Schnuffi und Purzli im Knutschbohnenwald

Welch bescheuerter Titel – würde ich denken und ja, es ist legitim. Aber keine Angst, ich erzähle kein Märchen von rosa Hasen und lila glitzerfurzenden Einhörnern.
Es geht um mich und eine Bekannte. Als ich sie das erste Mal sah, war mein Urteil gefallen. Bildhübsches Gesicht, wunderschöner Modellathletinnenkörper auf hohen Hacken und um das Bild komplett zu machen, fehlte nur noch ein Hund in der Tasche. Ihr erster Satz zu einer Freundin war: „Hey Schnecki, na alles gut. Mensch, ist das Top süß.“ In meinem Kopf liefen die Schicksen-Klischees Amok. Ich war eine Mischung aus verstört und ziemlich heftig verwirrt. Was wollte meine coole Freundin in diesem Schnecki-Hasi-Kosmos – zumal sie eine der coolsten Frauen ist, die ich kenne. Stark, besonnen, intelligent und mit einem grandiosen Humor ausgestattet.
Einige Tage später kam Schnecki wieder mit – diesmal in die Mensa zum Essen. Ich machte mich schon auf Handtaschen-Kosmetik-Trallala-Smalltalk gefasst. Da ich wegen einer Lebensmittelunverträglichkeit auf einiges bei uns im Futtertempel verzichten muss, aß ich Salat und ein belegtes Brötchen. Der erste Satz von Schnecki war: „Oh, willst Du was abhaben. Ich pack die frittierten Hähnchenschenkel eh nicht.“ Daraufhin erklärte ich ihr, dass ich nicht wisse, was drin sei. Sie flitzte los und fragte… mit dem Ende vom Lied, dass sie mir die Hälfte gab. In den folgenden Vorlesungen merkte ich, dass sie wirklich so ist. Super bemüht, dass es einem gut geht und ganz und gar nicht so, wie sie auf mich wirkte.
Als ich irgendwann mit meinem Freund darüber sprach, meinte er, dass ich recht vorurteilsbeladen ihr gegenüber gewesen sei. Ich schluckte und ich hasste das Gefühl, dass er Recht hatte. Irgendwie hatte sie mich an die süßlichen Tussicliquen aus meiner Abizeit erinnert, bei denen man derartig aufpassen musste, dass sie einem nicht lächelnd das Messer in den Rücken rammten.
Irgendein schlauer Mensch sagte einmal, Frauen wären nur so lange Freundinnen, wie sie einen gemeinsamen Feind hätten. Das passte so auf diese Mädels aus der Abizeit – und auch auf meine Mädels und mich, denn diese Damen waren unsere Feinde. Dass wir uns heute wahrscheinlich verstünden, hätte ich anno 2006 nie gedacht. Oberflächlich, arrogant und ungebildet empfand ich sie – und sie mich als rückständig, klugscheißerisch und pickelig. Treffe ich einige von ihnen heute, ist es ein normaler Umgang, trotzdem habe ich noch immer dieses dumme Gefühl. Gerade bei diesen Mädels. Der Mensch ist doch ein zu tiefst grüblerisches Wesen – was zumindest mich betrifft, stimmt das. Doch diese Vorsichtsstrategien beschützen einen einerseits, andererseits lässt man sich doch vieles durch die Lappen gehen.
Im Nachhinein betrachtet wäre mir eine loyale und liebenswürdige Person durch die Lappen gegangen, hätte ich mich nicht auf sie eingelassen und sie sich nicht auf mich. Wir sind zwar nicht aus dem gleichen Universum, aber doch irgendwo vom selben Stern. Und auch, wenn Sie mich mit: „Hey Süße, oooh, Deine Jacke ist so toll, das steht Dir so mit Deinem Pony – Du bist so goldig“ begrüßt, dann weiß ich, dass sie das ehrlich meint, auch wenn mein sechzehnjähriges Ich seine Augen verdreht und den Kopf schüttelt.
Ich dachte immer, Frauen wären so besonders heikel mit ihren Vorurteilen, doch meine Jungs sind kein Haar besser. Wie oft lästern und schimpfen sie über Mitmänner… Und wieder merkt man spätestens dann, dass Menschen einen tiefen Drang dazu haben, sich über andere zu setzen und sich gegen sie abzugrenzen. Warum? Erhoffte Achtung? Angst davor ignoriert zu werden? Panik vor dem Verlust der eigenen Wertebasis? Man weiß es nicht. Nur sollte man sich im Klaren sein, dass es selbst schlechte Erfahrungen gibt, die man trotz oder gerade wegen dieser Erfahrungen macht. Man braucht aber diese Erfahrungen auch, um daraus lernen zu können.
Gerade bekomme ich eine Whats-App Nachricht von meiner Bekannten: „Hey Süße, wünsch Dir nen tollen Abend, hab an Dich gedacht und Schatzi und ich schauen das Spiel an. Wenn Du und Kerl wollt, kommt doch. Knutschi“. Und egal, wie nachher Brasilien gegen Deutschland spielt… ich weiß, dass sie sich wirklich auf mich gefreut hat.

… Ich weiß, Deutschland steht im Finale. Wenn ihr den Artikel lest, sind wir entweder Zweiter oder Weltmeister… 😉

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Autor: malniski

Mein Name ist Malina. Ich habe Lehramt studiert und befinde mich nun im Dschungel des Vorbereitungsdienstes. Neben diesem, der monströs viel meines Lebens in Anspruch nimmt, blogge ich über mein Leben und alles, was sich darin so breit macht. Vor allem meine Freunde, aber auch Politik, Philosophie und Mädchengedönz haben ihren Platz. Da das Mädelsgedönz viel viel viel Platz braucht, blogge ich als Gastbloggerin bei der lieben Kati mit :) Was gibt es sonst über mich zu sagen: Lasst Euch überraschen ;)

2 Kommentare zu „Schnuffi und Purzli im Knutschbohnenwald“

  1. Mich würde interessieren, wie du zu diesen Hyppthesen und die dazugezählten Erfahrungen kommst:

    „Wie oft lästern und schimpfen sie über Mitmänner… Und wieder merkt man spätestens dann, dass Menschen einen tiefen Drang dazu haben, sich über andere zu setzen und sich gegen sie abzugrenzen. Warum? Erhoffte Achtung? Angst davor ignoriert zu werden? Panik vor dem Verlust der eigenen Wertebasis?“

    Das Motiv meiner Frage ist, daß ich schon länger den Verdacht hege, daß Frauen eine Art normativen Standpunkt beim sammeln von Erfahrungen einnehmen – wie soll ich sagen – normative Deutungsmuster praktizieren, die bei Männern einfach nicht vorkommen. Hätte ich Recht, dann würde deine Antwort etwas zu dem Thema beitragen, inwiefern Männer und Frauene dazu tendieren, einander mißzuverstehen.

    Ich bin nicht sicher, ob ich meinen Punkt klar machen konnte. Ich hoffe, du kannst damit etwas anfangen.

  2. Ich glaube du machst dir hier unnötig selber Vorwürfe. Menschen nach dem Aussehen zu beurteilen ist durchaus sinnvoll, denn es ist ein sehr schneller und einfacher Test, der trotzdem meistens recht gute Ergebnisse liefert. Vorurteile sind nicht unbedingt schlecht, denn meistens wird etwas nur dann zum Vorurteil wenn es üblicherweise stimmt. Man muss nur daran denken, dass ein Vorurteil kein abschließendes Urteil sein darf, sondern nur ein vorläufiges. Wenn man neue Informationen bekommt, muss man entsprechend sein Urteil anpassen.

    Das hast du in diesem Fall aber auch gemacht, insofern sehe ich keinen Grund, dich schuldig zu fühlen. Du hast deine Bekannte ursprünglich als „Schickse“ eingeschätzt weil die zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Informationen darauf hindeuteten. Sobald du dann entgegensätzliche Informationen bekommen hast, hast du deine Meinung revidiert. Du scheinst also alles richtig gemacht zu haben.

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