Warum ich mit Stöcken werfen besser finde als mit Steinen werfen

Wer hat denn da mit Blogstöckchen geworfen? Ach so, der Kai V (Frontberichterstatter) hat angefangen… und Arne Hoffmann (Genderama), Christian (Alles Evolution) und Tom174 (Mein Senf) haben munter mitgemacht! Ich mache das so wie Arne und schreibe das lieber frei von der Leber, als da noch stundenlang drüber nachzugrübeln (sonst wird das eh nichts mehr in diesem Leben).

Welche große Errungenschaft der letzten Welle des Feminismus empfindest Du als wichtig? Welche als überzogen?

Tja, da sind wir schon mitten in den ganzen Begriffen von Wellen und Richtungen des Feminismus… ich gehe mal von „ab etwa 1990er bis kurz vor heute“ aus und antworte entsprechend. Dass in meinem Bekanntenkreis Väter ihren Vaterschaftsurlaub nehmen und das die Leute drumherum begrüßen, scheint mir ein Erfolg zu sein, der sich erst so richtig in der Generation eingestellt hat, die jetzt Kinder in die Welt setzt. Für junge Frauen scheint es leichter geworden zu sein, selbstbewusst und selbstbestimmt zu leben, was letzten Endes auch den Männern zugute kommt, die sich solche Frauen wünschen – und das sind eine Menge in meiner Umgebung.

Überzogen finde ich viele Sachen des radikalen Feminismus, der in den letzten Jahren quasi als neueste Welle auftritt und der merkwürdigerweise vieles wieder zurückzunehmen versucht, was vorher mühsam erreicht wurde, gerade in Hinsicht auf die freie Lebensweise von Frauen. Am schlimmsten erscheint mir hierbei jedoch die Forderung, dass doch bestimmte Gruppen bei bestimmten Themen automatisch die Klappe halten sollen. Das ist die Basis, auf der jede Menge andere Auswüchse erst gedeihen können. Wann ist eine einseitige Einschränkung der Kommunikation jemals gut gewesen?

Welche feministische Forderung (z. B. einer politischen Partei) der letzten 10 Jahre hättest Du auch noch aus heutiger Sicht voll und ganz unterstützen können?

Mir will nichts mehr einfallen, was an Positivem von den Parteien gekommen wäre. Vielleicht sind Forderungen wie „Gewalt gegen Frauen und Mädchen bekämpfen“, „Frauen in Entwicklungs- und Schwellenländern ausbilden“ und „tradierte Rollenbilder aufbrechen“ nicht neu, sie sind und bleiben aber absolut unterstützenswert. Der Witz ist, dass es keine Rolle spielt, ob Jungs und Männer entsprechend stärker betroffen sind oder nicht. Diese Ziele sind per se richtig. Genau deswegen ist ein „Opferwettbewerb“ sinnlos.

Welche aktuellen feministischen Forderungen findest Du richtig?
Gibt es etwas das der Feminismus Deiner Meinung nach noch für Frauen fordern sollte/könnte und was natürlich für Dich gerechtfertigt ist?

„Frauen für voll nehmen.“ – Daraus leitet sich vieles andere ab. Es ist die alte Spiderman-Logik, nach der Macht und Verantwortung immer zusammen auftreten sollen.

Dort, wo die allgemeine gesetzliche und gesellschaftliche Lage durch ein rückständiges Umfeld konterkariert wird, etwa indem Mädchen / junge Frauen demotiviert werden, ihren eigenen verantwortungsbewussten Weg zu gehen, gibt es noch etwas zu tun. Letzten Endes erzeugt „seine Talente nicht nutzen“ nur unglückliche Menschen.

Mit welcher bekannten Feministin glaubst Du, könntest Du ein Bier trinken gehen und Dich mit ihr zivilisiert über Männerpolitik zu unterhalten?
Mit welcher Feministin könntest Du das garantiert nicht? Ein Beispiel reicht, gerne aber auch mehr.

Haha, Fangfrage! Bekannte Feministin… Bier trinken… zivilisiert unterhalten… über Männerpolitik! Es fehlt eigentlich nur noch „nachts an der Bar“.

Aber mal ernsthaft: Welche bekannte Feministin gibt es denn? Nach Alice Schwarzer kommt lange Zeit nichts. Das ist doch die eigentliche Misere, die natürlich durch unheilige Allianzen etwa mit einer reich bebilderten deutschen Tageszeitung zementiert wurde.

Lassen wir mal das „bekannt“ weg. Dann schließen sich immer noch „mal ein Bier trinken gehen“, das ich als „einfach mal ungezwungen miteinander quatschen“ kenne, und die strikte Themenvorgabe „Männerpolitik“ aus. Also entweder ich laber mit der Frau frank und frei über Gott und die Welt, oder es ist eben kein ungezwungenes Reden. Genau das wäre aber mal interessant, da würde man mal sehen, wie die Leute sonst so ticken – und die anderen würden das ja umgekehrt über mich mitbekommen. Weil ich an mich glaube, denke ich, dass sie nachher einen besseren Eindruck von mir haben als vorher, und ich stelle mir das auch so vor, dass ich die anderen dann ein Stück mehr mag (eigene Erfahrung mit Leuten, die politisch oder weltanschaulich anderer Meinung sind als ich und für Geplauder zu haben sind).

Das kann ich mir mit sehr vielen vorstellen. Ausnahmen sind die einzelnen Leute, die den Rechtsstaat bei Vergewaltigungsprozessen abschaffen wollen, sich an Männertränen laben, Beschädigung von Apotheken begrüßen, dankbar für die Bombardierung von Städten sind, sich als Gott betrachten oder „alle Männer töten“ als Motto ok finden. Das in Kombination mit Alkohol ist dann doch eher eine schlechte Idee.

Gibt es feministische Gruppe die Du, evtl. auch nur in Teilen, unterstützen könntest?

Ganz stumpf gesagt: Die Frauen in meiner Umgebung, die gleichberechtigt leben. Das erscheint mir als das natürlichste und gesündeste.

Was ist Deiner Meinung nach der größte Fehler des Feminismus gewesen?

Die Verweigerung von Kritik (siehe auch die Einschränkung von Kommunikation, erste Frage oben) – das hat bisher noch jede Bewegung mit hehren Zielen kaputtgemacht.

Welche Änderungen im Feminismus würdest Du vornehmen, damit er für Dich „akzeptabler“ erscheint?

Ganz platt gesagt gar nichts. Was soll ich als Mann am Feminismus ändern, solange ich nicht einmal mitdiskutieren darf? Da hilft nur kompletter Neustart.

Was die gemäßigten Strömungen angeht: Ich glaube, es wird nur über Absetzbewegungen funktionieren. Das passiert ja bereits an allen Ecken und Enden durch Einzelpersonen. Es sind genau die Artikel, die bei mir in Erinnerung bleiben, wenn Bloggerinnen sinngemäß schreiben „ich bin eine moderne Frau und dankbar für die Segnungen des Feminismus, aber dies oder jenes ist zu radikal, nicht zeitgemäß und macht den Feminismus kaputt.“

Es ist paradox, dass in Deutschland der radikale Feminismus alle anderen Varianten an die Wand drückt und nicht umgekehrt. Erklären kann ich mir das nur über die Dominanz einer Person wie Alice Schwarzer. Erinnert an manche Phase einer politischen Partei, wo viele unzufrieden sind, aber durch einen geistigen Übervater (oder eine Übermutter) so beherrscht und vereinnahmt werden, dass sich weder personell noch programmatisch eine Alternative herausbilden kann. Eine weitere Parallele besteht darin, dass irgendwann selbst die intelligenteste und wendigste Person ihr Pulver verschossen hat und dann nur noch zur Belastung wird. Erst nach ihrem Abgang kann es weitergehen, doch der intellektuelle Kahlschlag sitzt tief und es wird lange dauern, da wieder herauszukommen.

Das ist aber nur bezogen auf „den Feminismus“. Dass einzelne Leute mit klugen Beiträgen im Internet auffallen, dass man im persönlichen Umfeld viel beeinflussen und erreichen kann, damit wir modern leben können, das macht mir Mut. Ich meine immer noch, dass man mit einem Diskurs mehr bewegen kann als mit sinnloser Gewalt (daher der Artikeltitel).

Normalerweise darf man Blogstöckchen ja immer weiterwerfen. Mich würden ja die Ansichten von Neuer Peter (etwa als Gastartikel) und LoMi interessieren.

Aktualisierung 30.03.2014: Alle bisherigen Beiträge außer diesem:

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Die Go-Go’s waren eine reine Frauenband, die Anfang der 1980er einige coole Lieder hatte.

The Go-Go’s: We Got The Beat

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12 Kommentare zu „Warum ich mit Stöcken werfen besser finde als mit Steinen werfen“

  1. Vor 40 Jahren wurden Staatsdienst und Großunternehmen daran gehindert geschlechterspezifisch für Stellen zu werben. Ob das noch nötig war, darüber können wir streiten, Punkt ist zu der Zeit hatten alle Gewerkschaften, Staatsdienst und Großunternehmen Tarifverträge die für beide Geschlechter gleich waren. Vorher schon sind alle Hürden, die Frauen davon ab hielten den einen oder Anderen Beruf zu erlernen gefallen.

    All das ist passiert ohne viel Einfluß von feministischen Organisationen. Wie es ganz typisch in so einen Falle ist, auf einmal meldeten sich feministische Organisationen die sich den Verdienst anrechneten für das was gerade ohne einen nennenswerten Beitrag von ihnen geschehen ist. Mit den Gewerkschaften lief es genau so, nachdem Gehälter gestiegen sind, wurden viele Gewerkschaftsmitglieder, weil die Gewerkschafteten behaupteten sie hätten die höheren Gehalte verursacht.

    Nachdem juristisch die Gleichberechtigkeit erreich worden ist, leiten Feministinnen eine idiotische Initiative nach der nächsten ein, die die Grundfreiheiten der Bürger stark einschränken und auf sehr ungerechte Weise, Günzlinge unter den Frauen unverdiente Privilegen zu schieben.So bekommen Kwotentussies auf Kosten aller Positionen zu geschantzt, für die sie nicht Kwalifiziert sind. Familien bekommen gesagt wer wann in den Erziehungsurlaub geht, ungeachtet wie es ihnen passen würde.

    Während sie sich immer auf Toleranz berufen, haben sie keine Toleranz für Menschen die den Lebensstil den sie allen rein würgen mit ihren Gewissen nicht vereinbahren können. Es gibt kein Bereich in der Intimssphäre eines Paares den sie nicht politisch reglementieren wollen. Gleichzeitig unterstützen sie die Kindesmisshandlung die im namen neuer sexuellen Idiotie eingeführt werden soll.

    Hätte es Feminismus nie gegeben, wären Frauen Heute genau so gleichberechtigt wie sie sind, aber der Gesellschaft wäre viel Leid erspart geblieben.

  2. Wie aktuell ist die Geschlechterfrage eigentlich noch? Schliesslich kommt der ökonomische Wandel immer vor dem sozialen- und nicht umgekehrt. Wir leben im Zeitalter der digitalen Revolution, die Industrie 4.0 ist auf dem Vormarsch und unser gesamtes Leben wird von den Entwicklungen im Bereich der Computer- und Prozessortechnologien förmlich auf den Kopf gestellt! Was wir heute durchleben, lässt sich sehr gut mit den Entwicklungen im 19. Jahrhundert vergleichen- wenn auch auf ungleich höherem, materiellen Niveau. Genau das habe ich versucht, in meinem Beitrag „Die Geschlechter im Wandel der Zeit“ darzulegen. Der ökonomische Wandel betrifft beide Geschlechter gleichermassen, sowohl negativ, als auch positiv. Durch die Deindustrialisierung sind in Europa in den vergangenen drei, vier Jahrzehnten Millionen von Männerjobs angebaut worden. Gleichzeitig ging mit dem Dienstleistungszeitalter ein fundamentaler Wandel in der Arbeitwelt weg vom sozialversicherungspflichtigen, unbefristeten Vollzeitarbeitverhältnis hin zu atypischen Beschäftigungsformen einher. Und das Dienstleistungs“wunder“ wird ja vor allem von Frauen getragen. Wie aktuell ist die Geschlechterfrage eigentlich noch? Braucht es nicht vielmehr eine neue Metaebene oder eine Perspektive, die zuerst den soziookonomischen Wandel erfasst, und dann erst die individuellen Problemlagen der Geschlechter?

    1. Danke das Du das Thema ansprichts, Marcel. Einer der Gründe warum ich hier bin ist eine Trilogie von Büchern durch den Autoren William Rees Mogg und James Dale Davidson, die so weit ich weiß nicht in Deutsch erschienen sind. Diese Bücher:“Blood in the Streets, TheGreat Reckoning, und The Sovereign Individual,“ befassten sich mit dem was die ersten 25 Jahre nach der Jahrtausendwende passieren sollte. Leider waren sie in vieler Hinsicht sehr Akurat. Sie sagten den Aufbruch vieler Länder voraus, den Terrorismus, den Verfall der Währung, 40% aller Arbeitsstellen sollten verschwinden, wie es in Griechenland und Spanien schon passiert ist, das feste Arbeitsvehältnis wird wegfallen. Schwellenländer sollen schlimmer befallen sein wie andere, und verschiedene Bevölkerungsgruppen in einer Gesellschaft werden einander bitter bekriegen für die letzten Krümel die es noch gibt.

      Industrielle, hauptsächlich Männer betreffende Arbeitsstellen verschwinden in der ersten Phase, die Industrie ist auch das Haupteinkommen für Steuereinnahmen und somit werden später Regierungen ihre Dienstleistungen reduzieren müssen was dann Frauen dominierte Berufe beeinträchtigt.

      Ein Umbruch den die Welt alle 500 Jahre erlebt, letztes mal mit der Erfindung des Buchdrucks, was auch die erste Massenproduktion war, und des Schwarzpulvers das zur Reformation führte, dazu das die Monarchie obsolete wurde, was auch die französiche Revolution verursachte, bis hin zum Industriestaat. Was in der Vergangenheit im Laufe von Jahrhunderten passiert ist, passiert dies mal während eines Menschenleben.

      Zwei feste Voraussagungen, im jahre 2100 werden Währungen wieder auf Werte basiert sein, währscheinlich wieder Edelmetall und Die Familie wird wieder ein Comeback machen, wie immer wenn Bedingungen Überlebungsbedrohlich sind.

      Somit ist dein Bedenken berechtigt, die ganze Situation die wir Heute haben, das allein erziehende Mütter die Normalität werden soll, das der Schwulen und Lesben Lebensstil den Kindern auf der Schule als etwas erstrebenswert präsentiert wird, das hunderttausende Greise alleine leben und durch Pflegedienste versorgt werden, alles das ist uns ermöglicht worden durch großzügige Unterstützung des Staates, aber die frühen Anzeichen deuten darauf hin das die Regierungen pleite gehen, also wie werden sich Männer und Frauen anpassen in der schwierigeren Zeiten zu überleben und Kinder kriegen?

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