Gesichter des Feminismus: Der Alice Schwarzer Feminismus

Wie wir gelernt haben, gibt es DEN Feminismus ja nicht. Es lohnt sich daher, die einzelnen Richtungen mal genauer zu betrachten:

Zum Feminismus der Alice Schwarzer habe ich ein geteiltes Verhältnis. Einerseits ist diese feministische Richtung medial sehr mächtig. Ein Großteil der Menschen, die sich nicht aktiv mit Geschlechterthemen befassen, setzen Alice Schwarzer schlichtweg mit DEM (deutschen) Feminismus gleich. Alice Schwarzer hat eine große Medienpräsenz und verfügt mit der Zeitschrift EMMA über ein eigenes Pressesprachrohr und schafft es auch darüber immer wieder sehr medienwirksame Kampagnen zu platzieren. Die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder musste im letzten Jahr am eigenen Leib erfahren, dass es schnell unangenehm wird, sich mit Alice Schwarzer anzulegen.

Inhaltlich ist der Feminismus nach Alice Schwarzer sehr konservativ. Er wendet sich z.B. gegen Pornographie, den Islam (und hier insbesondere verschleierte Frauen) und trommelt aktuell sehr lautstark für ein Verbot von Prostitution. Das sind Positionen, die politisch sehr gut mit Positionen der CDU/CSU zusammengehen, die ja ansonsten nicht im Verdacht stehen, besonders feministisch zu sein.

Innerhalb der jungen nachrückenden Szene radikaler Feministinnen ist Alice Schwarzer und EMMA auch – inklusive der dort vertretenen Ansichten – nicht mehr so gefragt.

„Über die Relevanz von Schwarzer und EMMA“
„Nachtrag zu Schwarzer und EMMA“
„Die EMMA und die ideale Leserin“

Alice Schwarzer müht sich hier zwar um eine gewisse Verschwesterung mit dem jungen Feminismus, konnte aber auch hier ihren Drang zur Dominanz nicht wirklich ablegen. Mit der Mädchenmannschaft kam es im letzten Jahr sogar zum offenen Schlagabtausch. Lediglich mit der radikalfeministischen Gruppe Femen kann Alice Schwarzer sich scheinbar gut anfreunden.

Jenseits der glänzenden Fassade halte ich den Schwarzer-Feminismus für schwach. Alles ist auf die Person von Alice Schwarzer zugeschnitten. Sie dominiert dort absolut, konnte sich noch nicht einmal durchringen, die Leitung der EMMA an eine jüngere Nachfolgerin zu übergeben. Alice Schwarzer ist aber nicht mehr die Jüngste. Sollte sie sterben, gibt es keine geeignete Nachfolgerin, die ihren Platz einnehmen könnte. Auch der Zeitschrift EMMA geht es finanziell nicht wirklich gut und in letzter Zeit zeigt sich, dass das Finanzsystem von Alice Schwarzer mindestens fragwürdig ist.

„Fest steht aber, dass sich immer weniger Käuferinnen finden, die nicht nur ihr Herz (so der aktuelle Titel – UT „Ist Mitgefühl erlernbar?“), sondern auch die Geldbörse bzw. das Girokonto öffnen (wollen), dass der Verkaufsumsatz der EMMA – sehr, sehr grob und sehr, sehr großzügig mit 7,50 EUR/Heft gerechnet und bei inzwischen wieder zweimonatlicher Erscheinungsweise – im Jahre 2013 allenfalls nur noch bei 1.800.990 EUR (bzw. plus 1 Ex. ;-): 1.800.997,50 EUR) gelegen haben kann. Der Rückgang der Passiven Rechnungsabgrenzungsposten – Es dürfte sich dabei im Wesentlichen um ins jeweils Folgejahr hineinreichende Abo-Vorauszahlungen handeln – spricht eine ebenfalls deutliche Sprache“

http://rechtsanwaeldin.blogspot.de/p/blog-page_23.html

Durch die Steueraffäre ist Alice Schwarzer auch persönlich angeschlagen.

Auch halten sich die tatsächlichen Erfolge des Schwarzer Feminismus in Grenzen. Weder das seinerzeit geforderte Verbot von Pornographie (PorNO-Kampagne), noch das aktuell geforderte Prostitutionsverbot konnten trotz viel Tamtam politisch durchgesetzt werden.

Eine Besonderheit der Argumentationsweise von Schwarzer und EMMA besteht darin, mit markigen Zahlen um sich zu werfen („jede X. Prostituierte wurde selbst missbraucht“, „jede X. Frau hat bereits sexuelle Gewalt erlebt“, „X Prozent aller Prostituierten sind Zwangsprostituierte“ etc.), dafür aber keine Quellengrundlage zu nennen.

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1 Kommentar zu „Gesichter des Feminismus: Der Alice Schwarzer Feminismus“

  1. Der EMMA Feminismus ist die „linke“ Säule eines staats- und gesellschaftstragenden scheinideologischen Konstruktes mit dem klaren Ziel systemstabilisierend zu wirken. (Die „rechte Säule“ ist der „Wellnessfeminismus“, der eher pseudoindividualistisch konsumorientiert ist – auch eine sehr wichtige Systemstütze)

    Und diesen Job machen die Akteure richtig gut. Bundesverdienstkreuze gibts ja nicht für nichts.

    Was allerdings wirklich fehlt, ist eine Nachfolgerin für AS. Wobei sich ja die angesprochene Klientel in derselben Alterskohorte wie AS bewegt. Von unten kommt da ja nicht viel nach. Braucht es denn da überhaupt eine Nachfolge oder reicht es nicht, der AS ein langes und medienschaffendes Leben zu wünschen?

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