Genderlehre vs. Biologie

Wenn ich den aktuell vorherrschenden Genderfeminismus richtig verstehe, dann sind wir nach der Geburt, unabhängig von unserem biologischen Geschlecht erst einmal ein weißes Blatt Papier. Alles was später an Geschlechterrollen und geschlechtsspezifischen Vorlieben zu Tage tritt ist angeblich erst gesellschaftlich anerzogen worden und nicht etwa angeboren.

Das ist für den Genderrfeminismus sehr wichtig, weil nur auf diese Weise spätere gesellschaftliche Beobachtungen, wie z.B. die stärkere Vertretung von Männern in Führungspositionen, das schlechtere Abschneiden von Frauen in vielen Naturwissenschaften, die Neigung von Frauen lieber schlechtbezahlten Berufe anzustreben, als Ergebnis von diskriminierenden Strukturen gewertet werden können.

Ab und zu wird zwar – eher als Feigenblatt – auch von feministischer Seite widerwillig eingeräumt, dass auch die Biologie „einen gewissen Einfluss“ haben könnte, im weiteren Aufbau des Theoriengebäudes findet das jedoch kaum Berücksichtigung. Wissenschaftliche Studien, die angeborene Geschlechterunterschiede feststellen, werden gerne mit der Begründung abgetan, die untersuchenden Wissenschaftler selbst, seien nicht frei vom schier übermächtigen Einfluss der gesellschaftlichen Geschlechterkonstrukte – und außerdem verdächtig oft weiße Männer.

Wenn man bedenkt, dass es für den Genderfeminismus eine existentielle Katastrophe darstellen würde, wenn biologisch zweifelsfrei angeborene Geschlechterunterschiede bewiesen werden könnten, mit denen zum Beispiel auch Folgeeffekte, wie unterschiedliche Schwerpunkte bei der Studien- und Berufswahl begründet werden könnten, kann man verstehen, warum von dieser Seite so gegen die etablierte Wissenschaft gewütet wird.

Die gesamte Gendertheorie ist bisher – anders als die Biologie – eben nur ein gedankliches Konstrukt. In sich stimmig, aber dem wissenschaftlichen Beweis (bisher) nicht zugänglich.

Mich erinnert das ein wenig an die amerikanischen Kreationisten, die zwar wissenschaftlich hoffnungslos gegenüber der Evolutionstheorie an Boden verloren haben, gleichwohl darauf beharren die Schöpfungslehre als „alternative Theorie“ anzuerkennen und sogar an Schulen zu lehren. Der Unterschied zu den Kreaotionisten besteht leider nur darin, dass die Genderlehre zunehmend an Einfluss gewinnt.

Wenn man die Theorie der anerzogenen Geschlechterunterschiede wissenschaftlich beweisen wollte, müsste man Jungen versuchsweise in der Mädchenrolle aufziehen und umgekehrt. Derartige Menschenversuche verbieten sich schon aus ethischen Gründen. Entsprechende Versuche in der Vergangenheit sind allerdings spektakulär schief gegangen, mit schlimmen Folgen für alle Beteiligten. Umgekehrte versuche transsexuelle Kinder in der Rolle ihres biologischen Geschlechts zu erziehen verlaufen im Regelfall auch nicht sonderlich erfolgreich.

Ein wirkliches Problem bekommt die Genderlehre ohnehin beim Thema Transsexualität. Ein heterosexueller-cis Mann wird vom Genderfeminismus nur als Ergebnis einer gesellschaftlichen Prägung angesehen. Die Behauptung einer Transfrau „schon immer“ eine Frau gewesen zu sein (leider im falschen biologischen Körper) wird dagegen bereitwillig angenommen. Wenn aber Geschlechterrollen und Gefühle der „richtigen“ Geschlechtszugehörigkeit lediglich anerzogen und nicht etwa bereits biologisch determiniert sind, wäre transsexuellen Menschen ihre Transidentität erst nach der Geburt anerzogen worden. Das würde dann aber leider die Konservativen stärken, die z.B. befürchten, dass Jungen durch falsche Erziehung transsexuell werden könnten. Das würde auch bedeuten, dass man Transsexualität bei Kindern durch „Umerziehung“ wieder therapieren kann. Ich glaube nicht, dass der Genderfeminismus diese Schlussfolgerungen wirklich mal zu Ende gedacht hat.

 

 

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33 Kommentare zu „Genderlehre vs. Biologie“

  1. Ja, da tun sich sehr schnell riesige Löcher auf. Nach Vorstellung einiger Feministen kann es so etwas wie Transsexualität nur im Patriarchat mit seinen festen rollen geben. Nach der Revolution gibt es ja keine Rollen mehr und damit man eh jeder alles sein, für einen Wechsel gibt es keinen Grund mehr.

    1. Langsam habe ich das Gefühl, dass die beiden größten GEGENSÄTZLICHEN Richtungen des Feminismus, der Gleichheits- und der Differenzfeminismus entweder in maskulitischen Debatren nicht bekannt sind oder nicht wahrgenommen werden wollen, weil damit die Angriffsfläche geringer wird, da in zwei Teile zerlegt. Ein Zweifrontenkampf ist aber sehr schwer zu führen, also bleibt man bei der Ausage „der Feminismus“
      Der richtige Satz müsste lauten: „Nach Vorstellung einiger Gleichheits-Feministen kann es so etwas wie Transsexualität nur im Patriarchat mit seinen festen Rollen geben“, da Differenzfeministinnen Transsexualität ohne Probleme akzeptieren können, es sogar für sie ein Beweis für die grundsätzliche Wesensunterschiedlichkeit augrund Biologie ist.

      1. Der Anteil an differenzfeministen ist allerdings gering. Und dann wird auch da eher auf spirituelle Begründungen abgestellt. Auch da kann man durchaus Probleme mit Transsexualität haben (Verfälschung der weiblichen Energie oder was weiß ich)

      2. Gering? Wie kommst du den auf das? Überall trifftst du Vertreters beider Lager. Das macht ja genau die Wiedersprüchlichkeit aus. Sobald du auf einen solchen wie von dir benannten Wiederspruch triffst, ist mit >90% Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass hier Differenz- und Gleichheotsfeministe aufeinandergeprallt sind. Antje Schrupp ist ein klare Differenzlerin. Andrea Trumann eindeutig eine Equalistin. Die Wurzeln sind recht einfach zu fnden. Ist der Hintergrund eines Feministe die kommunistische Idee („Haupt- , Nebenwiedersprüche“) dann ist es Equivaliste, ist es der Glaube dass das Geschlecht („schwanger werden können“) zwangsläufig zu verschiedenen Wesensausbildungen führt, dann ist es ein Differenze. Die Anzahl ist ungefähr so verteilt wie linke und rechte Maskulisten.

      3. Schrupp ist Differenzfeministin, aber damit ja auf wie Flur recht einsam. Vorherrschend in den Unruhen blogs und auch der feministischen Literatur sind gleichheitsfeministische, poststrukturalistische, intersektionelle Theorien.

      4. Leider aber nicht bei Politikas, dort wird das differenzfeministische Modell bevorzugt. Siehst du am Gegenwind zu den Bestrebungen das Gleichheitsmodell in Schulen und Bildungseinrichtungen zu etablieren. So wie du finden viele das „die Evolution die Differenz begründet“, der sogenannte gesunde Hausverstand, der zeigt dass es „Männlein und Weiblein“ gibt. Das sind dann die Grundlagen mit denen die Jungendiskriminierung als reale Minderbegabung der Jungen deklariert, die Agression zu etwas männlich angeborenen macht, wodurch Gewaltschutzmaßnahmen nur gegenüber Frauen ihre Rechtfertigung erleben. Da diese Gesetze immer mehr werden, mag ich nicht zu erkennen, wo da „wenige“ Differenzlas sind. Im politisch aktiven, konservativen Bereich sind sie sogar haufenweise zu finden. Beide Richtungen haben ihre große Anhängerschaft. Nur wird bei Differenzlas Politik gemacht und bei Equalists meist nur theoretisiert, gebloggt und publiziert.

      5. @ zuerstmensch

        „Dann sind allerdings die Bestrebungen zum Schutz von Frauen vor der angeborenen Gewalt von Heteromännern, nur schwer erklärbar.“

        Die Konstruktion von Männern als Gewalttäter ist ein typisches Motiv des klassischen Radikalfeminismus, der im Wesentlichen ein Gleichheitsfeminismus ist. (Manchmal werden auch einzelne Differenzfeministinnen wie Mary Daly und Valerie Solanas dem klassischen Radikalfeminismus zugeordnet, aber das sind Ausnahmen von der gleichheitsfeministischen Regel in dieser feministischen Tradition).

        „Der Equal-Feminismus ist viel mehr sichtbarer, weil sowohl in Bildungseinrichtungen und Medien diese Anhängas viel stärker vertreten sind.“

        Und darum ist er auch politisch stärker vertreten. Denn die größere kulturelle Hegemonie geht auch mit größerem politischen Einfluss einher.

        „Nur dort wo es um reale Umsetzung um Gesetzesvorlagen und deren Umsetzung geht, dort sind die Diff-Femis an der Macht. Das Väter zu Zahlvätern und Mütter zu Sorgemüttern gestempelt werden, wäre aus Sicht des Equal-Feminismus kontraproduktiv.
        Deswegen ist in Ländern in denen der vorherrscht, wie z.B: in de Niederlanden oder Dänemark, diese Problematik auch weit nicht so ausgeprägt. Bei uns dagegen ist die diff-feminstische Meinung “Das Kind war im Bauch der Mutter und gehört damit ihr!” sehr ausgeprägt. Und das ist dann auch in den Urteilen wiederzufinden. Ähnliches im Strafrecht, bei Weggweisung, bei Stalking usw.
        Nichts davon trägt die Handschrift der Eqaul-Feminists, es ist eindeutig die der Diferenzlas und nicht zu selten ist die von MIsandrists bereits erkennbar.“

        Es handelt sich um ein interessantes Paradoxon des radikalen Gleichheitsfeminismus, dass einerseits jegliche biologisch disponierten durchschnittlichen psychologischen Unterschiede zwischen Frauen und Männern bestritten werden, andererseits ein rigoroses und einseitiges „Mann-Täter, Frau-Opfer“-Schema propagiert wird. Der Feminismuskritiker Gerhard Amendt sprach diesbezüglich einmal sinngemäß von einem „verdeckten Biologismus“. Dennoch sind diese Varianten des Feminismus von ihren eigenen theoretischen Grundlagen her gleichheitsfeministisch. Auch die Feminismuskritikerin Kerstin Steinbach hat dieses Paradoxon von theoretischer Gleichheit und praktizierter Ungleichheit kritisch analysiert.
        Dieses Paradoxon ist bei Feminismuskritikern also durchaus bekannt.

      6. Dieses Paradoxon ist nichts anderes als die Unterwanderung des wie du findest Mainstream-Eqaul-Feminismus mit Differenzfeminismus. Seit diese Spaltung im Feminismus stattfand gibt es den Kampf um die Hoheit. Dies praktizierte Ungleichheit kommt daher, dass jene die sich von einer biologistischen Sicht nicht lösen wollen, weil sie diese für natürlicher halten, deutlich die Mehrheit der sogenannten Alltagsfeminists sind. Also jene die nicht in Unis oder Medien theorethisieren, sondern in allen möglichen Berufen stehen. Z.B: in Jugendämtern, Schulen, Gerichten, Staatsanwaltschaften, Rechtsantwaltskanzleien, Lokalpolitikausschüssen usw.
        Diese schweigende Mehrheit der Alltagsfeminists machen die reale Umsetzung, egal was theoretisiert wird. Das „Patriarchat“ wird übernommen, das „Frau ist (weswegenauchimmer) begabter“ wird übernommen, das „wir sind alle Frauen, wir sind eins“ wird übernommen. Aber es wird auch die gängige Parole des Misandrismus übernommen „Mann ist Täter, Frau ist Opfer“ und auch „die Gewalt gegen Frauen und Kinder“ (obwohl 60% der Gewalt gegen Kinder von Frauen ausgeht) Aber das „Männer und Frauen sind nur gesellschaftliche Komstruktionen“ bleibt eine Meinung der Feminists im linken Spektrum. Und wie man sieht sind die nicht an der Regierung. Merkel, von der Leyen sind keine Feministinen? Das ist der große Irrtumm. Diff-Fems machen das nicht öffentlich, sie handeln nur entsprechend. Die Gesetzeslage die immer mehr zu ungusten von Männern abdriftet, wo nicht mal die Unschuldsvermutung bei Vergewaltigungsvorwurf gelten soll, spricht eine deutliche Sprache, welcher Richtung der große Teil einflussreicher Alltagsfeminists zuzuordnen ist. Weder Diffs, noch Equals. Es sind Misandrists.

    2. @ zuerstmensch

      „Leider aber nicht bei Politikas, dort wird das differenzfeministische Modell bevorzugt.“

      Das ist nicht zutreffend. Es sind die radikalen Formen des Gleichheitsfeminismus (klassischer Radikalfeminismus und vulgär-poststrukturalistischer Gender-Feminismus, die akademisch und politisch wirkmächtig geworden sind.

      „Siehst du am Gegenwind zu den Bestrebungen das Gleichheitsmodell in Schulen und Bildungseinrichtungen zu etablieren.“

      Es wurden doch schon verpflichtende Gender-Kurse in manchen Studiengängen eingeführt.

      „So wie du finden viele das “die Evolution die Differenz begründet”, der sogenannte gesunde Hausverstand, der zeigt dass es “Männlein und Weiblein” gibt. Das sind dann die Grundlagen mit denen die Jungendiskriminierung als reale Minderbegabung der Jungen deklariert,“

      Die Jungendiskriminierung beruht wesentlich auch darauf, dass die durchschnittlichen Eigenarten von Jungen unter dem Einfluss des radikalen Feminismus zu wenig Anerkennung und Berücksichtigung in pädagogischen Kontexten erfahren.

      „Beide Richtungen haben ihre große Anhängerschaft. Nur wird bei Differenzlas Politik gemacht und bei Equalisten meist nur theoretisiert, gebloggt und publiziert.“

      Genau umgekehrt. Der akademisch und politisch institutionalisierte Feminismus ist weit überwiegend ein Gleichheitsfeminismus.
      Differenzfeministinnen sind dagegen zur Zeit eher eine politisch und akademisch wenig einflussreiche Subkultur.

      1. Dann sind allerdings die Bestrebungen zum Schutz von Frauen vor der „angeborenen Gewaltbereitschaft“ von Heteromännern, nur schwer erklärbar. Der Equal-Feminismus ist viel mehr sichtbarer, weil sowohl in Bildungseinrichtungen und Medien diese Anhängas viel stärker vertreten sind. Nur dort wo es um reale Umsetzung um Gesetzesvorlagen und deren Umsetzung geht, dort sind die Diff-Femis an der Macht. Das Väter zu Zahlvätern und Mütter zu Sorgemüttern gestempelt werden, wäre aus Sicht des Equal-Feminismus kontraproduktiv. Deswegen ist in Ländern in denen der vorherrscht, wie z.B: in de Niederlanden oder Dänemark, diese Problematik auch weit nicht so ausgeprägt. Bei uns dagegen ist die diff-feminstische Meinung „Das Kind war im Bauch der Mutter und gehört damit ihr!“ sehr ausgeprägt. Und das ist dann auch in den Urteilen wiederzufinden. Ähnliches im Strafrecht, bei Weggweisung, bei Stalking usw.
        Nichts davon trägt die Handschrift der Equal-Feminists, es ist eindeutig die der Diferenzlas und nicht zu selten ist die von MIsandrists bereits erkennbar.
        Das die Diffs so gering erscheinen liegt einfach daran, dass niemand (noch) einfach raushängen lässt, dass man weisse Heteromänner (in weiterer Folge dann Heteromänner und am Schluss algemein Männer) als minderwertiger betrachtet. Da halten sich die meisten normalerweise bedeckt. Wo es aber ans Eingemachte geht, trägt dies dann die Handschrift des Misandrismus. Diff-Femis sind sehr oft Symbathisants des Misandrismus, da beides auf einer biologistischen Grundlage steht. Lediglich in der Sicht auf die Gleichwertigkeit von Menschen unterscheiden sie sich radikal voneinander.

      2. @ zuerstmensch

        Meine Antwort zu deinem letzten Kommentar ist leider weiter oben gelandet.

      3. @Leszek
        Mir kommt diese Diskussion so vor, als hätten wir ganz unterschiedliche Definitionen der Feminismen.

        Verstehe ich dich richtig,
        1. dass du bspw. Dworkin und MacKinnon zwar als Vertreterinnen des „radikalen Feminismus“ ansiehst, jedoch beide und den radikalen Feminismus selbst
        2. als „Gleichheitsfeminismus“ betrachtest?

        In diesem Fall würde ich nämlich *radikal* widersprechen.

        Gruß, crumar

      4. @ Crumar

        „Mir kommt diese Diskussion so vor, als hätten wir ganz unterschiedliche Definitionen der Feminismen.
        Verstehe ich dich richtig,
        1. dass du bspw. Dworkin und MacKinnon zwar als Vertreterinnen des “radikalen Feminismus” ansiehst, jedoch beide und den radikalen Feminismus selbst
        2. als “Gleichheitsfeminismus” betrachtest?“

        Ich betrachte sie als Vertreterinnen des klassischen Radikalfeminismus,

        http://en.wikipedia.org/wiki/Radical_feminism

        die m.W. meistens gleicheitsfeministisch orientiert sind.

        Von Andrea Dworkin gibt es einen Artikel, in der sie den radikalen Diferenzfeminismus kritisiert:

        Andrea Dworkin – Biological Superiority:The World’s Most Dangerous and Deadly Idea,
        1977

        Aus dem Vorwort:

        „One of the slurs constantly used against me by women writing in behalf of pornography under the flag of feminism in misogynist media is that I endorse a primitive biological determinism. Woman Hating (1974) clearly repudiates any biological determinism; so does Our Blood (1976), especially „The Root Cause.“ So does this piece, published twice, in 1978 in Heresies and in 1979 in Broadsheet.“

        http://www.nostatusquo.com/ACLU/dworkin/WarZoneChaptIIID.html

        Und Catherine MacKinnons Machthheorie scheint mir auch ziemlich gleichheitsfeministisch geprägt zu sein (Geschlechterdifferenz als Resultat von Machteffekten):

        „For example, in the work of legal theorist Catharine MacKinnon, domination is closely bound up with her understanding of gender difference. According to MacKinnon, gender difference is simply the reified effect of domination. As she puts it, “difference is the velvet glove on the iron fist of domination. The problem is not that differences are not valued; the problem is that they are defined by power” (MacKinnon 1989, 219). If gender difference is itself a function of domination, then the implication is that men are powerful and women are powerless by definition. As MacKinnon puts it, “women/men is a distinction not just of difference, but of power and powerlessness….Power/powerlessness is the sex difference” (MacKinnon 1987, 123). (In this passage, MacKinnon glosses over the distinction, articulated by many second-wave feminists, between sex — the biologically rooted traits that make one male or female, traits that are often presumed to be natural and immutable — and gender — the socially and culturally rooted, hence contingent and mutable, traits, characteristics, dispositions, and practices that make one a woman or a man. This passage suggests that MacKinnon, like Judith Butler (1990) and other critics of the sex/gender distinction, thinks that sex difference, no less than gender difference, is socially constructed and shaped by relations of power.)“

        http://plato.stanford.edu/archives/win2011/entries/feminist-power/#radi

        „In diesem Fall würde ich nämlich *radikal* widersprechen.“

        Tu das ruhig.

        Beste Grüße

      5. @Leszek
        Ich kenne den Artikel von Dworkin und man sollte ihn ruhig in Gänze lesen.
        Der m.E. entscheidende Punkt ist, sie ist vor den Konsequenzen der eigenen (!) Theorie – die andere Frauen für sich gezogen haben – zurückgeschreckt, weil sie JÜDIN war.
        Der ursprüngliche Artikel erschien 1977 – da war der Holocaust noch keine ferne Geschichte (ganz anders Hanna Rosin mit „End of Men“ 2012 – die Zeiten haben sich offensichtlich geändert).

        Und sie endet folgerichtig mit einer Anspielung auf diesen Genozid:
        „And it is dangerous–because genocide begins, however improbably, in the conviction that classes of biological distinction indisputably sanction social and political discrimination. We, who have been devastated by the concrete consequences of this idea, still want to put our faith in it. Nothing offers more proof–sad, irrefutable proof–that we are more like men than either they or we care to believe.“

        Abgesehen von der Kleinigkeit, dass die Biologie keine Klassen erschaffen kann, wäre ihrer Warnung prinzipiell zuzustimmen.
        Nur hat in der Folge seitens des radikalen Feminismus niemand mehr diese Warnung beherzigt. Die biologische Überlegenheit der Frau hat im Gegenteil den Sprung in den medialen Mainstream geschafft mit hunderten von Tätigkeiten, die „Frauen können es besser (als Männer)“.
        Zu einer saftigen ideologischen Herrschaftssicherung gehören immer a. Selbstübererhöhung und b. Erniedrigung des Anderen.
        Und es kann niemand behaupten, Dworkin hätte NICHT herzhaft zu b. beigetragen.

        Zur Begründung meines Widerspruchs:

        Der Ausgangspunkt des radikalen Feminismus ist m.E., das Marxsche Konzept der Klassen zu ersetzen durch das der Geschlechter (female=Proletariat, male=Bourgeoisie) UND das Konzept der Arbeit durch das der Sexualität.
        Sexualität demnach in dieser Theorie: Mann=male supremacy, Frau=female subordination.

        Die Männer als Herrscher nutzen Sexualität zur Aufrechterhaltung ihrer Herrschaft und erschaffen dadurch und damit die sexuell auszubeutende und ausbeutbare Frau.
        Um diese Herrschaft zu sichern nutzen die Männer *sexuelle Gewalt*.
        Und zugespitzt: male supremacy=male dominance/male sexuality=sexuelle Gewalt.
        Tautologie geschlossen.

        MacKinnon in eigenen Worten:

        „Male dominance is sexual. The male sexual role, this information and analysis taken together suggest, centers on aggressive intrusion on those with less power. Such acts of dominance are experienced as sexually arousing, as sex itself. They therefore are.“

        Sie „verwechselt“ aber nicht ohne Grund ein biologisches Merkmal mit einer Geschlechterrolle, sondern meine Rolle ALS Mann ist mir letztlich biologisch eingeschrieben – „intrusion“ beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr ist keine „male sexual role“, die zu verändern wäre.
        Mein Penis, mein Phallus gehört als Körperteil zu mir als Mann – nicht zu meiner „männlichen Rolle“.
        Das ist daher reinster BIOLOGISMUS – und aus diesem Grund kann m.E. von angestrebter „Geichheit“ (oder „Gleichheitsfeminismus“) gar keine Rede sein.

        Schönen Gruß, crumar

      6. @ Crumar

        Geht das, was du beschreibst nicht in die gleiche Richtung, wie das, was ich mit dem Begriff „verdeckter Biologismus“ in Anlehnung an Amendt zu erfassen versucht habe?

        Mir ging es hier primär um das Selbstverständnis der beiden. Und dieses scheint mir gleichheitsfeministisch zu sein.
        Die in ihren Theorien enthaltenen Widersprüche sind dabei natürlich eine andere Sache.

        Dworkin z.B. widerspricht ja ganz explizit der Behauptung, ihre Ansichten zur Geschlechterdifferenz seien stark biologisch geprägt und verweist auf mehrere ihrer Schriften als Belegquellen für ihre nicht-biologischen Auffassungen zum Thema Geschlecht.

        Und MacKinnon ging es der Interpretation ihrer Kritikerin Elisabeth Badinter zufolge um eine „Zähmung der männlichen Sexualität“. Eine solche „gezähmte männliche Sexualität“ wäre dann wiederum mit einem gleichheitsfeministischen Ansatz vereinbar.

        Die Auffassung von der Geschlechterdifferenz als durch durch Machteffekte produziert, wäre mit der Auffassung von der männlichen Sexualität als gegen Frauen gerichtete Dominanz eben dann theoretisch vereinbar, wenn die männliche Sexualität potentiell so gezähmt werden könnte, dass sie (in den Augen MacKinnons) ihre dominante Funktion verlöre. Diese Möglichkeit vorausgesetzt, wären ihre Theorien zur Dominanzfunktion männlicher Sexualität trotz aller Anflüge von scheinbar biologistischen Argumentationsweisen dann gleichheitsfeministisch interpretierbar.

        Badinter betonte, obwohl selbst eher einem (gemäßigten) Gleichheitsfeminismus nahestehend, dass solche Bestrebungen die männliche Sexualität „zu verweiblichen“ irrtümlich versuchten, genau dort eine Gleichheit der Geschlechter herzustellen, wo sie tatsächlich nicht möglich ist.

      7. @Leszek

        Jeez, hier geht es zu wie Kraut und Rüben!

        Noch einmal zur „Differenz“ des Differenzfeminismus, nachfolgend Luce Irigaray, vor allem vertreten von italienischen Philosophinnen der Gruppe DIOTIMA.
        So weit einverstanden?
        Perspektive der Geschlechterbeziehungen:

        „In der Beziehung zwischen den Geschlechtern gibt es historisch gesehen keine Symmetrie. Sie anzustreben ist unserer Meinung nach ein vergebliches Unterfangen: Die Beziehung zwischen den Geschlechtern wird immer asymmetrisch bleiben, das heißt es gibt keine Spiegelung (höchstens als Illusion) und keine Gegenseitigkeit (höchstens eine beschränkte).“

        Auch bei dieser Position sehe ich zu den genannten Vertreterinnen des radikalen Feminismus keine unüberbrückbaren Differenzen.
        Deren (diffems) weiblicher SEPARATISMUS ist letztendlich eine praktisch zu Ende gedachte Konsequenz der Theorie, die der radikale Feminismus nur scheut.

        Noch mal MacKinnon mit Hervorhebung von mir:
        „Sexuality, then, is a form of power. Gender as socially constructed, embodies (!!!) it, not the reverse. Women and men are divided by gender, made into (!!! nicht anders herum) the sexes as we know them, by the social requirements of its dominant form, heterosexuality, which institutionalizes (!!! nämlich die Heterosexualität) male sexual dominance and female submission. If this is true, sexuality is the linchpin of gender inequality.“

        Und all das hat sie VOR Butler formuliert, nota bene – die substantiell genau den gleichen Blödsinn erzählt, nur im poststrukturalistischen Jargon.
        Auch hier sehe ich NULL Ansätze zu einer Perspektive der Gleichheit der Geschlechter. Oder wie möchtest du in Zukunft mit einer, deiner heterosexuellen Sexualität umgehen, die der wichtigste Bestandteil und die Stütze von gender inequality ist?

        Noch einmal zu Dworkin, die immerhin geschlagene 10 Jahre NACH ihrer intelligenten Einsicht, die ich in meinem letzten Beitrag zitierte, folgendes von sich gab:

        „In other words, men possess women when men fuck women because both experience the man being male. This is the stunning logic of male supremacy. In this view (…) in which both the man and the woman experience maleness, essentially demands the disappearence of the woman as an individual; thus in being fucked, she is possessed: ceases to exist as a discrete individual: is taken over.“

        Heterosexueller Sex führt per se zur Auslöschung der Frau als Individuum, damit ein Mann sich als Mann in seiner männlichen Überlegenheit erleben kann.
        Beim heterosexuellen Sex, „fuck“, ist das jedoch ein biologisch zwangsläufiger Vorgang.
        Was also ist daran a. NICHT biologistisch und b. wo genau existiert in diesem Denkmodell auch nur annähernd eine Perspektive auf die Gleichheit der Geschlechter?

        Schönen Gruß, crumar

      8. @Leszek zweiter Teil

        Du schreibst: „Und MacKinnon ging es der Interpretation ihrer Kritikerin Elisabeth Badinter zufolge um eine “Zähmung der männlichen Sexualität”.“

        Himmel hilf, sind wir seit Kucklick nicht alle ein ganzes Stück schlauer?

        „Der Trieb war gefährlich, aber ohne ihn hätte der Mann seinen Solipsismus überhaupt nicht mehr sprengen können (Anm: gemeint ist die Selbstreferentialität des Mannes). So konstituierte sich eine ambivalente Doppelstruktur. Auf der einen Seite war der Trieb das zu Zähmende, zu Beherrschende. Andererseits galt er als jene Kraft, die den Mann aus seiner sinnlichen, egoistischen Selbstbezüglichkeit herausführen konnte. Streng genommen sollte nicht der Mann sich selbst beherrschen, sondern sich von der Liebe, der Ehe beherrschen lassen (!!!).“ Das unmoralische Geschlecht S. 128

        Das liest sich in Sachen „Herrschaftsverhältnissen“, basierend auf Sexualität doch ganz anders, nämlich weitaus wechselseitiger, als es uns in den radikal feministischen Standardtheorien vorgestellt wird.
        Wenn der Mann nach dieser Sicht der Frau bedürftig ist, um seinen (sexuellen) Trieb zu zähmen, der ihn zugleich zu ihr geführt hat, dann ist die weibliche Liebe und Sexualität ein gesellschaftlich KONSTRUIERT natürliches Bedürfnis des Mannes.
        Welches zu seiner Zähmung = Beherrschung (durch die Frau) dient; am liebsten in der „patriarchalen“ Form der Institution der Ehe.

        Erst die DÄMONISIERUNG der männlichen Sexualität und damit des Mannes macht dessen Zähmung durch die Frau und damit die Frau erforderlich, geradezu not-wendig.

        Und von hier ab geht es biologisch ganz steil zur „friedfertigen Frau“ plus Feminismus und der Machtfrage: „Frauen brauchen diese Macht, um die destruktiven Tendenzen der Männergesellschaft mildern und Verhältnisse ändern zu können, die zum Hass herausfordern müssen.“ Margarete Mitscherlich, 1987, Die friedfertige Frau, S. 118

        All you need is Frau!

        Kucklick breitet seine Thesen aus vor dem Hintergrund von Texten der Aufklärung – wir befinden uns hier gerade auf dem Stand der Debatte von 1800; genau an diesem Stand knüpfen dann MacKinnon und Badinter und Mitscherlich an.
        Ob sie es wissen und wissen wollen oder nicht.

        So, das war es für heute!
        Cu, crumar

  2. Der Vergleich mit den Kreationisten gefällt mir besonders. Ich bin nach wie vor der festen Überzeugung, dass es sehr wohl Unterschiede gibt zwischen Männlein und Weiblein, die über Geschlechtsorgane hinausgehen. Und dass ein Neugeborenes mitnichten ein unbeschriebenes Blatt ist.

    1. Wärst du Feministin, dann wüsste ich jetzt dass du dem Lager der Differenzfeministinnen zuzuordnen wärst. Ansonsten hättest du verteidigt, dass der Charakter vom Geschlechtsteil unabhängig ist. Dann wärst du Gleichheitsfeministin und deine weiteren Argumente müssten völlig anders bewertet werden.

  3. Ich denke, die Existenz von »angeborenen« Geschlechterunterschieden an sich ist mittlerweile hinreichend belegt. Da führt kein Weg mehr drum herum. Die spannende Frage liegt m. E. darin, wie sich das konkret auswirkt. Denn es wäre ebenso ein Fehlschluss, diese biologisch fixierten Unterschiede für deterministisch zu halten.

    Erstens enthält die Biologie der Geschlechter selbst eine bestimmte Variationsbreite, wie wir gerade an Transsexuellen und an homosexuellen Präferenzen sehen können. Geschlechts*rollen* sind oft gerade deshalb »konstruiert«, weil sie rigider sein wollen als die Biologie selbst. Es gilt also die Einsicht, dass ein statistisches Gesetz kein deterministisches Gesetz ist und eine Voraussage in Bezug auf eine Population keine Voraussage in bezug auf einzelne Individuen dieser Population impliziert.

    Zweitens liegt ein anderer Bruch mit deterministischen Einflüssen auf der Ebene *menschlicher* Individuen: obwohl Menschen über Bedürfnisse, Affekte und Emotionen verfügen, die geschlechtsspezifisch biologisch geprägt sein können, resultiert daraus kein Verhaltensautomatismus. Die gesamte Zivilisationsgeschichte des Menschen kann als Geschichte einer fortschreitenden Affektkontrolle, einer fortschreitenden Domestizierung der menschlichen »inneren Natur« geschrieben werden. Und zwar darum, weil die höheren Funktionen des spezifisch *menschlichen* Gehirns nicht mehr biologisch, sondern kulturell gesteuert werden: das menschliche Gehirn ist ein »öffentliches« Gehirn, dessen Operationen *konstitutiv* auf soziale Kooperation und Situationen geteilter Intentionalität angewiesen sind. Biologische Impulse müssen eine kulturelle Hemmschwelle, einen »Hiatus« überwinden, bevor sie aktiv werden können.

    Das bedeutet: der Mensch kann sehr wohl, und sogar ein ganzes Leben lang, »gegen« die Impulse seiner »inneren Natur« leben. Die Frage ist, wie glücklich er dabei ist. Und hier kommt ins Spiel, was Harald Eia (ist er tatsächlich der Urheber des Begriffs?) das »Geschlechterparadox« nennt: unter Bedingungen großer gesellschaftlicher Freiheit wirken sich die geschlechtsspezifischen biologischen Impulse des Menschen stärker aus als unter stärker eingeschränkten Bedingungen.

    Ein vereinfachtes und zugespitztes Beispiel: unter Bedingungen weitgehender Wahlfreiheit studieren Frauen seltener Informatik, weil das Fach besser auf die männliche Verhaltensbiologie passt. Je unsicherer aber die gesellschaftlichen Verhältnisse sind, desto größer ist der ökonomische Anreiz für Frauen, es dennoch zu tun. Darum begegnet man in Deutschland so häufig weiblichen Programmierern, die in Russland oder Indien Informatik studiert haben! 🙂

    Das wäre, »in a nutshell«, ein moderner soziologischer Standpunkt, der die verhaltensbiologische Forschung berücksichtigt.

    1. @Djadmoros
      Das Beispiel ist aber wirklich sehr zugespitzt! 😉

      Der paradoxe Effekt der „gender studies“ in den reichen, wohlfahrtsstaatlichen, kapitalistischen Ländern war m.E., dass diese zu einer Re-Traditionalisierung der Geschlechterrollen einen entscheidenden Beitrag geliefert haben.
      Insofern diese mit großer Wollust daran gegangen sind, alle Tätigkeiten in „männlich“ und „weiblich“ konnotierte zu sortieren und zu klassifizieren (Gnihihi).
      Inwiefern diese oder jene unter das Paradigma männlicher Dominanz fallen.

      Wer als Frau vorher z.B. einfach nur in einem mehrheitlich männlichen Arbeitsbereich tätig war konnte sich danach sicher sein, dass das eigentlich gar nicht geht.
      Weil „Frau“ aus dieser Sphäre natürlich „ausgeschlossen“ ist und sein muss.
      Bspw. weil die Tische des Forschungslabors zu hoch (=Mann als Standard) und die gläserne Decke in einer falschen, die Frauen diskriminierenden Farbe gestrichen ist.

      In der DDR war dieses „geheime weibliche Wissen“ (=gender studies) unbekannt und daher hielten sich Frauen selbst in den 50ern dort für kompetent genug, typisch männliche Studienfächer zu wählen.
      Die Effekte dieses gesellschaftlichen Experiments auf Erwartungen, Lebensweise und Bedürfnisse von Frauen sind in den neuen Bundesländern noch immer empirisch nachvollziehbar.
      Braucht eine westdeutsche Lehrerin zur Aufzucht von zwei Kindern 17,5 Jahre Abwesenheit von der Erwerbsarbeit, schafft die ostdeutsche diese in weniger als der *Hälfte* dieser Zeit.
      Und ich nehme ganz stark an, diese Differenz liegt nicht in den Genen begründet (und in dem Ausmaß sicherlich auch nicht in der Infrastruktur) .

      Eine ostdeutsche Frau hat aktuell im „Freitag“ einen Artikel geschrieben über den westdeutschen „Barbie-Feminismus“ – nach außen Feminismus und innen drin Barbie.
      Nach meiner Ansicht hat sie die richtigen Schlüsse gezogen.

      Schönen Gruß, crumar

      1. Danke für diesen schönen, unaufgeregt sachlichen Kommentar. Sehe ich übrigens genauso. Viele biologistische Erklärungsversuche sind einfach zu kurz gesprungen und werden daher schnell empirisch widerlegt.

        Der entscheidende Schlüssel ist das Prestige, welches ein Lebensentwurf einer Frau unter den anderen Frauen ihrer sozialen Peer-Group genießt. Innerhalb dieses strukturellen Rahmens mit klaren Leitlinien sowohl nach unten als auch nach oben (zuviel führt auch zum Ausschluss aus der Peer-Group) sind Frauen sehr flexibel bei der Berufswahl bzw Lebensgestaltung.

        Daher auch die eklatanten Unterschiede zwischen Ost und West. Im Westen konnte sich das noch aus der Romantik stammende Leitbild der repräsentierenden Adelsfrau halten und fortentwickeln. Aus dem „die Familie/Sippe repräsentieren“ ist dabei im Zuge der Individualisierung ein „sich selbst repräsentieren“ geworden, mit dem Mann in der Rolle des austauschbaren, ökonomisch potenten Ressourcenbeschaffers hierfür und als Teil der prestigebildenden Accessoires der Frau.

        Barbie mit Ken (als kastriertes Accessoire) und einem imaginären Geldgebers (Ken tritt hier ja eher nicht in Erscheinung – dürfte also Big-Daddy sein) – nichts versinnbildlicht mehr das Traumbild der westdeutschen Frauen 😉

        Kein Wunder, dass unter diesen Rahmenbedingungen „linker Feminismus“ sehr schnell von den Wellness- und konsumorientierten „Mein-Feminismus-Feminismus“ untergebuttert wurde.

        Im Osten war mit sowas kein sozialer Blumentopf zu gewinnen (im Gegenteil), die Leitlinien andere. In anderen Kulturkreisen ist das heute noch so, bzw. es gelten durch die gesellschaftliche Dominanz des Tribalismus andere Leitlinien.

        Absolut lesenswert, der von Dir erwähnte Artikel: http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/die-barbie-feministinnen

      2. @Peter Müller
        Vielen Dank für dein Lob!

        Du hast m.E. den Nagel mit der *geschlechterexklusiven* Frauen peer-group auf den Kopf getroffen.
        Ich sehe da ganz klar die akademisch gebildete junge Frau aus der Mittelschicht, die sich bspw. in der „Tussikratie“ artikuliert (im Selbstgespräch siehe man tau Blog und sein offener Brief an die Autorinnen).
        Nur schwimmen diesen Frauen allmählich die ökonomischen Felle davon.
        Du schreibst, „Frauen (sind) sehr flexibel bei der Berufswahl bzw Lebensgestaltung“ – diese Flexibilität kann – es in Zukunft verschärft – nur um den Preis der „mangelnden Flexibilität“ des Mannes geben.
        Für den die Option bei der Studienwahl der Partnerin für typische Frauenstudiengänge, die also in prekären oder schlecht bezahlten Jobs landen wird, nur heißen kann: Vollzeit, Vollzeit und Vollzeit arbeiten.
        Und das gilt selbstverständlich nur für die Frauen, die sich noch einen Mann angeln konnten und können, der dieses Konzept ökonomisch verwirklichen hilft.

        Du schreibst: „mit dem Mann in der Rolle des austauschbaren, ökonomisch potenten Ressourcenbeschaffers hierfür und als Teil der prestigebildenden Accessoires der Frau.“
        Das könnte eine Alltagsbeobachtung im Prenzlauer Berg in Berlin sein! 😉

        Deshalb wird die Mode auch immer „weiblicher“ und gewagter – die binnengeschlechtliche Konkurrenz wächst. Schließlich studieren jetzt ja auch mehr Frauen als Männer – in den USA ist es sogar noch drastischer.

        Die bürgerliche Gesellschaft hat den Frauen das Konzept „Selbstverwirklichung“ ermöglicht und im Westen Deutschlands wurde das tradiert – es hat aber niemand mit 1,25 Millionen studierenden Frauen rechnen können.
        Das kann einfach nicht aufgehen.
        Und das Arbeitsamt kann noch so sehr warnen, die Frauen studierten an den Erfordernissen des Arbeitsmarktes vorbei – niemand hört zu.
        Eigentlich ist es ein Drama.
        Das hier: „Kein Wunder, dass unter diesen Rahmenbedingungen “linker Feminismus” sehr schnell von den Wellness- und konsumorientierten “Mein-Feminismus-Feminismus” untergebuttert wurde.“ sehe ich noch wesentlich kritischer.

        Seit der Poststrukturalismus in Gestalt der gender studies Einzug in den Feminismus gefunden hat und zugleich der real existierende Sozialismus (zu Recht) zusammengebrochen ist, hat sich a. das intellektuelle Niveau wenigstens halbiert und b. die Argumentation immer öfter völlig irrationale Züge angenommen.
        Unter diesen Bedingungen wird dann redefiniert, was eigentlich „links“ ist.

        Bei dem Fokus auf „Geschlechterkampf“ verschwinden naturgemäß alle sozialen Positionen der Akteure, alle Fragen nach realer gesellschaftlicher Macht und Ohnmacht werden neu verpackt. Da wird aus Friede Springer eben eine unterdrückte Frau und der weiße obdachlose Mann sollte sich seiner doppelten Privilegien bewusst werden.

        Kurz: die reale soziale Realität wird spielend auf den Kopf gestellt.
        Dafür werden diese Clowns und Clowninnen m.E. bezahlt.

        Schönen Gruß, crumar

  4. @elitemedium

    Ich habe das bisher auch so verstanden, daß im Genderfeminismus die Existenz diskriminierender Strukturen aus Ungleichverteilungen erschlossen wird. Und natürlich wäre die Existenz biologischer Unterschiede da erst mal ein Problem.

    Aber ich versteh noch nicht, warum der Genderfeminismus keine weiteren Argumente vorbringen können soll. Zum Beispiel könnte erbehaupten, daß diese biologischen Unterschiede für die Ausprägung der kritisierten sozialen Ungleichheiten gar nicht relevant sind oder er könnte auch behaupten, daß diese biologischen Unterschiede für etwas ganz andere, aber nicht für die Entstehung der kritisierten sozialen Ungleichheiten relevant sind.

    Und zu guter Letzt gibt es eine weitere Argumentationsmöglichkeit: Der Genderfeminismus könnte zugeben, daß es biologische Unterschiede zwischen den Geschlechter gibt, daß diese auch relevant sind für die Entsteheung sozialer Ungleichheiten und letztere erklären, daß aber das dadurch entstehende Machtgefälle zwischen den Geschlechtern aus normativer Sich dennoch inakzeptabel, weil ungerecht, sei und daher durch strukturschaffende Maßnahmen behoben werden müsse.

    Letzteres will sagen: Man muß nicht die Begründung einer bestimmten Geschlechterpolitik verteidigen, sondern nur die Geschlechterpoltik selbst.

    1. „Aber ich versteh noch nicht, warum der Genderfeminismus keine weiteren Argumente vorbringen können soll“

      Weil damit Grunddogmen der dortigen Philosophie aufgegeben werden mussten. Die Gleichheit aller Menschen und die soziale Konstruktion ist der wesentliche Grundsatz, auf dem alles aufgebaut wird. Gibt man den auf muss die ganze Philosophie in Frage gestellt werden.
      Das würde wohl die meisten Ideologien überfordern

    2. @Elmar: »Zum Beispiel könnte erbehaupten, daß diese biologischen Unterschiede für die Ausprägung der kritisierten sozialen Ungleichheiten gar nicht relevant sind«

      Das wäre dann eine empirische Diskussion, die angesichts der Forschungslage für den Genderfeminismus schwerlich zu gewinnen sein dürfte – Christians Rezensionssammlung zum Buch von Cordelia Fine lässt zumindest erahnen, dass der genderfeministische Standpunkt ohne Zuflucht zu Polemik und selektiver Wahrnehmung gar nicht mehr verteidigt werden kann.

      »oder er könnte auch behaupten, daß diese biologischen Unterschiede für etwas ganz andere, aber nicht für die Entstehung der kritisierten sozialen Ungleichheiten relevant sind«

      Das wäre dann mehr eine innersoziologische Diskussion. Ich würde sagen, der entscheidende Punkt ist, dass es nicht beliebig viele soziologische Positionen gibt, die man dafür veranschlagen könnte. Letztlich bleiben, wie mir scheint, nur die Kategorien von »Klasse« und »Geschlecht« übrig, d.h. wenn ich mit einer »Patriarchatskritik« nicht mehr weiterkomme, bleibt im Grunde nur noch die Kapitalismuskritik. Ich kann Interaktionsbeziehungen untersuchen und dann direkt zwischenmenschliches Machtgefälle und Herrschaftsverhältnisse (also insbesondere zwischen Männern und Frauen) als Ursache anklagen. Oder ich kann ökonomische Allokationsmechanismen untersuchen und deren systematische Fehlallokationen als Ursache anklagen.

      Letzteres geschieht ja in der Diskussion um den »gender pay gap«: wo die Feministinnen »Diskriminierung« sehen, sieht die Kritik an den Feministinnen ökonomische Allokationseffekte. Die *kann* man ja tatsächlich als ungerecht empfinden, aber mit femimistischen politischen Konzepten wie der Quote eben nicht beheben.

      Und was Punkt drei betrifft: entweder kann ich einen Zusammenhang zwischen »Ungleichheiten« und »Machtgefälle« empirisch plausibel machen, dann ist meine Forderung nach »strukturschaffenden Maßnahmen« auch legitim – oder ich muss feststellen, dass diese Ungleichheiten eben *kein* Machtgefälle implizieren, und dann entfallen auch die Grundlagen meiner »normativen Sicht«.

      Meiner Meinung nach steht die genderfeministische Ideologie ebenso auf tönernen Füßen wie seinerzeit die bürokratisch-sozialistische. Sobald es gelingt, die öffentlichen Diskursverbote und scheinbaren Selbstverständlichkeiten nachhaltig zu durchbrechen, wird sie sich auflösen wie Schnee in der Sonne. Ich denke, dass sie jenseits einer kritischen Schwelle implodieren wird wie der Sozialismus.

  5. „Das [= die These vom weißen Blatt Papier] ist für den Genderrfeminismus sehr wichtig, weil nur auf diese Weise .. Beobachtungen, … als Ergebnis von diskriminierenden Strukturen gewertet werden können.“

    Richtig. Man kann sich mit der These vom weißen Blatt Papier direkt auseinandersetzen, sie ist mMn unbewiesen und falsch.

    Man kann aber auch die feministischen Argumentationen daraufhin durchleuchten, ob die These durchgehalten wird. Ich habe inzwischen eine kleine Sammlung von Beispielen, wo in feministischen Argumentationen genau die entgegengesetzte Annahme benutzt wird, daß es relevante Verhaltensunterschiede zwischen biologischen Männern und Frauen gibt. Im Extremfall sogar innerhalb einer einzigen zusammenhängenden Argumentation (Beispiel Nr. 2 in der Liste):

    Bei der Begründung von Frauenquoten werden regelmäßig zwei Argumente vorgebracht:

    * Es gibt genügend Frauen, die gerne Leitungspositionen besetzen wollen bzw. dies tun würden, wenn sie nicht diskriminiert würden. Frauen sind nämlich genauso ambitioniert, unternehmerisch und/oder risikofreudig wie Männer. Dieses Argument soll die regelmäßige empirische Beobachtung entkräften, daß Frauen risikoaverser als Männer sind und mehr Wert auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance legen. Dieses Argument soll auch die These stützten, der Mangel an geeignetem weiblichem Führuingspersonal sei auf versteckte Diskriminierungen („gläserne Decke“) zurückzuführen.
    * Frauen verhalten sich in Führungspositionen signifikant anders (besser) als Männer.

    Beide Argumente stehen in einem eklatanten inneren Widerspruch zueinander. Es ist kaum vorstellbar, daß Charaktermerkmale wie Risikoaversion einmal vorhanden, dann wieder nicht vorhanden sind. Bemerkenswert ist hier, daß in einer einzigen Argumentation widersprüchliche Argumente benutzt werden.

    1. Mit Genderfeminismus ist doch der Gleichheitsfeminismus gemeint? Wenn also vom „leeren Blatt“ die Rede ist, meint dies die Grundthese dieses Teils. Aber es ist schon bekannt dass es im Feminismus auch einen komplett entgegengesetzen Teil, den Differenzfeminismus auch gibt? Wer also den Feminismus als Ganzes betrachtet, muß glauben, dass diese Ideologie schizophren ist. Widersprüche zwischen Feminists sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Wenn man also Wiedersprüche aufdecken möchte, müsste man genau beachten, in welchem Lager das Feministe zuzurechnen ist. Und erst wenn Personen aus dem gleichen Strömung sich wiedersprechen, kann man tatsächlich diese aufzeigen.
      Was aber komplett vom Maskulismus verabsäumt wird, aufzudecken, ist wie sehr die Debatte z.B: zu Quoten von beiden Lagern im Feminismus bestimmt werden, ebenso bei allen anderen Themen. Daher ist in jeder Debatte, die erste Frage die gestellt werden muß: „Sind sie Differenz oder Gleichheitsfeministe“?
      Erst dann können Argumente die gebracht werden, richtig eingeordnet werden. Ob jemand „das Patriarchat“ anführt ist extrem unterschiedlich, ob es aus gleichheitsfeministischer (ein System das durch Erziehung aufrechtehalten wird) oder ob es differenzfeministisch begründet wird. Dann ist „das Patriarchat“ ein System, dass durch die blose Anwesenheit von Männern in Macht- und Ausbildungspositionen dauerhaft gemacht wird.
      Der Unterschied der Quelle könnte nicht größer sein, aber das gebrachte Argument ist scheinbar das Gleiche. Daher läuft jedes Opponent in einer Diskussion mit eines Feministe unweigerlich in die Irre, sofern keine Positionierung abgefragt wird.
      So würde es auch hier laufen. Es ist Fakt, DEN Feminismus im Sinne einer einheitlichen Lehre gibt es nicht. Trennung von dieser Vorstellung ist daher zwingend erforderlich. Und dann kann man sich mit den beiden großen Lagern getrennt befassen. Auch hinsichtlich Biologie und Genderlehre.

      1. „erst wenn Personen aus dem gleichen Strömung sich wiedersprechen, kann man tatsächlich diese aufzeigen“
        Genau das habe ich in meinem Kommentar gemacht (dachte ich zumindest).

        „Mit Genderfeminismus ist doch der Gleichheitsfeminismus gemeint?“
        Ja.

        „Aber es ist schon bekannt dass es im Feminismus auch einen komplett entgegengesetzen Teil, den Differenzfeminismus auch gibt?“

        Ja, das ist mir und den meisten hier sehr gut bekannt, ich habe es gefühlte 10 Mal auf meinem Blog erwähnt, z.B. hier unter dem Stichwort „Doublespeak im Zusammenhang mit biologischen Prädispositionen“. Kleiner Tip: einfach mehr lesen, dann klärt sich manches auf und man muß weniger schreiben.

        „Daher läuft jedes Opponent in einer Diskussion mit eines Feministe unweigerlich in die Irre,“
        Mich irritieren eher Schreibweisen wie „Das Opponent“ (oder „mit“ mit Akkusativ) , sofern sie kein Zeichen von Legasthenie sind (dafür hätte ich Verständnis), sondern ein Zeichen für Allmachtsphantasien, wo jemand denkt, er sei Sozialtechniker und müßte über die Sprache die Leute umerziehen. Das erzeugt bei mit die gleichen allergischen Reaktionen wie bei Feministen.

      2. Zuerst mal ein Dankeschön für den Link: http://maninthmiddle.blogspot.de/p/antifeminismus.html
        Ja das spart einiges an Mitteilungen.
        Zum Genderquatschen. Nein, ich will niemand umerziehen. Ich habe noch niemand hier dafür gerügt oder ermahnt dass diese Person eine z.B: rein generisch maskuline Schreibweise verwendet. Da es keinen Zwang gibt wie etwas zu schreiben iet, sondern Freiheit darin herrscht (es ist niemand gezwungen meine Beiträge zu lesen) nehme ich mir diese. Ich will einfach nicht nachdenken, ob es ein Opponet ist oder eine Opponentin die in den Gedanken des Lesere auftaucht weil ich gen. maskulin oder Binnen-I oder sonst irgendwas gebräuchliches verwende und dann sich eine Abwehrreaktion bildet („Macht Frauen unsichtbar“, „Schon wieder dieser innen-Quatsch“) Also nehm ich in Kauf, dass manche meine Beiträge deswegen gar nicht lesen, dafür erhalte ich die Sicherheit dass die es tun, keinerlei Geschlechtsbezug mehr herstellen.

        EDIT: Nein ich habs mirs überlegt. Ich hab eine spezielle Form der Legasthenie die sich so äußert. Vielen Dank für deine Rücksichtnahme darauf.

    2. @mitm

      Für mich ist das die wirklich aller, aller, allerobskurste Feststellung, die ich bei der Beschäftigung mit dem Genderismus gemacht habe.

      Sie widersprechen sich teilweise in ihrer Argumentation von einer Seite zur nächsten, sogar von einem Absatz zum nächsten. Und verletzen damit die Vorgabe, das eine Theorie/eine Argumentation in sich widerspruchsfrei zu sein hat.
      Aber NIEMANDEM fällt das überhaupt auf oder keiner scheint sich daran zu stören, keiner thematisiert die Verletzung der simpelsten Gesetze der Logik.

      Ich habe das neo-feministische Buch „Tussikratie“ gelesen und neben ein paar guten Einsichten gibt es eine ganze Ladung an wirklich zutiefst irrationalem, sich widersprechendem Quark, blankem Subjektivismus und zum schreien komischen Sätzen.

      Aber woher kommt das?
      Ist der Irrationalismus der Genderisten schon so wirkmächtig?
      Lässt mich wirklich grübeln…

      Schönen Gruß, crumar

  6. Das Heilsversprechen der Kreationisten ist ein Platz im Paradies, oder?

    Und was ist das Heilsversprechen der Genderisten? Ein sicherer Arbeitsplatz in der Gender-Vetternwirtschaft? Lerne den Kredo und du wirst Priester…

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