Weiße Mindermehrheit

Nadine Lantzsch lebt noch hat einen Text bei der Mädchenmannschaft veröffentlicht. Sie kritisiert darin eine Rede von Emma Watson vor der UN, wo diese betont hatte, Feminismus hätte nichts mit Männerhass zu tun. (Dass das überhaupt kritisiert wird, lässt tief blicken.)

Nadine bezeichnet Emma Watson im Text als „weiße Hetera“. Das ist inhaltlich wohl zutreffend, denn Emma Watson ist tatsächlich weiß und vermutlich hetero. Auffallend ist jedoch die Penetranz dieser Zuweisung:

„Emma Watson. Eine weiße privilegierte Hetera, die (…) eine weiße Idee (…) die eigene heterosexuelle Verwertbarkeit(…) Heteronormativität (…)Erfahrung einer privilegierten weißen Hetera, die (…) einer anderen privilegierten Hetera (…) weißen Hetero-Typen (…) Privilegierte weiße Heteras (…) ihr eigenes Hetendasein (…) privilegierte weiße Heteras (…) weißen privilegierten Heteras (…)  weiße privilegierte Heten-Typen“

Der Feind ist also offensichtlich wie immer: der/die weiße hetero Person, die es wagt sich zu Feminismus zu äußern. Bemerkenswert ist jedoch die Veränderung der bekannten Argumentation in einem Punkt: Bisher wurde immer behauptet, die weißen Heteros seien deshalb böse, weil sie die armen anderen Lebensformen dominieren und unterdrücken (Stichwort: Hetronormativität). Schwarze/Homosexuelle seien verfolgte Minderheiten und daher als „marginalisierte Gruppen“ besonders schützenswert.

Nun behauptet die weiße homosexuelle Nadine plötzlich, dass weisse Hetras ja eigentlich nur eine Minderheit seien.

„Fakt ist: privilegierte weiße Heteras sind nicht die Mehrheit. Sie sind global betrachtet sogar eine ziemlich kleine Gruppe von Menschen. Trotzdem macht die Diskriminierung, von der sie profitieren, dass sie sich als Mehrheit denken können, sich selbst als Menschen/Allgemeinheit/Mainstream verstehen.“

Verstanden? Weiße Heteras sind also eine Minderheit, die sich selbst fälschlich für eine Mehrheit halten und damit irgendwie die tatsächliche Mehrheit unterdrücken. Klingt komisch? Soll aber so sein. Und eben deshalb soll Emma Watson sich jetzt auch nicht zum Femininismus äußern dürfen, denn sie gehört ja nur einer äh…Minderheit an.

„wenn solche Statements kritisiert werden, wird lediglich darauf aufmerksam gemacht, dass das eben nicht die Erfahrungen einer Mehrheit oder aller sind, die diskriminiert werden und dass es fatal ist, so etwas anzunehmen, weil es die Lebensrealitäten von anderen unsichtbar macht, ebenso deren Belange, Kämpfe und Bedürfnisse. Es macht auch die Gewalt unsichtbar, die weiße privilegierte Heteras ausgeübt haben, ausüben und an deren Ausübung sie durch ihr (feministisches) Tun mitwirken.“

Bitte was fragt ihr? Wer nur die Erfahrung einer Minderheit wiedergibt handelt diskriminierend, weil er damit die Erfahrungen der MEHRHEIT nicht wiedergibt? Wurde nicht bisher immer beklagt, dass gerade Minderheiten im Feminismus nicht zu Wort kommen und ihnen der „weiße Mainstream“ (den man bisher als Mehrheit ansah) den „Raum wegnimmt“? Und jetzt soll der weiße Mainstream selbst Minderheit sein und genau DESWEGEN kein Recht haben, sich zum Feminismus zu äußern? Weil Minderheiten die Klappe zu halten haben? Zumindest wenn sie weiß und hetero sind…

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