Wenn die Frau das Geld verdient…

«Wie viele Frauen in Deutschland leben vom Geld ihrer Männer? Die haben das immer gemacht. Und wenn man das umdreht, gibt es einen großen Aufschrei. Das ist doch eigenartig», meint Susanne. Sie ist eine von drei «Haupternährerinnen», wie sie vor Jahren einmal in einer Reportage des ZDF porträtiert worden sind. «Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich das Gefühl, gebraucht zu werden und eine sinnvolle Arbeit zu tun», sagt Lutz in der Sendung, ein Hausmann, dessen Frau Alexandra mit ihrer Zahnarztpraxis für das Familieneinkommen zuständig ist.

In immer mehr Partnerschaften verdient sie mehr als er: Sie putzt, er kocht und näht, beide betreuen ihren dreijährigen Sohn. Das alles klingt auf den ersten Blick ganz harmonisch. Doch wie sieht es in Familien aus, in denen die Frauen die Haupternährerrolle innehaben und der Mann für den Haushalt zuständig ist? Warum haben sich die Rollen in diesen Familien umgekehrt?

Haupternährerinnen haben sich ihre Rolle nur selten freiwillig ausgesucht, wie aus einem Papier der deutschen Hans Böckler Stiftung (online nicht mehr verfügbar) hervorgeht. Dabei werden drei Arten von Haupternährerinnen aufgeführt: die Freiwilligen, die Zufälligen und die Widerstrebenden. Sowohl in West- als auch in Ostdeutschland «überwiegt die Zahl der Frauen, die unbeabsichtigt Familienernährerin werden – wegen der Trennung vom Partner beziehungsweise der Arbeitslosigkeit oder Berufsunfähigkeit der Väter (…) Frauen werden überwiegend unfreiwillig Familienernährerinnen, entweder als Partnerinnen von arbeitslosen oder prekär beschäftigten Männern – oder als allein Erziehende

Dass auch alleinerziehende Frauen unter die Kategorie Haupternährerin fallen, ist angesichts der Tatsache, dass zwischen 60 und 80 Prozent aller Scheidungen von Frauen eingereicht werden, etwas fragwürdig, zumindest dann, wenn diese Frauen gleichzeitig unter die Kategorie der Unfreiwilligen gezählt werden. Item: Familien, in denen die Rollen sozusagen vertauscht gelebt werden, weisen zwei Merkmale auf:

  • Zum einen herrscht allgemein Einigkeit darüber, dass man einem Partner die Ernährerrolle nicht ein Leben lang aufbürden kann – eine Einsicht, die in «traditionell» organisierten Familienformen gar nicht erst anzutreffen ist: «Nach Ansicht der Befragten sollten weder Mann noch Frau den Druck dauerhaft allein tragen, für das Familieneinkommen sorgen zu müssen (…).»
  • Zum anderen sind Frauen häufig Geringverdienerinnen und müssen die finanzielle Verantwortung für eine Familie unter ungleich härteren Bedingungen tragen, als die meisten Männer in derselben Rolle. Kommt hinzu, dass sie als «Haupteinkommensbezieherinnen deutlich mehr Zeit für die Kinder aufwenden als ihre Partner. Ein Rollentausch – die Mutter verdient das Geld, der Vater hütet die Kinder – findet in der Regel nicht statt.»

Das klingt zweifellos ernüchternd. Wer sich aller dings einmal mit Studien und Untersuchungen zur psychischen Verfassung von Arbeits- und Erwerbslosen auseinandergesetzt hat, weiss, dass der Verlust des Arbeitsplatzes – auch unter dem Aspekt, dass damit die Rollenvorstellungen vieler Männer plötzlich und abrupt in Frage gestellt werden – gesundheitlich schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen kann. Vor allem bei Langzeitarbeitslosen. Damit soll selbstverständlich nicht bestritten werden, dass es Männer gibt, die sich ganz bewusst vor der Haus- und Familienarbeit drücken.

Fest zu halten bleibt lediglich, dass der vielbeschworene Rollenwandel bislang kaum freiwillig stattfindet. Doch vielleicht liegt gerade darin eine Chance: Eine US-amerikanische Studie geht bereits schon davon aus, dass der Anteil der Familienhaushalte, in denen die Frauen den Grossteil an das Haushaltseinkommen beisteuern, in naher Zukunft auf über 30 Prozent steigen könnte.

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13 Antworten zu Wenn die Frau das Geld verdient…

  1. maennerstreik schreibt:

    Kaum nennenswerter Inhalt, klingt fast wie mein Familienernährerinnen-Artikel umformuliert 😀

  2. elitemedium schreibt:

    Gibt es bezogen auf den deutschen Markt Zahlen, wie oft das vorkommt, dass die Frau den Großteil des Haushaltseinkommens verdient? Ist das eine Exotengruppe oder ein Trend?

  3. Michel D. schreibt:

    Welches Fazit wird denn nun für den Artikel vorgestellt?

  4. mitm schreibt:

    Ich nehme dieses Thema Haupternährerinnen als wenig präsent in der allgemeinen Debatte und, wenn es überhaupt aktiviert wird, als eine Art „Nebelkerze“ wahr, die vor allem dazu dient, Konfusion zu erzeugen und in einigen (nicht allen) Fälle wieder mal Frauenprivilegierungen durchzusetzen, zumindest aber den feministischen Standpunkt ohne Diskussion durchsetzen zu können. Die Konfusion wird durch Vermischung eigentlich separater Probleme erzeugt:

    1. Daß die Frau in einer Beziehung mehr verdient als der Mann ist inzwischen „normal“ insofern, als jeder solche Fälle kennt und man sich nicht darüber wundert. Wenn das Ego des Mannes darunter leidet, sollte man ihm gut zureden oder einen mentalen Ausgleich schaffen, das ist aber eine interne Angelegenheit des Paares.

    2. Wenn die Frau Hauptverdiener ist und wenig verdient, also die Familie arm ist, dann ist es das gleiche, wie wenn der Mann Hauptverdiener ist und wenig verdient. Es ist also ein Armutsproblem und kein Geschlechterproblem. Es wird aber als Geschlechterproblem deklariert, offenbar mit der versteckten Aussage, daß es bei Frauen schlimmer ist als bei Männern, wenig zu verdienen, was wieder mal platter Sexismus ist und das Opfer-Abo der Frauen aktivieren will.

    3. Es scheint oft darüber geklagt zu werden, daß die mehrverdienende und mehr arbeitende Frau auch noch mehr im Haushalt arbeitet als der Mann. Wirklich brauchbare Statistiken dazu sind mir nicht bekannt (ich habe nicht danach gesucht), und die eigenen Verdienste werden ja stets viel deutlicher wahrgenommen als die der anderen. D.h. eine Mißstimmung zwischen dem Paar kann viele Ursachen haben. Beispielsweise, daß die Frau die übliche dominante Rolle bei der Kindererziehung und der Innengestaltung des Haushalts nicht aufgeben will. Wer Arbeit abgibt, muß auch Verantwortung und Entscheidungsbefugnis abgeben. Die Lösung derartigen Streits ist zunächst ein internes Problem des Paares, wo man dem Mann ggf. nahelegen würde, mehr zu tun, aber letztlich ist das nicht gesetzlich regelbar. Man sollte die beiden besser zur Eheberatung schicken (wobei ich mich verzweifelt frage, was das für Beziehungen sind, in denen man sich gegenseitig dauernd mit der Stechuhr den Arbeitseinsatz nachweist…). Verblüffend ist auch hier wiederum die ungleiche Behandlung bei Männern bzw. Frauen: bei Männern ist es völlig normal, wenn er wesentlich mehr arbeitet (beruflich und zuhause), daraus wird kein Politikum gemacht. Eher umgekehrt, die häusliche Langeweile ist derart lähmendend, daß Betty Friedans sie in Feminine Mystique zum zentralen Daseinsproblem stilisierte.

    Unter dem Schlagwort „Haupternährerinnen“ werden die drei vorstehenden und vermutlich weitere Themen zu einem Brei verrührt, den keiner mehr durchschaut, um am Ende zu schließen, daß Frauen die Opfer sind und gefördert werden müssen.

    • Neuer Peter schreibt:

      „Themen zu einem Brei verrührt, den keiner mehr durchschaut, um am [Anfang] zu schließen, daß Frauen die Opfer sind und gefördert werden müssen.“

      Fixed that for you.

    • M. schreibt:

      Ich muss Dir in allen Punkte Recht geben, mitm! Wie das Thema Familienernährerinnen auf der gleichnamigen Homepage angegangen wird, ist ein Hohn für jeden prekär beschäftigten Familienvater!

      Dass Männer in der Summe mittlerweile mehr arbeiten, als Frauen, ist hinlänglich bekannt, schon seit Jahren. Nur interessiert das niemanden. Das liegt vor allem daran, dass der Haushalt in der Geschlechterdebatte zu einem richtig gehenden Fetisch geworden ist. Alles, was ausserhalb des Familienhaushaltes liegt, ist nicht der Rede wert, also auch die bezahlte Erwerbsarbeit.

      Statt dessen macht immer wieder die Legende von der sog. „Gratisarbeit“ die Runde- auch so ein Mythos. Gratisarbeit? Wächst denn das Geld in allen Familienhaushalten neuerdings auf den Bäumen..?! Und in Single-Haushalten, in denen ebenfalls tagtäglich Hausarbeit anfällt, gibt es natürlich keine Gratisarbeit, ist ja logisch: Da kommt jeweils der gute Sankt Nikolaus vorbei und steckt einem die Kohle augenzwinkernd zu, nicht..?! Tatsache ist, dass sämtliche Arbeiten zuhause über das gemeinsame Haushaltseinkommen abgedeckt werden. Diese Gratis-Legende hängt mir langsam sowas von zum Hals heraus, ehrlich!

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