismus in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer ein Ansehen der politischen Unschuld genießt,

        Das eigentlich faszinierende ist für mich, wie bei solchen Diskussionen manchmal kollektiv in eine Art Verblödungsmodus der kindlichen Einfalt umgeschaltet wird.

        Ich mein: Wir wissen seit Jahrzehnten mehr als genug über Kommunikation, und zwar auch in Beziehung auf dresscodes bzw. die kommunikative Seite von Kleidung. Aufgrund dieses ganz und gar nicht geheimen Wissens ist es jedem ganz klar, dass es ziemlich absurd ist, in der Öffentlichkeit auffällig rumzulaufen, und sich dann zu beschweren, dass das anderen auffällt und dass sie dann unter Umständen auch darauf reagieren, sei’s mit Sprüchen oder Gesten oder was auch immer.

        Sobald aber ein paar Frauen meinen, sie könnten beim slutwalk oder so was z.B. sehr spärlich bekleidet herumlaufen, kommt es einem vor, als ob in mnachen Köpfen ein Schalter umgelegt wird. Der das gesamte Wissen über Kommunikation, soziale Bedeutung von Kleidung und ihre Signalwirkung etc. ins Nirvana jagt. Die Diskutanten verwandeln sich in naive Kleinkinder, die es gaaanz schlimm finden, dass da jemand angeguckt wird, obwohl die sich doch nur für sich so zurecht gemacht hat etc., und ganz klar ist: Die da hingucken, dass sind die Bösen.

        Da wird schlagartig auf ein anderes Modul umgeschaltet, und dieses Modul hat’s nicht so mit rationalem Wissen ;-). Könnte gut sein, dass das an der Koppelung mit dem vorgegaukelten Faktor „(politische) Unschuld“ liegt, dass bei einigen der Verstand auf Resturlaub geschickt wird. Auffällig ist es unabhängig davon in jedem Fall.

      • LoMi schreibt:

        Djadmoros

        „Meiner Meinung nach liegt das daran, dass der Feminismus in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer ein Ansehen der politischen Unschuld genießt, anstatt sich wie jede institutionalisierte Emanzipationsbewegung einer historischen Schadensbilanz aussetzen zu müssen.“

        Allerdings! Es fehlt jegliche Bereitschaft, Kritik anzunehmen und von sich aus mal Selbstkritik zu üben. Das spricht für den Status des Feminismus, der offiziell ja auch nie der Kritik ausgesetzt war. Die drastische Zurückweisung von Kritik, wie sie von Schoppe am ZEIT-Artikel analysiert worden ist, ist ja schon erstaunlich (aber ich bin auch naiv in diesen Dingen). Denn Schildmann und Meßmer haben ja mit robustem Selbstbewusstsein alle ihre Kritiker pauschal als bösartig und wenigstens verirrt abgetan. Da wundere ich mich schon, woher sie auf der Basis der recht irrtumsanfälligen Sozialwissenschaften in der Lage sind, derart fest an die eigene Wahrheit zu glauben.

        Das teilen sie mit anderen Lehren, die sich dogmatisiert haben: Gewisse Schulen der Ökonomie oder gewisse politische Definitionen von Hochschule (welche definitiv mehr am New Public Management leidet als am Feminismus). Alle diese Dogmen üben nie freiwillig Selbstkritik, sie müssen dazu gezwungen werden. Ökonomie und Hochschulpolitik sind durchaus noch diskussionsoffene Felder. Feminismus wird offiziell hingegen überhaupt nicht kritisiert. Entweder ist das eine höhere Form des Nicht-Ernstnehmens oder es ist tatsächlich eine drastische kulturelle Hegemonie, die den sogenannten „Neoliberalismus“ an unumstrittener Vorherrschaft übertrifft.

  4. tom174 schreibt:

    „Wenn mir als Frau das schon so geht, wie unerträglich muss es dann erst für Männer sein?“
    In meinem RL spielt das alles kaum eine Rolle. Klar, als Vorgesetzter passe ich auf, was ich tue und sage, aber das ist nichts Schlechtes. Wenn man sich dann mal kennt, gibt sich das auch wieder.
    In den USA war das ne andere Nummer. Aber da war ich schon verschreckt, dass ich nen Tauben nicht wegen seiner Taubheit nicht für einen Telefonsupportjob nicht einstellen durfte…

    • LoMi schreibt:

      Ich habe als Dozent sehr viel mit jungen Frauen zu tun gehabt und irgendwann kam dann mal das böse Gerücht. Es ist weiter nichts passiert, aber ich habe einige Tage in großer Panik verbracht. Die Gefahr ist schlicht da.

      • @LoMi
        Na, wenigstens ist die Sache für dich noch glimpflich ausgegangen!

      • tom174 schreibt:

        Klar, die Gefahr ist da. Ebenso wie die vergewaltigt, überfallen, belästigt oder ermordet zu werden. Aber unerträglich ist mein Leben deswegen mitnichten.
        Auch ich hatte schon so ein Gerücht an der Backe. War nur das Gerücht einer Affäre, nichts strafrechtlich relevantes, aber es hat durchaus Schadenspotential gehabt.

      • LoMi schreibt:

        Gut, mit der Gefahr kann man sicher irgendwie leben. Panik hatte ich trotzdem. Und zwar deshalb, weil ich Angst hatte, das mir keiner glauben wird. Geglaubt wird der Frau. So mein subjektives Empfinden.

        Ansonsten stimmt es, es ist kein echtes Alltagsthema.
        In meinem sozialen Netzwerk wird darüber allerdings schon gesprochen. Es dient explizit der Kontaktaufnahme. Dort gibt es sehr häufig ziemlich plumpe Anmachen, die als lästig empfunden werden, nachvollziehbarer Weise.

      • @LoMi
        „Geglaubt wird der Frau. So mein subjektives Empfinden.“
        Ja, i.A. wird die Frau als glaubwürdiger betrachtet. Deshalb kann ich es schon nachvollziehen, wenn Männer jede möglicherweise verfängliche Situation vermeiden.

        „Dort gibt es sehr häufig ziemlich plumpe Anmachen, die als lästig empfunden werden,“
        Da ist es aber meist die schiere Masse, die lästig ist. Und wenn bei zig Nachrichten zwei oder drei tatsächlich plump sind, sind diese dennoch nur Ausnahmen.

    • @Tom

      Wenn du deine Mitarbeiterinnen länger kennst, weißt du natürlich, wie du mit ihnen umgehen kannst.
      Aber was ist z.B. bei einer Neueinstellung? Würdest du mit einer dir bis dato unbekannten Frau alleine in einem Zimmer sein wollen, ohne Zeugen und bei verschlossener Tür?

      Nach allem, was ich so mitkriege, scheint es in den USA noch verbiesterter zuzugehen als hier.

      • tom174 schreibt:

        „unbekannten Frau alleine in einem Zimmer sein wollen, ohne Zeugen und bei verschlossener Tür?“
        Ja. Klar, es gibt da ein Risiko. Aber so hoch schätze ich das nicht ein.
        Bei kritischen Gesprächen, insbesondere bei Abmahnungen oder Entlassungen bin ich natürlich dann nicht alleine mit dem Mitarbeiter.
        Da gäbe es ja dann einen Anlass, mir zu schaden.
        In den USA ist das hauptsächlich deshalb heftiger, da die Schadensersatzklagen deutlich höher liegen. Da ist die Motivation deutlich höher als hier.

      • @Tom

        Inzwischen lasse ich ja grundsätzlich die Tür einen Spalt offen, wenn ich mit einem Mitarbeiter alleine in einem Raum bin.
        Nicht weil ich Angst hätte, dass er mir zu nahe tritt, sondern damit auch er keinerlei Bedenken haben muss, ich könnte irgendwie unangemessen handeln oder ihn beschuldigen.
        Außerdem beugt das Gerüchten vor, und wenn man die Fenster schließt, hält sich auch die Zugluft in Grenzen.

      • tom174 schreibt:

        Wir haben Glastüren 😉
        Aber auch wenn diese aus Holz wären, wäre die Tür bei vielen Gesprächen zu. Ich führe keine öffentlichen Gehaltsverhandlungen oder Feedbackgespräche. Die geschlossene Tür schützt da den Mitarbeiter.

      • @Tom
        Glastüren – ja, das hat was.
        Normalerweise wäre es mir aber unangenehm, wenn jeder, der vorbeikommt, sieht, was ich gerade mache.

        Bisher hatte noch nie ein Mitarbeiter Einwände, die Tür wenigstens nicht ganz zu schließen, selbst bei vertraulichen Gesprächen. Aber vielleicht sollte ich da etwas genauer nachfragen.

        Nur im Büro des Geschäftsführers mache ich die Tür ganz zu. 😉

      • tom174 schreibt:

        „Nur im Büro des Geschäftsführers mache ich die Tür ganz zu.“
        Aber aus anderen gründen 😀

  5. Miria schreibt:

    Habe auch vor kurzem einen Artikel mit ähnlichem Schwerpunkt geschrieben. Zu einem finde ich es interessant was teilweise alles unter dem Oberbegriff sexuelle Belästigung läuft. Ein weiteres interessantes Thema ist für mich, ob und warum die gleiche Handlung anders empfunden wird, wenn sie von einer Frau kommt oder wenn sie von einem Mann kommt. Nach so manch einer Definition von sexueller Belästigung wäre ich vermutlich ein ziemlicher Macho-Arsch, wäre ich ein Mann…
    http://nur-miria.blogspot.it/2014/10/bin-ich-ein-chauvinistischer-macho-arsch.html?m=1

    • Joachim schreibt:

      Jep, es ist ganz leicht ein Chauviarsch zu sein. Ich hoffe du besserst dich noch.

      Ich habe in meinem Leben mittlerweile mehrfach Frauen sexuell belästigt, bin aber auch schon mehrfach sexuell von Frauen belästigt wurden.
      Ich frage mich ob letzteres irgendwen interessieren würde, denn, angenehm wars nicht immer.

    • Danke, @Miria, für den Link.
      Ich habe auch den Eindruck, dass eine starke Asymmetrie besteht.
      Wir Frauen haben in dieser Hinsicht viel mehr Freiheiten, weil sich Männer nicht so schnell belästigt „fühlen“.

  6. @breakpoint

    Vielleicht hilft dir das hier:
    [audio src="http://download.fritz.de/podcasts/blue_moon/2014/blue_moon_braucht_ihr_feminismus__mit_hendrik_schroeder_und_suse_bruha_(03_11_2014)_20141103.mp3" /]

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