Sexuelle Aggression und Seitensprünge – ist das Doppelmoral?

Eigentlich wollte ich den Gastbeitrag von honeyinheaven „Matschos Albtraum“ kommentieren, aber da ich hier ja auch Mitautor bin und mein Beitrag ein wenig länger geworden ist, dachte ich mir, ich könnte es ja auch gleich als eigenen Artikel veröffentlichen. Also hier ist meine Premiere:

Der Gastbeitrag von honeyinheaven „Matschos Albtraum“ ist ein durchaus interessantes
Gedankenexperiment. Allerdings trifft es nicht so ganz. Zum einen, weil es wie das in den Kommentaren erwähnte Video aus Frankreich zu sehr alle möglichen Belästigungen in einen Tag komprimiert, was auch Frauen seltenst in dieser Häufigkeit passiert (behaupte ich mal).

Zweitens und viel wichtiger: Männer kommen mit sexueller Aggression viel besser klar. Einfach erklärt, sie ist aus den folgenden Gründen viel weniger bedrohlich als für Frauen.

1. Wir leben im Bewusstsein, dass wir uns aufgrund der größeren Körperstärke (zumindest Frauen gegenüber) besser wehren können. Was manchmal auch ein Trugschluss sein kann, nur so nebenbei.
2. Wir glauben, dass es zumindest sowas wie weibliche Vergewaltigung an Männern, also die schärfste Form der sexuellen Aggression, nicht gibt. Ob das wirklich stimmt, ist da erstmal unerheblich.
3. Selbst wenn es so etwas wie weibliche Vergewaltigung gäbe, die möglichen Folgen dessen, Schwangerschaft und ein Kind durchfüttern zu müssen, hätte – zumindest aus evolutionstheoretischer Sicht – die Frau zu tragen, auch wenn das heute aufgrund des kulturellen Überbaus, sprich Unterhaltsrecht, deutlich abgemildert, wenn nicht sogar umgekehrt wurde. Aber diese Anpassung an die geänderten Verhältnisse konnten unsere genetisch gesteuerten Instinkte noch nicht nachvollziehen.

4. Selbst bei einer erfolgten Befruchtung durch eine solche weibliche Vergewaltigung würde dies weniger der männlichen Fortpflanzungsstrategie widersprechen. Wer in der Sekunde über 1000 Spermien produziert und theoretisch am Tag drei oder vier Kinder zeugen könnte, kann damit auch verschwenderischer umgehen als die Frau, die ein Ei im Monat und grob ein Kind pro Jahr produzieren kann und sich der Risiken der Schwangerschaft bewusst ist, die früher ja viel erheblicher waren. Zudem trägt sie in unserer Spezies traditionell die Hauptverantwortung für die Aufzucht und ist während dieser Zeit tendenziell unattraktiver für weitere, vielleicht bessere Bewerber.

Zusammenfassend: Die Frau muss sehr genau auswählen, ob der Genpool des potentiellen Partners gut genug ist und auch ob dieser bereit ist, sie während der Aufzucht zu unterstützen. Der Mann dagegen kann die Strategie fahren, seinen Samen möglichst breit zu streuen. Ausschlusskriterien sind eher, ob die Frau überhaupt Kinder bekommen kann und wenn ja, ob sie in der Lage und verantwortungsbewusst genug ist, das Kind dann auch durchzubringen. Diese Theorie ist altbekannt und auch vielleicht ein wenig platt. Ich habe aber noch keine überzeugende Widerlegung gelesen.

All das erklärt, warum Frauen viel empfindlicher gegenber sexueller Aggression sind. Der schon diskutierte Arschgrapscher ist für uns Männer eben aufgrund der geringeren Bedrohlichkeit sogar oft ein Kompliment. Ein Annäherungsversuch ist ja auch immer ein Nachweis der eigenen Attraktivität, was wir ohne Bedrohungshintergedanken genießen können. Wie oft hört man Männer darüber jammern, dass sie auch gerne mal angebaggert werden würden und nicht immer der ersten Schritt machen müsten. Passiert aber so gut wie nie, und wenn, dann ist meiner unmaßgeblichen Meinung nach der Prozentsatz der unattraktiven Frauen, von denen Mann Ann„äherungsversuche erfährt, noch weit höher als der Prozentsatz der unattraktiven Männer, von denen Frauen Annäherungsversuche erfahren. Kein Wunder, die attraktiven Frauen haben das ja auch nicht nötig, weil sie schon einen Pool an Verehrern um sich rum haben. Das scheint mit auch der Grund zu sein, warum ein Gutteil von Männern damit überhaupt nicht zurecht kommt, wenn Frau mal die Initiative ergreift. Es ist der unterschwellige Argwohn, „die hats nötig, die kriegt anders keinen, mit der ist was faul“. Jedenfalls höre ich oft von Frauen, dass es so gut wie nie funktioniert, wenn sie mal die Initiative ergreifen. Da ergreifen die Herren dann die Flucht. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es einfach nicht zum männlichen Rollenbild des Aktiven, des Jägers geh”rt, wenn man mal der Gejagte ist. Aber es ist allenfalls unangenehm, aber nicht bedrohlich.

Etwas anderes ist nach meiner Erfahrung für Männer dagegen viel bedrohlicher als für Frauen, und sie kommen damit viel weniger klar als Frauen, nämlich Untreue der eigenen Dauerpartnerin. Frauen prangern es ja gerne als männliche Doppelmoral an, wenn Männer sich Seitensprünge gönnen, aber total ausflippen, wenn Frau sich das auch erlaubt. Nach meiner Lebenserfahrung können Frauen mit Seitensprüngen von Männer oft wesentlich besser umgehen. Männer betrachten ein Frendgehen Ihrer Frau viel eher als einen Angriff auf ihre Männlichkeit, während Frauen viel weniger ihre Weiblichkeit in Frage gestellt sehen.

Ich meine damit nicht die Eifersucht generell. Frauen sind oft eifersüchtiger, solange noch kein Grund vorhanden sind. Das liegt wohl am oft geringeren Selbstwertgefühl von Frauen. Während Frauen sich oft unterschätzen, neigen Männer ja bekannermaßen eher ein wenig zur Überschätzung. Warum sollte man also Konkurrenz fürchten, wenn man(n) sich eh für den tollsten hält?! Liefert der Partner aber einen Grund, schlägt das bei Männern viel schneller und viel mehr um ins Extreme.

Warum ist das so? Meine Theorie ist, dass es genau derselbe Grund ist, warum auf der anderen Seite sexuelle Aggression für Frauen wesentlich schlimmer ist. Es ist in unserer Spezies traditionell so, dass Frauen die Kinder aufziehen und die Kinder auch bei der Frau bleiben, sollten sich Eltern trennen oder ein Erzeuger von vorneherein kein Interesse hat, bei der Frau zu bleiben. Was Frauen oft nicht so auf dem Schirm haben, ist die Tatsache, dass, wenn sie ein Kind bekommen, sie zu 100% wissen, dass es tatsächlich auch ihres ist. Und dass das der Mann nie sicher weiß. Männer haben Angst vor Kuckuckskindern. Evolotionär betrachtet bedeutet dies eine Verschwendung von Ressourcen, wenn man unwissentlich ungewollte Gene durchfüttern und aufpäppeln muss. Das ist ungefähr gleichbedeutend mit einer Vergewaltigung, bei der Frau auch Gefahr läuft, ungewollte Gene aufziehen zu müssen.

Worauf ich hinaus will? Ich will zur Diskussion stellen, ob wir es akzeptieren können, dass Männer und Frauen manchmal anders ticken, andere Strategien für Überleben und Fortpflanzung haben, und damit auch unterschiedliche Empfindlichkeiten. Wenn Frau im Beisein des Partners mal mit nem anderen Typen flirtet, ist ein „Hab Dich mal nicht so, war doch harmlos“ genauso unangebracht wie dieselbe Ansage von einem Kerl, der Euch grade auf den Arsch geklatscht hat.

Und hier das obligatorische Popvideo. Es beschreibt, worum es ja doch immer geht und ist zugleich ein Aufschrei eines missverstandenen Mannes…

https://www.youtube.com/watch?v=lDJgtemS9MA