Briefe an Feministinnen: Geschlechtergerechte Sprache

Liebe Sanczny,

Du schilderst in Deinem Artikel „Heute in Gut gemeint ist die kleine Schwester von scheiße: “Gendern” „, warum Du die jetzige Art der Gestaltung von „geschlechtergerechter Sprache“ bei der immer die Geschlechter Mann und Frau gesondert angesprochen werden sollen (Bürger und Bürgerinnen, Zuschauer und Zuschauerinnen etc.) nicht gut findest.

Das finde ich schon mal als Ansatz recht lustig, denn diese Art der verordneten Sprachumgestaltung wird von anderer Seite ja schon sehr sehr lange kritisiert, ohne dass diese Kritik die Vertreter der Genderfraktion bisher ernsthaft interessiert hätte.

Nun ist Dein Ansatz aber natürlich ein Anderer. Während bisher kritisiert wurde, die „geschlechtergerechte Sprache“ sei zu umständlich, weil sie immer Männer und Frauen extra ansprechen muss, geht sie Dir hingegen in ihrer Umständlichkeit noch gar nicht weit genug:

„Es gibt mehr Geschlechter als “Mann” und “Frau”. Binäre Schreibweisen (“Beidnennung”, männliche und weibliche Form abwechseln, Schrägstrich, Binnen-i) sind cis-sexistisch. Sie diskriminieren Menschen, die sich nicht in die binäre Norm einsortieren (lassen).“

Achja – diese ganzen vielen Menschen, die sich keinem Geschlecht zuordnen mögen. Die neue Lieblingszielgruppe der Genderfraktion. Die werden tatsächlich durch die Aufteilung in Männer und Frauen nicht sprachlich gesondert erfasst. Die ganze mühevoll erst staatlich eingeprügelte eingeführte Sprachgenderung ist nun also auch schon wieder dikriminierend. Die Halbwertzeiten von nichtdiskriminierender Sprache werden scheinbar immer kürzer. Das ist schon schon irgendwie praktisch, so werden die ganzen Gender“wissenschaftler“ nicht arbeitslos. Nach der Reform ist vor der Reform.

Wobei Sanczny, die neue Sprachgestaltung scheint mir dann doch etwas unpraktisch:

„Ein Unterstrich (auch: “Gender Gap”) zwischen dem Wortstamm und der Endung _innen, soll sichtbar machen, dass da außer männlicher und weiblicher Form noch mehr ist (Mitarbeiter_innen, Ärzt_innen). Dieses “mehr” sind Menschen, die sich weder männlich noch weiblich verorten. Gesprochen wird der Unterstrich als Pause.“

Man soll dann also künftig sprechen:

„Ärzt……(Pause)…innen“.

Und die Gruppe der Menschen, die sich keinem Geschlecht zuordnet wird dann repräsentiert allein durch die sprachliche Pause? Da warte ich doch schon wieder auf den nächsten altklugen Artikel einer Feministin, die findet, dass diese Pause auch diskriminierend ist, weil diese besondere Gruppe damit ja „verschwiegen“ wird… oder so.

Ich persönlich glaube ja eher, diese ganze geschlechtergerechte Sprache ist nur eine ABM Maßnahme für all die Genderforscher und Gleichstellungsbeauftragten, die sonst einer richtigen Arbeit nachgehen müssten hat sich irgendwie verrannt und wird mit jedem neuen Versuch nur noch komplizierter und noch weniger alltagstauglich.

Aber auch Du bist ja keine beinharte Sprachfanatikerin. Bei einigen Wörtern ist Dir das Gendern und die Einbeziehung aller Geschlechter dann auch plötzlich nicht mehr soooo wichtig:

„Ebenfalls irreführend wäre aber z.B., bei Vergewaltigungen von “Täter*innen” zu sprechen. Dies würde ohne weitere Klarstellung verschleiern, dass der Anteil der nicht-männlichen Täter*innen verschwindend gering ist.“

Beim „Täter“ bleibt also trotz gendern alles wie gehabt.

Werbeanzeigen