Das SCUM-Manifest von Valerie Solanas. Satire in Vollendung?

(Füllartikel. Der 9, ist noch frei. Meldet euch!)
Die wenigsten haben es gelesen. Die vielen die es tatsächlich kennen, stehen meist dem darin enthalten krassen Geschlechterrassismus nicht allzu fern. Trotzdem spielt es oft in Diskussionen rund um Geschlechterkampf oft eine Rolle.

Die Rede ist von der Schrift: „Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer“ (Society for Cutting up Men, SCUM), das von einer Frau namens Valerie Solanas verfasst wurde. Diese Frau verübte einen Mordanschlag auf Andy Warhol weil sie „ihn zutiefst verachtet“.
Ihr Werk wurde von Sara Stridsberg ins Schwedische übersetzt und dort von vielen Feministas begeistert aufgenommen.  Ein Theaterstück das daraus 2010 gemacht wurde, erfreut sich großer Beliebtheit nicht nur in radikalfeministischen Kreisen in Schweden und auch außerhalb.
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Ein persönliches Wort noch. Ich halte SCUM nicht für Satire, sondern für einen, in eine Welterlösungsphantasie gegossenen, Hassschrei für den begangenen Seelenmord durch den Mißbrauch durch den Vater und für die damit verbundene geraubte Kindheit und Jugend. Eine innere Abrechnung mit dem ganzen Leid und dem Schmerz dem sie ausgesetzt war. Ich denke sie hat diese Schrift todernst gemeint.

Dieser Schrei, dieser Hass und dieser unendliche Schmerz ist in allen Missbrauchsopfern zu finden. Auch in den männlichen die von Frauen mißbraucht wurden. Manche schaffen es nach jahrzehntelangen Therapien sich ein wenig davon zu lösen. Und viele untherapierte Opfer von Männern, finden heutzutage im radikalen Feminismus und diesen Ideen die den Hassgefühlen Form, Inhalt und eine Art Rationalität verleihen, Erlösung aus diesem Wutstau.
Der Feind ist identifiziert. „Bildet Banden, macht sie platt!“,#killmostmen.  (Gebt mir ein Messer ich bring die Drecksau um, die mir das angetan hat)
Wenn sich alle weiblichen Überlebenden der Seelenmorde, alle Frauen die sexuellen Übergriffen ausgesetzt waren und sind, die von Männern verübt wurden und werden, in dieser Phantasie langsam zusammenfinden, dann wird es wirklich gefährlich. Der geballte Hass auf den Freund,  den Onkel, den Großvater, den Bruder,  den Vater.  Die Vernichtung des Patriarchats, Die Bestrafung der Täter, die Auslöschung aller Vergewaltiger. Der Versuch endlich Frieden zu finden. Nachdem die Schweine endlich das bekommen haben was sie verdienen. Denn alle Männer sind Schweine.
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Dies sind Auszüge aus der Schrift dieser Frau,

Das SCUM-Manifest

Das Leben in dieser Gesellschaft ist ein einziger Stumpfsinn, kein Aspekt der Gesellschaft vermag die Frau zu interessieren, daher bleibt der aufgeklärten, verantwortungsbewußten […] Frau nichts anderes übrig, als die Regierung zu stürzen, das Geldsystem abzuschaffen […] und das männliche Geschlecht zu vernichten.

Heute ist es technisch möglich, sich ohne Hilfe der Männer […] zu reproduzieren und ausschließlich Frauen zu produzieren. Wir müssen sofort damit beginnen.

Der Mann ist eine biologische Katastrophe: Das männliche y-Gen ist ein unvollständiges weibliches x-Gen […]. Mit anderen Worten, der Mann ist eine unvollständige Frau, eine wandelnde Fehlgeburt, die schon im Genstadium verkümmert ist.

Mann sein heißt, kaputt zu sein; Männlichkeit ist eine Mangelkrankheit, und Männer sind seelische Krüppel. Der Mann ist völlig egozentrisch, in sich selbst eingekerkert und unfähig, sich in andere hineinzuversetzen oder sich mit ihnen zu identifizieren, unfähig zu Liebe, Freundschaft, Zuneigung oder Zärtlichkeit. Er ist ein vollkommen isoliertes Einzelwesen, unfähig zu irgendwelchen Beziehungen mit anderen.
Seine Reaktionen kommen aus den Eingeweiden, nicht aus dem Gehirn; seine Intelligenz ist lediglich Werkzeug seiner Triebe und Bedürfnisse; er ist unfähig zu geistiger Leidenschaft, geistigem Kontakt […].

Er ist ein halbtoter, reaktionsloser Klotz, unfähig, Freude und Glück zu geben oder zu empfangen; so ist er bestenfalls ein altes Ekel oder ein harmloser Tropf […].

Der Mann ist irgendwo im Niemandsland zwischen Mensch und Affe stehengeblieben, wobei er noch schlechter dran ist als die Affen […].

Obwohl er ausschließlich physisch existiert, ist der Mann nicht einmal als Zuchtbulle geeignet […], unfähig, eine lustvolle, sinnliche Nummer zu schieben […], die körperliche Empfindung, die er aufzubringen mag, ist gleich Null, […] er versetzt sich nicht in seine Partnerin hinein, sondern ist von der Idee besessen, ob er einen erstklassigen Auftritt hinkriegt, ob er seinen Klemptnerjob gut hinter sich bringt.

Den Mann ein Tier zu nennen, heisst, ihn zu schmeicheln […].

Der Mann ist psychisch passiv. Er haßt seine Passivität, darum projiziert er sie auf die Frauen, definiert Männlichkeit als Aktivität und versucht dann, dies sich selbst zu beweisen […], vor allem beim Vögeln. Da er versucht, einen Irrtum zu beweisen, muß er diesen Beweis immer und immer wieder antreten. Das Vögeln ist für ihn ein zwanghafter Versuch zu beweisen, daß er keine Frau ist. Aber er ist passiv und will eine Frau sein […].

Der Mann muß ständig zwanghaft kompensieren, daß er keine Frau ist. Dadurch, und durch seine Unfähigkeit zu menschlichem Kontakt und zum Mitleid hat das männliche Geschlecht die ganze Welt in einen Scheißhaufen verwandelt.

Er ist verantwortlich für:

  • Krieg […]
  • Geld […]
  • Ehe, Prostitution, Arbeit […]
  • Vaterschaft […]
  • Angst, Feigheit, Schüchternheit, Unsicherheit, Demut, Passivität […]
  • Unterdrückung der Individualität […]
  • Unterdrückung der Intimität […]
  • Autorität, Regierung […]
  • Philosophie, Religion, Moral […]
  • Allgemeinbildung, Dummheit […]
  • Unterdrückung des Gesprächs und der Freundschaft […]
  • Kultur […]
  • Mißtrauen, Zensur […]

Wie die Menschen ein vorrangiges Lebensrecht gegenüber den Hunden haben, so haben die Frauen ein größeres Lebensrecht als die Männer. Die Vernichtung sämtlicher Männer ist daher eine gute und rechtliche Tat; eine Tat, die sich zum Wohl der Frauen und Segen aller auswirken würde.

Wie dem auch sei, diese moralischen Forderungen bleiben abstrakt, da die Männer sich mit der Zeit selbst eliminieren werden. […]
Aber SCUM ist ungeduldig […] und wenn die große Mehrzahl der Frauen SCUM wäre, dann würden sie innerhalb weniger Wochen die vollständige Kontrolle über dieses Land gewinnen […]. Zusätzliche Maßnahmen […] könnten darin bestehen, daß die Frauen das Geldsystem abschaffen, […], daß sie plündern und sich weigern, den beschissenen Gesetzen zu gehorchen […].

Sogar ohne die Männer zu verlassen, könnten die Frauen – wären sie sich nur über das Maß ihrer Überlegenheit und Macht über die Männer bewußt – die vollständige Kontrolle über das Ganze innerhalb weniger Wochen erobern und können die totale Unterwerfung der Männer unter die Frauen erreichen. In einer gesunden Gesellschaft würde der Mann folgsam hinter der Frau hertrotten […].

SCUM wird die Rundfunkmedien […] übernehmen und […] Ehe-kaputt spielen, sich zwischen gemischte (männlich-weibliche) Paare drängen und sie auseinanderjagen.

SCUM [wird] Dreckseminare einrichten, bei denen jeder männliche Teilnehmer seine Rede mit den Worten beginnen wird: „Ich bin ein Dreck, ein schmutziger, gemeiner Dreckskerl.“ […]

Einige Beispiele für die widerlichsten, schädlichsten Typen sind: Frauenschänder, Politiker […] miese Schlagerstars und Musiker […] Aufsichtsratsvorsitzende, Hausbesitzer […] Geizhälse […] Polizisten […] Lügner und Angeber, Diskjockeys […] Grundstücks- und Börsenmakler, Männer, die den Mund aufmachen, wo sie nichts zu sagen haben; Mänber, die faul auf der Straße rumlungern und die Landschaft mit ihrer Anwesenheit verschandeln […] alle Männer in der Werbebranche […].

Die Versuchung ist groß, auch die weiblichen […] Heuchler usw. zusammen mit den Männern zu beseitigen, aber das wäre undurchführbar, weil dann niemand mehr übrig bliebe […]

[…] Ist das Geld einmal abgeschafft, dann wird es nicht mehr nötig sein, die Männer zu töten; sie werden ihres einzigen Machtmittels über die psychologisch unabhängigen Frauen beraubt sein […].

Alle Frauen werden damit beschäftigt sein, die wenigen noch offenen Fragen zu lösen […]: Dazu wird eine völlige Neuordnung des Ausbildungssystems gehören, damit Millionen Frauen binnen weniger Monate für hochqualifizierte intellektuelle Arbeit ausgebildet werden können […]. Ferner werden Probleme um Krankheit, Alter und Tod gelöst […].

Die wenigen überlebenden Männer mögen ihre kümmerlichen Tage mit […] Drogen weiterfristen, als Travestiten in Frauenkleidern herumstolzieren oder passiv die superdynamischen Frauen in voller Aktion bewundern
[…] oder sie können gleich um die Ecke zum nächsten Selbstmord-Center gehen, wo sie unauffällig, schnell und schmerzlos vergast werden.

 

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8 Antworten zu Das SCUM-Manifest von Valerie Solanas. Satire in Vollendung?

  1. zuerstmensch schreibt:

    Hat dies auf 140zeichensindnichtgenug rebloggt und kommentierte:

    Zu Archivzwecken

  2. Da ist schon viel harter Tobak vorhandne.

    Ob es Satire war ist ja gerne diskutiert. Wenn es Satire ist, dann nur auf was? Es müsste ja dann eigentlich den radikalen Feminismus auf die Schippe nehmen?

    Wenn man es als gewollte Übertreibung sieht, die die extreme aufzeigen soll, dann ist es zu unkritisch.

    Vielleicht stammt ein Teil der positiven Aufnahme insofern zu einem bestimmten Teil aus Männerhass und zu einem anderen Teil daraus, dass man meint, dass man gegen eine solch starke Unterdrückung wie das Patriarchat jedes Mittel verwenden kann, dass aufrüttelt.

    Es wäre insofern eine Rachephantasie, die quasi Spiegelbilidlich das Leid darstellt, das Frauen erleiden.
    Man muss dann aber wohl schon eine sehr starke Unterdrückungsphantasie aufbauen um solche Rachegelüste aufbauen zu können

  3. zuerstmensch schreibt:

    Ja denke ich auch. Ich sehe darin eine Rachephantasie eines mißbrauchten Menschen, der aber sich nicht mit dem eigenlichen Täter befasst, was ihr persönlich angetan wurde, sondern ein Merkmal des Täters plus Tat zu einer Gruppenprojektion werden lässt. Damit lässt sich der Schmerz und Hass viel besser kontrollieren. Man hat eine scheinbar rationale Form die nicht den eigenen Mißbrauch thematisiert, sondern ihn zu etwas werden lässt, was alle Menschen mit dem eigenen Geburtsmerkmal erleiden. Damit wird das Erlittene zur „Erweckungserfahrung“. Dabei wird ausgeblendet, dass alle Menschen mißbraucht werden können oder Gewalt erleiden. Für die Person ist diese Phantasie so stark, dass sie diesen „erkannten“ FEIND anfängt zu beobachten, anzuklagen und eine kollektive Schuldzuweisung vorzunehmen.

    Kann diese Person nun andere die ebenfalls die eigene Gewalterfahrung, den eigenen Mißbrauch stark verdrängen, überzeugen diese kollektiven Illusion anzunehmen wächst die Masse derer die diese kollektive Schuld, diese pauchaule Zuordnung von Bösartigkeit zur anderen Gruppe akzeptieren. Dabei wird die Person selbst zur der die DIE Lösung gefunden hat, sie wird zur Erlöserfigur, die menschenverachtende Auslöschungsphantasie zum real Vorstellbaren für die Menschen die dem verfallen. (Hier erst nach dem Ableben der Person. Daher auch „Böses Erbe von SCUM“)
    Von denen die dieses Glaubenskonstrukt nun angenommen haben, wird die Tat als das angeborene Verhalten dieser anderen „Art“ betrachtet. Und in dem Maß in der es der Person oder deren Anhängas möglich wird, diese Projektion in Politik umzusetzen, umso gefährlicher wird es.
    Dem Angehörigen der einen Gruppe, der Täter-Gruppe wird generell dieses Tatverhalten unterstellt und er muß sich offensiv von allen distanzieren, die dieser Projektion nicht als wahr annehmen wollen. Spricht er sich nicht sofort dafür aus, dann wird er als Feind markiert. Aber da es eine kollektive Selbsttäuschung ist, wird diese mehr und mehr zu Fixierung. „Der FEIND verstellt sich doch nur“, „Wo versteckt sich der FEIND?“ , „Wer schützt den FEIND?“. Damit nimmt die Paranoia in dem Mass zu, in dem die politische Macht dieses radikalen Teils wächst. Der innere Schmerz und der Hass der projiziert wird, verlangt letztendlich nach der Auslöschung des FEINDs insgesamt. Dieser kann aber nicht unmittelbar angestrebt werden, da dies von der Gesellschaft als unakzeptierbar gesehen würde.
    Die restliche Bevölkerung muß daher auf diesen kollektiven Rachfeldzug mitgenommen werden, indem die andere Gruppe der „Missbraucher“, der „Vergewaltiger“ entsprechend bedrohlich und im wachsenden Maß gefährlich dargestellt wird. Daher müßen Medien, Öffentlichkeit, Behörden dafür instrumentalisiert werden, damit diese diese Propaganda übernehmen können. Hat man den FEIND genügend demonisiert, dann ist die Bevölkerung bereit nach und nach jeder Art von Entrechtung, Hassreden oder sogar körperlichen Schäden an Personen zu akzeptieren die als FEIND gemarkt wurden. Die, die sich nicht vollständig als Helfers dieser Gewaltphantasie eingliedern: „Nun ist es an Dir, Du tapferer weißer Mann, Dich zu entscheiden: Auf welcher Seite möchtest Du stehen?“ , sind dann die Feinde aller.

    Ich glaube auch, dass es kein Zufall ist das sich der unbändige Hass des radikalisierten Teils gegen „das Patriarchat“ richtet, das den Bestandteil „Vater“ enthält.

  4. M. schreibt:

    Ich denke, wir sollten uns von det Vergangenheit lösen.

    Alle.

  5. zuerstmensch schreibt:

    Ja sollten wird. Dringend. Der Schmerz wird nicht weniger, wenn das Tätere tot ist. Man fühlt nur ein leeres Loch im Herzen. Und unendliche Trauer, darüber dass einem ein Leben komplett von das das nicht mehr da ist, weggenommen worden ist. Man kann es nicht mal mehr anschreien, es bespucken, es fragen: „WARUM?“.
    Und sich ein FEIND zu suchen, das man dann stellvertredend dafür verantwortlich machen kann, weil die Stellvertretas noch am Leben sind, hat nur ein Resultat. Man wird selbst schuldig. Die mißbrauchen Opfer die sich jetzt zusammenschließen um der kollektiven Hassphantasie zu fröhnen, werden unmerkbar für sich selbst zu dem was sie am meisten verabscheuen. Zu Täters.

  6. Pingback: MIsandrismus und warum das ganz sicher KEIN Teil des Feminismus ist! | Geschlechterallerlei

  7. boes_adipoes schreibt:

    Naja, immerhin wollte diese Übermenschin mehr Menschen ermorden als es je alle Faschisten zusammen „vollbracht“ haben. Ein Zeichen für die ach so viel beschworene Güte der Frau?

  8. Matthias Mala schreibt:

    Irgendwann entscheidet sich jeder Geschändete, ob er Täter wird oder nicht. Wird er Täter, entschuldigt ihn sein vergangener Opferstatus nicht. Entscheidet er sich gegen eine Täterschaft, hat er die Wahl, im Opfersein zu verharren oder ein Stück weit zu heilen. Ob das eine oder das andere, beides wird ihn für den Rest seines Leben beschäftigen.
    Matthias Mala

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