Ein erstes [persönliches] Geschlechterallerlei-Fazit.

Hier beim Geschlechterallerlei gibt es nicht so viele Frauen. Wenn ich richtig gezählt hab sind es gerade mal zwei. Woran das liegt? Ich weiß nicht. Ist das hier ein maskulistischer oder ein geschlechterübergreifender Gemeinschaftsblog?

Geschlechterthemen sind oft emotional belegt, daher wird immer mal wieder – zumindest nehme ich persönlich es so wahr – mit „harten Bandagen gekämpft.“ Beiderseits. Männlein und Weiblein schenken sich nichts. Natürlich ergeben sich oft genug auch sachliche Diskussionen, die spielen sich jedoch sehr oft zwischen zwei oder mehreren Diskussionspartnern des gleichen Geschlechts ab oder man beschränkt sich auf gegenseitiges „auf-die-Schulter-Klopfen“. Dazwischen Vorwürfe, Verallgemeinerungen, Herabwerten der jeweils anderen Seite und immer wieder bitterböser Zynismus. Doch das ist etwas, was ich generell an dieser ganzen „Geschlechterkampf„-Sache nicht nachvollziehen kann.

In der letzten Zeit habe ich mich, wie es meine Kapazitäten zuließen, etwas intensiver mit den Maskulisten beschäftigt, den einen oder anderen Blogeintrag plus einiger Kommentare gelesen, fand einiges davon gut, anderes wiederum nicht so, in jedem Fall war mein Ausflug in die Maskulistische Blogsphere sehr aufschlussreich für mich. Auch wen es bisher größtenteils noch recht oberflächlich ablief, doch für mehr reichte es einfach nicht. Feminismus gab ich mir nur sporadisch, wenn ich zufällig drübergestolpert bin. Vielleicht hole ich es bei Gelegenheit nach.

Ferner habe ich festgestellt, dass ich relativ merkbefreit bin, was Sexismus angeht. Hauptsächlich gegen Männer gerichteten Sexismus. Etwas empfindlicher bin ich – wer hätts gedacht – betreffend gegen Frauen gerichteten Sexismus. Was wohl ein Stück weit normal ist, ich denke ein Mensch fühlt sich wohl eher  dann angegriffen, wenn er oder sie sich mit der „Zielgruppe“ identifiziert.

Und: Ich kann bei vielen Themen, die hier aufgegriffen werden, einfach nicht mitreden, weil mich das Thema entweder nicht persönlich betrifft oder ich mich einfach noch nicht ausreichend damit auseinander gesetzt habe, um bei so viel Fachwissen [?] und Genderspeech etwas der Sache Dienliches beitragen zu können. So.
Seit einigen Tagen läuft auf KiKa wieder „die wilden Kerle“. Eine Serie für Kinder, bei der ich nicht so recht weiß, was ich davon halten soll. Ich nehme an, die Wilden Kerle sind jedem bekannt. In einer der ersten Folgen beschließt ein fußballbegeistertes Mädchen, sie heißt Vanessa – dass sie mit den „normalen“ Mädels nichts anfangen kann, und daher bei den Wilden Kerlen mitspielen möchte. Doch die Jungs wollen nichts davon wissen und versuchen, sie schnellstmöglich wieder von der Backe zu bekommen. Über Realismus in Kinderserien kann man natürlich diskutieren, ich für meinen Teil denke dass ein Körnchen Wahrheit in vielen Sendungen drinsteckt, wenngleich vieles maßlos übertrieben oder – siehe Disney – einfach nur falsch dargestellt wird und den Kindern ein ziemlich verqueres Weltbild  vermittelt. Doch zurück zu den Wilden Kerlen. Nachdem die Jungs Vanessa einige Male ziemlich übel mitgespielt haben schafft sie es, sich im Elfmeterschießen tatsächlich gegen alle Kerle zu behaupten, und verschafft sich auf diese Weise deren Respekt und das Recht, fortan ebenfalls ein „Wilder Kerl“ zu sein.

Also muss man sich, wenn man irgendwo mitspielen oder dazu gehören möchte, erst einmal „als würdig“ erweisen. Das klingt für mich legitim, zumindest wenn jemand nach Gleichberechtigung schreit. Daher glaube ich, kann ich ein Stück weit nachvollziehen, dass es Männern sauer aufstößt, wenn Frauen Feministinnen einerseits Gleichberechtigung! brüllen und im selben Atemzug nach Sonderbehandlung verlangen.

Ich muss sagen, ich kenne es eigentlich nur so, dass ich mein Zeug selbst mache. Nach der Realschule begann ich eine Ausbildung als Maler und Lackierer, und dort wurde jeder Azubi gleich behandelt. Mit den ganzen Anzüglichkeiten der Kollegen konnte ich damals überhaupt nichts anfangen, und ich stand mehr als einmal mit hochroten Ohren auf dem Gerüst, weil mir die Sprüche hochgradig unangenehm waren. Doch es half nichts, ich war das einzige Mädel auf der Baustelle und hatte daher genau zwei Optionen: Ohren auf Durchzug schalten und mich irgendwie durchbeißen, oder aber das Handtuch zu werfen. Vielleicht war es für mich nicht das Verkehrteste, ausgerechnet auf dem Bau ins Berufsleben zu starten, so bekam ich eine halbwegs realistische Vorstellung davon, was mich in meinem zukünftigen Leben unter Umständen so erwarten würde. Ich wählte die zweite Option und  kapitulierte nach einem halben Jahr. Zwar aus gesundheitlichen Gründen, doch wenn ich unbedingt gewollt hätte, hätte ich sicher irgend einen Weg gefunden, die verlorene Zeit nachzuholen. Was ich aber nicht tat.

Statt dessen begann ich eine zweite Ausbildung, diesmal als Konditorin. Irgendwann, es war noch ziemlich am Anfang meiner Lehrzeit, war der Zucker alle. Im Lager befanden sich Säcke mit Zucker. 50 kg schwere Säcke. Ich dachte mir nichts dabei und schleppte – unter Aufbietung sämtlicher Kräfte, aber immerhin: ich schaffte es – den Sack aus dem Lager im Keller nach oben in die Backstube. Und fing mir direkt einen Anpfiff von meiner Lehrmeisterin ein: ich sei ja wohl nicht ganz bei Trost, den schweren Sack selbst zu schleppen, wofür seien schließlich die Männer da. Ich habe sie angeschaut wie ein Auto, mir kam keine Sekunde lang in den Sinn, einen meiner männlichen Kollegen um Hilfe zu bitten. Ich schleppte die Säcke auch künftig selbst nach oben.

Ich habe es eigentlich immer möglichst so gehalten, dass ich ohne die Hilfe eines „starken Mannes“ zurecht kam. Welche Sonderbehandlung mir zuteil wird, ohne dass ich es bewusst wahrnehme, bzw. wie es ohne sie wäre, das kann ich natürlich nicht beurteilen.

Auch wenn mich zwischendurch kurz die Zweifel packten, ob ich hier an der richtigen Stelle bin: Ich finde nach wie vor interessant, hier so viele teils unterschiedliche Sichtweisen und auch Denkansätze auf einem Haufen zu erleben, und freue mich auf den ersten „regulären“ Blogmonat.

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