Gallische Dörfer und andere Legenden

Der Queer- und Genderfeminismus liebt es in seiner Außendarstellung gerne folgendes romantische Bild von sich zu entwerfen. Eine kleine geknechtete Minderheit steht dem schier übermächtigen Imperium (Patriarchat, Mainstream, Heteronormativität) gegenüber trotzt diesem erfolgreich kleine Siege ab. Quasi das kleine gallische Dorf, dass den Römern noch immer erfolgreich Widerstand leistet.

Tatsächlich ist es aber so, dass die Denkrichtung des Queer- und Genderfeminismus sich längst als herrschende, dominierende Meinung versteht, gegen die es eigentlich keinen ernsthaften Widerspruch mehr geben darf.

Wann immer tatsächlich mal zu seltenen Anlässen Personen oder Gruppen auftreten und genau das tun, was der Queer- und Genderfeminismus der Mehrheit ohnehin unterstellt, nämlich sich offen GEGEN  ein Genderleitbild im Schulunterricht, gegen Frauenquoten oder Homoehe auszusprechen, flippt die femistische Seite völlig aus. Vertreter dieser Auffassungen werden dann plötzlich nicht mehr als Mehrheitsvertreter sondern als Minderheit, als Nazis, als krank, als totale gesellschaftliche Außenseiter und Feinde der Menschheit gesehen und angegriffen. Obwohl man sich in einer Welt wähnt die nach eigener Deutung per se tagtäglich sexistisch und homophob ist wird es als unglaubliche Entgleisung verstanden, wenn jemand offen derartige Positionen vertritt.

Warum wird dieses gewaltvolle Verständnis von Meinungsfreiheit medial geduldet? Warum wird diskriminierenden Positionen Raum gegeben, warum werden andere Stimmen dafür übergangen?taz

Das passt nicht zu der Legende von der kleinen mutigen Rebellengruppe. Hier versucht eine meinungsdominaten Gruppe diese Dominanz und Deutungshoheit um jeden Preis zu verteidigen und ist dabei schon so diskursstark, dass die Gegenmeinung nur noch als Zeichen pathologischer Störungen wahrgenommen wird.

„Hinter seinem krawalligen Vulgärkonservativismus verbergen sich eher die altbekannten Klagen jener Wutbürger, die mit all den Zumutungen einer modernen Gesellschaft nicht mehr klarkommen: mit Homosexuellen, die heiraten, mit Frauen, die eine eigene Meinung haben, mit Jugendlichen, die nicht arbeiten, oder mit Wörtern mit großem I in der Mitte. In seinem Buch „Deutschland von Sinnen“ brüllt Pirinçci, der mit dem Katzenroman „Felidae“ reich wurde, Sarrazins Empörungslitanei noch mal durchs Megafon. Man wird ja wohl noch mal herumpöbeln dürfen“ FAZ

Der besondere Kunstgriff besteht also darin die Gegenposition zunächst einerseits als Mehrheitsmeinung darzustellen – denn man ist ja selber unterdrückt – um dann im nächsten Atemzug süffisant darauf hinzuweisen, dass es sich ja eigentlich nur um die Meinung Ewiggestriger, Wutbürger etc. also keinesfalls ernstzunehmnder Gesprächspartner handelt.

 

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34 Kommentare zu „Gallische Dörfer und andere Legenden“

  1. Sehr gutes Argument, danke.
    Ich werde bei den nächsten Diskussionen die wie üblich in diesem Stil ablaufen auf deinen Text verlinken.

    Gruß

  2. Ich habe da einen Einspruch. Die konservative Kritik geriert sich gerne selber als unterdrückte Minderheit gegen eine vorherrschende Meinung. Deshalb kommt dann immer wieder die Aussage, man werde das ja wohl noch sagen dürfen. Damit verbunden ist die Klage, dass man das eigentlich lange schon nicht mehr sagen darf. Auch die Konservativen spielen gerne „gallisches Dorf“ und reflektieren nicht, dass sie sich breit in den Mainstream-Medien äußern. Ein gutes Beispiel ist dafür Henryk M. Broder, weiland im Spiegel dauerpräsent, der aber dennoch so tat, als sei er jemand, der um Gehör für seinen Standpunkt heftig kämpfen müsse.

    Man kommt der Wahrheit wohl näher, wenn man konstatiert, dass es nicht die eine Öffentlichkeit gibt in Gestalt eines geschlossenen Diskurses, sondern mehrere und dass es mehrere Großgruppen gibt, die einflussreich und medienpräsent sind. Deshalb wundert es auch gar nicht, dass politische Gegner geradezu einmütig, wenn auch unter anderem Vorzeichen, beklagen, die Presse sei ihnen systematisch jeweils feindlich gesinnt und bevorzuge immer die andere Seite. Das hört man hüben wie drüben.

    Es gibt eben wenigstens zwei mächtige Diskurse, den des Feminismus und den des Rechtskonservatismus, dem es nicht an Medienecho fehlt. Beide arbeiten mit Feindbildern und beide brauchen für ihre Legitimation den Topos der „Unterdrückung“ und des legitimen Widerstandes. Der Widerstandstopos arbeitet stets mit universellen Werten und verschleiert, dass es der jeweiligen Gruppe um ganz partikulare Eigeninteressen geht. Das hatte einst der Milieuforscher Michael Vester (in Zusammenarbeit mit Kollegen) für die Grünen konstatiert bzw. für das linksalternative Milieu: Diese kommen eigentlich aus bürgerlichen Schichten, gaben sich aber allgemein-revolutionär, um so Anschluss an andere Milieus zu finden. Immer wird suggeriert, dass die jeweilige Gruppe auch für die Interessen anderer Gruppen kämpfe. Das ist aber selten wirklich der Fall, vielmehr ist das eine rhetorische Strategie. Pirinci, in der Tat wohlhabend und dank der Medien in aller Munde, ist kein Rebell. Es gibt ganz andere Menschen und Menschengruppen, die in unserer Medienwelt kein Gehör finden. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass die Männerrechtler dazu gehören.

      1. Matze, das liegt doch auf der Hand: Dass sich Maskulisten von Pirincci abgrenzen sollten. Das war der Ausgangspunkt.

        Noch sehe ich diese Notwendigkeit nicht, denn zwischen mir und Pirincci gibt es kaum Schnittmenge. Aber ich glaube, ich grenze mich schon prophylaktisch ab. Allerdings mit dem Unterschied, dass ich das nicht tue, weil ich damit den Forderungen von Feministinnen nachkommen will. Ich tue das der eigenen Seelenhygiene wegen.

      2. Ja, weil er ein Pöbel ist, der sein Buch verkaufen will und dabei nicht den Eindruck macht an einer Diskussion interessiert zu sein oder eine Lösung zu finden, die nicht beinhaltet, dass alle so tun also ob wir 1970 haben (oder wann er nach DE kam). Das ist zumindestens das Bild, was ich einen Interview mit ihm hab.

        Aber dieses „Oh, es gibt Männerrechtler die Akif nicht total doof finden… schwört ihm erstmal alle ab, sonst wird das nix“ ist für mich nur eine allzu bekannte moralische Abwertung von Männerrechtlern. Das soll dann irgendwie Schuldgefühle hervorrufen oder sowas.

        Ich finde es sehr unrealistisch zu erwarten, dass _DieMännerrechtler_ erstmal alle die gleiche Einstellung sich aneignen sollen, bevor man bereit ist sich ihre Anliegen anzuhören. Das wird nicht passieren und wenn das zu einer Bedingung wird, wird auch nix passieren. Man kann ja versuchen die Ketzer zu überzeugen, aber das ist wahrscheinlich so schwer wie Leute die an eine Rape-Culture glauben vom Gegenteil zu überzeugen.

      3. „Aber dieses “Oh, es gibt Männerrechtler die Akif nicht total doof finden… schwört ihm erstmal alle ab, sonst wird das nix” ist für mich nur eine allzu bekannte moralische Abwertung von Männerrechtlern.“

        Richtig, das ist einfach nur eine unfaire Strategie, die Diskussion zu vermeiden.

    1. Deine Wertung steht der Meinen nicht entgegen. Es scheint probates Mittel zu sein, sich jeweils als unterdrückte Meinungsgruppe zu präsentieren. Wobei ich jetzt keine Buchlesung von Judith Butler, Alice Schwarzer oder Nadine Lantzsch in Erinnerung habe, bei der brüllende und protestierende Konservative die Veranstaltung gesprengt hätten, weil sie es als ihr gutes Recht betrachten nicht nur anderer Meinung zu sein, sondern jede Gegenmeinung als nicht legitim auszuschalten.

      1. Richtig. Pöbelnde Horden gibt es da nicht. Aber sie pöbeln im Nahfeld, am Stammtisch, in der Nachbarschaft und das ist mir nicht weniger unangenehm als der Feminismus. Ich finde die Unterschiede nur graduell. Auch die Konservativen fordern letztlich den Staat und zwar einen illiberalen Staat, den ich nicht will. Sie agieren propagandistisch und immerfort feindbildorientiert, Stichwort 1968. Leute wie Broder scheuen auch nicht vor Lügen zurück, um Meinung zu machen. Wer das kritisch aufklärt, wird rabiat beschimpft und öffentlich diskreditiert. Man wird bei Kritik auch allzu schnell in eine Ecke geschoben, zwar nicht in die rechte, aber in die ganz linke.

        Es ist letztlich auch egal, ob die einen pöbeln durch Aktivisten oder die anderen in den Schreibstuben und Leitartikeln pöbeln. Wichtig ist nur, dass man kritisch bleibt, um nicht vermeintlichen Heilsbringern auf dem Leim zu gehen, die eigentlich nur ihre eigene Agenda verfolgen.

        Schon deshalb finde ich das Label „Männerrechtler“ gut. Ist auch noch unklar, aber immerhin ist hier die Interessengruppe etwas deutlicher gekennzeichnet. Aber ich hüte mich vor Bewegungen, die mit den ganz großen Worten loszieht. Das Pathos ist meistens falsch.

    2. Der feine Unterschied ist, daß die Konservativen heute eben viel eher gallisches Dorf sind als der feministisch-homophile Mainstream. Mit feministisch-homophilen Positionen wird dir in den Medien nicht viel passieren, im Gegenteil.

      Der Widerstandstopos ist meiner Meinung nach wesentlich angebrachter, wenn ihn Konservative verwenden – auch wenn ich deren Positionen insgesamt weniger teile.

      Es gibt nun einmal einen hegemonialen profeministisch-prohomophilen und islamophilen Diskurs – wer dem widerspricht, ist gearscht, egal ob links oder rechts.

      Also einigen wir uns darauf, daß das gallische Dorf weder rechts noch links ist, sondern das, welches sich gegen den vulgären „linksalternativen“ Diskurs richtet. 🙂

      1. „Also einigen wir uns darauf, daß das gallische Dorf weder rechts noch links ist, sondern das, welches sich gegen den vulgären “linksalternativen” Diskurs richtet.“

        Deal! Dieser Diskurs geht mir auch gehörig auf den… …Sie wissen schon ^^
        Aber damit ist es nicht genug. Es richtet sich auch gegen den Differenzfeminismus und die eher unpolitische Abwertung von Männern wie Mystifizierung von Frauen. Ich glaube sogar, dass diese Strömung noch bedeutsamer ist. Weil sie plausibler wirkt, auch über die linke Szene hinaus Anhänger finden kann.

    3. Ich glaube man muss da differenzieren zwischen der Meinung der allgemeinen Bevölkerung und zwischen den Eliten. Unter der Bevölkerung sind tatsächlich konservative Ansichten durchaus verbreitet und es wäre hier falsch Konservative als „gallisches Dorf“ darzustellen. Aber unter den Eliten–sprich Medien, Schriftsteller, Professoren, etc.–ist Konservatismus verpönt und es ist dabei auch zutreffend derartige Ansichten als „gallisches Dorf“ zu charakterisieren.

      1. Das stimmt vermutlich so nicht. Zumindest sehe ich da einige Indizien, die dagegen sprechen:
        Lutz Hachmeister, Medienwissenschaftler, meinte feststellen zu können, dass es einen konservativen Meinungsschwenk in den Medien gegeben hatte, so in den 2000ern.
        Tatsächlich gibt es ohnehin Medien, in denen konservative Standpunkte eine Heimat haben: FAZ, Welt, Focus, Cicero, um nur einige zu nennen.

        Professoren sind letztlich ganz normale Menschen. Sie haben auch deshalb ganz unterschiedliche politische Haltungen. Die wenigsten sind Intellektuelle, sondern sie sind Fachleute, die sich um ihren Bereich kümmern. Sie gehören nicht zu den großen Reflektieren. Deshalb gibt es in dieser Gruppe gewiss weniger bekennende Linke mit Engagement, als man meint. Denen dürfte eine stolze Riege konservativer, grüner, liberaler, sozialdemokratischer Professoren gegenüberstehen.

        Und nochmals Henrik M. Broder, der vermeintlich einsame Rufer in der Wüste. Seit vielen Jahren arbeitet er sich an ähnlchen Themen ab wie jetzt auch Pirinci, nur im Stil etwas anders, aber immer gegen den vermeintlichen rot-grünen mainstream. Beim Spiegel als Autor, der dort Namensbeiträge schrieb. Und so tat, als hätte er es schwer, sich durchzusetzen mit seiner Meinung.

        Diese Leute sind nicht alleine. Da ist noch die BILD und ihre lokalen Boulevardschwestern. Auch da kommt mitunter tiefster Konservatismus vor.

        Also die These, dass bei den besagten Berufsgruppen der Konservatismus verpönt sei, müsste mal belegt werden. Ich finde nicht, dass sie stimmt, aus meiner Erfahrung mit Teilen dieser Berufsgruppe.

      2. Der Begriff „verpönt“ war vermutlich etwas übertrieben. Dennoch denke ich schon, dass unter den genannten Gruppen linke Einstellungen weitaus stärker verbreitet sind als konservative. Dabei meine ich mit links natürlich nicht nur Sozialisten oder Wähler von DIE LINKE, sondern durchaus auch Sozialdemokraten und Grüne (man kann zwar ökologisch interessiert sein und trotzdem konservativ oder liberal sein, in aller Regel gehen aber linke Einstellungen und Ökologismus Hand in Hand).

        Unter den Professoren muss man unterscheiden zwischen technisch/naturwissenschaftlichen Fächern, wo man durchaus alle möglichen poltischen Meinungen unter den Professoren findet, und humanistisch/sozialwissenschaftlich/künstlerischen Fächern, wo linke Meinungen vorherrschen. In derartigen Studienfächern stehen auch in der Regel Marx, Rawls und Konsorten auf dem Studienplan. Die entgegengesetzten konservativen und liberalen Standpunkte kommen meist zu kurz oder werden als Feindbild bzw. als veraltet dargestellt.

        Konservative Standpunkte werden zwar in den Medien vertreten, außerhalb des verpönten Boulevardjournalismus sind dies jedoch meist nur sehr moderate konservative Meinungen, von liberalen ganz zu schweigen. Aber selbst die BILD ist ja keineswegs stramm konservativ, sondern gibt ja zum Beispiel Leuten wie Alice Schwarzer ein Sprachrohr.

      3. Ach und die katholische Kirche bzw. die Kirchen an sich sind durchaus auch Orte des institutionalisierten Konservatismus. Nicht zwangsläufig, aber doch häufiger mal.

      4. „. In derartigen Studienfächern stehen auch in der Regel Marx, Rawls und Konsorten auf dem Studienplan. Die entgegengesetzten konservativen und liberalen Standpunkte kommen meist zu kurz oder werden als Feindbild bzw. als veraltet dargestellt.“

        Das ist nicht richtig. Sie werden nicht als Feindbild dargestellt. Rawls ist übrigens Liberaler. Marx steht auf den Studienplan, weil er zur Theoriegeschichte gehört. Konservative Autoren werden genauso gelesen. Prominentes Beispiel ist Niklas Luhmann (Systemtheorie), aber es gibt viele mehr. Es gibt jede Menge liberaler Philosophen, die im Zusammenhang des „Kommunitarismus“ stehen. Ach, vieles mehr. Für die Soziologie z.B. könnte man Parsons als ordentlich konservativ nennen oder Arnold Gehlen. Milton Friedman wird ebenso gelesen (=marktliberal, dass es kracht). Leute wie Popper werden gelesen (liberal), Schelsky (konservativ), Max Weber (liberalkonservativ). Die gesamte Rational Choice Theorie ist liberal. Und immer so weiter. Es ist ein Irrtum, da nur „Linke“ zu vermuten. Es ist auch ein Irrtum, dass es eine eindeutige Tendenz gäbe, „konservative“ Autoren immer nur als Feindbild darzustellen.

        Ich wüsste wirklich gerne, woher Du die Annahme nimmst, dass dort eine höhere Affinität zu eher linken Autoren bestehen würde.

        „Aber selbst die BILD ist ja keineswegs stramm konservativ, sondern gibt ja zum Beispiel Leuten wie Alice Schwarzer ein Sprachrohr.“

        Alice Schwarzer ist konservativ, zumindest ist sie definitiv nicht links, auch wenn sie da mal hergekommen war. Aber das waren Leute wie Gerhard Schröder auch. Das bedeutet auf Dauer nichts.

  3. Das Problem bei der Analyse von Diskursstrategien ist immer jenes: Man macht es, der eigenen politischen Haltung folgend, immer am Gegner fest. Diese Strategien sind aber allesamt alt und bewährt und daher allgemein zugängliche Instrumente, die alle möglichen Strömungen benutzen und auch mühelos für jede Ideologie anschlussfähig. Eine wirklich ehrliche Analyse müsste diese Strategien hüben wie drüben beobachten, sonst verfällt sie dem Pathos, dass sie beim Gegner kritisiert oder dass schon Teil der eigenen Strategie ist. Niemand ist in einer politischen Auseinandersetzung rein und unschuldig, auch wenn genau dieses Bild DAS Kampfmittel ist, um sich gegen einen bösen Feind zu rüsten.

    1. Ich halte dieses Argument für ein Ablenkungsmanöver und damit auch ein typisches Werkzeug im Diskurs . Man lenkt von den eigentlich nicht mehr zu leugnenden Fehlern der eigenen Seite damit ab, dass man plötzlich behauptet, solange die Fehler der Gegenseite nicht mitbetrachtet würden, müsse man selber gar nichts anerkennen oder ändern. So lange man nicht „das große Ganze“ umfassend analysieren würde, dürfe man im Kleinen auch keine Kritik äußern.

      Man DARF den Feminismus nicht kritisieren WENN man nicht gleichzeitig auch die Gegenbewegung kritisiert. Das Muster findet man immer wieder in argumentativen Spielarten wie: Man darf Russland oder China nicht für Menschenrechtsverletzungen kritisieren, weil die USA auch solche Rechtsverletzungen begehen.

      1. „Man DARF den Feminismus nicht kritisieren WENN man nicht gleichzeitig auch die Gegenbewegung kritisiert.“

        SO meine ich das nicht. Ich rede schon gar nicht von „nicht dürfen“. Ich rede nur von Ehrlichkeit. Ich bin auch ganz und gar nicht der Meinung, dass alle Feminismuskritiker sich jetzt von Pirincci distanzieren MÜSSEN. Warum auch?

        Aber ein Diskurs ist auch immer eine Selbstverortung, nicht nur rhetorischer Kampf. Ich selber finde es deshalb schlauer, kritisch zu bleiben, damit ich nicht vereinnahmt werde, z.B. von Leuten, deren eigentliche Agenda mit meiner nichts zu tun hat. Genau deshalb finde ich eine ehrliche Analyse schlauer. Sie bewahrt mich vor dieser Vereinnahmung für die Interessen anderer.

      2. „Das Muster findet man immer wieder in argumentativen Spielarten wie: Man darf Russland oder China nicht für Menschenrechtsverletzungen kritisieren, weil die USA auch solche Rechtsverletzungen begehen.“

        Man darf natürlich. Man muss nur aufpassen, dass man nicht plötzlich glaubt, die USA seien die Fürsprecher des eigenen Kampfes für Menschenrechte. DANN hat man sich einspannen lassen. Aber abgesehen davon gibt es keinen Grund, erst die USA kritisieren zu müssen, bevor man Russland kritisiert.

  4. Ach herrjeh, das ist so offensichtlich und plausibel, dass man es erst einmal von jemand anderem verfasst lesen muss, um es tatsächlich zu sehen und begreifen.
    Danke.

  5. Kritik am Feminismus ist etwas ganz anderes als kritik an der Homoehe. Denn letzteres ist eben von Homophobie schlicht nicht zu trennen. Es gibt nicht einen einzigen logischen Grund, warum zwei Männer oder zwei Frauen nicht heiraten dürfen – abgesehen natürlich von einem schlichtweg unbewiesenen Aberglauben namens Christentum. Dem sollen dann aber die hinterher laufen, die es glauben, nötig zu haben.

    Das hier angeführte Buch ist so dermaßen indiskutabel, dass es mich wundert, dass es überhaupt aufgeführt wurde.

    1. Mein Widerspruchsgeist drängt mich zu einer Antwort. Ich persönlich finde die Ablehnung der Homoehe nicht richtig. Aber ich glaube keineswegs, dass man diese nur christlich begründen könnte oder dass ihre Ablehnung gleichzeitig „homophob“ wäre. Das halte ich für eine übertriebene Radikalisierung des Konfliktes. Das Wort „homophob“ unterstellt ja eine gerade zu krankhafte emotionale Abwehrhaltung und ich glaube nicht, dass das so unbesehen für alle Kritiker zutreffen dürfte.

      1. Aber auf die meisten. Oder anders gesagt: Nenn doch mal einen Grund bzw ein Argument, warum man zwei erwachsenen Menschen, die sich lieben und ihr Leben miteinander verbringen wollen, untersagen soll, zu heiraten.

        Im Übrigen bin ich sicher, dass in der jungen Generation die große Mehrheit ganz gewiss für die Homo-Ehe ist. Bei den Ü60ern mag das anders sein, aber naja, gibt ja auch Leute, die ernsthaft glauben, dass „Ballerspiele“Amokläufer machen 😀

      2. Ich könnte mir schon vorstellen, dass es andere Motivationen als Homophobie gibt. Z.B. ein starker Traditionalismus („Werte des Abndlands“). Oder man befürchtet eine vermehrte Adoption von Kindern durch homosexuelle Ehepaare und dass diese Kinder dann gehänselt werden könnten.

      3. Es ist einfach falsch, vorschnell und ohne Kenntnis der Person Kritiker als „homophob“ abzustempeln, weil das nur böses Blut schafft und zu Missverständnissen führt und viel zu viele Leute über einen Kamm schert.

      4. Ich finde das Wort „homophob“ auch unpassend. Wie (angeblich) Morgan Freeman sagte: ‚I hate the word homophobia. It’s not a phobia. You are not scared; you are an asshole.‘

  6. Wie lange will man sich als Männerbewegter eigentlich noch am Feminismus abarbeiten? Ist es der Feminismus, der den gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Wandel herbei führt? Hat der Feminismus die Deindustrialisierung eingeleitet? Hat der Feminismus den Transistor erfunden? Hat der Feminismus Big Data bewirkt? Hat der Feminismus Google gegründet und an die Börse gebracht? Hat der Feminismus die Industrie 4.0 zu einem Traktandum der Bundesregierung gemacht? Hat der Feminismus das Dienstleistungswunder herbei geführt..?

    1. Den Kommentar verstehe ich nicht. Männerbewegung und Frauenbewegung sind schon irgendwie verwandt. Aber wie hängt das mit Industrialisierung, Google und Transistoren zusammen?

      1. Der amerikanische Politologe Francis Fukuyama hat das einmal folgendermassen umschrieben: „Es gehört zum Wesen einer dynamischen, technisch innovativen Wirtschaft, dass sie die bestehenden, sozialen Bindungen zerreist (…) Soziale Normen, die für einen bestimmten historischen Zeitraum passend sind, werden durch den Fortschritt der Technologie und deren Ökonomie gesprengt, und die Gesellschaft muss darum kämpfen, sich unter veränderten Bedingungen neue Normen zu geben.“

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