Emma von Biologistinnen unterwandert?

Arne hat eben auf diesen Artikel in der Emma hingewiesen, in dem sich die Redaktion darüber lustig macht, dass nach einer Studie des Max-Plank-Institutes Pornokonsumenten kleinere Gehirne hätten. Die Studie möchte ich doch gerne mal sehen. Wie haben die das heraus gefunden? Schließlich geht das mit der Größenvermessung eines Gehirns wohl kaum anonym. Demzufolge dürften die Identitäten der vermessenen Personen (in dem Artikel steht jedenfalls nicht, dass nur Männer untersucht wurden) bekannt sein. Also gibt es eine ziemliche Hemmschwelle, Pornokonsum in derselben Studie zuzugeben. Vielleicht haben ja nur die, die zugeben, Pornos zu schauen, kleinere Gehirne?

Aber vor allem, wie auch Arne korrekt kommentiert, ist das ein phänomenales Eigentor. Wie man weiß, haben Frauen im Schnitt kleinere Gehirne als Männer. Seit Jahrzehnten wird es berechtigterweise, gerade vom Feminismus, zurückgewiesen, von der Größe des Gehirns auf die Intelligenz zu schließen. Schon wenn Männer nur auf die Tatsache hinweisen ohne auch nur zu behaupten, das habe einen Einfluss, wird das als übelster Sexismus gebrandmarkt. Und jetzt wischt die Emma das eben mal vom Tisch, für einen billigen Schenkelklopfer? Das Niveau von Emma ist schon tief gesunken.

Jetzt betreiben sie also plattesten Biologismus. Die Biologie hat Einfluss aufs Verhalten? Tatsächlich? Lasst das mal nicht Eure Freundinnen von der Gender-Fraktion hören!

Wie wärs denn zum Ausgleich mal mit einer Studie über die Korrelation von Hirngröße und Konsum von Liebesschnulzen oder Modezeitschriften? Ich wär gespannt, was dabei raus kommt. SCNR

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17 Kommentare zu „Emma von Biologistinnen unterwandert?“

  1. Hier das Original vom MPI:

    https://www.mpib-berlin.mpg.de/de/presse/2014/06/wer-viele-pornos-schaut-hat-ein-kleineres-belohnungssystem

    Ein ganz ordinärer Gewöhnungseffekt. Vermutlich dazu auch noch reversibel.

    Aber tatsächlich ganz witzig:

    http://books.google.de/books?id=F0Xgoh5jxJkC&pg=SA8-PA64&lpg=SA8-PA64&dq=Volumen+Striatums+Mann+Frau&source=bl&ots=nOC2mt35iG&sig=51pIyAdrPfBOZ5S5xpVfd1oU9no&hl=de&sa=X&ei=ycypU6PwJ4WBywOZ64HwBw&ved=0CDUQ6AEwAw#v=onepage&q=Volumen%20Striatums%20Mann%20Frau&f=false

    Die durchschnittliche Fläche des Striatiums beim Mann: ~2008 qmm und bei der Frau ~1626 qmm

    Die Schlagzeile hätte also lauten sollen: Zu häufiger Pornokonsum verweiblicht das männliche Gehirn. Am Ende sind Männer genauso frustriert wie jene verhärmten Zicken, die sich nicht mal mehr an einem Shoppingnachmittag mit einer männlichen Amexco Platincard aufgeilen können…

  2. „Jetzt betreiben sie also plattesten Biologismus. Die Biologie hat Einfluss aufs Verhalten? Tatsächlich? Lasst das mal nicht Eure Freundinnen von der Gender-Fraktion hören!“

    Wie kommst du drauf, dass Genderfeministinnen und Schwarzerfeministinnen Freundinnen sind?

      1. Streng genommen wäre Gleichheitsfeminismus hier der Überbegriff für beides und Gender-Feminismus der Begriff für die einflussreichste poststrukturalistische Variante des Gleichheitsfeminismus (daneben gibt es ja auch noch den poststrukturalistischen Queer-Feminismus).
        Schwarzer vertritt also einen Gleichheitsfeminismus nach Beauvoir, Gender-Feministinnen vertreten einen Gleichheitsfeminismus gemäß poststrukturalistischer Gender-Theorien.

      2. Ich denke, es ist ein Irrtum, dass Schwarzer irgendein theoretisches Konzept hat. Sie ist irgendwie Feministin, das aber nicht in einem intellektuellen Sinne auf Basis einer echten Theorie. Sie ist vor allem Publizistin und damit eine Person, die Aufmerksamkeit erzeugt, um ihre Publikationen zu verkaufen. Sie folgt damit dann doch eher gewissen Aufmerksamkeitsmärkten und weniger einer intellektuellen Programmatik. Insofern vermute ich, dass sie eben immer das vertritt, was Schlagzeilen macht. Konsistenz darf man da also nicht erwarten.

      3. @ Lomi

        „Ich denke, es ist ein Irrtum, dass Schwarzer irgendein theoretisches Konzept hat.“

        Ich denke, da muss man unterscheiden. Schwarzer ist natürlich keine große feministische Theoretikerin, die Emma keine Theoriezeitung.
        Aber sie hat bestimmte feministische Vorstellungen, die ideengeschichtlich wiederum auf bestimmte feministische Theorien und Debatten zurückgehen.
        Diese ideengeschichtlichen Einflüsse ihres Feminismus sind identifizierbar und von anderen abgenzbar
        Man muss ja selbst kein großer Theorie-Fan oder großer Theoretiker sein um trotzdem an bestimmte theoretische und ideengeschichtliche Linien anzuknüpfen.

        „Sie folgt damit dann doch eher gewissen Aufmerksamkeitsmärkten und weniger einer intellektuellen Programmatik. Insofern vermute ich, dass sie eben immer das vertritt, was Schlagzeilen macht. Konsistenz darf man da also nicht erwarten.“

        Das halte ich so für nicht zutreffend. Schwarzer ist dogmatisch und autoritär, fährt dabei aber durchaus in vielerlei Hinsicht eine bestimmte Linie, die ihren Feminismus von anderen Feminismen unterscheidbar macht. Sie lehnt z.B. Pornographie und Prostitution völlig ab, was z.B. beim postmodernen Gender-Feminismus nicht der Fall ist. Sie steht dem kulturrelativistischen Multikulturalismus kritisch gegenüber, während der postmoderne Gender-Feminismus mit dem Multikulturalismus verbandelt ist. Sie vertritt einen von Beauvoir inspirierten Gleichheitsfeminismus, keinen poststrukturalistisch inspirierten Gleichheitsfeminismus und auch keinen Differenzfeminismus (wobei m.E. auch radikale Formen des Gleichheitsfeminismus einen uneingestandenen Essentialismus und Biologismus in ihrer Tiefenstruktur beinhalten, aber das ist ein anderes Thema).
        Sie vertritt leider ein einseitiges „Mann-Täter-Frau-Opfer“-Schema in der Tradition des klassischen Radikalfeminismus, während die von mir geschätzte französische liberale Feministin Elisabeth Badinter genau dies ablehnt.
        Usw.

        Der Emma-Feminismus folgt also m.E. durchaus einer gewissen Programmatik, deren einzelne Bestandteile wiederum auf bestimmte feministische Theorien und Debatten zurückgehen und ist von den feministischen Traditionen des Gleichheitsfeminismus (nach Beauvoir) sowie des Radikalfeminismus und damit auch des sex-negativen Feminismus inspiriert.

  3. Die Omma schreibt:
    „Porno-Gucker haben laut Max-Planck-Institut kleinere Gehirne! Je mehr Pornos du guckst, desto kleiner sind Teile deines Großhirns, genauer: deines Belohnungssystems. Die Wissenschaftler wissen allerdings noch nicht, wie rum die Sache läuft. Ob du Pornos guckst, weil du blöd bist – oder ob du blöd ­geworden bist, weil du Pornos guckst.“

    Also das Belohnungssystem ist kleiner und deshalb ist man blöd geworden… Omma und Logik…

    Ich denke das Max Plank Institit hat rausgefunden das das Belohnungssystem, und ich glaube, weil ich die Studie nicht kenne, nur bezogen auf sexuelle Reize, sich zurückbildet… Deshalb ist man nicht blöd, sondern sicherlich im Durchschnitt alle mal intelligenter wie 99/100 Ommaleserinnen.

  4. Alice Schwarzer verfolgt keine wirklich in sich schlüssige Agenda. Sie hat sich überwiegend auf die Bekämpfung bestimmter Randaspekte der menschlichen Sexualität festgelegt: Pornographie und Prostitution. An beidem sind nach Ihrer Ansicht fast ausschließlich Männer schuld. Dafür ist ihr letztendlich auch jedes Mittel recht.

    1. „Alice Schwarzer verfolgt keine wirklich in sich schlüssige Agenda. Sie hat sich überwiegend auf die Bekämpfung bestimmter Randaspekte der menschlichen Sexualität festgelegt: Pornographie und Prostitution. “

      Das sind ja auch klassische Themen des sexnegativen Feminismus gerade nach Dworkin. Sie verfolgt insofern einen Ansatz nach Beauvoir, nachdem Männer und Frauen sich in einem direkten Kampf um die Macht befinden, der über Rollen und Machtverhältnisse ausgetragen wird. Pornographie und Prostituition sind dabei Mittel, die Frauen zu Objekten machen und eine Abwertung der Frau bewirken. Dadurch werden alle Frauen abgewertet, weil es zu einer gesellschaftlichen Einstellung führt, dass man Frauen kaufen, schlagen, besitzen darf und sie für die Lust des Mannes da sind.

      Aus dieser Theorie heraus ist der Kampf gegen Prostitution und andere Formen der Sexualität konsequent.

      Ich hatte auch gerade einen Artikel dazu:

      http://allesevolution.wordpress.com/2014/06/12/der-feministische-krieg-um-den-richtigen-sex/

      Der radikale oder sexfeindliche Feminismus hat dann folgende Ansichten zur Sexualität:

      Heterosexual sexual relations generally are characterized by an ideology of sexual objectification (men as subjects/masters; women as objects/slaves) that supports male sexual violence against women.
      Feminists should repudiate any sexual practice that supports or “normalizes” male sexual violence.
      As feminists we should reclaim control over female sexuality by developing a concern with our own sexual priorities, which differ from men’s—that is, more concern with intimacy and less with performance.
      The ideal sexual relationship is between fully consenting, equal partners who are emotionally involved and do not participate in polarized roles.
      From these four aspects of the radical-feminist sexual ideology, one can abstract the following theoretical assumptions about sexuality, social power, and sexual freedom:

      Human sexuality is a form of expression between people that creates bonds and communicates emotion (the primacy of intimacy theory).
      Theory of Social Power: In patriarchal societies sexuality becomes a tool of male domination through sexual objectification. This is a social mechanism that operates through the institution of masculine and feminine roles in the patriarchal nuclear family. The attendant ideology of sexual objectification is sadomasochism, that is, masculinity as sadistic control over women and femininity as submission to the male will.
      Sexual freedom requires the sexual equality of partners and their equal respect for one another both as subject and as body. It also requires the elimination of all patriarchal institutions (e.g., the pornography industry, the patriarchal family, prostitution, and compulsory heterosexuality) and sexual practices (sadomasochism, cruising, and adult/child and butch/femme relationships) in which sexual objectification occurs.

  5. Ich sagte nicht, dass Alice Schwarzers Vorgehen sich nicht mit einer bestimmten feministischen Strömung begründen ließe, aber sie selbst scheint sich insbesondere auf Themen festzulegen, die mit – angeblich unterdrückerisch wirkender – männlicher Sexualität zu tun haben. In anderen Bereichen dagegen (Frauenquote, Gender Gap etc.) tritt sie kaum oder nur sehr halbherzig in Erscheinung.

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