Hat jemand das Patriarchat gesehen?

Angeblich leben wir in einem Patriarchat. Behaupten zumindest die Feministen. Was ist denn so ein Patriarchat? Nun, etymologisch ist es die Herrschaft des Vaters. Davon kann ich heutzutage beim besten Willen nichts entdecken. Was der Feminismus mit dem Wort meint ist auch etwas anderes, nämlich eine Gesellschaft die von Männern dominiert und beherrscht wird. Deswegen wird gelegentlich auch das zutreffendere Wort Androkratie benutzt.

Zwar haben wir heute eine Bundeskanzlerin, aber tatsächlich sind in unserer Gesellschaft die meisten mächtigen und einflussreichen Menschen Männer. Nur erschließt sich daraus noch nicht was am Patriarchat schlecht sein soll; immerhin wird der Begriff von Feministen fast immer in einer sehr abwertenden Weise gebraucht. Was dabei immer mitschwingt ist die Idee, dass Herrschaft und Dominanz der Männer Unterdrückung der Frauen bedeutet, also dass Männer ihre Macht zum Nutzen von Männern und auf Kosten von Frauen benutzen. Was außerdem mitschwingt ist, dass Frauen von der Macht ausgeschlossen werden.

Zunächst zu letzterem Vorwurf. Hierfür gibt es keinerlei Belege. Ganz im Gegenteil gibt es von staatlicher Seite zahlreiche Initiativen und Programme die dazu führen sollen, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. In einigen Fällen gibt es sogar explizite Quotenregeln die einen Mindestanteil von Frauen vorschreiben. Einfach auf die Frauenanteile zu zeigen und das als Beweis für Diskriminierung zu werten ist nicht zulässig, denn es gibt zahlreiche Unterschiede zwischen Frauen und Männern, so dass man ohne Diskriminierung keine paritätische Verteilung aller Spitzenposten erwarten sollte. Wenn es also offensichtliche Fälle von Frauenbevorzugung und keine soliden Hinweise von Männerbevorzugung gibt, ist es abstrus zu behaupten, Frauen (qua Frauen) würden von der Macht ausgeschlossen.

Nun zur Behauptung, Männer würden ihre Macht und ihren Einfluss benutzen, um Männern auf Kosten von Frauen zu helfen. Hier fehlt wiederum jeglicher Beleg. Es gibt a priori keinen guten Grund dafür anzunehmen, dass Männer andere Männer bevorzugt behandeln. Immerhin sind viele Männer mit Frauen verheiratet, haben Mütter, Schwestern, Töchter, Cousinen, Tanten und Nichten. Etwas anderes wäre es, wenn zum Beispiel eine bestimmte ethnische oder religiöse Gruppe eine dominante Rolle einnimmt. Da in der Regel die meisten Verwandten und Freunde der gleichen Religion oder Ethnie angehören werden, gibt es hier berechtigten Grund, sich über Bevorzugung von Mitgliedern der dominanten Gruppe Sorge zu machen.

Es gibt also a priori keinen guten Grund, von einer Benachteiligung von Frauen auszugehen. Wenn wir uns aber nun die Gesetze anschauen, sehen wir sogar das Gegenteil. In einigen Punkten sind Frauen bessergestellt. Mir ist kein einziges Gesetz in Deutschland bekannt, das Frauen gegenüber Männern benachteiligt. Auch in der Rechtsprechung und in der Umsetzung des Rechts sind mir keine Praktiken bekannt, die Frauen benachteiligen. Wohl aber welche die das Gegenteil tun. So gab zum Beispiel der deutsche Richter Ulrich Vultejus unumwunden öffentlich zu, er gestatte angeklagten Frauen in Strafverfahren einen „Frauenrabatt“ und seine Kollegen würden das auch ähnlich handhaben. Breite öffentliche Empörung? Fehlanzeige.

Um dann doch irgendwelche Benachteiligungen aufzuzeigen, werden immer abstrusere Argumente aufgefahren. Es werden statistische Unterschiede aufgezeigt bei denen Frauen schlechter abschneiden, beispielsweise die „Lohnschere.“ Warum das kein gutes Argument für Diskriminierung ist, wurde oben schon gezeigt. Man kann aber auch ohne Probleme Bereiche finden, in denen die Statistiken schlechter aussehen für Männer, beispielsweise die viel höhere Selbstmordrate von Männern oder die niedrigere Lebenserwartung. (Auch diese sind für sich genommen natürlich noch kein Beleg für Diskriminierung gegen Männer.)

In letzter Zeit auch sehr beliebt ist der Verweis auf unsere angeblich patriarchalische Sprache. Nun wird im Deutschen freilich häufig das generische Maskulinum benutzt. Das aber nun als Benachteiligung von Frauen aufzufassen ist schon ziemlich weit hergeholt. Wer sich über derartige „Probleme“ echauffiert, dem sind wahrscheinlich längst die wirklichen Argumente ausgegangen. Auch ist es meines Erachtens noch keinem Feministen gelungen, einen adäquaten Ersatz für das generische Maskulinum zu finden. Doppelnennungen („Bürgerinnen und Bürger“) sind langatmig und umständlich, das Binnen-I („BürgerInnen“) ist unästhetisch, widerspricht den traditionellen Regeln der Rechtschreibung und ist schwer aussprechbar. Von besonders absurden Kreationen wie „Bürgxs“ will ich lieber gar nicht erst sprechen. Es hat auch keine dieser Sprachkreationen einen besonders großen Rückhalt im Volk. Ob sie sich durchsetzen werden ist fraglich.

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Aber schauen wir uns doch einmal das Problem von der umgekehrten Seite an. Nehmen wir an, es gäbe ein Patriarchat welches, wie der Feminismus befürchtet, sicherstellt dass die Macht in Männerhand bleibt und dass Männer auf Kosten von Frauen profitieren. Was würde ein solches Patriarchat tun?

Zunächst mal würde es gelten, Frauen von der politischen Macht auszuschließen, also aktives und passives Wahlrecht nur für Männer. Damals bei der Einführung des Frauenwahlrechts muss der Patriarchat wohl gerade nicht aufgepasst haben. Vielleicht ist die ganze Sache einfach untergegangen in dem ganzen Aufruhr den es damals gab wegen all den Patriarchen die im Ersten Weltkrieg gestorben waren. Wie man schon sieht, sind Männer offenbar ziemlich unfähig als Unterdrücker. Der unterdrückten Klasse freiwillig das Wahlrecht zu geben ist so ziemlich das dümmste was eine Unterdrückerklasse tun kann.

Es ist schon ziemlich erstaunlich, dass die Gruppe von Menschen die verantwortlich für die überwiegende Mehrheit aller wissenschaftlichen, technischen, künstlerischen und kulturellen Errungenschaften ist, nicht einmal die einfachsten Prinzipien der Unterdrückung zu verstehen scheint. Ein Dreijähriger könnte einen besseren Plan zu Unterdrückung der Frauen ausarbeiten.

Viel plausibler ist es, dass es kein Patriarchat in diesem Sinne gibt, und auch nie gegeben hat. Das Verhältnis der Geschlechter zueinander war schon immer komplex und kann nicht durch eine einfache Theorie der einseitigen Unterdrückung und Ausbeutung erklärt werden.

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