GFK, TA, alles klar?

In letzter Zeit kam ich mehr und mehr ins Grübeln, warum es für mich so absolut unmöglich ist, mich mit dem Feminismus zu identifizieren, obwohl ich eine Befürworterin von Gleichberechtigung und einem achtsamen menschlichen Miteinander bin. Beides hat sich der Feminismus auf die Banner geschrieben, zumindest, wenn es um Frauen geht. Auch wenn vielleicht der eine oder andere von euch jetzt kopfschüttelnd vorm Monitor sitzt: das lasse ich einfach mal so stehen.

Es sind viele Dinge, zum Teil diese Erbschuld-weil-Penis-Einstellung, die viele Feministinnen vertreten. Viele, nicht alle. Schließlich möchte ich auch nicht, dass ein x-beliebiger Mann mich für seine Probleme verantwortlich macht, nur weil ich eine Vagina habe.
Es ist auch die Männerfeindlichkeit, die von Radfems zelebriert wird, und von der sich zu distanzieren die eher gemäßigten Feministinnen keine Notwendigkeit sehen. Ist schließlich alles nur ironisch und so und überhaupt: Nicht-mein-Feminismus. Für wen das okay ist: bittesehr, für mich wäre es das nicht. Beim Maskulismus fällt es mir deutlich schwerer, mich zu distanzieren. Ich will mich an einer kurzen Erklärung versuchen. Natürlich halte ich nichts von Frauenhassern. Gerüchteweise habe ich gehört, dass sie innerhalb der Männerrechtsbewegung nur einen kleinen Anteil stellen.

Also warum habe ich mit Feminismus ein Problem und mit Maskulismus nicht? Ich schätze, es liegt an meinem eigenen Geschlecht und an meiner Einstellung dazu. Ich halte mich nicht für eine Frauenhasserin. Wäre auch irgendwie seltsam. Doch ich weigere mich, irgendjemandem gleich welchen Geschlechts zu erlauben, auf mein Leben und mein Wohlbefinden einen solch großen Einfluss auszuüben, dass ich mich deshalb diskriminiert/belästigt oder in sonst einer Form schlecht fühle. Vielleicht eine Art Selbstschutz. Sehe ich jedoch beim anderen Geschlecht eine Benachteiligung, kann ich sie viel leichter als solche erkennen und deshalb kritisieren.

An dieser Stelle möchte ich euch etwas erzählen und gleichzeitig etwas vorweg nehmen: Ich weiß um einige, wie sag ich das, problematische Verhaltensmuster, welche ich mir [wie vermutlich jeder von euch es mehr oder weniger tun musste] im Laufe meines Lebens angeeignet habe, um in dieser Gesellschaft zu überleben. Das Bewusstsein um das Vorhandensein dieser Verhaltensmuster brachte mich dazu, zu tun was ich damals tat. Nicht weil glaubte, allein am Verlauf der Ereignisse schuld zu sein.

Vor einiger Zeit sah ich mich gezwungen, meine Kommunikation mit meinem Partner anders als bisher zu gestalten, da es genau genommen nicht wirklich ein Kommunizieren war was wir taten, sondern eher ein nicht sonderlich konstruktives „nebeneinander-her-Leben“. Ein Klassiker also: gewollt und nicht gekonnt.

Kurz: Wir steckten in einer massiven Beziehungskrise. Die einen gehen dann zur Eheberatung oder Paartherapie, was auch nicht verkehrt ist, doch so weit kam es nicht: mir fielen einige Bücher in die Hände. Zuerst das hier:Ich bin so wütend! Nutzen Sie die positive Kraft Ihrer Wut! Von Anita Timpe und etwas später dann Ich höre was, das du nicht sagst: Gewaltfreie Kommunikation in Beziehungen von Susann Pàsztor und Klaus-Dieter Gens.

Da ich zu dieser Zeit noch mit der Frage haderte, welche Art der Erziehung ich meinen Kindern würde angedeihen lassen wollen, hatte ich mich dazu entschieden, dieses Buch ebenfalls zu lesen:Ich will anders als du willst, Mama: Kinder dürfen ihren Willen haben – Eltern auch! Erfahrungen mit der Anwendung von GFK in der Familie von Britta Hahn

Die beiden zuletzt genannten Bücher befassen sich mit der Anwendung der von Marshall B. Rosenberg entwickelten Gewaltfreien Kommunikation [GFK]. Nun mag es für den einen oder anderen Leser seltsam klingen, dass man sich als erwachsener Mensch extra Bücher kauft um dadurch das Kommunizieren zu lernen, dazu auch noch „gewaltfrei“.

Tatsächlich hatte ich nie gelernt, konstruktiv zu kommunizieren. Meine Bedürfnisse wahrzunehmen, geschweige denn sie in Worte verpackt meinem Gegenüber begreiflich zu machen. Ich konnte es einfach nicht. Eine bittere Erkenntnis. Wie andere Menschen es schafften, heikle Situationen unter Zuhilfenahme von lediglich ihrer Rhetorik zu entschärfen, war mir vollkommen schleierhaft. Und nun schickte sich mein Partner an, unsere Beziehung auf den Prüfstand zu stellen. Ich wollte ihn nicht vollends vergraulen.

Die Lektüre der Bücher ging mit dem Beginn einer tiefenpsychologischen Behandlung einher, um Erlebtes und Verdrängtes zurück ins Bewusstsein zu holen und ggf. neu zu betrachten. Nach einigen Sitzungen brach der Therapeut aus gesundheitlichen Gründen seinerseits die Behandlung ab und bis dato gab es keinen zweiten Anlauf.

Gleichzeitig befasste ich mich noch [auf Anraten meiner sozialpädagogischen Familienhelferin] mit der Transaktionsanalyse. Die TA soll helfen, verschiedenste zwischenmenschliche Situationen sowie deren Abläufe und Dynamiken auf einer Metaebene zu analysieren. Hierzu las ich dieses Buch:Ich bin o.k. – Du bist o.k.: Wie wir uns selbst besser verstehen und unsere Einstellung zu anderen verändern können. Eine Einführung in die TransaktionsanalysevonThomas A. Harris.

Was mir an der TA positiv auffiel war folgendes:

Wenn Menschen mit Hilfe der Grundgedanken der Transaktionsanalyse auf soziale Interaktionen oder einzelne Persönlichkeiten schauen, dann gelten hierfür diese Annahmen:

  • Jeder Mensch hat die Fähigkeit, zu denken und Probleme zu lösen.
  • Jeder Mensch ist in all seinen Schattierungen und in seiner Ganzheit in Ordnung.
  • Jeder Mensch ist in der Lage, Verantwortung für sein Leben und dessen Gestaltung zu übernehmen. Er verfügt dazu über die Fähigkeit der bewussten Wahrnehmung und Steuerung seiner mentalen, emotionalen und sensorischen Vorgänge und der sich daraus ergebenden Handlungen bzw. sozialen Interaktionen.
  • Jeder Mensch wird als fähig angesehen, sein Lebenskonzept (oder Lebensgestaltungsmuster) schöpferisch, zuträglich und konstruktiv zu gestalten.

Was haben diese beiden Ansätze nun miteinander zu tun? Die GFK geht davon aus, dass jeder Mensch mit seinem Handeln versucht, die Situation zu verbessern und schlicht nicht weiß, wie er oder sie es anstellen soll. Die TA hilft, die unterschwelligen [ggf. Gewalt implizierenden] Abläufe aufzudecken und Verhaltensmuster zu verändern.

Die GFK funktioniert über die Art der Sprache. Sie nennt zwei Arten der Sprache: Erstens die sogenannte „Wolfssprache“. Es geht hier um die allgemein übliche Art, miteinander zu sprechen, sich gegenseitig Vorwürfe [Suche nach der Schuld] zu machen und einander für das eigene Unwohlsein verantwortlich zu machen [Weil du…., geht es mir schlecht] und zweitens gibt es die [gewaltfreie] „Giraffensprache“ [Ich fühle mich… und habe das Bedürfnis nach…].

Wem die GFK fremd ist, dem wird die umständliche und teils holprige „Giraffensprache“ sehr, sehr seltsam vorkommen. Zumindest ging es mir so. Vereinfacht geht es darum, auf eine Vorwurfshaltung [welche Gewalt implizieren würde] zu verzichten und statt dessen [positive] Ich-Botschaften zu senden. In der Familie und im Freundeskreis stellte ich nach bewusster Veränderung meiner Art der Kommunikation [mehr Wertschätzung, weniger bzw. möglichst keine Vorwürfe] fest, auch wenn es nicht einfach war vertraute Verhaltensmuster zu verändern, dass sich tatsächlich die Art des Feedbacks meiner Mitmenschen veränderte. Es lag also nicht an mir als Person, sondern hauptsächlich an meinem teilweise hochproblematischen Verhalten, speziell wenn es um Konflikte ging. Mit hochproblematisch meine ich die Neigung zum Polarisieren, emotionalen Rückzug und, wie man sich durch den Titel des ersten Buches vielleicht schon denken kann, teils heftige Wutausbrüche.

Die Transaktionsanalyse geht 1) davon aus, dass der Mensch drei Ich-Zustände hat. Eltern-Ich [direkt von den Eltern übernommene Verhaltensmuster, beispielsweise überfürsorglich, überkritisch, lieblos, gewalttätig], Erwachsenen-Ich [Verhaltensmuster, die weder dem Eltern-Ich noch dem Kindheits-Ich zugeordnet werden] und Kindheits-Ich [aus der eigenen Kindheit übernommene Verhaltensmuster, zB Trotz].

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Verschiedene Situationen führen zu einem der drei Ich-Zustände, aus deren Handlungsrahmen sich dann die Reaktionen ergeben. 2) Ferner besteht die Annahme, dass in jeder Konfliktsituation ein sogenanntes „Dramadreieck“ existiert. Bedeutet, in jeder Situation agieren drei Persönlichkeiten [„Rollen“]: Täter bzw. Verfolger, Opfer und Retter.

2.1)Die “Spiele”.
Die “Spiele der Erwachsenen” (Buchtitel von Eric Berne) beschreiben alltägliche und meist destruktive manipulative Spiele, um uns gegenseitig und uns selbst zu sabotieren.
Sie haben sehr viel mit den Sichtweisen und Wahrnehmungen von Situationen zu tun.
Die TA beschreibt, wie diese Spiele verhindern, die Situation zu verändern, und dafür sorgen, dass sich alles im Kreis dreht.*

Die feministischen Argumentationen sind Musterbeispiele dafür.
Sie geben dabei, absolut klassisch für diese Spiele, zwar vor, die dahinterliegenden Probleme angehen zu wollen, tun aber stattdessen alles dafür, um den Status Quo zu erhalten und auf gar keinen Fall z.B. etwas an einem Opfer-Status zu verändern.
Kann man insofern nur jedem empfehlen, der sich mit Feminismus befasst.*

Und was hat all das jetzt mit meiner persönlichen Abneigung gegen Feminismus zu tun? Erstens, ganz klar die „Schuldfrage“. Ich glaube nicht, dass jemand daran „schuld“ ist, dass mein Leben so ist, wie es ist. Ich habe in meinem Leben Entscheidungen getroffen, und diese Entscheidungen brachten Konsequenzen mit sich. Zweitens, was ich auch schon an anderer Stelle angeführt habe, jemanden aufgrund des Geschlechts zu bevorzugen bzw. zu benachteiligen oder gleich ganz abzuwerten oder dessen Bedürfnisse zu bagatellisieren. Drittens: problematisch finde ich die in feministischen Kreisen sehr verbreitete konsequente Weigerung, Kritik zuzulassen, egal in welcher Form. Nicht einmal ein Hinterfragen ist erlaubt. Nein, natürlich schuldet keine Feministin dieser Welt irgendjemandem eine Erklärung. Aber ein Gespräch kann hilfreich sein. Und last but not least: Schwierig finde ich dieses absolute Beharren darauf, die einzig richtige Wahrheit zu kennen und die Gesellschaft danach formen zu wollen.

Kurz: Feminismus ( in der Form, wie er mir heute jedenfalls übrall begegnet) verstößt praktisch durchgängig gegen sämtliche der Konzepte der GFK und der TA.
Bzw.: Die Form der Kommunikation, die dort betrieben wird, die Haltungen, die vertreten werden,die Forderungen, die aufgestellt werden, sind allesamt als kontraproduktive Beispiele dafür geeignet, wie man echte Kommunikation verhindert, Beziehung zerstört, Vertrauen vernichtet, wie man aneinander vorbeiredet, etc.*

Wer ständig damit beschäftigt ist, jemanden für irgend etwas verantwortlich zu machen bzw. einen Schuldigen zu suchen, der vergeudet meines Erachtens Energie, die er sinnvoller konstruktiv einsetzen könnte. An dieser Stelle ein Zitat, welches mir sehr gefällt, und nach dem ich zu leben versuche, auch wenn ich mich selbst häufiger als mir lieb ist dabei erwische, wie ich die „Wolfssprache“ gebrauche und in kontraproduktive Verhaltensmuster zurückfalle.

„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ Sagte schon Mahatma Gandhi, und im Rahmen meiner Möglichkeiten tue ich das.
Achtung: Ich beanspruche nicht für mich, die einzig wahre Wahrheit zu kennen. Es gibt kein Allheilmittel gegen Weltschmerz oder wie auch immer ihr es nennen möchtet. Ich habe mit GFK, TA & Co. für mich selbst einen Weg gefunden, nicht an mir selbst zu verzweifeln, und das Erlebte zu verarbeiten. Damit wollte ich nur eines erreichen: Lernen, ein zufriedenes, im Idealfall glückliches Leben zu führen. Nicht mehr und nicht weniger.

Wer sich jetzt fragt, warum ich das hier veröffentliche und nicht auf meinem privaten Blog, auch wenn es dort vielleicht eher hingehört: Weil ich im Internet ebenso wie „draußen“, nicht nur aber auch im Geschlechterkontext erlebe, dass verbale und körperliche Gewalt und Machtmissbrauch selbstverständlich und alltägliches Gebrauchsmittel sind. Geschlecht egal. Aber daran ist ja wieder nur das Patriarchat™ schuld, nicht wahr?

* Mein Dank an Maddes8cht für die Ergänzung zur TA. 🙂

Der Wille zur Macht

(und nichts wollen macht auch nichts)

Gelegentlich bin ich bei der Besetzung von offenen Stellen beteiligt. Auf meinem Blog habe ich das schon öfter erwähnt und einzelne Aspekte hervorgehoben.
Im folgenden möchte ich hier noch einmal einige spezielle Punkte nennen.

Vor kurzem hatten wir eine Ausschreibung „Burogehilfe/Bürogehilfin“.

Man sollte gar nicht unterschätzen, wie schwierig es ist, jemanden für solch eine einfache Tätigkeit zu finden.
Von Männern kam erst mal überhaupt keine (ernsthafte) Bewerbung.
Die meisten Frauen hätten gerne nur am Vormittag gearbeitet. Dabei ist gerade nachmittags das Büro nicht besetzt, so dass Anwesenheit am Nachmittag unabdingbare Bedingung ist.

Eine andere offene Stelle ist der „Persönlicher Assistent des Geschäftsführers m/w“. Dafür erhoffen wir uns jemanden mit vor allem technischen aber auch möglichst kaufmännischen Fähigkeiten. Ideal wäre z.B. ein Wirtschaftsingenieur, gerne frisch von der Uni.

Für diese Stelle haben wir eine Frauenquote vorgesehen. Nämlich null Prozent. Denn – selbst wenn uns eine Frau mit ihrer Persönlichkeit und Qualifikation überzeugen könnte – dann ist sie möglicherweise nach einem halben Jahr schwanger, und wir haben erneut das Problem. Eine Frau nach den Wechseljahren wäre auch keine Option, denn schließlich ist diese Stelle eine Sprungbrettposition für jüngere Bewerber, eventuell auch frisch von der Uni. Eine Frau, die so unattraktiv ist, dass die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft minimiert wird, ist ebenfalls keine Option, denn d* Assistent* muss ein einigermaßen repräsentatives Erscheinungsbild haben, da Kundenkontakt sehr häufig ist.
(Die Sternchen sind übrigens Wildcards und keine regulären Ausdrücke oder Gendaspeak.)

Selbstverständlich haben wir die Stelle – aufgrund gesetzlicher Vorgaben – geschlechtsneutral ausgeschrieben. Irgendwie kommt mir das aber schon recht unfair gegenüber interessierten Frauen vor, die sich den Aufwand einer Bewerbung machen, obwohl sie für die Stelle überhaupt nicht in Frage kommen. Was sind das nur für Gesetze, die einen zu solch paradoxem Verhalten zwingen?
Angeblich lassen sich Frauen von Begriffen wie „durchsetzungsstark“ oder „dynamisch“ abschrecken, und sehen im Zweifel lieber von einer Bewerbung ab.
Nach einer VDE-Studie wollen gut die Hälfte aller Ingenieurinnen Führungsaufgaben übernehmen. Es erstaunt mich nicht, dass es nur so vergleichsweise wenige sind, denn welche Frau tut sich denn schon freiwillig diesen Stress an, der mit ständigen Entscheidungen und erheblicher Verantwortung einhergeht. (Meines Wissens wurden bei dieser Studie keine männlichen Ingenieure befragt. Ich schätze aber, dass von denen etwa 90 Prozent gerne führen würden.) Und wenn eine schon Führungsambitionen hat, dann wird sie so eine untergeordnete Assistentenstelle nicht wollen.

Ja, nach einer Studie der TU München (von der ich leider keinen passenden Link gefunden habe, da ich dies auch nur in einer Branchenzeitschrift gelesen habe), bewerben sich Frauen weniger auf Anzeigen, in denen Eigenschaften wie dynamisch, durchsetzungsstark, selbstständig, offensiv oder analytisch gefordert werden.
Eigenschaften wie engagiert, verantwortungsvoll, gewissenhaft und kontaktfreudig werden da wesentlich besser aufgenommen. Von kommunikativ oder flexibel dagegen fühlen sich Frauen dann besonders angesprochen.

Und somit komme ich endlich zum springenden Punkt:
(Die meisten) Frauen wollen überhaupt nicht führen.

Viel zu oft wird übersehen, dass mit der Macht, die man über andere Menschen hat, auch eine sehr große Verantwortung einhergeht. Infantil-machiavellistische Machtfantasien sind dabei fehl am Platz.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass der Stress gewaltig und die Verantwortung enorm sind.
Es ist einfach ein himmelweiter Unterschied, ob man Verantwortung nur für sich selbst, und das, was man selbst beeinflussen kann, trägt, oder auch die Verantwortung darüber hinaus.

Wenn sogar nur etwa die Hälfte der befragten Ingenieurinnen Führungsaufgaben übernehmen will, dann sollte der Anteil auf alle Frauen hochgerechnet noch deutlich niedriger sein.
Dabei gibt es natürlich einen Unterschied zwischen Wollen und Können.
Die wenigen Ingenieurinnen, die ich kenne, sind sehr vernünftig und gut organisiert – keinesfalls der tussige Typ. Ihnen sind zumindest grundsätzlich gewisse Führungsqualitäten nicht abzusprechen.
Bei einigen anderen Berufen habe ich da schon eher meine Zweifel.

Falls mich irgendwann einmal Machtgelüste überkommen sollten, werde ich einfach eine virtuelle Maschine eine Milliarde mal eine völlig sinnlose und überflüssige Berechnung durchführen lassen.

Feministische Forderungen als Manipulationsversuche des Sexualmarktes

Neuer Peter ist wieder da und kommentiert kräftig unter dem Artikel Der Sex-Dämon Mann bei „Alles Evolution“. Einer seiner Kommentare ist so lang und so lesenswert, dass ich ihn kurzerhand hier als Gastartikel veröffentliche:

Interpretiert man feministische Forderungen als Manipulationsversuche des Sexualmarktes, kann man meines Erachtens durchaus eine kohärente Strategie erkennen.

Was den Sex und das Drumherum angeht, lassen sich die Schwierigkeiten von Frauen grob in zwei Kategorien einteilen: 1) Balz und 2) Folgekosten von Sex.

1) Balz
Das Skript unserer Spezies sieht ein männliches Werben um weibliches Gefallen vor. Es gibt hier Ausnahmen, Verschiebungen und kulturelle Überlagerungen, aber der Kern der Sache scheint mir weitgehend biologischer Natur zu sein.

Das bedeutet, dass die weibliche Aufgabe bei der Balz zum einen darin besteht, potentielle Partner anzulocken (1a) und zum anderen Selektionsarbeit zu leisten (1b), also unpassende Bewerber abzulehnen.

2) Folgekosten von Sex
Der größte Posten stellt hier die Schwangerschaft dar (2a). Damit verbunden ist die Gefahr, auf diesen Kosten allein sitzen zu bleiben, wenn der Sexualpartner kein ausreichendes Commitment aufweist. Dieses sicherzustellen ist von daher eine enorm wichtige Aufgabe für die Frau (2b). Auch der Schutz vor Vergewaltigung (2c) ist mit diesem Komplex verbunden.
Daneben und damit verbunden haben wir auch noch die möglichen Reputationsverluste (2d) durch Sex. Nämlich dadurch, dass Männer im Schnitt aufgrund der Vaterschaftsunsicherheit weniger promiskuitive Frauen als Langzeitpartner bevorzugen.

Fassen wir zusammen: Grob gesagt besteht eine optimale weibliche sexuelle Strategie darin, möglichst viele hochwertige potentielle Partner anzulocken (1a), wobei dies unter Umständen höhere Kosten bei der Selektionsarbeit (1b) mit sich bringt, die gehandhabt werden wollen. Daraufhin steht eine Minimierung der Folgekosten von Sex im Vordergrund. Die Schwangerschaft (2a) und die Gefahr der Vergewaltigung (2c) wollen gehandhabt werden, der Partner an einen gebunden (2b) und der Reputationsverlust (2d) minimiert werden.

Nun bin ich der Ansicht, dass sich ein Großteil feministischer Forderungen und Gedanken mithilfe dieser Punkte einordnen lässt.

Die Forderung nach maximaler Freizügigkeit von jüngeren Feministinnen (slut walks etc.) betrifft (1a), die Verdammung von Konkurrenz (Kampf gegen Prostitution) und Surrogatsangeboten (Kampf gegen Pornos, sexualisierte Werbung und Computerspiele) ebenso.

Zu (1b) gehören alle Versuche, die Kosten für Anbandelungsversuche auf männlicher Seite in die Höhe zu treiben (creep shaming, rape culture Diskurse, extrem restriktive sexual harassment policies etc.). Je höher der potentielle Fallout für einen gescheiterten Anbandelungsversuch, umso eher werden weniger selbstbewusste und weniger durchsetzungsfähige Männer abgeschreckt. Um die Selektionsarbeit für Frauen zu minimieren, sollten sich eben nur Männer mit einem besonders hohen relativen sexuellen Marktwert bei den entsprechenden Frauen bewerben. Hier werden im Grunde die Kosten für die Selektionarbeit auf die Männer abgewälzt.

(2a) dürfte weitgehend selbsterklärend sein und umfasst den Einsatz für einen möglichst weiträumig und kostengünstig gestalteten Zugriff auf Verhütungsmittel und Abtreibung.

Auch (2c) dürfte selbsterklärend sein.

(2b) und (2d) sind meiner Ansicht nach die interessantesten Posten. In den USA setzt es sich derzeit durch, die Gesetze und policies für sexuellen Missbrauch derart zu gestalten, dass Vergewaltigung dann vorliegt, wenn Frau den Sex bedauert. David hat hier bereits den Fall Kalifornien angesprochen, aber auch die Abschwächung des Beweislastprinzips (Wandel von ‘beyond a reasonable doubt’ hin zu ‘preponderance of evidence’) und die Einrichtung einer Parallelgerichtsbarkeit nach feministischen Vorstellungen an den Colleges geht meiner Ansicht nach in diese Richtung. Ich möchte das hier nicht en detail ausführen. Das Thema ist aber außerordentlich spannend und sicher einen eigenen Artikel wert.

Dadurch, dass Männer nun auf das Wohlwollen ihrer Sexualpartnerinnen angewiesen sind oder enorme Konsequenzen fürchten müssen, wird die männliche Sexualstrategie, hohe Bereitschaft für Commitment vorzutäuschen, nach dem Sex aber nicht einzuhalten, effektiv eingedämmt (2b).

Die rape culture Narrative und sexual harassment policies, die sämtliche Verantwortung für Sex beim Mann verorten, erlaubt es Frauen darüber hinaus, die Verantwortung für Sex im Notfall abzustreifen und sich als Opfer zu inszenieren, was potentiellen Reputationsverlusten vorbeugt (2d).

Natürlich ist dieser Einordnungsrahmen extrem einseitig. Ich denke aber, dass er unter Umständen sehr interessante Erkenntnisse produzieren könnte.

Es lässt sich mit diesem Muster beispielsweise relativ leicht erklären warum im Feminismus die Forderung nach maximaler Freizügigkeit mit einer Verdammung der männlichen Reaktion darauf (creep shaming, male gaze etc.) Hand in Hand geht. Man erhöht die Reichweite des Schleppnetzes, will aber den Beifang minimieren.

Ich bin auf Ergänzungen und Einwände gespannt.

Ergänzung:
Von Adrian kam bereits folgende Antwort:
„Ich habe dem nichts hinzuzufügen.
Außer das ich den Feminismus nicht unbedingt als Manipulationsversuch sehen würde, da Manipulation eine eine rational abgewägte Strategie impliziert.

Ich halte Feminimus für eine durch gesellschaftliche Umstände ins Extrem getriebene Weiblichkeit.“

Darauf Neuer Peter: „Sehr guter Einwand. Das Ganze muss ja nicht bewusst ablaufen.“