Autobahnplakate

Neulich fuhr ich auf der Autobahn, als ich am Straßenrand folgendes Plakat bemerkte:

Bild

Als inzwischen männerrechtlich sensibilisierter Mann ist mir natürlich sofort das in meinen Augen sexistische Stereotyp aufgefallen. Der Mann handelt unverantwortlich und wird zum Täter, die Frau ist das Opfer, wie immer. Na prima, eigentlich war ich schon bedient, aber da es von diesen Autobahnplakaten oft eine Serie gibt, habe ich mich gefragt, ob es da noch weitere gibt und dort zum Ausgleich auch mal die Frauen die schlimmen Finger sind oder ob da das Stereotyp weiter geknetet wird.

Google brachte es an den Tag, ich habe folgende Websites gefunden:

Eine Berichterstattung über die Kampagne und die Website der Kampagne selbst.

Um Euch das surfen zu ersparen, es gibt zwei weitere Plakate, nämlich folgende:

Bild

Bild

Erstes Fazit: Die weiteren Plakate bestätigen die Geschlechterstereotypen. Männer rasen und drängeln, Frauen sind allenfalls mal ein wenig abgelenkt, wahrscheinlich weil sie zuviel mit ihren Freundinnen tratschen, anstatt auf die Straße aufzupassen. Was aber eine deutlich verzeihlichere Sünde ist, als aggressiver Fahrstil mit Rasen und Drängeln. Immerhin wollte man sich nicht die Blöße geben, nur Männer als die Missetäter hinzustellen, also gibt es wenigstens ein Plakat mit Quotenfrau als Täterin.

An den Plakaten stört mich so einiges. Als erstes natürlich, dass sich das Bundesverkehrsministerium dafür hergibt, platteste Geschlechterstereotypen widerzukäuen, bei denen natürlich die Männer wieder mal die aggressiven Arschlöcher sind.

Es ist aber auch ansonsten nicht stimmig. Es mag schon sein, dass mehr Männer rasen oder drängeln. Ich fahre auch gerne schnell, aber auch dem Verkehr angepasst, und gedrängelt habe ich m.E. noch nie. ABER: Das tue ich nur, wenn ich alleine im Auto sitze. Wenn ich Beifahrer habe, speziell natürlich auch Frauen, dann fahre ich ein ganzes Stück gemächlicher.

Das hat im wesentlichen zwei Gründe: Zum einen bin ich dann natürlich für das Wohlergehen meiner Beifahrer verantwortlich. Ich möchte nicht, dass sie in Gefahr geraten. Ich habe natürlich eine Fürsorgepflicht als Fahrer. Und da reicht es schon, dass sie auf dem Beifahrersitz sich wegen der Geschwindigkeit unwohl fühlt. Und natürlich will ich mir auch keinen Mecker deswegen einfangen. Der andere Grund ist aber auch, dass man umso konzentrierter sein muss, je schneller man fährt. Das geht ab einer gewissen Geschwindigkeit nur noch alleine. Da will ich mich nicht der Gefahr aussetzen, dass ausgerechnet in einem heiklen Moment die Beifahrerin nervös dazwischen quatscht und mich aus der Konzentration wirft.

Und wenn Kinder im Auto sitzen, dann gilt das alles erst recht. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein Familienvater riskant fährt, wenn die eigenen Kinder dabei sind. Wenn er allerdings alleine unterwegs zum nächsten Geschäftstermin ist und diesen halbwegs pünktlich erreichen will, kann es vielleicht sogar ein Zeichen von Fürsorge für die Familie sein, alles zu tun, um den Job nicht zu gefährden. Was keine Entschuldigung dafür sein soll, andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden. Ich will nur einen möglichen Aspekt für die Motivation herausstellen.

Noch ein Punkt, der mich stört: Warum müssen die alle gleich sterben? Ist das nicht ein wenig sehr moralisch überdramatisiert? Bei den wenigsten Unfällen sterben gleich alle Insassen. Ich hätte vielleicht formuliert: „Einer rast, zwei erwischt’s“. Aber das ist nur ein kleiner Nebenaspekt.

Der letzte Punkt, der mit ziemlich irritiert, ist der Text auf dem dritten Plakat: „Einer ist abgelenkt, vier sterben“. Warum „Einer“, wenn da deutlich eine Frau abgebildet ist? Müsste es nicht heißen: „Eine ist abgelenkt, vier sterben“? Hat man Angst, dass sich dann die Männer nicht mitgemeint fühlen? Hat man sich nicht mit dem Ministerium für alles außer Männer abgesprochen, wie heute korrekt sprachgegendert wird? Oder sollen da wieder mal die Frauen als Täterinnen unsichtbar gemacht werden, die Täterschaft von Frauen verschleiert werden? Kaum vorstellbar, schließlich ist die Fahrerin ja deutlich zu sehen auf dem Plakat. Oder hat man einfach überhaupt nichts gedacht und nach guter alter Väter Sitte einfach das generische Maskulinum verwandt? Ich bin für weitere Theorien offen…

Das Pop-Video kommt diesmal von Frank Zappa mit dem Song „Broken Hearts Are For Assholes“, wegen der Liedzeile „Well, ladies you can be an asshole too„, eine einfache und doch fundamentale Erkenntnis.

 

Advertisements

43 Kommentare zu „Autobahnplakate“

  1. Ach, nö. Du verdrängst gekonnt die Statistiken. Männer drängeln und fahren rücksichtsloser. Christian kann hier bestimmt was mit Testosteron beisteuern. Natürlich nicht alle, aber im Schnitt. Und Frauen sind eher ängstlich. Öfter ungeübt. Genau wie an der Bohrmaschine. Das hat jetzt recht einfache und offenliegende soziale Gründe.

    „Müsste es nicht heißen: “Eine ist abgelenkt, vier sterben”? “

    Jetzt aber. Du kritisierst die Verwendung des generischen Maskulinums? Es zeigt ganz einfach die Verwendung einer gendergerechten Sprache. Und natürlich zeigt es in Kombination mit dem Bild an, daß in dieser Kampagne (und nicht nur in diesem Bild) sowohl Männer als auch Frauen gemeint sind.

    Ja. Ich bin schon von ihre-Kinder-fahrenden Muttis böse abgedrängt worden. Aber in Deinen Worten geschah das ja aus ganz fürsorglichen Gründen. Vielleicht bekommen die Kinder eine schlechte Note fürs zuspätkommen. Seufz.

    1. Vor vielen Jahren war ich mal an einem Autobahnunfall beteiligt. Das ging so:

      Verengung von zwei Spuren auf eine wegen Baustelle. Rechts vor mir eine Frau am Steuer, die vor mir links rüber gemusst hätte – sich aber ums Verrecken nicht traute und stattdessen schliesslich vor der Verengung stehen blieb. Ich hatte hinter ihr bis auf Schrittgeschwindigkeit abgebremst, um sie rüber zu lassen, wollte dann aber – bei starkem Verkehr und einem nassen Gefälle hinter mir – nicht auch noch stehenbleiben und fuhr vorbei.

      In diesem Moment rummste es – ZWEIMAL! Hinter mir hatte ein Mann „gedrängelt* und fuhr mir hinten drauf. Nicht schlimm, leichter Blechschaden. Aber auf der rechten Spur rummste es gewaltig: da war eine weitere Frau hinter der ersten mit konstant zu wenig Abstand und wohl geistig völlig abwesend unterwegs gewesen – beide Autos Totalschaden.

      Frauen drängeln nicht? Mag sein – obwohl ich das nach meiner Erfahrung nicht bestätigen kann. Aber wenn ich auf der rechten Spur jemanden ohne Überholabsicht permanent mit zu wenig Abstand (wohl weil vom Stadtverkehr her so gewöhnt) herumschleichen sehe, dann ist das mit 80% Wahrscheinlichkeit eine Frau. Und wie man am Beispiel des oben beschriebenen Unfalls sieht, ist das keineswegs weniger gefährlich als die angeblich männliche Drängelei. Denn der etwas größere – aber trotzdem zu geringe – Abstand plus die typische, geistige Abwesenheit solcher Schnarchnasen führt dazu, dass sich vor dem Aufprall eine viel höhere Differenzgeschwindigkeit aufbaut.

      Es war mir schon immer ein Rätsel, warum unsere Verkehrserziehung so einseitig auf das hauptsächlich Männern zugeschriebene, so genannte „Rasen“ abzielt. Vorfahrtsverletzungen – nach allen Statistiken eine Spezialität von Frauen – sind da eher noch schlimmer, scon allein, weil das häufiger zu folgenschweren Seitenkollisionen führt. Aber wenn Frauen andere Leute totfahren, dann sind die wohl irgendwie ein bisschen weniger tot.

  2. Also ich verstehe das zweite Plakat so, dass ein anderer Fahrer hinter dem Familienauto drängelt und damit die Familie in Gefahr bringt. In diesem Fall wäre nichts über das Geschlecht des Dränglers bekannt.

    „Warum müssen die alle gleich sterben?“
    Naja, ich finde eine etwas dramatische Darstellung ist hier durchaus erlaubt, schließlich will man Aufmerksamkeit erzeugen.

    „Warum “Einer”, wenn da deutlich eine Frau abgebildet ist?“
    Hier würde ich einfach ein generisches Maskulinum annehmen. Ich interpretiere das auch überhaupt nicht negativ als „Täterinnen unsichbar machen“ o.ä., sondern im Gegenteil so, dass das Geschlecht eben keine Rolle spielt. Und damit wäre diese Aktion für BMFSFJ-Verhältnisse eigentlich vorbildlich.
    Insgesamt finde ich, man sollte hier viel entspannter reagieren. Wer immer nur mit festen Erwartungen und Feindbildern an die Sache geht, der sieht irgendwann hinter jedem Baum eine Diskriminierung. Und das wäre nicht besser als der Aufschrei-Feminismus.

    1. @Vinzenz schreibt: Ja genau. Vorbildlich. Sprache wird schon sehr eigenartig unterschiedlich eingesetzt. Und obwohl eindeutig eine Frau zu sehen ist lautet der Text : „Einer ist abgelenkt, vier sterben“. Jetzt denken wir uns das Bild weg, das ganze als Radiowerbung? Oder als Tweet? Komisch da braucht man nicht mehr hinter den Baum zu gucken.
      Und dann schauen uns wir das hier an: http://www.emma.de/artikel/schweiz-berufsverbot-fuer-paedosexuelle-317013
      Rätselfrage: Was fällt am Text auf?
      „Zwei von drei SchweizerInnen haben mit Ja gestimmt: Sie wollen, dass pädophile Straftäter ihr ganzes Leben lang nicht wieder mit Kindern arbeiten dürfen. Das von der Genferin Christine Bussat initiierte Volksbegehren gehört mit 63,5 Prozent Ja-Stimmen zu den erfolgreichsten in der Geschichte der Schweiz.“

      „Das Votum der Mehrheit von Volk und Ständen ist klar: Das Strafrecht muss sich viel stärker am Schutz der Bevölkerung und weniger auf die Bedürfnisse der Täter ausrichten.“ Das verkündet die Initiative „Ja zum Berufsverbot für pädophile Straftäter“ nach dem deutlichen Ergebnis der Volksabstimmung am Sonntag. 63,5 Prozent der Schweizer BürgerInnen, das entspricht 1,8 Millionen Menschen, stimmten dafür, dass pädokriminelle Straftäter künftig ein lebenslanges Berufsverbot erhalten – und eine Million dagegen. Auch alle Kantone unterstützten die Initiative. “

      “ Zwar können RichterInnen ab 1. Januar 2015 bereits ein Berufsverbot über pädokriminelle Täter verhängen. Aber das darf erstens nur maximal zehn Jahre dauern. Zweitens „wollen wir keine Ermessensentscheidung“, erklärt der parteillose Ständerat-Abgeordnete Thomas Minder, der Mitglied der Initiative ist.“

      Arglosigkeit ist der Fluch der Demokratie und der Nährstoff für die Unrechtssysteme.

      1. 100% richtig, aber es gibt immerwieder weiße Ritter.

        Ich denke es hat auch etwas von einem Schwanzvergleich.
        Wenn der eine Mann über Diskriminierung von „jammert“, während der Andere mitteilt, dass alles schon nicht so schlimm sei und 5000 Jahre blabala, macht er ja tatsächlich dem Ersten nur klar, dass er eben, im Gegensatz zum Konkurrenten, dieser Diskriminierung gewachsen ist.

      2. @zuerstmensch: Ich verstehe worauf du hinaus willst. Vielleicht sollten wir aber nochmal einen Schritt zurück gehen: Entweder wir benutzen ein generisches Maskulinum oder nicht. Man kann da nicht hin und her wechseln wie es einem gefällt, denn das wäre heuchlerisch. Und genau das tut ja der Artikel aus der Emma, indem er nur gendert, wo es ihm passt. Genauso heuchlerisch wäre es allerdings, Gendern generell abzulehnen, aber sich dann hier über das generische Maskulinum aufzuregen.
        Der Satz „Einer ist abgelenkt, vier sterben“ bleibt meiner Meinung nach völlig korrekt, denn es geht hier eindeutig um die Gefahr durch Ablenkung im Straßenverkehr und nicht um das Geschlecht des Fahrers. Abgelenkt werden können schließlich Männer wie Frauen gleichermaßen. Daher ist „Einer“ geschlechtslos zu interpretieren.
        Einer meiner Gründe für die Unterstützung des generischen Maskulinums ist übrigens *genau* diese Situation: Alle hier streiten nur noch über das Geschlecht und die angebliche Diskriminierung, während der Inhalt der Plakate (Verkehrssicherheit) völlig verloren geht. Das ist genauso wie die bescheuerte Diskussion um Frauenquoten bei Ampelmännchen. Das Ding hat nur einen Zweck, nämlich den Leuten zu zeigen, wann sie die Straße überqueren können. Ob da jetzt ein Mann (mit oder ohne Hut) oder eine Frau (mit oder ohne Rock) abgebildet wird, ist *so was von irrelevant*.

        @dirty mind: Das mit weißen Rittern und Schwanzvergleichen leider gar nichts zu tun. Ich schätze, du haust auch lieber erstmal drauf als zu versuchen meinen Standpunkt zu verstehen.

      3. Vinzenz schreibt: „Man kann da nicht hin und her wechseln wie es einem gefällt, denn das wäre heuchlerisch. Und genau das tut ja der Artikel aus der Emma, indem er nur gendert, wo es ihm passt. „
        Also ich freu mich wirklich über deinen Antwort, da ich daraus entnehmen kann, dass es dir so wie mir um tatsächliche Gleichberechtigung geht.
        Ja es stimmt: „Genauso heuchlerisch wäre es allerdings, Gendern generell abzulehnen, aber sich dann hier über das generische Maskulinum aufzuregen.“ , daher bin ich inzwischen, zwar eigentlich als Satire gemeint, dazu übergegangen alles zu versä(a)chlichen.

        Aber genau hier frage ich mich wieso man eigentlich nicht ernsthaft schreiben könnte:
        „Eines rast, zwei sterben“
        „Eines drängelt, drei sterben“
        „Eines ist abglenkt, vier sterben“

        Nur weil es ungewohnt klingt? Sprache braucht auch Veränderung. Wäre es wirklich den Leuten die Feminismus für sich stark annehmen, lieber wenn alles generisch femininin verwendet worden wäre? „Eine rast, zwei sterben“? Das ist auch meine Kritik. In Medien, Puplikationen die sich auch als feministisch verstehen, wird die negative Form des generischen Maskulinums selten bis gar nicht verwendet. Nicht so krass wie bei EMMA. Aber wenn man genau hinschaut entdeckt man, das Artikel über Personengruppen die negativ beschrieben werden sollen, destruktives und RÜckschritte, meist verwenden, die aber über neue Entdeckungen sind, über postive Entwicklungen über Fortschritte das Binnen-I einsetzen. In ganz krassen Fällen sogar das , aber nie bei „Mörder“, bei „Gewaltverbrecher“, bei „Sexualtäter“, bei „Steuerbetrüger“, bei „Bankster“ , bei „Machthabern“, bei „Kriegstreibern“ usw. usw. Es kann sein dass dies unbewußt geschieht. Es kann aber auch sein, das Leute die sehr stark die Frauensicht beachten in den Redaktionen bei postiven Artikeln sofort auf die fehlende Sichtbarkeit von Frauen hinweisen, die sie aber bei negativen Artikel einfach ignorieren, weil es sie da nicht stört, das hier Mann=Schlecht etabliert.
        Diese Tendenz ist deutlich sichtbar und schreitet langsam auch in populäre Medien voran. Ich denke es gibt tatsächlich nur noch eine radikale Methode dies zu stoppen und dies ist Geschlecht in der Sprache bezogen auf Personen zum Verschwinden zu bringen.

        Denn die andere Variante ist das generische Maskulinum wieder zu dem machen was es war. Die Erfolgsaussichten dafür sehe ich bei dem Sturm der Entrüstung den die Wikipedia-Initiative dafür ausgelöst hat, als sehr, sehr gering.

        Inhaltliche Abstimmung über den Vorschlag

        Einführung einer Regelung , die dem generischen Maskulinum gegenüber den typischen Alternativformen aus dem Bereich der „geschlechtergerechten Sprache“ grundsätzlich der Vorzug gibt

        Für die Abstimmung über die formale Gültigkeit gilt die Einfache Mehrheit aller gültig abgegebenen Stimmen. Enthaltungen werden nicht berücksichtigt. Notwendige Antragsmehrheit 125 Stimmen Stimmen ≥ 50 %
        Ich akzeptiere den Vorschlag 86 Stimmen 34,7 %
        Ich lehne den Vorschlag ab 162 Stimmen 65,3 %
        Summe zählender Stimmen 248 Stimmen 100,0 %
        Damit wird die Einführung einer Regelung abgelehnt, nach der dem generischen Maskulinum gegenüber den typischen Alternativformen aus dem Bereich der „geschlechtergerechten Sprache“ grundsätzlich der Vorzug zu geben ist.

      4. „[D]aher bin ich inzwischen, zwar eigentlich als Satire gemeint, dazu übergegangen alles zu versä(a)chlichen.“
        Das ist mir auch aufgefallen, und ich bewundere ein wenig, dass du es so durchziehst. Ehrlich gesagt war ich mir nicht sicher, ob es satirisch gemeint war. Ich hatte den Eindruck, du versuchst tatsächlich ernsthaft den Hintergrund zu verstehen.

        Nun ist es nicht so, dass ich das nicht verstehen könnte. Warum haben wir es nicht gleich gemacht wie im englischen, ganz ohne Geschlechter? Aber so ist unsere Sprache nunmal entstanden. Und Änderungen wie „eines“, „eina“ oder „einx“ halte ich auch nicht für sinnvoll aus folgenden Gründen.
        1. Ja, Sprache ändert sich, aber das tut sie von allein im Laufe der Zeit, nicht zentralistisch von oben herab. Und Gewohnheit ist hier sehr wichtig. Wenn wir uns mit unserer Sprache nicht wohl oder sicher fühlen, verlieren wir ein wichtiges Mittel um uns auszudrücken.
        2. Es wird nie genug sein, siehe die inzwischen unübersichtlichen Kombinationen fürs Gendern mit Innen_*x usw. Das kommt daher, dass sich die Unterdrückten im Feminismus immer unterdrückt und marginalisiert fühlen werden, egal wie die nun „Herrschaftssprache“ aussieht. So etwas wie eine Euphemismus-Tretmühle. Ähnlich ist es mit der Geschlechtsangabe in Facebook, wo die 60 neuen Kombinationen natürlich nicht ausreichen. Und ich sage dir, wenn du es auf 600, 6000 oder auch 6 Millionen erweiterst, es wird trotzdem nicht genug sein. Das einzige, was du damit erreichst, ist, dass die Kategorie „Geschlecht“ völlig nutz- und bedeutungslos wird.

        „Denn die andere Variante ist das generische Maskulinum wieder zu dem machen was es war. Die Erfolgsaussichten dafür sehe ich bei dem Sturm der Entrüstung den die Wikipedia-Initiative dafür ausgelöst hat, als sehr, sehr gering.“
        Vielleicht siehst du das zu negativ. 248 Leute bei der Wikipedia sind auch keine representative Gruppe.
        Ich hoffe ja, der Feminismus macht einfach so weiter und irgendwann wird es dann völlig lächerlich (also noch lächerlicher als der Streit um die Ampelmännchen). Dann wird die Mehrheit der Bevölkerung nur noch müde lächeln, bis die Leute diesen Zirkus irgendwann satt haben und sich wieder auf Ernsthaftigkeit besinnen. Und an dem Punkt verliert der Feminismus seinen Nimbus, die Hippness, und stürzt ab wie StudiVZ, solange bis nur noch ein paar vereinzelte Hardcores unter dem Label zu finden sind.

      5. Vinzenz schreibt:_„Und ich sage dir, wenn du es auf 600, 6000 oder auch 6 Millionen erweiterst, es wird trotzdem nicht genug sein. Das einzige, was du damit erreichst, ist, dass die Kategorie “Geschlecht” völlig nutz- und bedeutungslos wird.“ Korrekt und das ist auch meine Meinung dazu. Geschlecht hat außerhalb der sexuellen Spähre oder Gesundheitsbetreuung geschlechtsbiologischer Natur überhaupt keine Bedeutung und auch keinen Wert. Niemand gewinnt etwas dadurch, dass es das andere als Mann oder Frau identifizieren kann. Nichtmal im RealLive kann ich mir eine wirklich schwerwiegende Situation vorstellen, die das erfordern würde. Hat es irgendeine Auswirkung ob eine Frau aufs Männer-WC geht? Nur wenn der Pissoarbereich voll einsehbar ist, könnte das für die dort Stehenden unangenehm werden. Aber warum nicht einen Unisex-WC-Bereich mit seperaten Pissoarbereich? Wo ist Geschlecht noch wichtig? Achja bei das Arzte. Aber das sollte wisssen was für ein Geschlecht seines Patiente hat, oder? Das ich in meinen Texten diese hanebüchene, skurille, für manche abartig wirkende Form des Sächlichens verwenden und trotzdem verständlich bleiben kann, zeigt, wie bedeutungslos das Geschlecht in Wirklichkeit ist. Vor allem im Alltag. Denn ansonstem müssten sich ja durch die sächliche Form ständig Missverständnisse ergeben. Tun sie nicht. Arzte = eines Persone die den ärztlichen Beruf hat, also Frau, Mann, Irgendwas. Nachteil der Verwendung, außer etwas Befremdung? Keiner.
        Dagegen wenn „Innen, *Innen, _Innen, *innen, _innen, -er, en“ verwendet wird, schreit sofort irgendjemand „Da ist wer oder was unsichtbar!!!!!!“. Es fehlen „die Frauen“, „die Intersexuellen“, „die Transsexuellen“, „die Queer“ und ganz zuletzt eher leise „und die Männer? Fehlen die nicht?“. Das sollen wir uns weiter antun?

        „Vielleicht siehst du das zu negativ. 248 Leute bei der Wikipedia sind auch keine representative Gruppe.“ Leider doch. Das sind alle stimmberechtige Leute der Wikipedia, Adminstrators und Autoras. Und diese Menschen haben jetzt festgelegt, dass es beim Genderwirrwar bleibt. Und das war auch kein Wunder, nachdem ein großer Teil der Netzfeminists eine Ablehungsfront geschaffen haben, gegen dieses neuerlichen Versuch „Frauen verschwinden zu lassen“. Diesen Bedeutungswandel des generischen Maskulinums hin zum Verstehen „nur Männer“ wird niemand mehr rückgängig machen könne, davon bin ich überzeugt.

  3. Mit „einer“ ist hier sicher nicht die abgebildete Frau persönlich gemeint. Meines Erachtens wäre „eine“ sogar ungrammatisch, weil dieses Wort meinem Sprachempfinden nach nicht alleinstehend verwendet werden kann.

      1. Ich meinte, dass es im gegebenen Kontext ungrammatisch wäre. Während „einer“ für „eine einzelne Person“ stehen kann, kann „eine“ nicht für „eine einzelne Frau“ stehen. Alleinstehend muss sich „eine“ auf eine bereits genannte Frau beziehen. Denkbar wäre also Folgendes: „Ich sehe drei Frauen. Eine wurde geschlagen, eine war nicht dabei und eine ist abgelenkt.“ Es muss keine konkrete Frau sein. Möglich wäre auch „Ich suche eine Freundin, aber eine, die gut aussieht“. In all diesen Fällen bezieht sich „eine“ auf ein zuvor genanntes Substantiv. Das ist natürlich möglich, wenn auch stilistisch nicht unbedingt schön. Analog dazu verhält sich „jede(r)“.

    1. „wäre “eine” sogar ungrammatisch“

      Wenn ich helfen darf:
      einer oder eine sind hier Indefinitpronomen, s. z.B. http://www.mein-deutschbuch.de/lernen.php?menu_id=80#personen_und_sachen
      und sind völlig üblich, können z.B. durch ein Nomen im Genitiv ergänzt werden:
      1. „Einer der Teilnehmer wird zum Sprecher gewählt“
      2. „Eine der Teilnehmerinnen wird zur Sprecherin gewählt“
      Fall 2 geht nur dann, wenn die Gruppe nur aus Frauen besteht.
      Fall 1 geht immer, denn „Einer „, „Teilnehmer“ und „Sprecher“ sind gleich drei generische Maskulina. Zumindest in der Umgangssprache gilt das. Dort, wo der Staat die Sprache kontrolliert, muß man z.B. schreiben
      „Einer oder eine der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wird zur Sprecherin bzw. zum Sprecher gewählt“

      Der Genitiv muß aber nicht unbedingt vorkommen, wenn die Gruppe, aus der gewühlt wird, durch den Kontext klar ist, die Gruppe ist ggf, nur vage bekannt:
      z.B. Titel einer sehr alten Fernsehshow: „Einer wird gewinnen“
      Oder Ausdrücke wie: „einer ist immer der Dumme“

      Bezogen auf die Plakate: die sind grammatisch und semantisch völlig einwandfrei.

  4. Ich finde die Plakate in Ordnung.
    Da ich generell das generische Maskulinum (bzw. auch generisches Femininum in seltenen Fällen verwende), so natürlich auch hier. Was sonst?
    „Einer“ ist für mich prinzipiell geschlechtsneutral und nur dann, wenn es aus dem Kontext klar hervorgeht, speziell auf Männer bezogen.

    1. Öhh? „Eine war nicht mit dabei“ „Eine wurde umgebracht“ „Eine wurde geschlagen“ „Eine fuhr vorsichtig“
      Was genau ist daran gramatikalisch falsch?

    2. Ich würde ohne weiters zustimmen, wäre nicht das generische Maskulinum in weiten Teilen der Szene die wir hier auch abbilden, eindeutig nur noch als „meint Männer, schließt Frauen aus“ definiert. Das generische Maskulinum ist in feminstischen Kreisen eindeutig deklassiert und es werden einem Studien um die Ohren gehaut, wie stark dieses die Frauen ausschließt und unsichtbar macht. Hier natürlich nicht. Hier ist es voll ok.Wenn es um sagen wir Plakate zu wissenschaftlichen Leistungen gegangen wäre: „Einer bringt die Idee“, viele leben“, „Einer forscht weiter, viele werden gesund“ usw. wäre ich sicher, wäre die ganze Diskussion völlig anders gelaufen.
      Leider wird soiwas nur isoliert jeweils, fast schizophren betrachtet. He Leute was regt ihr euch über das Binnen-I auf. „ForscherInnen bringen mehr Ideen“ , „GenetikerInnen entschlüsseln den Code“. Soll es vielleicht heissen „Genetiker entschlüsseln den Code“?`Sind Leute die Wissenschaft betreiben nur Männer? Generisches Maskulinum? Nichts als eine Methode des Patriarchats Frauen ins Abseits zu drängen.

      Mir scheint die Diskussion wird jeweils so geführt wie es grad passt. Generisches Maskulinum ist ok, wenn es um Täter geht. Wenn es um Produktives geht, dann muß es Binnen-I, Sternchen-I oder Unterstrich_I sein oder noch besser zur Sichtbarmachung von Frauen, das generische Femininum. Aber halt nicht in solche Fälllen, wie hier. He, soviel Sichtbarkeit braucht Frau dann auch wieder nicht, oder?

  5. Das ist mal ein Beispiel an Übersensibilität. Bis ich andere Statistiken sehe, halte ich es für einen Fakt, dass tatsächlich mehr Männer im Autoverkehr rasen und drängeln. Ebenso wie, dass meistens der Mann fährt, wenn Frau und Mann (evtl. + Kind) im Auto sitzen. Entsprechend ist das einfach nur eine realistische Abbildung.
    Aber darum geht es gar nicht. Ich kann nicht erkennen, dass das Geschlecht der Autofahrer hier eine wesentliche Rolle spielt, du interpretierst da zu viel hinein. Und dann kommt eine ellenlange Beschreibung, was du tust und tun würdest bzw. nicht tun würdest. So what? Willst du uns sagen, dass du persönlich dich damit nicht identifizieren kannst? Ok, zur Kenntnis genommen. Aber du siehst hier ja gesellschaftliche Dynamiken am Werk, daher spielt dein persönliches Vorgehen auch keine Rolle.

    Und wieso du dann auch noch das generische Maskulinum kritisierst, verstehe ich schonmal gar nicht. Siehst du darin eine Doppelmoral – sprich: Sonst wird doch immer gegendert, nur wenn’s unangenehm wird nicht? Nun ja. Da müsste man mal in die Kampagnen des Bundesverkehrsministeriums gucken, denn das halte ich für grundsätzlich weniger gendersensibel als bspw. das BMFSFJ. Insofern sehe ich das nicht unbedingt so.

  6. Ich stimme meinen Vorrednern zu, möchte aber noch ergänzen, wie unsinnig ich es finde, von „Quotenfrau“ zu sprechen, wenn von drei Plakaten eins eine Frau als Fahrer zeigt. Das sind 33,3%. Kuckt man, wie viele durch die Fahrfehler sterben, ist das Verhältnis „Verursacht durch Fahrer vs. verursacht von Fahrerin“ 5:4 mit den Fahrern und 3:3, rechnet man die Fahrer nicht mit.

    Was ist also deine Forderung bezüglich des Verhältnisses? Das die Kampagne mindestens vier Plakate hätte haben sollen im Verhältnis 2:2?

    Ich stelle mir auch vor, dass manche gemeckert hätten, wenn das Familienauto von der Mutter gelenkt würde, während der Vater Beifahrer ist. Nicht du, aber jemand, der z.B. Wickeltische in Männerklos für Propaganda hält, hätte sicher gemeckert.

    1. Es ist recht einfach. Überall wird nach Sichtbarkeit von Frauen gerufen. Überall sollen sie unabhängig vom tatsächlichen Anteil, repräsentativ zur Bevölkerung dargestellt werden. Überall. Nur nicht dort wo es um negative Zuschreibungen geht. JA, hier hätten zwei Lenkerinnen dargestellt werden sollen und genauso zwei Männer die fahren. Und es hätte eine der Lenkerinnen eine Raserin sein müssen, um das Bewusstesein auszubilden dafür, dass Raserei kein Geschlecht hat. Es ist nicht per Geschlecht determiniert, da sind wir uns glaube ich einig. Und das ist das Problem. Hier wird abgewiegelt, kritisiert.
      Diese Art des Diskutierens liegt an einer einfachen Tatsache. Es wird nicht aufgrund eines neutralen nüchternen Blickes draufgeschaut. (Wodurch einem die Zuordnung Männlich=Verantwortungslos, Weiblich=Unabsichtlich) klar werden würde, sondern es wird mit einem ideologischen Blick dieser Fall betrachtet.

      Dieser geschlechterspezifische und voreingenommene positive Blick auf alles was das weibliche Geschlecht betrifft, ist das was noch viel heftiger kritisiert werden muß, da dies den Personen offenbar nicht bewußt ist.

    2. Quotenfrau ist für mich jede Frau, die nur deshalb in eine männliche Gruppe genommen wird, damit die Gruppe eben nicht nur (oder zu sehr überwiegendem Teil) aus Männern besteht. Das ist natürlich auch die erste, die in die Gruppe kommt, auch wenn damit eine wie auch immer festgelegte Quote noch nicht erfüllt ist.

      Meine Forderung wäre nicht unbedingt 2:2, sondern dass auch mal die Geschlechterstereotypen durchbrochen werden, z.B. „Eine rast und x sterben“, und man sieht auf dem Plakat auch ne weibliche Fahrerin.

  7. Naja, laut Verkehrsministerium ist unangepasste Geschwindigkeit bei Männer in 10,5 Prozent aller Unfälle Hauptursache, bei Frauen beträgt die Zahl 8,5. Beide liegen zwar an der Spitze der unfallgründe, aber nicht unbedingt deutlich wie zB. Missachten der Vorfahrt. Wirkt für mich jetzt nicht so signifikant unterschiedlich. Deutlicher ist da der Unterschied zwischen unfallbeteiligung als Fahrer bzw. Mitfahrer. Frauen verunfallen zu einem Drittel häufiger als Mitfahrer. Im Übrigen ist es ja auch immer noch so, dass Männer häufiger im aussendienst oder Pendler sind, bzw. auch weiter pendeln. Insofern würde ich hier eine Lanze für den Autor brechen.

    PS:

  8. PS: Verantwortungslosigkeit als Motiv wird hierbei jedenfalls eindeutig als männlich konnotiert, während die weibliche Fahrerin Opfer der Umstände ist. Einfach nen raserinnen Plakat machen und gut ist…

  9. Zu “Einer ist abgelenkt, vier sterben”. Warum “Einer”, wenn da deutlich eine Frau abgebildet ist? Müsste es nicht heißen: “Eine ist abgelenkt, vier sterben”?

    Aber NEIN! Das Plakat ist 100% GENAU SO gemeint, wenn ich mir die anderen Plakate der Serie so ansehe. Das ist definitiv kein „Gender-Maskulinum“, bei der sich „die Frauen mitgemeint“ fühlen sollen.

    Es wird schlicht implizit auf einen ANDEREN „abgelenkten“ FahreER verwiesen, der durch seine Unachtsamkeit die vier Damen im abgebildeten Wagen in einen tödlichen Unfall verwickelt!!!!

    Mal ehrlich, das war doch jetzt nicht wirklich sooo schwer, oder…?

    1. Was aus dem Klischee des Autorasers wird, wenn Geschlecht derartig unterschiedlich betrachtet wird sieht man hier: „Eltern eines toten Jungen sollen Todesfahrerin entschädigen“ http://www.stern.de/auto/news/klage-einer-raserin-eltern-eines-toten-jungen-sollen-todesfahrerin-entschaedigen-2107656.html Wer hat von dem Fall gehört? Hand hoch! Mal hier an die Leute die eher dem Feminismus nahestehen:.Was wäre die Reaktion gewesen wenn es „“Eltern eines toten Mädchens sollen Todesfahrer entschädigen“
      Liege ich wirklich falsch wenn ich einen Twittersturm ala #speedmurder vermute? Und gleich noch eine Grundsatzdiskussion dazu, warum Männer solche Raser sind?
      Ja? Nein? Dieser Fall hat keine Wellen geschlagen. Keine Berichte, keine Diskussionen. Nur die Eltern die um ihren Jungen trauern und eine Raserin die glaubt dass auch hier der männliche Part beim Geschehen schuld hat, Warum wohl? Warum glaubt diese Frau das sie das Opfer ist? Was denkt ihr warum?
      Oder ist das auch zu übersensibel? wird hier auch rumargumentiert wieso dieses Verhalten einer Frau , gegenüber dem eines Mannes unterschiedlich zu bewerten ist? Und dann schauen wir uns nochmal die obige Plakatserie an und überlegen, was diese in ihren Bildern und Texten für eine Botschaft transportiert.

      1. Da gab es auch mal einen Fall einer Anwältin in Berlin die gegen 30 km/h Tempolimits an Schulen geklagt hat, weil dadurch ihr weg zur Arbeit und zum Einkaufen verlängert werden würde.
        Dazu sagte der zuständige Richter: „Die Abwägung zwischen dem Leben der Kinder und den zwölf Sekunden Zeitersparnis der Autofahrerin kann nur in einer Richtung ausgehen“.

        http://www.tagesspiegel.de/berlin/verkehr/verwaltungsgericht-schnell-erledigt-klage-gegen-tempo-30-vor-schule-gescheitert/5854956.html

    2. “Gender-Maskulinum” ?

      :husten: ähm, den Begriff kannte ich noch gar nicht. War damit eventuell das generische Maskulinum gemeint?

      1. Wie wärs wenn du dich statt mit einem falschen Wort mit dem Sachverhalt beschäftigst? Was ist damit? Ist der unintersant für dich, weil nicht „generische Maskulinum“ verwendet wurde?

      2. Mein Kommentar hat Mannzipation zitiert und war an ihn gerichtet.

        Sein Kommentar besteht aus einer wilden und sprachlich unhaltbaren Interpretation des Worts “Einer” auf den Plakaten. Alles weitere s. mein Kommentar um 18:29 und ähliche andere.

      3. Im übertragenen Sinn schon, nur satirisch persifliert (siehe die Anführungszeichen)
        😉

  10. Das zweite Bild…wie ein Drängler schaut dieser Bubi nicht unbedingt aus. Aber angenommen er drängelt – der Ausdruck unverhohlener Bewunderung auf seines Weibchens Visage erklärt auch warum…

  11. Ich gebe ja zu, dass man, wenn man einmal für das Thema sensibilisiert ist, Gefahr laufen kann einen gewissen Tunnelblick (was nicht abwerten gemeint ist) zu bekommen. Mir geht und ging das übrigens auch schon so.

    Andererseits hätte es den Aufstand gegen Beiersdorf nicht gegeben hinsichtlich der Nivea Reklame unter der Veranwortlichen für „Corporate Social Responsibilty“ (mehr hier u.a. hier: http://trennungsfaq.de/forum/showthread.php?tid=8385 und hier: http://emannzer.wordpress.com/2014/04/06/beiersdorf-aana-code-of-ethics-section-2-1/ ) Dies nicht nur in Deutschland übrigens.

    Zählen wir mal die Toten der Aktion zusammen und trennen nach Geschlecht: 6 Frauen, 2 Männer, 1 Kleinkind.

    Wollte man die Frauen als Opfer sehen, hätte man genug Zahlenmaterial anhand der Kampagne. Möchte man es unter sprachwissenschaftlichen Zusammenhängen betrachten, dann wurde neutral von „Einer“ geschrieben. Daraus könnte man allerdings auch wieder eine Erkenntnis ziehen, dass diese neutral beschriebene Person ein „Täter“ ist. Usw. usf.

    Ich sehe es wie einige andere hier: Es muss nicht gesagt sein, dass der Fahrer oder die Fahrerin der Drängler oder die Dränglerin ist. Dazu wirken mir die Bilder, speziell bei den ersten beiden Fotos auch zu entspannt. Sieht so ein Mann aus der drängelt?

    Da könnte man übrigens am ehesten Bild 3 kritisieren, denn das zeigt ggf. am ehesten auf, weshalb das Nichtvorhandensein von „Multitasking“ ein Schwindel ist.

    1. Nachtrag: Sehe gerade, dass die Bildaussage in dritten Foto etwas abweicht. Die Sonne strahlt von hinten und auf der Straße sieht man durch die Heckscheibe eine Lichthupe. Hätte man das intendieren wollen, dann sollte da doch wohl stehen: Einer drängelt, vier sterben … Aber das steht da nicht, sondern „ist abgelenkt“.

      PS: In meinem anderen Kommentar ist ein Fehler: Es muss heißen weshalb das Vorhandensein von “Multitasking” ein Schwindel ist

  12. @Autor (Aranxo)
    Des weiteren fällt bei dem letzten Bild auf „Einer ist abgelenkt vier sterben“, dass nur die Frauen als Menschen die sterben gezählt werden „Einer“ wäre ja schließlich der Fünfte, es sind aber nur vier.

  13. Also ich hab mich ja ähnliches auch schon bei diesen Plakaten gefragt. Eine „blöde“ Frage hätte ich jetzt, wo ich mal alle Motive sehe, aber noch:
    Ich weiss nicht, ob ich die einfach nur ausgeblendet habe, aber ich kenne das 3. Motiv (mit den Frauen) gar nicht! Auf der Autobahn sind mir nur die anderen, mit den Männern, aufgefallen. Fahr ich in den falschen Gegenden?

    Persönlich find ich einen Blick in die „Vergangenheit“ dabei aber ganz interessant:
    http://runtervomgas.de/material/archiv/plakate-poster-und-praeventionsmaterialien/
    Das sind die Motive von 2011/2012. Und hier ist es möglicherweise sogar ohne Frauen als „Täter“; kommt natürlich drauf an, wie man das interpretieren möchte, aber wieviele Männer hinterlassen ihrer Frau wohl überhaupt solch eine Nachricht und machen dann auch noch nen Smilie drunter? (vom Herzchen oder Kussmund möchte ich ja gar nicht reden!)

    1. Schriftlich vielleicht nicht. Aber ich bitte meine Frau jedesmal, wenn sie eine längere Strecke mit dem Auto wegfährt, vorsichtig zu fahren – weil ich sie gerne unversehrt wieder haben möchte.

    2. Es wird zwar auch in dieser Kampagne der Raser !möglicherweise! als männlich dargestellt, aber immerhin wird er nicht offensichtlich als Möder seiner Frau und seiner Kinder gebrandmarkt.

      Im Jahr 2014 sind wir da schon fortschrittlicher!

      btw: ich habe schon oft meine Frau „ermahnt“ im Auto nicht zu telefonieren.
      Aber sie ist emanzipiert.

    3. Ich kann 5 der Motive als neutral akzeptieren. Herzchen und Smilies sind Geschmacksache. Viele Männer sind auch offen dafür.
      Sehr wahrscheinlich vom weiblichen Geschlecht kommend sehe ich das mit dem Kussmund. Aber auch hier ist unser Blick das Problem. So einen Mund hat kein Mann? Wieso, wer sagt das? In jedem Fall ist aber, an wen sich hier das „Lass dir Zeit“ richtet. offen. Was wenn ein Teil aus einem gleichgeschlechtliches Paar hier was mitteilt? Das mit „Papi“ ist dagegen eindeutig an Männer gerichtet.
      Somit unterm Strich. Das einzige Geschlecht dass tatsächlich ganz konkret ermahnt wird, sind die Männer, genauer die Väter und das vom Kind. Möglicherweise weil die Väter in der Wahrnehmung der Gesellschaft als verantwortunglos gelten („Machen sich sofort vom Acker, wenns schwierig wird“, „Denken nur an sich selbst“) und daher auch Werbeleute dies so aufgreifen. Aber womöglich ist auch das überinterpretiert.

  14. Erinnert an die Alkoholwarnplakate…Für Männer: Sauf nicht sonst baust du Scheiße! Für Frauen: Sauf nicht sonst bauen Männer Scheiße mit dir!

  15. „Zum einen bin ich dann natürlich für das Wohlergehen meiner Beifahrer verantwortlich.“
    Aha, aber nicht anderen Autofahrern gegenüber.
    „Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein Familienvater riskant fährt, wenn die eigenen Kinder dabei sind.“
    Bei diesem Leiden hilft das Öffnen der Augen. Dann sieht man auch, daß Muttis es ebenso halten. Und das beide ganz bewußt andere gefährden. Vielleicht wollen sie ihren Kindern zeigen, wie man es richtig macht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s