Fundstück: AfD-Bashing und ein ruhiges Contra

Der „Freitag“ hat uns gestern mit dem Artikel „Die Kräfte der Gegenreform sind angetreten“ wieder eine Aufzählung angeboten, was alles so schlimm an der AfD ist, als ob es nicht schon genug derartiger Artikel in den Mainstreammedien gäbe. Artikel, die nichts, aber auch gar nichts erklären, sondern stattdessen nur den Teufel an die Wand malen, was für ein schlimmes Gesellschaftsmodell sich entwickeln würde, sollte die AfD maßgeblichen Einfluss gewinnen. Wieder einmal wird die Front aufgebaut zwischen der modernen, vielfältigen, gleichgestellten, multikuturellen Gegenwart und altbackenen, miefigen, spießigen Welt der Adenauerzeit, in die die AfD angeblich zurück will.

Nicht, dass mir die Inhalte des AfD-Programms so sonderlich sympathisch wären, ganz im Gegenteil, ich finde sie teilweise gruselig, aber derartige Verdammungsliteratur ist einfach nur langweilig und öde. Weil sie gar nicht erst erklären will, warum die AfD so viel Zulauf hat. D.h. es wird zwar versucht, Erklärungen zu finden, man findet aber nur die, die innerhalb des Sektors der eigenen ideologischen Scheuklappen zu finden sind.

Das, was der Artikel also leisten sollte, erledigt mal wieder einer der Kommentatoren darunter, der mir so dermaßen aus dem Herzen spricht, dass ich ihn hier ungekürzt übernehmen möchte. Sollte also der User „Sabado“ einen Einwand bezüglich seines Urheberrechts haben, möge er sich melden und wir werden eine Lösung finden. Hier also Sabados Kommentar:

Es gibt zahlreiche Menschen, die in ihrer Jugend froh waren, dem Mief der Adenauerzeit entronnen zu sein, die sich als freiheitsliebend und offen verstehen und sich mit der Gesellschaft und ihrem Diskurs weiter entwickelt haben. Menschen, die jederzeit für das Recht vom Minderheiten einstehen, ihr Leben nach ihrer Façon zu leben – und denen es nichtsdestrotz gewaltig auf den Wecker geht, wie die Lebensmodelle solcher Minderheiten derart übersteigert in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gestellt werden.

Sind Regenbogen-Patchwork-Identitäten der einfachen Gewissheit vorzuziehen, ein Mann oder eine Frau zu sein? Ohne eindeutige geschlechtliche Identität aufzuwachsen ist das wenig beneidenswerte Schicksal einer Minderheit, die genauso wenige diskriminiert werden darf wie jede andere Minderheit. Zu betonen, dass sich trotz allem immer noch um eine Minderheit handelt und nicht um ein Rollenmodell für nachwachsende Generationen, setzt nicht voraus, sich als eindeutiger Mann oder eindeutige Frau als etwas Besseres zu fühlen, aber darf man denn nicht froh sein, wenigstens dies Problem nicht zu haben?

Es gibt auch Menschen, die in ihrer Jugend sich für die Sexualerziehung in der Schule stark gemacht haben und dennoch heute, mit wachsender Einsicht, Bedenken dagegen haben, Sechsjährige mit der Aufklärung über randständige Sexualpraktiken zu behelligen. Hier spürt man ganz deutlich noch die Reste der Ideologie der grünen Kinderfreunde von Anno dunnemals. Auch wenn die inzwischen an den Schaltstellen der Macht angekommenen „Alternativen“ sich noch so winden: die Literatur ist immer noch leicht zu finden, auch wenn viele, die sich heute deswegen schämen, sie weggeschmissen haben.

Und was soll daran eigentlich so erstrebenswert und fortschrittlich sein, dass beide Elternteile für ihr Überleben in einer zunehmend materialistischen Welt für Geld rackern müssen, statt ihrem Nachwuchs das Maß an Zeit und liebevoller Aufmerksamkeit zu geben, die nötig ist, um zu einem freien, selbstbewussten Menschen zu werden?

Von der Kinderkrippe über das Turboabitur zum Bätscheler, weiter zum Dauerpraktikanten, dann Zeitarbeiter beim Paketdienst, so sieht der typische Karriereweg der verunsicherten und zugleich angepassten Menschlein unter der von oben verordneten Regenbogenflagge aus. Nur wer ganz brav ist und nicht die falschen Fragen stellt, kann immerhin ein Bundestagsmandat ergattern oder eine Professur in der Genderforschung, oder wenigstens eine Umschulung zum Windkraftbeutelschneider.

Linke erklärten einst die „bürgerliche Kleinfamilie“ zur Keimzelle des Faschismus. Aus dieser Ecke kommt vermutlich die aufdringliche Propaganda gegen Mütter, die sich dafür entscheiden, sich vorrangig der Erziehung ihrer Kinder zu widmen. Der kleine finanzielle Ausgleich durch die als solche diffamierte Herdprämie beträgt allenfalls einen Bruchteil der Ausgaben für einen Krippenplatz. Der enorme ideologische und finanzielle Aufwand, der getrieben wird, um auch noch das letzte Kind so früh wie möglich in eine staatliche Einrichtung stecken zu können, dient ganz gewiss nicht dem Ziel der Selbstverwirklichung von Kindern und Müttern, sondern der Formierung der Gesellschaft im Interesse des Kapitals, liebe Linke! Ist es reaktionär, darauf hinzuweisen?

Diese und weitere Widersprüche zwischen dem von oben verordneten synthetischen Weltbild und der real wahrgenommenen Lebenswelt sind es, samt dem Unvermögen der etablierten Parteien, sie schlüssig zu erklären, statt ihre unverstandenen Wähler und Nicht-Wähler zu beleidigen, die diese in Scharen zu einer heterogenen Protestpartei wie der AfD überlaufen lassen. Spätestens wenn überall die dritte Toilette vorgeschrieben wird, wähle ich die auch.

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