Der ganz alltägliche Männerhass

Die Geschichte ist ja eigentlich schon durch. Der Blogpost wurde gelöscht und Christian hat aus dem Umfeld auch schon einiges thematisiert. Was los war?

Anne hat im Selbermachsamstag 106 auf http://vonderuniandenherd.wordpress.com/2014/10/05/bloggerprojekt-medizynicus-und-molly-sexuelle-belastigung/ verwiesen. Kurzum ging es um einenn Doodle, der als Umfrage umgestaltet war. Frauen durften ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung ankreuzen, Männer durften ankreuzen, inwiefern sie sexuell belästigt hatten. „Keine sexuelle Belästigung“ war dabei nicht mal eine explizite Option, man durfte immerhin eine leere Eingabe absenden. Eigentlich schade, daß sie ihren Text gelöscht hat. Ein Vergleich zwischen Männern und Pitbulls war auch dabei. Da mir nicht klar war, ob mein Kommentar bei ihr veröffentlicht wird, habe ich ihn auch im Selbermachsamstagsthread veröffentlicht. Dabei gehe ich auch auf die Diskussionen in den Kommentaren ein.

Danke, Anne. Kluge Worte.

Ich veröffentliche dann mal auch hier meinen Kommentar, den ich auch im Blog geschrieben habe, den Anne aufgeführt hat:

Das Zitat, welches Du Dir zu eigen gemacht hast, sagt eigentlich schon alles.

“Wie kann es nur sein, daß immerzu die eine Hälfte der Menschheit die andere bedroht oder fürchtet.”

Wie kann es nur sein, daß immerzu einige Männerfeinde die eine Hälfte der Menschheit als Bedrohung hinstellt? Die 1,70-Analogie hat Dir nichts ausgemacht, die Radfahrer-Analogie auch nicht. Die Diskussion über M&Ms ist nun auch nicht besonders lange her.

In Eurer Umfrage ist das Nichterleben/Nichtausführen nicht mal eine anklickbare Option. Was man durch Nichtanklicken-aber-trotzdem-absenden doch so gerade mal antworten kann.Eine höchst unsaubere Methode. Was jedoch komplett fehlt, sind Angaben zu Übergriffen an Männer oder durch Frauen. Und da hilft es auch nicht, wenn Du immer wieder schreibst, daß Du doch gar nicht männerfeindlich bist. Bei Dir klingt es eher wie ein “Aber ich habe eigentlich nichts gegen Ausländer”. Wird man ja wohl mal sagen dürfen, oder?

Mal ein paar Männergeheimnisse: Männer erleben Gewalt. In der Partnerschaft und sie haben keine adäquaten Anlaufstellen. Männer sind weit häufiger Obdachlos. Das sind die, vor denen Du vorm Supermarkt Angst hast.

Ganz besonders aber erleben Männer ständig und immer wieder Gewalt in der Öffentlichkeit. Die Bedrohungslage, die Du in Deinem Tagesablauf schilderst, haben Männer deutlich stärker als Du oder jede andere Frau. Einen Fausthieb für einen “dummen” Blick? Kommt in der Tageszeitung eigentlich nur vor, wenn das Opfer in Lebensgefahr geprügelt worden ist. Als Jugendlicher habe ich ganze Stadtteile gemieden und das unabhängig von der Uhrzeit.

Aber für Dich sind Männer ja nichts anderes als Pitbulls. Wenn das mal nicht männerfeindlich ist. Wenn wir uns auf der Straße begegnen, so wechsel doch bitte die Straßenseite. Ich wäre nämlich zutiefst schockiert und betroffen, wenn jemand grundlos mich als Vergewaltiger verdächtigen würde. Nur weil ich einen Penis habe. Ich mag keine Sexisten.

Einmal in der feministischen Hölle (ich wollte mich davon fernhalten), habe ich dann noch folgendes hinterhergeschoben.

Followup auf meinen eigenen Senf. Ich glaube jetzt nicht mehr, daß die Option “Ich wurde/habe nicht belästigt/vergewaltigt/etc” unabsichtlich weggelassen wurde. Die Blogger dort sollten mal für einen Realitätscheck mit einem anderen Doodle machen. Wer zur Hölle kreuzt bei einer Umfrage nichts an und sendet trotzdem ab?

Schön auch die Auswertung: http://medizynicus.wordpress.com/2014/10/11/die-zusammenfassung/

Besonders beunruhigend findet er, daß FRAUEN schon mal Sex hatten ohne es wirklich zu wollen. Kommentatorin Sternenpfad gibt ihm eine gute Antwort. Und auch ich finde es gutes partnerschaftliches Verhalten. Wieviele Männer hatten schon mal Sex ohne es wirklich zu wollen? Wird nicht gefragt. Praktiken, auf die sie nicht unbedingt Lust hatten, aber ihre Partner(innen!) umso mehr? Das ist aus der Luft gegriffen? Dann frag mal Männer, deren Frauen schwanger werden wollten.

Die feministische Hölle ist aber der von ihr verlinkte Blogbeitrag http://nandalya.wordpress.com/2014/09/10/ohne-mann-fehlt-dir-was/#commentshttp:// und hier ebenso auch die Kommentare.

Am Anfang verwehrt sie sich noch gegen Vorwürfe, daß sie männerfeindlich sei. Der Rest demonstriert das Gegenteil. Von den drei von ihr aufgeführten Beispielen für vermeintlichen Alltagssexismus sind zwei kriminell und der dritte eine Diskussion! Kein Wunder, daß sie die “die Liste sexistischer Übergriffe noch endlos weiterführen” könnte. Nandalya gibt zu “Ich habe Mann früher als Feindbild Nr. 1 gehabt. “. Früher?

Ulrike gibt herzerfrischend zu:
“Manchmal bin ich ganz froh, dass ich langsam so alt bin, dass mich kaum noch ein Mann sexuell wahrnimmt. 😉 Aber das gibt es doch noch – habe gerade vor ein paar Tagen einen “unsittlichen” Antrag von einem Mann erhalten. Fast bin ich schon wieder in einem Alter, wo man sowas als Kompliment auffasst. 😉 Und ich bekenne mich schuldig: Ich hab mich in meiner Jugend gefreut, wenn die Männer auf der Straße hinter mir her pfiffen. ”

Nandalya entgegnet, daß Gewalt für sie kein Problem ist, solange sie nur von ihr ausgeht: “Bei Pfiffen gab es früher von mir den Mittelfinger. Manchmal auch die ganze Hand”

Ein bisschen Rassismus ist dann auch dabei: “Lesbisch sein in Italien? Ich bitte dich … wo Mann doch so viel zu bieten hat! Ironie off, Realität on.”. Schön auch “Die neue “Grabscher-Mentalität” kommt leider auch durch das Zusammentreffen verschiedener Kulturkreise zustande. Immer wieder werden Südländer auffällig die wenig, oder keinen Respekt vor deutschen Frauen haben.”

Immerhin, als dreifach unterdrückte Minderheit sticht sie Nur-Ausländer auch locker aus: “Als asiatisch aussehende lesbische Deutsche[…]“. Gut, das sie keine rassistischen Sprüche bringt, wie sie versichert.

Molly L. fordert dann mal wieder, daß Männer die Beschützer spielen müssen um sich ihrer Erbschuld zu entledigen. “Und da können die Männer schließlich auch etwas tun: Nicht mitlachen, wenn der Kumpel seine sexistisch-fiesen Witze macht, andere Männer stellen, wenn sie eine Frau angegrabscht haben, eben einfach auch nicht wegsehen!”. Damselisierung, schönes Wort.

Aurelie, Ordnungsruf an Dich: ” Bei Frauen wiederum habe ich es ne erlebt, dass sie Schwule mit ihrer tollen Vagina “bekehren” wollen”. Schon klar, daß Du das nie erlebt hast. Du bist ja auch kein schwuler Mann. Wie wäre es, wenn wir diese Frage mal ein paar Schwulen stellen? Oder schauen mal, wie aggressiv insbesondere gutaussehende Frauen werden, wenn sie einen Korb bekommen?

Ich schließe meinen Ausflug in die Sexismushölle mit diesem Zitat von Nandalya:

“Aber versuch bitte dich in eine Frau zu versetzen. Wir sind diejenigen, die Kinder bekommen, sich Mann “öffnen” müssen. Nicht nur im sexuellen Sinn, auch emotional. Aber dieses “öffnen” bedeutet einen großen Einschnitt im Leben von Frau. Sie macht sich damit verletzlich, sie ist ungeschützt. Und das macht ihr Angst. Auch, wenn ich nie etwas mit Mann hatte und haben werde, so kann ich das zu 100 % nachempfinden.

Männer kennen dieses Gefühl nicht. Für gewisse Typem sind Frauen nur ein Objekt aus Busen, Beine, Po. Das Gesamtpaket, der Mensch, interessiert sie nicht.”

Da muß man wirklich nichts mehr zu sagen.

Petpanther meinte, daß ich das unterschätze. Und ich ahnte nicht wie recht er doch hat. Der Autorin und ihrem Co-Autor wurde die Diskussion nämlich zu heiß. Daher haben sie den Artikel inkl. der Kommentare kurzerhand gelöscht. Auch eine Art mit Kritik umzugehen. Der Erklärtext, der den Artikel dann ersetzte, scheint mir auch weniger von Einsicht als von Abwehr gekennzeichnet zu sein.

Mein Kommentar lautete:

Tja, gehöre ich nun zu denjenigen, die sich diskriminiert und
beleidigt gefühlt haben, zu den Finsterschweinen oder zu den
Beleidigern?

Ich werds wohl nicht erfahren, kann Dir jedoch sagen, daß ich mich auf
jeden Fall zu dem erstgenannten Personenkreis zähle. Mir ist auch
nicht klar was Du gemeint hast, denn was Du geschrieben hast, fand ich
ziemlich klar.

Bleibt mir Dir und Deinem Coautor einen ziemlich saloppen Umgang mit
den Leuten zu attestieren, die sich nicht nur mit Deinem Text
auseinandergesetzt haben, sondern sich auch die Mühe gegeben haben
ihre Antworten zu formulieren und zu schreiben. Und da frage ich mich,
ob die nun aufgewendete Zeit Dir und Deinen Lesern dies mitzuteilen
nicht auch völlig verschwendete Zeit war. Kein gutes Gefühl.

Und was soll ich sagen? Er wurde nicht veröffentlicht. Immerhin weiß ich jetzt, ich gehöre zu den Finsterschweinen.

Kleine Nachlese. Ihr Coautor Medizynicus veröffentlicht dann noch diesen unglaublich sachlichen Artikel: http://medizynicus.wordpress.com/2014/10/06/sexuelle-belastigung-sind-es-immer-nur-die-manner/

Ich als Mann kann locker erhobenen Hauptes nachts um halb eins alleine durch das übelste Rotlichtviertel spazieren und fühle mich immer noch halbwegs sicher – Molly muss sich in gewissen Situationen schon in ihrem idyllisch-verschnarchten Heimatkaff Gedanken machen.

Nun, Medizynikus scheint ein 2,10m-Schrank zu sein, der nachts um halb eins alleine mit seinem Rockerclub durchs Rotlichtviertel zu spazieren pflegt. Anders kann ich mir auf seine Aussage keinen Reim machen. Aber klar, wenn es allein um sexuelle Belästigung geht, da hat er natürlich recht. Die tatsächliche Gefahr von Gewalterfahrung jedoch ist mehr als sexuelle Gewalt. Auch bei den Folgen der nichtsexuellen Gewalttaten für Leben und (psychische) Gesundheit hat man schnell die große Schöpfkelle erwischt.

Immmerhin schafft er es noch festzustellen, daß Männer 30% der Opfer ausmachen, aber dann kommt das:

An fast allen Taten sind Männer als Täter beteiligt, an einem Fünftel der Taten sind Frauen als Täter beteiligt. Wenn Frauen als Täter beteiligt sind, dann meist gemeinsam mit Männern

Ja, und ich denke, das ist doch das einzig wichtige. Zwar gibt es auch einen nicht zu vernachlässigenden Anteil an Opfern, aber das der Mann natürlich das hauptsächliche Tätergeschlecht ist, das scheint ihm doch recht wichtig. Und ich frage mich wieso. Wieso können Menschen, die immerhin einen ordentlichen formalen Berufsabschluß haben, die sich anscheinend für Geschlechtergerechtigkeit interessieren, so dermaßen bösartig und sexistisch sein? Er müßte in der Statistik nur mal „Männer“ mit Frauen, Juden, Altersgruppen oder Ausländern austauschen. Welchen Sinn mag es haben, aus einer –gemessen an der Gesamtbevölkerung verschwindend kleinen– Gruppe ausgerechnet das Geschlecht als Kategorie herauszuziehen?

Nun, ich wollte mich aus solchen Texten raushalten. Und ich bin doch immer wieder fasziniert davon. Hier haben wir (nicht nur) Radfems, die ihre psychischen Störungen spazieren fahren. Hier kommen Menschen mit vordergründig sehr sachlichen und empathischen Worten. Und trotzdem trieft alles von Männerhaß. Von Sexismus.

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