Warum ich schwangere Kolleginnen völlig ok finde

„Die Wirtschaft könnte so gut laufen, wenn nur die Menschen nicht wären!“ Diese Einstellung führe ich schon immer auf asoziale Ratten zurück. Ja, bei dieser Gelegenheit spreche ich deutliche Worte. Der Mensch als Störfaktor im Wirtschaftssystem – da hat jemand etwas falsch herum verstanden (oder die falschen Prioritäten gesetzt). So direkt sagt das zum Glück fast niemand, aber wann immer eine Argumentation sich in die Richtung bewegt, werde ich hellhörig.

Was musste ich zuletzt lesen? Einen verstörenden Artikel nebst entsprechender Diskussion. Das eigentliche Thema sollte ein ganz anderes sein, aber es wurde zurecht die Hauptsache: Eine diskriminierende, weil sexistische Auswahl von Bewerbern. Frauen hätten, so wurde frank und frei zugegeben, selbst bei bester Qualifikation keine Chance, die Stelle zu bekommen.

Es ist faszinierend und bewundernswert, wie sehr einige Kommentatoren nachsetzten und sich nicht mit halbgaren Beschwichtigungen zufrieden gaben. Darunter fielen:

  1. Die meisten Frauen wollen gar nicht führen.
  2. Es gibt ja ohnehin nur 5% Bewerberinnen.
  3. Es ist ja nur eine Stelle!
  4. Das ist sowieso ein harter, das möchte man den wenigsten zumuten.

Natürlich ist das alles Blödsinn. Wenn sich eine Frau findet, die hart im Nehmen ist, die in einer solchen Stelle ihre Erfüllung sieht, dann muss sie, wenn sie die Qualifikation hat, eine Chance haben, die Stelle zu bekommen. (Immer unter der Voraussetzung, dass sie so gut ist wie andere Bewerber usw. – ich werde jetzt nicht die Bedingungen aufzählen, die unter „mit gesundem Menschenverstand betrachtet“ zusammenfassen würde.)

Mein Lieblingstest bei solchen Fragestellungen ist ja immer: Wie sähe derselbe Sachverhalt aus, wenn man sinngemäß Ausländer / Schwarzer / Jude einsetzen würde? „Wir wollen grundsätzlich keine Ausländer für die Stelle.“ / „Wir wollen grundsätzlich keine Schwarzen für die Stelle.“ / „Wir wollen grundsätzlich keine Juden für die Stelle.“ Starker Tobak!

Stellen wir uns ein anderes, aber sehr ähnlich gelagertes Beispiel vor: Eine Stelle wird geschlechtsneutral ausgeschrieben, es wird aber eigentlich nur eine Frau gesucht. Es bewirbt sich ein hochqualifizierter Mann, formal entspricht er den Anforderungen, aber man kann ihn aus diesen diskriminierenden Gründen nicht nehmen und streicht die Stelle lieber ganz. Unglaublich, oder? Der Fall eines Mathematik-Professors sorgte vor vier Monaten zurecht für Aufsehen (zumindest in dieser Blogblase) – ich staune aus heutiger Sicht, bei wem unter anderem.

Kommen wir nun zu dem Grund, der vorgeschoben wird, um Diskriminierung zu rechtfertigen: „Wir haben Angst vor Frauen als Mitarbeitern, weil die schwanger werden können.“ Alles klar! Und nächste Woche: Warum ist die Geburtenrate (gerade bei Akademikerinnen) so niedrig?

Fummeln wir das mal Schritt für Schritt auseinander. Zunächst einmal sollten wir nicht auf eine billige Nebelkerze hereinfallen: Das sei eine Stelle im Top-Management. Deswegen sei es doch klar, dass man völlige Hingabe erwarten müsse, und das sei bei Frauen im gebärfähigen Alter unwahrscheinlich. Außerdem gehe es um KMU (für die Nicht-Ökonomen: das steht für „kleine und mittlere Unternehmen“). Bei denen wirke sich der längere und unerwartete Ausfall eines Mitarbeiters fatal aus.

Also, was denn nun? Das Spitzenmanagement, über das wir im Zusammenhang mit der Frauenquote reden, betrifft nur eine Handvoll Großkonzerne, also gerade nicht KMU. Und KMU werden uns immer auch damit als wichtiges Rückrat oder Seele der deutschen Wirtschaft verkauft (und ich glaube es sogar), dass sie anpassungsfähiger seien.

Mit Verlaub: Die Karte „die können sich nicht darauf einstellen“ zieht da nicht. Je größer der Laden, desto eher findet man jemanden innerhalb des Betriebs, der den Ausfall ersetzen kann. Je kleiner die Klitsche, desto mehr kann man erwarten, dass sich alle Beteiligten absprechen.

Klar, ungeplante Schwangerschaft läßt sich nie zu 100% ausschließen. Aber bitte, hören wir denn sonst nicht von irgendwelchen Leuten mit stolzgeschwellter Brust, das einzig konstante sei der Wandel, und das sei ihr tägliches Geschäft? Und so etwas Gewöhnliches wie eine schwangere Frau bringt sie aus dem Konzept? Auf welchem Planeten leben diese Leute? Mal umgekehrt gesehen: Wenn in dieser Blogblase Forderungen nach Sicherheit abgelehnt werden (die auch überzogen sind, meine Wertung), dann mit dem Hinweis, dass ich mich nie vollständig vor Risiken schützen kann und vor allem, dass es immer Idioten geben wird. Das ist ein wichtiger Gesichtspunkt auch für diesen Fall.

„Kind und Karriere“ halte ich tatsächlich für eine Illusion, und ich glaube, dass der Ausdruck hauptsächlich wegen der Alliteration verwendet wird, denn ansonsten führt er in die Irre. Ich setze dem mal eine andere entgegen: „Auslaufmodell Alleinverdienerehe“. Darum muss „Kind und Beruf“ vereinbar sein – ohne Reibung und Ärger wird das nicht gehen, aber es muss machbar sein.

Sodann lese ich, die Stelle sei als Sprungbrett geplant. Dann wird nach 2-3 Jahren ohnehin ein Wechsel nötig sein! Gerade wenn man Typen direkt von der Uni im Auge hat, die sich hocharbeiten wollen, muss man davon ausgehen, dass sie von einer anderen Firma abgeworben werden. Dieses Schicksal ist KMU nur zu gut bekannt. Um nach oben zu kommen, muss man wechseln oder von Anfang an bei einer größeren Firma einsteigen.

Der nächste Widerspruch: Entweder es sind genug andere Leute da, weil man eine Flut von Bewerbungen hat, bei denen man nicht nach formalen Kriterien aussortieren kann. Dann wird Ersatz zu finden kein Problem sein. Eine Frau automatisch auszuschließen ist dennoch Diskriminierung, selbst wenn ihre Chance auf die Stelle minimal waren. Oder es herrscht Fachkräftemangel (meiner Ansicht nach generell ein Mythos, er herrscht eher „Mangel an Fachkräften, die man mit einem niedrigen Lohn abspeisen kann“) und man bekommt schwer einen neuen Mitarbeiter: Dann ist jedoch Entgegenkommen sinnvoll in Form von Regelungen, mit denen man auf Schwangerschaften adäquat reagieren kann.

Sexuelle Diskriminierung bei der Vergabe von Stellen trifft Männer wie Frauen (siehe das Mathematik-Professur-Beispiel oben). Mein Bekannter X suchte lange eine Stelle. Eine Regel schälte sich heraus: Aufgrund der „Wir wollen unseren Frauenanteil erhöhen und stellen bei gleicher Qualifikation eine Frau ein“-Regelung vieler Unternehmen hatte er keine Chance mehr, sobald sich eine (wohl mindestens halbwegs qualifizierte) Frau bewarb. Es war ab dann egal, wie gut er war. Genau das würde eine Frau umgekehrt im Ausgangsfall erleben. Aus diesem Grund bin ich auch gegen eine Frauenquote, denn sie läuft auf einen ähnlichen Mechanismus hinaus.

Meine Bekannte Y hingegen wurde in ihrer ersten Stelle ausgebremst und nicht ernst genommen. Es stellte sich heraus, dass der Chef ein mentales Problem hatte. Er war der Meinung, Frauen gehörten an den Herd und da sie irgendwann schwanger würde, würde sie jetzt eh nichts reißen.

Mein Bekannter Z wiederum wurde völlig ausgelaugt an seinem Arbeitsplatz. Sein Vorgesetzter verlangte Übermenschliches. Für den Kram zu Hause, da habe man ja eine Frau, die einem den Rücken freihielte… auch die Einstellung ist natürlich von vorgestern. Textaufgabe: Wie läßt sich diese Idee mit der Realität vereinbaren, in der es homosexuelle Männer gibt, bei denen beide Partner arbeiten – von Single-Männern wollen wir mal gar nicht reden?

Wenn eine Stelle „nur für Männer“ vorgesehen wird, weil man das Frauen aufgrund der Härte „ja auch nicht zumuten“ kann – dann ist das einerseits Frauenbevormundung. Andererseits handelt es sich auch um Männerdiskriminierung („mit denen kann man es ja machen“).

Ich selbst habe in mehreren KMU erlebt, wie sowohl Frauen als auch Männer Elternzeit genommen haben. Schwangerschaftszeiten kann man planen inklusive Rückkehr. Die Einstellung war: Lieber einen Mitarbeiter halb verlieren als ganz an die Konkurrenz. Die Rückkehrer kommen schneller wieder rein in den Ablauf als ganz neue Leute.

Alle anderen Kollegen bekommen die Stimmung mit und eine gute und faire Behandlung motiviert auch die anderen. Die Kollegen ohne Kinder helfen mit. Es ist ja klar, dass das jeder später selbst verlangen kann. Dabei hilft eine gute Mischung im Unternehmen, etwa indem man ein paar „junge Heißsporne“ hat, die sich beweisen wollen. Das ist ein typisches Beispiel für eine Solidargemeinschaft – der eine steht für den anderen ein.

Selbst nach dem Ausscheiden aus dem Betrieb wird Gutes über die Firma erzählt. Und ein guter Ruf kann viel ausmachen.

Richtig ist aus: Die Elternzeit für Väter musste erkämpft werden. Die Väter, die ich erlebt habe, haben sie gerne genommen. Zufriedene Väter schienen auch besser ranzuklotzen, es hatte also seinen Sinn.

Und die Vorstellung von „totale Flexibilität“ ist ohnehin eine Illusion. Wer soll so ein Haus bauen?

Interessant finde ich, wie Sexismus an dieser Stelle durch „ökonomische Zwänge“ begründet wird auf der Ebene eines einzelnen Betriebes gerechnet wird. Das hat aber gleich mehrere Macken.

Zum einen gilt auch für ökonomische Modelle: garbage in, garbage out. Man kann aus einem Modell nicht herausholen, was man nicht hineingesteckt hat. Was sich nicht beziffern läßt, läßt sich auch nicht einpreisen. Gut motivierte Mitarbeiter sind unbezahlbar! Auch das Wirtschaftssystem existiert nicht im luftleeren Raum, sondern basiert auf der Gesellschaft, die dazugehört. Es gibt also viele Einflussfaktoren, die man aber schwer einpreisen und damit in das Modell packen kann.

Außerdem wird der alte Fehler gemacht, für eine volkswirtschaftliche Beurteilung betriebswirtschaftlich zu denken. Dabei ist klar, dass das nicht funktioniert: Das Gefangenendilemma aus der Spieltheorie ist ein Beispiel, wie man gerade nicht das gesamtgesellschaftliche Optimum bekommt, wenn jeder für sich optimiert. Wenn jemand das „Risiko“ schwangere Frau ausschließen will, will er sich möglichen Kosten entziehen, die gesamtgesellschaftlich anfallen müssen (sonst stirbt die Gesellschaft langsam aus – wir sind übrigens auf gutem Wege dabei).

Schließlich stellt sich noch die Frage, warum denn „das Primat der Wirtschaft“ gelten soll. Die Ökonomisierung aller Lebensbereiche, auch wenn das meistens nicht sinnvoll oder möglich ist, sowie ein ins Private überbordendes Wirtschaftssystem, das uns nebenbei eine „marktkonforme Demokratie“ beschert und eine Lebensplanung, bei der die Menschen der Wirtschaft dienen und nicht umgekehrt – es scheint ein weiteres Mal, als sei der wahre Feind einer modernen Gesellschaft nicht „das Patriarchat“, sondern der Neoliberalismus. Es ist zum links werden!

Was tun? Denn die Firma (oder Autorin) hat einfach keinen Bock auf „keine Diskriminierung“. Dazu kann man sie (ohne Beweise) nicht zwingen und selbst mit Beweisen hat es wenig Sinn, jemanden reinzupuschen, der da nicht willkommen ist.

In einer überraschenden Wende bringe ich jetzt (scheinbar) neoliberales Gewäsch: Der Markt funktioniert an dieser Stelle! So eine Einstellungspolitik läßt sich auf Dauer schwer kaschieren, selbst wenn sie nirgendswo aufgeschrieben oder verkündet wird. Die beste Konsequenz für jeden einzelnen besteht darin, einen weiten Bogen um diese Firma zu machen! Die wollen Frauen nicht und laugen Männer gerne etwas mehr aus. Das regelt sich mit der Zeit von selbst, denn die Leute erzählen das ja.

Die beste Strategie für jeden einzelnen besteht also darin, die Augen und Ohren aufzuhalten und solche Sachverhalte weiterzugeben. Wenn ein Unternehmen weniger verkauft oder Probleme hat, neue Mitarbeiter zu finden, weil die Einstellung von hinreichend vielen Leuten einfach nicht hingenommen wird, dann gibt es irgendwann genügend Leidensdruck, um sich zu ändern. Das mag langsamer wirken und weniger plakativ sein als ein Gesetz. Aber ich glaube, dass das am Ende besser funktioniert.

P.S.: Was mich nicht überzeugt: Frauen als „halsstarrig“ darstellen, wenn sie auf etwas beharren. Das nennt man auch Durchhaltevermögen. Zum Vergleich: Ansonsten werden Frauen (zumindest in dieser Blogblase) umgekehrt gerne als „wenig hartnäckig“ abgewertet oder bekommen zu hören „die halten keinen Widerspruch / keine harten Worte aus“ oder „regen sich über ein paar wenig nette Bezeichnungen zu sehr auf, lassen sich davon ins Bockshorn jagen“. In meinem Berufsleben sind Kolleginnen übrigens sehr erfolgreich gewesen mit dieser Methode und auch sehr beliebt bei Kunden und anderen Kollegen!

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Diesmal gibt’s einen Klassiker Depeche Mode. Ist schon beachtlich, wie oft in der Popmusiker der 1980er der zügellose Kapitalismus besungen wurde…

Depeche Mode: Everything Counts

Advertisements

31 Kommentare zu „Warum ich schwangere Kolleginnen völlig ok finde“

  1. Gesamtgesellschaftliche Erwägungen interessieren die meisten Mensehn aus naheliegenden Gründen nicht, da diese zu abstrakt sind und eh jeder eine andere Vorstellung davon hat, was das Beste für die Gesellschaft sei.
    Selbst das „Aussterben einer Gesellschaft“ ist bei genauem Überlegen keine Problematik an sich.

    Im Übrigen ist ein marktkonforme Demokratie besser als eine staatlich organisierte Demokratie.

    1. Ich denke @Adrian hat recht. Wir sollen also die Gesamtgesellschaft im Blick haben? Und dann?

      Dann werden sich die Bonzen und andere Eigennutzer die Taschen weiter vollstopfen, mehr nicht.

      Ausserdem halte ich diese Aussterbeangst für Unsinn. Die Menschheit wächst und wächst, wird also nicht an zu wenig Menschen leiden, eher umgekehrt.

      Was ich mich auch frage, warum muss ein Kommentar den kommentierten Artikel beschreiben, wenn es dem Kommentator eben nur um diese Aspekte ging? Was also ist daran bitte polemisch?

      1. @ quellwerk

        Aaah, sehe gerade, daß ich wohl Deinen Kommentar falsch verstanden haben. Sorry @quellwerk. So wie der Kommentar von Dir wohl gemeint war, hast Du nätürlich recht!! 🙂

        Zumal ich den roten Faden in dem Beitrag von @Graublau nicht sehen kann. Was soll gesagt werden?

    2. @ quellwerk Folgt man deiner Logik in deiner Antwort an Aurelie, ist die Nichteinstellung des genannten Anwärters auf die Mathematik-Professur völlig in Ordnung. Denn Du gehst davon aus a) es liegt in der Natur der Frau schwanger zu werden, auch wenn dies für das Individuum nicht unbedingt zutrifft b) dies stellt für das Unternehmen zwingend einen ökonomischen Nachteil dar c) aus diesem Grund ist der Ausschluss von Frauen aus dem Bewerbungsverfahren ökonomisch richtig.

      Nun betrachten wir uns einmal den o. g. Fall:

      a) Es handelte sich um eine Stelle, die aus einem Programm zur besonderen Förderung des weiblichen Nachwuchses finanziert werden sollte
      b) Herr Aschenbrenner ist eindeutig keine Frau
      c) Folgerichtig erhält er die Stelle nicht, denn da die Finanzierung der Stelle an die Bedingung „Frau“ geknüpft war, ist es für die Universität ökonomisch richtig, den Mann nicht einzustellen (da die Stelle sonst nicht finanziert ist).

      Weiterhin noch dies:

      a) Es liegt in der Natur der Sache, dass Männer Kinder zeugen können
      b) auch Väter können Elternzeit nehmen, Ausfallzeiten sind offenbar in der Natur der Sache begründet
      c) die Anstellung eines Mannes birgt entsprechend ökonomische Risiken

      Deine Argumentation fußt also ausschließlich auf der Feststellung, dass Väter seltener und kürzer Elternzeit nehmen als Mütter.

      Nun wäre Folgendes zu fragen: Ist die Elternzeit eines Mitarbeits / einer Mitarbeiterin tatsächlich in der Summe schädlich für ein Unternehmen? Ist eine kürzere Elternzeit dem Unternehmen tatsächlich dienlich oder aber sogar eher schädlich? Ist das Risiko bei der betreffenden Gruppe Frauen (junge Akademikerinnen) in den nächsten Jahren schwanger zu werden tatsächlich hoch bzw. höher als das das allgemeine Risiko, dass Berufseinsteiger rasch wieder ausfallen z. B. aufgrund von Stellenwechsel?

      Der Arzt im betreffenden Beispiel wägt übrigens tatsächlich ab. Nur ist es eine recht individuelle Entscheidung, an welcher Stelle er den Nutzen über die Kosten stellt und worin genau er den Nutzen sieht. Der Nutzen ist hier z. B. ein deutlicher Anstrieg der Lebensqualität des Patienten, im Prinzip ein ideeller Wert. Hat der Patient mit Sicherheit nur mehr 3 Monate zu leben. hast Du wohl recht mit deiner Annahme. Ist dies aber nicht eindeutig und hat die künstliche Hüfte mit einiger Wahrscheinlichkeit einen deutlichen Anstieg der Lebensqualität für den Patienten zur Folge, wird sich der Arzt mit größerer Wahrscheinlichkeit für die Operation entscheiden. Würde er dagegen rein nach ökonomischen Gesichtspunkten entscheiden, wäre ein neues Hüftgelenk für einen älteren Menschen kaum jemals eine sinnvolle Investition. Ebensowenig übrigens wie die extrem teure Versorgung eines frühgeborenen Kindes oder eines krebskranken 80-Jährigen. Für ein einzelnes Unternehmen wäre es prinzipiell in den meisten Fällen sinnvoller, einen erkrankten Mitarbeiter zu entlassen. Für Kinder wäre es ökonomisch sinnvoller, ihre alten Eltern nicht zu pflegen und entsprechend Zeit und Geld zu sparen. Bedeutet: Ethisch-moralische Aspekte sind immer auch Teil unseres Handels und unserer Entscheidungsfindung. Auch für Personalverantwortliche. Warum genau gehst Du davon aus, dass solche Überlegungen genau in diesem einen Bereich unseres Lebens gar keine Relevanz haben sollten?

      1. Danke für die Antwort und vor allem für das Fehlen der Empörungshaltung. Diese war es, warum ich überhaupt in die Diskussion eingestiegen bin. Es ging mir nicht um die Abwägung zwischen Profit und Ethik. Ich habe das Motiv von breakpoint herausgearbeitet und es als nicht-sexisitisch identifiziert.
        Beim Mathematikprofessor ist der Fall meiner Meinung nach so: Die Universität erhält Schmiergeldzahlungen, um Männer aufgrund ihres Geschlechtes nicht einzustellen. Die Entscheidung der Universität gegen den Mann liegt nicht in der Natur der Sache (eine bestimmte rein männliche Eigenschaft) begründet, sondern in einem nicht in der Natur des männlichen Bewerbers liegende Sache, nämlich der Korruptheit der Universität.

        Zu den Vätern: ja, das sehe ich auch so.

        Die anderen Überlegungen, die du anstellst, beziehen sich auf die ethische Einschätzung einer ökonmisch motivierten Entscheidung. Die sind wohl alle richtig.

        Die Frage von dir, warum ich glaube, ethische Überlegungen gerade in Einstellungsfragen hätten „gar keine Relevanz“, ist insofern nicht ok, weil du mir diese Wertung unterschiebst. Du wirst sie nirgends bei mir finden. Außerdem ist dies auch nicht das Thema. Es ging um: Diskriminierung ja oder nein. Nicht jeder Nachteil, den eine Frau erleidet, ist das Ergebnis einer Diskriminierung. Die Frage des Nachteilsausgleichs steht auf einem anderen Blatt.

        Freundlich Grüße von quellwerk

      2. „Die Universität erhält Schmiergeldzahlungen, um Männer aufgrund ihres Geschlechtes nicht einzustellen. Die Entscheidung der Universität gegen den Mann liegt nicht in der Natur der Sache (eine bestimmte rein männliche Eigenschaft) begründet, sondern in einem nicht in der Natur des männlichen Bewerbers liegende Sache, nämlich der Korruptheit der Universität.“

        Es ging nun aber darum, den Ist-Zustand auszuleuchten und eben gerade nicht um eine moralische Wertung (die man im Fall der Nichteinstellung einer Frau aufgrund ihrer potenziellen Fähigkeit schwanger zu werden ebenso anstellen kann). „Schmiergeldzahlung“ bzw. „Korruptheit“ sind moralische Wertungen, also bereits auf einer anderen Argumentationsebene verortet.

        „Weiterhin noch dies:

        a) Es liegt in der Natur der Sache, dass Männer Kinder zeugen können
        b) auch Väter können Elternzeit nehmen, Ausfallzeiten sind offenbar in der Natur der Sache begründet
        c) die Anstellung eines Mannes birgt entsprechend ökonomische Risiken

        Deine Argumentation fußt also ausschließlich auf der Feststellung, dass Väter seltener und kürzer Elternzeit nehmen als Mütter. “

        Darauf wurde leider gar nicht eingegangen.

        „Die Frage von dir, warum ich glaube, ethische Überlegungen gerade in Einstellungsfragen hätten “gar keine Relevanz”, ist insofern nicht ok, weil du mir diese Wertung unterschiebst.“

        Wenn man ethisch-moralische Fragen in die Argumentation einfließen lassen kann, ist Aurelies Argumentation absolut schlüssig.

      3. Du hattest folgende Überlegung angestellt:
        „a) Es liegt in der Natur der Sache, dass Männer Kinder zeugen können
        b) auch Väter können Elternzeit nehmen, Ausfallzeiten sind offenbar in der Natur der Sache begründet
        c) die Anstellung eines Mannes birgt entsprechend ökonomische Risiken

        Deine Argumentation fußt also ausschließlich auf der Feststellung, dass Väter seltener und kürzer Elternzeit nehmen als Mütter“

        Du bemängelst daraufhin meine fehlende Stellungnahme zu diesem Gedankengang:
        „Darauf wurde leider gar nicht eingegangen.“

        Mein Kommentar war jedoch:
        “ ja, das sehe ich auch so.“

        Meine Anerkennung deines Gedankenganges hat dir nicht gereicht. Warum nicht? Weil du ihn angestellt hast, um seine Fehlerhaftigkeit zu beweisen? Er ist nicht fehlerhaft. Die Übertragung war korrekt. Du wolltest durch die analoge Anwendung meiner Argumentation auf die Männer nicht die Ungültigkeit beweisen, sondern eine Entrüstung bei mir erzeugen, weil Männer Nachteile erleiden. Das, was du beweist, ist, dass Männer offensichtlich auch Nachteile erleiden können, die in ihrem Mannsein begründet sind. Wir reden offenbar aneinander vorbei. Du möchtest hier eine Wertung von mir, wo es um die Aufklärung eines sachlichen Zusammenhangs geht. Das ist insofern widersprüchlich, als du im nächsten Abschnitt mir eine vermeintliche ethische Wertung vorwirfst:

        „Es ging nun aber darum, den Ist-Zustand auszuleuchten und eben gerade nicht um eine moralische Wertung (die man im Fall der Nichteinstellung einer Frau aufgrund ihrer potenziellen Fähigkeit schwanger zu werden ebenso anstellen kann). “Schmiergeldzahlung” bzw. “Korruptheit” sind moralische Wertungen, also bereits auf einer anderen Argumentationsebene verortet.“

        Es ist immer lobenswert, den Ist-Zustand auszuleuchten und nicht alles sogleich moralisch zu bewerten. Ich habe nach dem Grund für die Nichteinstellung des Mathematikers gesucht und ihn nicht in seiner Natur gefunden. Der Grund liegt ausserhalb seiner Natur. Der Grund ist der finanzielle Vorteil, den die Universität dadurch erhält, indem sie den Mann nicht einstellt, weil er ein Mann ist. Ich hatte ganz am Anfang den Fall des Mathematikers als „anders gelagert“ eingestuft (eine Einschätzung, der Vinzenz gedankenloser Weise nicht folgen wollte). Ich würde tatsächlich sagen, dass die Universität nicht diskrimiert und wenn, dann nur mittelbar. Diese Universität würde auch Behinderte oder Frauen nicht einstellen, wenn es ihr einen finanziellen Vorteil verspräche. Welche andere Bezeichnung gäbe es dafür, als „korrupt“? Diskriminierend ist das Programm zur Vermehrung weiblicher Professorinnen, welches geldliche Anreize zur Umsetzung dieser Politik verwendet. Nehme für „korrupt“ die Formulierung „interessiert, an der Förderung von Frauen im Hochschulbereich unter Berücksichtigung von Ressourcen“ und für „Schmiergeldzahlung“ die Formulierung „Einsatz gendergerechter Ressourcenallokation“ – dann hast du zwar einen gefälligen Euphemismus, aber der Sachzusammenhang, um den es hier geht, bliebe unverändert.

        Dein erster Kommentar war viel besser, als dieser. Es ist enttäuschend, immer wieder zuzusehen, wie dem Feminismus die Differenz im begrifflichen Denken entgleitet, obwohl er die Differenz und Diversität als ein wesentliches Merkmal von sich behauptet.

  2. Finde den Beitrag Graublau eher reflektierend, bodenständig kritisch und interessant. Nicht unbedingt polemisch. Man muss ja nicht mit allem einverstanden sein.

    Generell wird offenbar dabei viel vom Möglichen vom Feminismus gestört und zerstört. Vor allem Vertrauen. Er schafft auch neue Schlupflöcher für vorgebliches scheinheiliges Handeln. So ist ja auch das feministisches Motiv und Methode gelagert. Es existiert jetzt dadurch bereits eine Schieflage, die primär gegen Männer gerichtet ist. Was es dann aber mittelbar für alle noch schwieriger macht und wenige Profiteurinnen unverdient betrugsbegünstigt. Betrug an der Allgemeinheit.

    Und jede Form von „affirmative action“ Gesetzgebung wie z.B. Quoten verschlimmert alles und führt uns in eine dunkle Zeit der tatsächlichen Unterdrückung, Denunziation und einen DDR-artigen Staat, der ja auf genau so etwas fußte. Wie auch jede andere totalitäre willkürlich begünstigende und verantwortungsvermeidende aber dann doch immer ausbeutende Organisationsform.

    1. Der Aufhänger war: wie gehen kleine Unternehmen mit Ausfallzeiten um, wenn eine Kompensierung nur schwer möglich ist. breakpoint schreibt, dass die meisten KMU ihr Risiko minimieren und einen Mann bevorzugen. Ist doch erst einmal ehrlich.
      Ich habe das so interpretiert:

      Ich habe geschaut ob ein Sexismus vorliegt:
      Art. 3 Abs. 1 GG gebietet, Gleiches gleich und wesentlich Ungleiches ungleich zu behandeln. Zu klären ist also immer, ob eine Ungleichheit „in der Natur der Sache liegt“ und folglich verschiedene rechtliche Regelungen erlaubt oder gar gebietet oder ob eine Regelung wesentlich Gleiches ungleich behandelt.”

      Dann habe ich geschlossen:
      Die Ausfallzeiten sind offenbar in der Natur der Sache begründet. Das ökonomische Prinzip reagiert rational auf diesen Umstand. Es liegt keine sexistische Diskriminierung vor.

      Und weiter vorgeschlagen:
      Entweder, das ökonomische Prinzip wird verworfen oder man behält es bei und versucht es zu moderieren (z.b. Quoten, Strafzahlungen an das Unternehmen bei ungeplanten Schwangerschaften, etc.).

      Das hysterische Lager (Aurelie und Robin) hat natürlich nur die Benachteiligung der Frauen gesehen – und das ist ein Sakrileg in deren Augen. Woher die Benachteilung kommt und wie sie behoben werden könnte, wer die Kosten dafür trägt, ist unerheblich.

      Der hiesige Beitrag ist ähnlich gestrickt:
      a. breakpoint post sei „verstörend“
      b. sie schöbe Argumente vor, um ihren Sexismus zu rechtfertigen
      c. Sie wolle – grundsätzlich – keine Frauen einstellen
      d. ob sie das auch mit Juden so machen würde
      e. der Fall des Mathematik-Professors wird bemüht, der ganz anders gelagert ist
      f. breakpoint wird für die niedrige Geburtenrate verantwortlich gemacht. ( In anderen Zusammenhängen betrachten Feministen eine Pflicht zur Geburt zur Erhaltung des Volkskörpers als Obzönität )
      g. breakpoint wird Dummheit unterstellt, wenn sie glaube, eine Spitzenkraft für ihre KMU verlangen zu können: diese gebe es nur im Spitzenmanagement von Großkonzernen, ergo: alle Arbeitskräfte, die breakpoint beschäftigt, sind gleichermaßen leicht austauschbar.
      h. breakpoint sei ein Weichei, weil eine gewöhnliche Schwangerschaft sie aus dem Konzept bringe
      .
      ,

      ich höre hier auf. Ich würde sagen, es handelt sich um einen polemischen Beitrag, der aus der Feder einer Feministin stammen könnte.

      1. @quellwerk

        Das darf nicht verwundern: Es gibt eine Menge Maskulisten, die die Nähe zum Feminismus suchen, den die subtilen Fehler feministischer Argumentation sind für alle verführerisch, nicht nur für die, die sich berufen fühlen, für Frauen ins Feld zu ziehen.

        Diese Leute fühlen sich zu Recht im linken Maskulismus zu Hause: Es gibt eben ein mehr oder weniger kontinuierliches Spektrum von Positionen und nicht nur Gegensätze – ist halt alles viel bunter. 😉

        Man muß das berücksichtigen, wenn man über ein Taxonomie maskulistischer Aktivitäten gibt. Die Vorstellung, daß die Maskulisten die Guten sind, wird hier widerlegt.

      2. Das mit der Heterogenität ist klar. In diesem besonderen Fall ist Solidarität mit breakpoint angezeigt. Jede eloquente Frau mit scharfem Verstand, die sich zur Männerrechtsbewegung gesellt, ist bevorzugtes Angriffsziel von Feministen. breakpoint ist von diesem Kaliber. Das war mein Gesichtspunkt, warum ich den Beitrag von graublau als polemisch bezeichnet habe.

      3. Hatte oben ja eingeschränkt, dass man nicht unbedingt mit allem einverstanden sein muss.

        Hab nun nach deinem Kommentar das nochmals Graublaus Beitrag mit dieser Linse gelesen. Und ich muss zugestehen, dass ich deinen Argumenten folgen kann.

        Vor allem

        „Interessant finde ich, wie Sexismus an dieser Stelle durch “ökonomische Zwänge” begründet wird auf der Ebene eines einzelnen Betriebes gerechnet wird. Das hat aber gleich mehrere Macken. “

        Und z.B.

        „Außerdem wird der alte Fehler gemacht, für eine volkswirtschaftliche Beurteilung betriebswirtschaftlich zu denken. Dabei ist klar, dass das nicht funktioniert: Das Gefangenendilemma aus der Spieltheorie ist ein Beispiel, wie man gerade nicht das gesamtgesellschaftliche Optimum bekommt, wenn jeder für sich optimiert. Wenn jemand das “Risiko” schwangere Frau ausschließen will, will er sich möglichen Kosten entziehen, die gesamtgesellschaftlich anfallen müssen (sonst stirbt die Gesellschaft langsam aus – wir sind übrigens auf gutem Wege dabei).

        Schließlich stellt sich noch die Frage, warum denn “das Primat der Wirtschaft” gelten soll. Die Ökonomisierung aller Lebensbereiche, auch wenn das meistens nicht sinnvoll oder möglich ist, sowie ein ins Private überbordendes Wirtschaftssystem, das uns nebenbei eine “marktkonforme Demokratie” beschert und eine Lebensplanung, bei der die Menschen der Wirtschaft dienen und nicht umgekehrt – es scheint ein weiteres Mal, als sei der wahre Feind einer modernen Gesellschaft nicht “das Patriarchat”, sondern der Neoliberalismus. Es ist zum links werden!“

        Hier aus meiner Sicht ein Nein zu beidem.

        Bei beidem ist eine grundsätzliche und typisch linke Fehleinschätzung aus fehlgeleiteter Prämisse heraus enthalten.

        Als polemisch würde ich dann hier z.B. die erstere Unterstellungsprämisse sehen. Ok.

      4. Quellwerk,

        Zerlegen wir folgende Aussage von dir mal in ihre Einzelteile. Mit dieser Aussage steht und fällt nämlich vieles.

        Die Ausfallzeiten sind offenbar in der Natur der Sache begründet. Das ökonomische Prinzip reagiert rational auf diesen Umstand. Es liegt keine sexistische Diskriminierung vor.

        Nein, die Möglichkeit, dass ein Ereignis eintreten könnte, ist nicht gleichzusetzen damit, dass dieses Ereignis auf jeden Fall eintritt. Schwanger werden liegt nicht in der Natur von Frauen. Schwanger werden zu können, dagegen schon. Das ist ein Unterschied. Es ist Diskriminierung, wenn eine Person danach beurteilt wird, was sie tun könnte und nicht danach, was sie wirklich tut. Ich hatte das Beispiel mit dem männlichen Kindergärtner angeführt. Einen Mann nicht einzustellen, weil er pädophil sein könnte, ist diskriminierend. Dabei werden nämlich Annahmen getroffen, die überhaupt nicht zutreffen müssen und gegen diese Annahmen kann der Bewerber bzw. die Bewerberin nichts von sich aus tun.

        Mit dem ökonomischen Prinzip kann man ökonomische Zusammenhänge erklären. Mit Ethik hat das jedoch recht wenig zu tun. Billige T-Shirts bei H&M zu kaufen, ist ökonomisch die richtige Entscheidung, aus ethischen Gesichtspunkten ist es eine sehr schlechte Entscheidung. Ein anderer Konflikt: Wenn du älter bist und ein künstliches Hüftgelenk brauchst. Würde der Arzt nur ökonomische Abwägungen in seine Entscheidung miteinbeziehen, würde er eine Break-Even-Analyse machen, ab wann sich das Hüftgelenk für dich „lohnt“. Dem gegenüber stellt er die durchschnittliche Lebenserwartung von Menschen. Steht unter dem Strich nichts positives, verweigert er dir das Hüftgelenk. Das ökonomische Prinzip reagiert rational auf den Umstand, dass du krank bist und (statistisch gesehen) ohnehin bald stirbst und die Operation demnach unnötig ist. Auch hier entscheidet der Arzt danach, welche Umstände (Tod ja/nein) eintreten könnten und nicht danach, welcher Umstand vorliegt – nämlich ein alter, kranker Mann, der nicht mehr laufen kann.

        Anne hatte ebenfalls aufgeführt, dass es irgendwie praktischer und effizienter sei, Menschen danach zu beurteilen, wie sie sich (statistisch gesehen) verhalten könnten (Schwangerschaft) und nicht danach, wie sie sich momentan verhalten. Zudem kann sie das momentane Verhalten gar nicht adäquat beurteilen, da sie die Person (BewerberIn) noch nicht kennt. Natürlich basieren Personalentscheidungen auf vielen Annahmen, z. B. gute Note in Mathe = kann gut rechnen und abstrakt denken. Dieses Beispiel liegt noch recht nahe. Die Annahme, Frauen seien weniger vertrauenswürdiger als Männer, liegt nicht mehr nahe – zumindest geht es mir so. Einen empirischen Beweis für die mangelnde Vertrauenswürdigkeit von Frauen habe ich auch vergeblich gesucht.

        Selbst der blutige Erstsemestler lernt in BWL, dass ökonomische Prinzipien fast immer in Konflikt mit anderen Prinzipien treten, bspw. Umweltschutz vs. hohe Kosten für umweltgerechte Entsorgung. Das sind normale Konflikte, die jeder Unternehmer und jede Unternehmerin tagtäglich lösen muss. Nur: Wir reden hier von Sachen (beim Beispiel oben von Müll und Umwelt). Bei Personalentscheidungen reden wir aber von Menschen. Das ökonomische Prinzip kann nicht einfach 1:1 auf Menschen übertragen werden. Den Grund dafür habe ich oben erklärt. Beim Menschen müssen wir noch viele andere Aspekte miteinbeziehen und es wäre – aus ethischen Gesichtspunkten – sinnvoller, Entscheidungen stärker nach dem kategorischen Imperativ zu treffen. (Hatte ich Anne als Denkanstoß vorgeschlagen.) Was nicht heißt, dass UnternehmerInnen nicht auf ihre Bilanzen schauen dürfen. Es geht mir um das Aufzeigen dieser Konflikte und Anne hat diese Konflikte meiner Meinung nach recht einseitig gelöst.

        Ich hoffe, meine Ausführungen waren nicht allzu hysterisch 🙂

      5. Ich schreite hier mal zur Verteidigung des Autors, denn ich halte seinen Artikel zwar nicht für perfekt, aber dennoch für durchaus nachvollziehbar und begründet.

        „Dann habe ich geschlossen: Die Ausfallzeiten sind offenbar in der Natur der Sache begründet. Das ökonomische Prinzip reagiert rational auf diesen Umstand. Es liegt keine sexistische Diskriminierung vor.“
        Ich bezweifle, dass diese Logik auch nur einer oberflächlichen juristischen Überprüfung standhält. Schon die Prämisse ist falsch. Die Ausfallzeiten liegen nicht „in der Natur der Sache“, da nicht alle Frauen schwanger werden (können). Wie Robin anmerkte, würde dies ja bedeuten, dass unfruchtbare Frauen davon ausgenommen sein müssten. Das Kriterium Frau reicht hier also offensichtlich nicht.
        Des Weiteren ist die Schlussfolgerung nicht korrekt. Das ökonomische Prinzip ist nicht die Grundlage unseres Rechtssystems. Eine Handlung kann für bestimmte Akteure durchaus ökonomisch sein, aber dennoch unethisch und illegal (z.B. Betrug).

        „Das hysterische Lager (Aurelie und Robin) hat natürlich nur die Benachteiligung der Frauen gesehen – und das ist ein Sakrileg in deren Augen. Woher die Benachteilung kommt und wie sie behoben werden könnte, wer die Kosten dafür trägt, ist unerheblich.“
        Es ist in der Tat ein Sakrileg, weil es den Gleichberechtigungsgrundsatz verletzt, nach dem niemand allein aufgrund seines Geschlechts benachteiligt werden darf. In einer genaueren Analyse wäre eine Betrachtung der Gründe und Folgen natürlich interessant. Aber für die bloße Feststellung, dass eine Praxis unethisch und illegal ist, spielen sie erstmal keine Rolle.

        „a. breakpoint post sei “verstörend”“
        Er ist auf jeden Fall kontrovers. Und da Anne hier offen illegales Verhalten verteidigt, ist der Begriff „verstörend“ meiner Meinung nach gerechtfertigt.

        „b. sie schöbe Argumente vor, um ihren Sexismus zu rechtfertigen“
        Die Behauptung, dass das Argument nur vorgeschoben ist und Anne in Wirklichkeit grundsätzlich keine Frauen dort einstellen will, ist in der Tat eine Vermutung, die der Autor besser hätte begründen sollen. Das gibt also einen halben Punkt für dich.

        „c. Sie wolle – grundsätzlich – keine Frauen einstellen“
        Nach eigener Aussage zumindest nicht auf bestimmten Stellen.

        „d. ob sie das auch mit Juden so machen würde“
        Wenn man diese Praxis verteidigen will, muss man sich diese Frage gefallen lassen. Wieso soll das Geschlecht eines Bewerbers ein stärkeres Kriterium sein als seine Religion?

        „e. der Fall des Mathematik-Professors wird bemüht, der ganz anders gelagert ist“
        Inwiefern anders gelagert? Was macht am Ende den Unterschied aus? Begründe doch mal deinen Punkt.

        „f. breakpoint wird für die niedrige Geburtenrate verantwortlich gemacht.“
        Nicht Anne in Person, sondern ihre Einstellungspolitik. Wenn Unternehmen durch solche Einflussnahme versuchen, die Schwangerschaftsauszeiten unter ihren Angestellten zu verringern, dann werden diese darauf entsprechend mit weniger Schwangerschaften reagieren. Und aus weniger Schwangerschaften folgen unmittelbar weniger Geburten. Klingt eigentlich logisch.

        „g. breakpoint wird Dummheit unterstellt, wenn sie glaube, eine Spitzenkraft für ihre KMU verlangen zu können: diese gebe es nur im Spitzenmanagement von Großkonzernen, ergo: alle Arbeitskräfte, die breakpoint beschäftigt, sind gleichermaßen leicht austauschbar.“
        Dummheit wurde nicht unterstellt, deine Behauptung ist falsch. Die Logik kann man aber in Frage stellen. Wenn es so viele mögliche Bewerber für den Job gibt, dass man Frauen einfach aussortieren kann, dann sollte es doch nicht schwierig sein, eine Schwangerschaftsvertretung zu finden.

        „h. breakpoint sei ein Weichei, weil eine gewöhnliche Schwangerschaft sie aus dem Konzept bringe“
        Wieder falsch. Das bezog sich nicht auf Anne, sondern auf das Unternehmen. Planung ist nun in der Tat eine Kernkompotenz einer Unternehmensführung. Wieso ist es dann so schwer, Schwangerschaftsauszeiten von Mitarbeiterinnen und ihre Vertretungen zu organisieren?

      6. @aurelie

        „Es ist Diskriminierung, wenn eine Person danach beurteilt wird, was sie tun könnte und nicht danach, was sie wirklich tut.“

        In der Spieltheorie würde man für einen Entscheidungsbaum, ob man sich eher für einen Mann oder eine Frau entscheiden sollte, den potentiellen Schaden, der für den Fall einer längeren Elternzeit + dem Risiko eines danach bestehenden Aussetzens mit der Wahrscheinlichkeit des Eintritts mal nehmen und dann als Kosten einstellen

        Also zB

        Mann: Schaden mal 10%
        Frau Schaden mal 60%

        (zahlen fiktiv).

        So müsste man in einer spieltheoretischen Betrachtung auch mit anderen Risiken verfahren, die typischerweise nach Geschlechtern zu unterscheiden sind.

      7. @christian: „So müsste man in einer spieltheoretischen Betrachtung auch mit anderen Risiken verfahren, die typischerweise nach Geschlechtern zu unterscheiden sind.“
        Das stimmt. Das sagt aber nichts darüber aus, ob dieses Verhalten ethisch oder legal ist. Nach der selben Logik könnte man Schwarzen den Zugang zu sicherheitskritischen Jobs verwehren mit dem Hinweis, das sie häufiger kriminell werden. Das würde meiner Meinung nach dem Individuum nicht gerecht.

      8. @Vinzenz

        Auch deine Argumentation ist nicht wirklich überzeugend.

        @Aurelie

        „Selbst der blutige Erstsemestler lernt in BWL, dass ökonomische Prinzipien fast immer in Konflikt mit anderen Prinzipien treten, bspw. Umweltschutz vs. hohe Kosten für umweltgerechte Entsorgung. Das sind normale Konflikte, die jeder Unternehmer und jede Unternehmerin tagtäglich lösen muss. Nur: Wir reden hier von Sachen (beim Beispiel oben von Müll und Umwelt). Bei Personalentscheidungen reden wir aber von Menschen. Das ökonomische Prinzip kann nicht einfach 1:1 auf Menschen übertragen werden. “

        Nein. So einfach ist das nicht.

        Richtig ist, dass es hier schon um die Kostenallokationsebenen geht. Allgemeinheit bzw. Allgemeininteresse gegen Unternehmerisches. Und es ist richtig, wenn Allgemeinheit (z.B. Steuerzahler) sagt, bitte als Kostenverursacher Kosten auch tragen, wenn sie den Nutzen der Allgemeinheit übersteigen.

        Nun sind hier – auch richtig – ethische Gesichtspunkte zu beachten wie z.B. u.a. und eben insbesondere auch bei Personalentscheidungen.

        Nur gerade in diesem Letzteren so einfach von Ökonomisierung zu sprechen und zu ignorieren, dass mit jeder ethischen gewählten (oder per neuer „(Pseudo)Ethik“ zwangsoktruierten) Entscheidungsbeeinflussung auch wieder eine Ökonomisierung stattfindet, ist intellektuell nicht ehrlich. Auch dann findet eine sog. Ökonomisierung statt, nur eben nach diesen neuen Regeln. So einfach ist hier nicht der Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

        Übrigens ein Effekt und ein gedanklicher Fehler, den viele bei solchen von utopistischen Heilswünschen geprägten Diskussionen machen. Es gibt keine Befreiung von Selektion, von Diskriminierung und von (Aus)Wahl in einer wirtschaftlich aktiven und konsumierenden Gesellschaft. Das ist der fatale Fehler des Sozialismus, der immer wieder zu neuen menschlichen Monströsitäten führt, da eben auch wenn er institutionalisiert ist, Menschen so handeln müssen, selbst dann, wenn sie es gar nicht wollen. Die Sehnsucht danach, kann ich verstehen. Erscheint ja zunächst plausibel.

      9. Christian,

        ja, Spieltheorie. War mal ganz witzig, als wir das Gefangenendilemma in der Vorlesung durchgespielt haben 🙂 Dass aber ökonomische Theorien und Prinzipien meines Erachtens nach nicht als Richtlinie für zwischenmenschliche Entscheidungen herhalten können, habe ich schon weiter oben (Antwort an Quellwerk) dargelegt. Außerdem wird dir jeder gute Ökonom bestätigen müssen, dass sich mit seinen Modellen lediglich die Vergangenheit, aber niemals die Zukunft erklären lässt. Und um die Zukunft geht es bei Personalentscheidungen.

        PetPanther,

        Nein. So einfach ist das nicht.

        Doch. Diese Konflikte sind vorhanden und sie müssen gelöst werden. Entscheidungen nach dem Grundsatz zu treffen „was wäre, wenn alle Menschen/Unternehmer/Konsumenten/etc. so handeln würden wie ich selbst“, ist für mich ein guter Weg.
        Den gedanklichen Fehler, von dem du sprichst, kann ich nicht erkennen. Ich habe weder utopische Heilswünsche noch möchte ich irgendjemandem eine Pseudo-Ethik zwangsoktruieren. Ich habe immer gesagt, dass man am Ende des Tages auch auf die Zahlen schauen muss. Nur die Zahlen können nicht die einzig richtige Grundlage für Entscheidungen sein.

      10. @Aurelie
        Da du selbst die „Natur der Sache“ als Angelpunkt deiner Argumentation betrachtest, gehe ich nur kurz darauf ein. Dein Text ist ansonsten eine Vermischung von Ebenen, gegen die sich zu wehren aussichtslos ist, weil derjenige, der eine Gegenargumentation führt, wieder mit einer neuerlichen Vermischung konfrontiert wird. Hier also mein Hinweis, bei der Sache zu bleiben.

        Du sagst: Es liegt nicht in der Natur der Frau, schwanger zu werden. Du begründest dies damit, es gäbe Frauen, die nicht schwanger werden. Dann stellt sich die Frage, wie das Verhältnis Frau und Schwangerschaft zu begründen sei, wenn es nicht die Natur der Frau ist, die dafür die Grundlage bietet. Das Gegenteil von „nicht in der Natur liegend“, wäre die willkürliche Entscheidung: „ich will ein Kind bekommen“. Oben hast du den natürlichen Zusammenhang Frau und Kinderkriegen geleugnet. Daraus folgt, dass Menschen egal welchen Geschlechts, nur aufgrund ihres Willens Kinder bekommen können.

        Wenn du den Eindruck erhalten solltest, meine Argumentation sei irgendwie sophistisch und würde an der Sache vorbeigehen, dann täuscht du dich nicht. Diese Erkenntnis wende nun auf den Inhalt deiner Antwort auf meinen Kommentar an.

      11. @Aurelie

        Ich habe nun nicht gesagt, dass Zahlen die einzige Grundlage sein sollen.

        Vielmehr habe ich auf die Täuschung aufmerksam gemacht, dass auch „ethische“ Einflussfaktoren, freiwillig oder erzwungen, in einer aktiv wirtschaftenden und konsumierenden Gruppe nicht zur Selektions- und Diskrimmierungsfreiheit führen können, da immer (aus)gewählt werden muss.

        Solche Einflussfaktoren verschlimmern idR sogar noch die sog. Ökonomisierung des Privaten, denn auch dann bleibt es eine Marktform.

        Bis heute ist hier keine Lösung. Marx hat es mal versucht.

        So einfach kann man sich hier den Kopf nicht aus dieser „Schlinge“ ziehen. Wer es versucht betreibt im besten Fall esotherische Heilslehre.

      12. @Aurelie
        Ich hatte gestern nur wenige Minuten, um auf deine Antwort einzugehen. Bei nochmaliger Durchsicht deines Beitrags war die begriffliche Schwäche deiner Argumentation so augenfällig, dass ich hier eine gründlichere Analyse vornehme. Außerdem wird es dir recht sein, da du einen Hang zur Analyse von Aussagen hast, wie ich bei anderen Kommentaren von dir festgestellt habe. Schön wäre es gewesen, wenn zum Hang sich mehr Sorgfalt gesellt hätte.

        Etwas liegt in der Natur der Sache. Das ist der Satz, auf dem du deine Argumentation aufbaust.

        Konkret habe ich diesen Satz so formuliert:

        „Die Ausfallzeiten sind offenbar in der Natur der Sache begründet.“

        In der Natur der Sache liegend“ bedeutet eine notwendige Schlussfolgerung aus dem Begriff der Sache.

        Der Begriff der Sache ist offenbar eine Frau, die ein Kind gebärt. Und in der Tat folgt hieraus die Ausfallzeit.

        Schwanger werden zu können liegt in der Natur der Frau, wie du sagst. Du verallgemeinerst meine Formulierung zulässigerweise, weil du meine notwendig erfolgende Ausfallzeit einer gebärenden Frau zur möglichen Schwangerschaft einer allgemeinen Frau erhebst.

        Diese Möglichkeit bewertet das ökonomische Prinzip mit einer Wahrscheinlichkeit und Folgekosten. Ein Produkt der beiden wäre ein möglicher Messwert für die Einstellungspolitik. Die Wahrscheinlichkeit der Nichteinstellung einer Frau steht im direkten Zusammenhang mit der wahrscheinlichen Schwangerschaft. Ist die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft groß (der Messwert ist es dann auch), dann ist die Wahrscheinlichkeit der Nichteinstellung auch groß. Ist die Wahrscheinlichkeit der Schwangerschaft gering, dann ist die Wahrscheinlichkeit der Nichteinstellung auch gering. Die wahrscheinliche Nichteinstellung bezieht sich also auf die wahrscheinliche Schwangerschaft.
        Es ist nicht so, dass eine Nichteinstellung von Frauen erfolgt, wenn die Möglichkeit der Schwangerschaft nicht vorhanden ist. Wenn eine Frau nicht schwanger werden kann, dann ist der Messwert 0 und die Wahrscheinlichkeit einer Nichteinstellung wegen möglicher Schwangerschaft ist ebenfalls 0. Dies ist übrigens der Beweis, dass die mögliche Nichteinstellung wegen möglicher Schwangerschaft keine zufällige Relation, sondern in der Sache begründet ist.

        Daraus folgt:
        Wenn die mögliche Schwangerschaft in der Natur der Frau liegt, dann ist die wahrscheinliche Nichteinstellung auch in der Natur der Frau begründet.

        Du schreibst:

        „Es ist Diskriminierung, wenn eine Person danach beurteilt wird, was sie tun könnte und nicht danach, was sie wirklich tut.“

        Diskriminierend ist es, eine Person ungleich zu behandeln, wenn es keine Gründe in der Natur der Sache gibt. Ich übertrage jetzt deinen Satz:

        „Es ist Diskriminierung, wenn eine Person danach beurteilt wird, was nicht in ihrer Natur liegt und nicht danach was in ihrer Natur liegt.“ So wäre er richtig.
        Du meinst ihn natürlich anders: deine Verkürzung auf „tun könnte“ verlässt völlig die notwendige Folge des „in der Natur liegend“. Die Beurteilung, von der du sprichst, ist bei deiner Version auf die Beurteilung der reinen Möglichkeit eingedampft. Du fängst mit der Natur der Sache an, an der sich die Beurteilung ausrichtet und endest bei der bloßen Möglichkeit, die jetzt das Kriterium der Beurteilung sein soll.

        Nachdem du dich von den Fesseln des Begriffs gelockert und aus einer Implikation eine Zufälligkeit gemacht hast, begibst du dich in gefährliches Fahrwasser. Ausgegangen bist du von „in der Natur der Sache liegende Ausfallzeiten infolge Schwangerschaft“. Nun gibst du als Analogon den Mann, der pädophil sein könnte. Wenn er also als probate Veranschaulichung einer möglichen Schwangerschaft, die, wie du selbst schreibst, in der Natur der Frau läge, dienen soll, sagst du implizit: es liegt in der Natur des Mannes, pädophil zu sein.

        Deine folgenden Anmerkungen zur Verwerflichkeit von H&M meinen die moralische Beurteilung des ökonomischen Prinzips. Genauso verwerflich ist es zum Beispiel, als Feministin aus der Mittelschicht einen Arbeitsplatz in der öffentlichen Verwaltung zu besetzen und sich unter Ausnutzung des ökonomischen Prinzips einen geldwerten Vorteil zu verschaffen, indem die Steuern viel schwerer arbeitender Männer aus der Unterschicht, für eine viel leichtere Arbeit zum eigenem und größerem Vorteil abgepresst werden.

        Das marode Hüftgelenk des alten, kranken Mannes ist rührend, aber interessanter Weise der Zielrichtung deiner Argumentation zuwiderlaufend: Es liegt offenbar in der Natur der Sache, dass der alte Mann stirbt. Die Möglichkeit ist nun die Wahrscheinlichkeit des Zeitpunktes. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er bald stirbt, vielleicht so hoch wie die Wahrscheinlichkeit des Gebärens der jungen Frau, die sich bei breakpoint bewirbt. Und tatsächlich wird ein Arzt, der dem Patient eine Lebenserwartung (Wahrscheinlichkeit) von 3 Monaten gibt, kein neues Hüftgelenk einsetzen. Dies ist jedem vernünftigen Menschen außer dir völlig einsichtig. Der Arzt sagt nicht: „du kriegst kein Hüftgelenk, weil du ein Mann bist“, sondern er sagt:“Nach aller Wahrscheinlichkeit ist dein Tod in 3 Monaten eine Folge der Sache, i.e. deines schlechten Gesundheitszustandes.

        Alles weitere, was du schreibst ist viel zu allgemein und hat keinen konkreten Bezug zum Thema.

  3. Ich habe Annes Artikel mit großem Interesse gelesen, wenngleich aus Zeitmangel weder kommentiert noch alle Kommentare gelesen. Und ich denke, daß Dein Artikel und die Diskussionen völlig am Thema vorbeigehen, was ich sehr schade finde.

    Anne hat völlig sachlich über die Gründe einer Frauendiskriminierung geschrieben. Und ich bin echt froh, ENDLICH mal was über Frauenbenachteiligung zu lesen. Also echte und nicht behauptete. Dieses moralische find-ich-ja-nicht-so-gut bringt doch niemand weiter. Unterkomplexe Antworten zu geben ist doch ein Hauptmerkmal im Feminismus.

    Viel spannender ist es doch, Benachteiligung zu sehen und sich zu überlegen wie man sie bekämpfen kann. ZB so, daß Annes Firma sich freuen kann, wenn eine Mitarbeiterin schwanger wird weil sie finanziell besser gestellt wird. Einen strukturellen Ausgleich.

    Und das ist durchaus ein männerrechtliches Thema. Denn es geht uns ja um Geschlechtergerechtigkeit, nicht um gespiegelten Feminismus. Unnötig zu erwähnen, daß diese Frauen, die nicht eingestellt werden, unsere Freundinnen, unsere Partnerinnen oder unsere Töchter sein können.

    1. Der Vergleich z.B. mit England und den USA zeigt, dass dies ein sehr (west-)deutsches Phänomen ist. Schwanger werden Frauen weltweit, aber hierzulande wird ein riesen Kult darum gemacht. Anderswo fallen die Frauen bei einer Geburt für eine Woche aus und dann geht es weiter. Eine Bekannte von mir aus NY hat sogar noch zwischen den Wehen auf dem Blackberry geschäftliche Emails geschrieben und beantwortet. Und auch nach der Geburt das Gerät nicht weggeworfen. Das ist für mich respektabler Ausdruck eines Willens, aktiver Teil einer Wirtschaftsgemeinschaft sein zu wollen.

      Das gesellschaftliche Leitbild „Frau“ erlaubt es hierzulande den Frauen, sich ausserhalb des Jobs zu verwirklichen. Es wird akzeptiert und sogar befördert, dass Fauen nicht den gleichen Druck haben, voll erwerbstätig sein zu müssen.

      Vielmehr gibt das Leitbild eine „Nebenher-Berufstätigkeit“ für die Frau vor, die sich auch nicht an Wertschöpfung orientiert, sondern eher an der ökonomischen Peripherie mitläuft. Das kombiniert sich dann schön mit dem Frauenkörperfetischismus der Gesellschaft, welcher es jungen Frauen leicht macht, als passives Deko-Püppchen leistungslos mindestens Aufmerksamkeit abzusahnen.

      Das alles reproduziert sich, weil die Frauen sich auf dieses Leitbild einstellen und ihre Lebenspläne daran ausrichten.

      Ist das jetzt Frauen diskriminierend und Frauen benachteiligend?
      In gewisser Weise schon, weil durch die besondere Gruppendynamik bei Frauen solche Leitbilder einen hohen Normierungszwang ausstrahlen. Aber: benachteiligt werden nur jene Frauen, die nicht diesem Leitbild folgen möchten (oder können). Und konkret benachteiligt werden sie nicht zuletzt durch die Abwertung und Diskriminierung durch andere Frauen.

      Insofern könnte mann sich zurücklehnen und den Frauen sagen: Hört erstmal auf, euch gegenseitig das Leben zur Hölle zu machen, dann sehen wir weiter.

      Allerdings wäre es auch aus übergeordneten Erwägungen wichtig, dieses Leitbild zu zerstören und Frauen insgesamt möglichst gleichwertig zu den Männern in die Wirtschaftsprozesse einzubinden. Nur fehlt da noch der passende Schlüssel zu…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s