It’s just marketing, stupid!

Spätestens durch die hinlänglich bekannte #aufschrei Debatte kommt dem Begriff – oder besser gesagt dem Vorwurf – des „Sexismus“ wieder verstärkt Aufmerksamkeit zu. Das führt nunmehr schon so weit, dass der Berliner Bezirk Kreuzberg keine „sexistische Werbung“ mehr auf Plakaten erlauben möchte.

Wenn man schon bei gesetzlichen Verboten angekommen ist, sollte sich die Frage stellen, wann eine Werbung eigentlich „sexistisch“ ist. Liegt das im Auge des Betrachters? Dann wäre der Verbotswillkür durch staatliche stellen Tür und Tor geöffnet.

Berit Völzmann hat sich hierzu in einem Interview auf dem Blog der Mädchenmannschaft eingelassen. Sie ist nach Eigendarstellung angehende Volljuristin und wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Rundfunkrecht an der Universität zu Köln und Mitarbeiterin beim juristischen Frauentag. Sie definiert sexistische Werbung so:

„Sexistische Werbung ist für mich jede Werbung, die Geschlechtsrollenstereotype transportiert“

Der aufmerksame Leser wird merken, dass es nach dieser sehr weitgehenden Definition von Sexismus weder nackte Haut noch irgendeine Form von Beleidigung oder Herabsetzung eines Geschlechtes braucht um ein Verbot wegen „Sexismus“ zu begründen. Tatbestandsmerkmale nach Frau Völzmann sind einzig: ein „Geschlechterstereotyp“ und dessen „Transport“.

Als „Transport“ kann dabei vermutlich als  direkte oder indirekte Darstellung verstanden werden, so dass entscheidendes Merkmal für die Unterscheidung von sexistischer und nichtsexistischer Werbung das „Geschlechterstereotyp“ wäre.

Was ist aber nun ein Geschlechterstereotyp? Ein Werbespot mit einem Mann der auf dem Bau arbeitet und in seiner Frühstückspause einen Schokoriegel verzehrt? Eine Frau, die den Boden wischt und dabei den neuen Reiniger anpreist? Vermutlich schon: Beide entsprechen ja einem gewissen Stereotyp von männlicher und weiblicher Tätigkeit.

Nun existiert ein Stereotyp in der Werbung aber in vielen Fällen auch deswegen, weil es der gegenwärtigen überwiegenden Realität entspricht. Auch eine Feministin wird wahrscheinlich nicht leugnen, dass z.B. die Mehrzahl der Hausarbeit oft von Frauen erledigt wird. Ziel der Feministin ist es oft diese gegenwärtige Realität zu verändern und es besteht die Befürchtung, dass eine solche Veränderung durch Verfestigung (durch Werbung) verhindert wird.

Es ist ja nicht von der Hand zu weisen, dass Werbung auch dazu beitragen kann bestehende Stereotype aufrecht zu erhalten. Ich bleibe der Einfachheit halber mal beim Putzen. Wenn in der Werbung ständig putzende Frauen zu sehen sind, dann wird auf diese Weise beiden Geschlechtern vermittelt, dass diese Tätigkeit typisch weiblich sei. Wenn man diesen Gedanken fortsetzt, dann müsste Werbung im Sinne einer feministischen Umerziehung der Gesellschaft künftig putzende Männer zeigen. Für Frau Völzmann wäre das vermutlich auch in Ordnung.

Unabhängig von der Frage, ob eine feministisch gewünschte gesellschaftliche Umerziehung überhaupt möglich oder wünschenswert ist, kann und muss Produktwerbung einen solchen gesellschaftlichen „Umerziehungsbeitrag“ jedenfalls nicht leisten. Oder wie Martenstein es pointiert:

„Dass Werbung auf politische Ideen verpflichtet wird – so was gibt es bisher höchstens in Nordkorea.“

Der Verkäufer von Waschmittel oder Bodenreiniger wird sich nur deshalb vorrangig an Frauen wenden, weil er mit seiner Werbung an Markt erfolgreich sein möchte – ja erfolgreich sein muss. Werbung die von der Zielgruppe abgelehnt oder ignoriert wird, ist wirtschaftlich erfolglose Werbung und wird im Regelfall verschwinden. Denn Werbung kostet Geld. Eine Frau, die sich selbst nicht in dem von der Werbung vermittelten Frauenbild wiederfindet, wird das beworbene Produkt wahrscheinlich gar nicht kaufen. Deshalb wäre eine Umstellung der Werbung für Putzmittel auf Männer auch in jeder Hinsicht ein Flop.

Noch schwieriger wird es, wenn nicht nur die Werbung das Geschlechterstereotyp verkörpert, sondern das beworbene Produkt selbst. Denken wir z.B. an die Barbiepuppe, die ja selbst schon ein bestimmtes Geschlechterbild vermittelt. Wer hier die Produktwerbung wegen „Sexismus“ verbieten möchte, muss letztendlich auch das dahinter stehende Produkt selbst verbieten wollen. Und hier schließt sich der Kreis. Denn Berit Völzmann ist Mitglied bei Pink Stinks. Einer interessengruppe, die realativ aggressiv gegen jede Form von geschlechtertypischer Form der Darstellung von Frauen vorgeht.

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36 Antworten zu It’s just marketing, stupid!

  1. Es wäre interessant wie viele Werbespots überhaupt gegenwärtig einen solchen Test bestehen würden, also keine Geschlechterstereotype transportieren.

    Gerade wenn sie anführt:

    „Mir ist es wichtig, nicht auf offene Begriffe wie „kränkend“ und „herabsetzend“ abzustellen“

    wird es ja vollends unplanbar. Es ist allerdings fast schon lustig, wenn sie dann „Geschlechterstereotype transportieren“ als Definition haben möchte, denn gummihafter kann ein Paragraph dann ja nicht ausgestaltet werden.

    „Geschlechterstereotype transportieren“ kann ja nun wirklich nahezu alles. Da dürfte man schon keine Frau mit Rock mehr zeigen.

    „In erster Linie durch einen guten, ausdifferenzierten Katalog mit anschaulichen Beispielen“

    Das wäre ja mal interessant zu lesen

    „Zusätzlich wichtig ist eine Schulung der Entscheider_innen sowie allgemein das Bewusstsein der Gesellschaft.“

    Die Schulung des Bewußtseins der Gesellschaft. In guter feministischer Denkweise.

    • Graublau schreibt:

      „Es wäre interessant wie viele Werbespots überhaupt gegenwärtig einen solchen Test bestehen würden, also keine Geschlechterstereotype transportieren.“

      Ich bin ja selbst daran gescheitert, eine solche Geschichte spontan fürs Geschlechterallerlei zu recherchieren. Vergleiche meine Kommentare bei Adrian:

      „Zunächst einmal zwei sinnvolle Quellen für die Debatte (die etwa Stefan Niggemeier erwähnt hatte):

      1. Der Antrag an sich

      2. Der Ethik-Kodex des Österreichischen Werberats, welcher inspiriert hat

      Der neue Artikel im Tagesspiegel erwähnt, was man auch im Antrag (bzw. der Begründung) finden kann: Natürlich geht es darum, Werbung insgesamt zu verbieten. Einzig die klammen öffentlichen Kassen verhindern, dass Werbung ganz verschwindet.

      Spannender finde ich jedoch einen anderen Teil im Artikel:
      “Gegenstand der Diskussion sind zunächst nur die vier bezirkseigenen Werbeflächen, die von der Firma Ströer betrieben werden. Sie stehen in Friedrichshain, an der Frankfurter, Stralauer und Landsberger Allee sowie an der Straße der Pariser Kommunen. Derzeit wechseln sich laut Betreiber hier die Werbung für Ford, Audi, Vox und Mc Donalds sowie ein Hinweis auf die Potsdamer Platz Arcaden ab.”

      Das wäre ein hervorragendes Thema für Bürgerjournalismus: Einfach mal hinfahren, die vier Werbeflächen fotografieren, Bilder im Blog veröffentlichen und zur Diskussion stellen. Denn bisher war es doch arg theoretisch – und mit vier geknippsten Werbeflächen könnte es doch endlich konkret werden. Vor allem könnte man die Bezirksversammlung fragen: Ist diese Werbung für Ford / Audi / VOX / McDonald’s / Arcaden sexistisch oder widerspricht sie einem anderen Grundsatz, der durch den Antrag verwirklicht werden soll? Dann müssten sich die Leute erklären, warum sie dies und jenes ok finden oder ablehnen.“

      Das habe ich dann versucht, selbst zu machen. Es ist aber mangels Vorbereitung schlicht gescheitert:

      „Ich bin die Straße der Pariser Kommune abgeschritten. Das Problem: Es gibt sogar drei dieser Plakatwände von der Firma Ströer! Entweder stimmt die Information im Artikel nicht oder nur eine dieser Wände steht auf öffentlichem Grund.

      Damit wäre die Debatte natürlich ziemlich Banane, denn einen von drei Aufstellern zu entfernen, wird nicht viel bringen. Man kann natürlich argumentieren, dass irgendeiner den ersten Schritt machen muss, aber von der ursprünglichen Intention, Werbung aus dem öffentlichen Raum zu verbannen, bleibt damit praktisch gar nichts mehr übrig außer einer heftigen Diskussion.

      Die Motive waren übrigens: mehrfach Autowerbung (ganz ohne Menschen), irgendetwas mit Berlin (Füße einer Frau) sowie einmal Unterwäsche (Calzedonia; Modell oben ohne, ohne dass ansatzweise etwas von der Brust zu sehen gewesen wäre).“

      • Neuer Peter schreibt:

        Natürlich haben wir es hier mit völlig sinnfreiem Politaktivismus zu tun. Das ist doch nicht weiter verwunderlich. Spannend ist viel eher die Geisteshaltung, die aus dem Antrag spricht: Ich verbiete mir die Welt, bissiebissie bis sie mir gefällt.

        Das sind stockautoritäre Menschen, die ihre widersprüchliche Weltsicht anderen Leuten zwangvoll aufdrücken wollen.

        Und jetzt sollte man sich fragen, warum politische Strömungen, die derartige Geisteshaltungen produzieren, einen solch großen Einfluss haben.

  2. HansG schreibt:

    “Geschlechterstereotype transportieren” kann ja nun wirklich nahezu alles. Da dürfte man schon keine Frau mit Rock mehr zeigen.

    Man stelle sich nur mal vor. Werbung für Anzüge mit Männern oder gar für Lippenstift und Mascara mit Frauen! Wobei ich mir die Werbung von Victoria’s Secret mit Männern schon irgendwie – gewöhnungsbedürftig vorstelle.

  3. Rotterdam schreibt:

    Sehen wir einmal davon ab, dass hier ein erschreckendes Verhältnis zu den Werten der Meinungs-, Audrucks- und Vertragsfreiheit offenbart wird, welches guten Gewissens als Ausdruck einer tendenziell totalitären Geisteshaltung bezeichnet werden kann – schließlich haben wir es hier mit Menschen zu tun, die schlicht alles verbieten wollen, was nicht ihrem Sittlichkeitsempfinden entspricht.

    Wenden wir uns lieber der weitaus interessanteren Frage zu, welches Verständnis von geschlechterstereotypen Verhaltensweisen hier transportiert wird.

    Unter Feministen neuerer Schule – auch unter denen moderater Ausprägung – scheint es Konsens zu sein, dass die vornehmste Aufgabe der Bewegung derzeit darin besteht, Geschlechterklischees und Rollenstereotype aufzubrechen und somit allen Menschen zu einem freieren, weniger beengten, selbstbestimmteren Leben zu verhelfen.

    Das ist ein hehres Ziel. Zumindest wäre es das, beschränkten sich die Bemühungen darauf, das Angebot an validen Rollenbildern zu erweitern und dem Individuum so mehr Auswahlmöglichkeiten bereit zu stellen.

    Nun scheint sich innerhalb feministischer Zirkel aber darüber hinaus eine Ansicht durchgesetzt zu haben, die tradierte Rollenbilder als defizitär betrachtet und die damit einhergehenden Perspektiven auf Mann und Frau als schädlich betrachtet – und zwar sowohl für die Entwicklung der Gesellschaft insgesamt, als auch für die persönliche Entwicklung ihrer Mitglieder. Folgerichtig müssten diese Stereotype nun also geächtet und soweit wie möglich aus dem öffentlichen Raum gedrängt werden, auf dass der neue Mensche von ihnen befreit werden möge.

    Eine freie Entscheidung wird den Menschen dabei nicht mehr zugebilligt. Wer klassische Rollenmodelle für seinen Lebensentwurf präferiert, der ist dieser Ansicht nach entweder gehirngewaschen (das Stockholm-Syndrom des Hausmütterchens) oder Teil der Unterdrückungsstruktur (der ewiggestrige Macho, der seine Privilegien nicht aufgeben will). Eine freie Entscheidung ist nur dann eine solche, wenn für diejenige Entscheidungsmöglichkeit optiert wird, die der Feminist präferiert.

    Damit werden alte Zwänge aber schlicht durch neue ersetzt. Den alten Geschlechterstereotypen werden neue Rollenzwänge entgegengesetzt, die mitunter aber gar nicht mit den Präferenzen vieler Menschen vereinbar sind. Denn wie es der Autor dieses Artikels so schön ausgedrückt hat, existieren viele (nicht alle!) Geschlechterstereotype, weil sie der „gegenwärtigen überwiegenden Realität [entsprechen]“.

    Damit aber ist klar, dass das moralisch fragwürdige Projekt der Umerziehung der Menschen hin zu einem genehmeren Rollenverständnis von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

    Da geschlechterstereotypes Verhalten zu einem nicht zu vernachlässigenden Teil seinen Ursprung in biologischen Dispositionen hat, wird sich dieses innerhalb unserer Lebenszeit schlicht nicht ausmerzen lassen, selbst wenn man es wollte.

    Zu beachten ist dabei allerdings, dass die Gendertheoretiker insofern recht haben, als dass der Unterschied zwischen Mann und Frau nicht essentialistisch gelesen werden darf und die Unterschiede in vielerlei Hinsicht fließend sind. Die Verschiedenheit von Mann und Frau äußert sich oft lediglich in statistischen Häufungen, die Rückschlüsse auf das jeweilige Individuum in vielen Fällen unzulässig machen. Dass es mehr Mädchen gibt als Jungen, die gern mit Puppen spielen, bedeutet nicht, dass es keine Mädchen gäbe, die ungern mit Puppen spielen oder dass es keine Jungen mit Vorliebe für Puppen gäbe. Menschen, deren Verhalten derart vom Gängigen und Üblichen abweicht, sind deswegen keineswegs defizitär, unnatürlich oder weniger werthaft als Menschen, deren Verhalten eher der Norm entspricht. Das klar zu machen ist durchaus wichtig.

    In einer freien Gesellschaft sollte ein Rollenmodell stets nur ein Angebot sein und Konformitätszwang weitgehend ausbleiben. Umso schlimmer ist es, wenn nun vorgeblich tolerante Menschen ein Verhalten gegenüber Menschen mit klassischen Rollenpräferenzen an den Tag legen, wie sie es gegenüber Menschen mit unüblichen Präferenzen kritisieren.

    Bleiben die Geschlechterstereotype. Wenn sich also das Wesen des Menschen nicht ohne weiteres ändern lässt, und sich eine Mehrheit der Menschen stets eher „rollentypisch“ verhalten wird, sollten wir dann nicht wenigstens versuchen, den Leidensdruck der Menschen zu mindern, die dieser Norm nicht entsprechen?

    Meiner Meinung nach lautet die Antwort: Ja, aber. Denn Menschen, die in irgendeiner Hinsicht aus der Norm fallen, werden sich auch in der tolerantesten aller Gesellschaften immer zu Anpassungsleistungen gezwungen sehen. Und zwar deshalb, weil Menschen mit vergleichsweise seltenen Eigenschaften stets aus dem Erwartungsrahmen fallen werden, den ein jeder Mensch benutzt um seine Umwelt möglichst effizient zu ordnen.

    Reiche ich einem Menschen ein Messer, werde ich ihm den Griff auf eine solche Art hinhalten, dass er mit der Rechten leicht zugreifen kann – und dass, obwohl er unter Umständen Linkshänder ist.

    Berichtet mir ein Mann von seiner Beziehung, werde ich zunächst einmal davon ausgehen, dass es sich dabei um eine Frau handelt.

    Bekomme ich Besuch, werde ich diesem Alkohol anbieten – obwohl ich es mit einem Abstinenzler zu tun haben könnte.

    Das tue ich nicht, weil ich Linkshändern, Homosexuellen oder Abstinenzlern Böses will. Und es bedeutet nicht, dass ich diese Eigenschaften abwerte oder Normalität (im Sinne von Häufigkeit) mit Werthaftigkeit verwechsle. Ich tue es, weil ich in der Mehrzahl der Fälle damit richtig liege.

    Gehe ich mit einer solchen Annahme einmal fehl, entschuldige ich mich natürlich und korrigiere meinen Fehler. Von dieser Erwartung aber ganz abzulassen, würde mir ein sehr wirkungsvolles Instrument der Alltagsbewältigung rauben, von dem ich ungern ablassen würde.

    Menschen, so denke ich, werden sich nur unter extremen Bedingungen dazu bringen lassen, von der Benutzung dieser höchst sinnvollen Heuristiken abzusehen.

    Warum also versuchen, sie dazu zu bringen? Hier könnte man sich nun der alten Binsenweisheit bedienen, dass obsolet gewordene soziale Bewegungen stets nach neuen Betätigungsfeldern suchen, um sich ihrer Existenzberechtigung zu versichern. Das gilt insbesondere dann, wenn diese Bewegungen bereits soweit geronnen sind, dass sie sich in der bürokratischen Infrastruktur eines Gemeinwesens festgesetzt haben.

    Ein Problem, das sich schlicht nich lösen lässt, ist dabei der Hauptgewinn eines jeden Kämpfers für die vermeintliche Gerechtigkeit, dessen Ansehen oder dessen Existenz auf dem fortwährenden Kampf gegen das Böse beruht.

    Denn wenn der Patient partout nicht genesen will, dann braucht es eben immer mehr von der immer gleichen Medizin. Und das bedeutet vor allem eines: Mehr Geld, mehr Posten, mehr Aufmerksamkeit, mehr Prestige.

    Es gibt in dieser ganzen Geschichte also durchaus jemanden, der nicht von seinen Privilegien lassen will. Es sind nicht die Anhänger des klassischen Rollenbildes.

  4. anonym schreibt:

    10 Punkte für Rotterdam, sehr gut geschrieben

  5. aranxo schreibt:

    Ich wäre mal gespannt, was passieren würde, wenn ein Männerrechtler in Berlin Kreuzberg das Abhängen von Werbung für irgendeinen Frauennotruf verlangt, weil sie das Geschlechterrollenstereotyp vom Mann als Täter und der Frau als Opfer transportiert. Das wird ein Spaß…

    Und Zustimmung für Rotterdam. Das wäre in der Tat einen eigenen Artikel wert gewesen.

    • @aranxo

      „das Abhängen von Werbung für irgendeinen Frauennotruf verlangt, weil sie das Geschlechterrollenstereotyp vom Mann als Täter und der Frau als Opfer transportiert“

      Hehe, das hätte was.

    • Matze schreibt:

      Ist das nicht schon wieder victim blaming oder wie das heißt?

      Wäre aber schon lustig das mal in ein Diskussion mit Befürwortern einzubringen…

      • aranxo schreibt:

        victim blaming? Ich weiß nicht…
        Auf jeden Fall besserwisserisches mansplaining.
        Oder sogar ein Beitrag zur rape culture.

      • Matze schreibt:

        Mansplaining hab ich zwar schon gehört, aber hatte bisher noch keine Definition davon. Wenn ich das was der gefühllose Roboter 😀 dazu geschieben hat hernehme, ist es ähnlich wie hier:

        Jeder dritte Europäer ein Frauenquäler. Wenn Männer jetzt „Milchmädchenrechnung“ schreien und darauf hinweisen, dass ja ein Täter durchaus zehn Frauen gequält haben könnte und so die Anzahl der Täter drastisch zusammenschrumpfe, entgegnen wir: “Aber die Dunkelziffer, meine Herren!”

        http://www.fembio.org/biographie.php/frau/comments/jeder-dritte-ein-frauenquaeler-oder-die-europaschaender/

        Die Milchmädchenrechnung vs. nicht belastbare Dunkelziffern

    • honeyinheaven schreibt:

      Der Vergleich ist unglaublich schwachsinnig.
      Ein Notruf kann Leben retten. Kommerzielle Werbung ist nichts als Kommerz. Du vergleichst Äpfel mit Birnen. oder hast du etwa ein persönliches Problem mit dem Frauenotruf, weil du gerade das Beispiel gewählt hast?

      • @honeyinheaven

        „Ein Notruf kann Leben retten. Kommerzielle Werbung ist nichts als Kommerz“

        Die Lösung ist ja einfach:

        Man darf nur noch einen Geschlechterneutralen Notruf bewerben. Dann kann man nach wie vor Leben retten. Und hat gleichzeitig Stereotype vermieden

      • aranxo schreibt:

        Das muss ich jetzt – mit Verlaub und allem nötigen Respekt (nicht dass wir hier die nächste Robin vs. Wortschrank-Debatte beginnen) – als schwachsinnigen Einwand zurückweisen.

        Hast Du schon mal einen echten Notruf gesehen, bei dem es ums Leben retten ginge, der nur für Frauen eingerichtet wäre? Bei der ein Mann anrufen würde, „Hilfe, meine Frau kommt mit dem Küchenmesser auf mich zu“ ins Telefon schreien würde und die Dame am andern Ende der Leitung nur antworten: „Tut mir leid, wir können Ihnen nicht helfen. Rufen sie bitte den Männernotruf an!“? Wäre das nicht Sexismus (gegen Männer) in höchster Reinform? Nein, echte Notrufe wie 110 und 112 sind immer genderneutral (für Berlin leg ich jetzt aber nicht die Hand ins Feuer).

        Was so landläufig unter Frauennotruf firmiert, sind Vereine wie Wildwasser, Zartbitter etc., die sich um sexuell missbrauchte Frauen und Mädchen kümmern, und da geht es ja meist um Taten, die längst passiert sind. Ich finde die Existenz solcher Anlaufstellen auch absolut ok, um nicht zu sagen, leider notwendig. Für Männer wären sie das allerdings auch, nur gibt es sie so gut wie noch gar nicht.

        Diese können für sich gar nicht anders werben, als Frauen und Mädchen als Opfer darzustellen. Das ist ein wenig analog zur im letzten Absatz des Artikels erwähnten Barbie-Puppe. Das beworbene Produkt ist quasi schon von sich aus ein Geschlechterrollenstereotyp. Diese Vereine verkneifen sich meistens, in ihrer Werbung Männer als Monster darzustellen. Allerdings vermute ich eher, dass sie das weniger aus Nettigkeit den Männern gegenüber tun, sondern weil sie keine Angstzustände bei der beworbenen Zielgruppe triggern wollen.

      • @aranxo

        „Was so landläufig unter Frauennotruf firmiert, sind Vereine wie Wildwasser, Zartbitter etc., die sich um sexuell missbrauchte Frauen und Mädchen kümmern, (…)
        Diese können für sich gar nicht anders werben, als Frauen und Mädchen als Opfer darzustellen.“

        Tatsächlich verstehen sich beide Organisationen in ihrer Beschreibung als Vereine, die auch für Männer da sind. Insofern könnten sie in der Theorie auch entsprechend werben. Das damit ein Teil ihrer Werbewirkung flöten geht, weil sich vielleicht weniger Männer angesprochen fühlen ist ja bei dem Waschmittelhersteller nicht anders.
        Dafür durchbricht es aber Geschlechterrollen. Was auch nach feministischer Logik per se weniger Mißbrauch und Gewalt bedeutet.

      • aranxo schreibt:

        @Christian
        Das ist aber nicht immer so, d.h. es hängt vom jeweiligen Verein in der jeweiligen Stadt ab. Die sind meistens komplett voneinander unabhängig, auch wenn sie sich dieselben Namen geben, einfach weil sich diese Namen in anderen Städten eingebürgert haben und man dadurch nicht erst ein neues Label bekannt machen muss.

        Meine Durchsicht der entsprechenden Websites ergibt eher ein Bild, dass Männer gar nicht als Opfer erwähnt werden, und Jungen nur sehr schwach manchmal miterwähnt werden, allerdings im seltensten Fall in den Überschriften. Ich habe den Eindruck, das sind eher Feigenblätter, man will sich nicht die Blöße geben, einseitig zu sein.

        Wieviele Jungs tatsächlich konkret von diesen Vereinen beraten werden, dürfte in deren Statistiken zu finden sein. Ich vermute, die Zahl ist verschwindend gering. Kein Wunder, welcher Junge, der von einer älteren Frau missbraucht wurde, würde bei einem reinen Frauenverein um Hilfe suchen? Das ist so absurd, wie von einem missbrauchten Mädchen zu verlangen, bei einem reinen Männerverein um Hilfe zu suchen.

      • @aranxo

        „Ich habe den Eindruck, das sind eher Feigenblätter, man will sich nicht die Blöße geben, einseitig zu sein“

        Ich vertrete hier ja eh ein advocatus diaboli Position, da ich die ganze Idee einer derartigen Werbeeinschränkungen ablehne.

        Wenn man es auf der Ebene durchdenkt, dann wäre es ja gerade Sinn der Sache, dieses „Feigenblatt“ aufzudecken und deutlich zu machen, dass sie ihr Angebot zu einseitig ausrichten. Es werden Geschlechterstereotype aufgedeckt und mehr Jungen trauen sich, sich dort auch zu melden. Und ebenso, wie durch aufgebrochene Stereotype Männer mehr Waschmittel kaufen und Frauen plötzlich in Vorständen erscheinen wird auch zartbitter seinen Fehler einsehen und sich genauso um Jungen kümmern. Deswegen wird das ganze ja gemacht. Man will damit die Gesellschaft verbessern

      • Matze schreibt:

        Gibt es eigentlich auch schon einen Kampfbegriff für eine Gesellschaft die Gewalt gegen Männer duldet oder bagatelisiert und in der männliche Opfer lächerlich gemacht werden?

      • aranxo schreibt:

        @Matze
        Also die, in der wir leben? Wie wärs mit: Aufgeklärte, westliche Demokratie? SCNR

      • Matze schreibt:

        „Aufgeklärte, westliche Demokratie“ – Das ist mir etwas zu hart für einen Kampfbegriff xD

      • Gerhard schreibt:

        Ich habe übrigens auch ein Problem mit Frauennotrufen. Warum haben die anderen schon ganz gut dargelegt.

        Insbesondere die vielfachen Angebote an Mädchen, die sehr unscheinbaren Angeboten für Kinder und die nichtexistenten Angebote für Jungs kann doch nicht nur mir auffallen? Die insbesondere kommunale Kohle ist nun mal begrenzt, da könnte es doch einen fairen Deal für alle Kinder geben? Haben die Genderisten, die dafür verantwortlich sind, eigentlich keine Söhne?

      • man.in.th.middle schreibt:

        „Tatsächlich verstehen sich beide Organisationen in ihrer Beschreibung als Vereine, die auch für Männer da sind.“
        z.B. diese Seite bestätigt den Eindruck, daß man nicht auf einem Auge blind ist:
        http://www.zartbitter.de/gegen_sexuellen_missbrauch/Muetter_Vaeter/2020_wer-sind_die_taeter_taeterinnen.php

    • Gerhard schreibt:

      Super Idee. Findet eigentlich jemand eine Logik hinter dem sich immer wiederkehrenden Sexismusvorwürfen? Rosa Ü-Eier sind sexistisch gegen Mädchen. Blaue Ü-Eier wären aber genauso sexistisch gegen Mädchen, nicht gegen Jungs.

  6. Marcel Zufferey schreibt:

    Der letzte Absatz bringt es auf den Punkt: Werbung arbeitet streng zielgruppenorientiert. Die Werbezielgruppe bestimmt das Grundmuster, wonach zum Beispiel ein TV-Spot aufgebaut ist. Ein TV-Spot wiederspiegelt also in groben, vereinfachenden, überzeichnenden oder persiflierenden Zügen gewisse Verhaltensmuster, wie sie bei (den meisten) Menschen zu beobachten- oder per Marktforschung ausgemacht worden sind. Was Berit Völzmann anstrebt, ist eine Umkehrung dieses Prinzips: Die Zielgruppe hat sich gefälligst so zu verhalten, wie gewisse Kreise es sich wünschen. Damit sind wir dann tatsächlich in Nordkorea oder anderen, totalitären Systemen.

  7. Graublau schreibt:

    Ich erinnere mich vage an Männer in der Fernsehwerbung für Putzmittel nach dem Motto: „Damit kann das sogar ein Mann!“ oder „Jetzt haben auch die Männer keine Ausrede mehr, sich vor der Hausarbeit zu drücken!“ Insofern tauchen natürlich auch Männer hier auf, nur darf man sich fragen, ob das nicht sogar noch sexistischer ist.

    • @graublau

      Interessant wäre es, wenn man Wahlplakate mit männlichen Politikern überprüft. Zeigt ja auch ein Stereotyp.

      Ich sage nur die damalige Troika um Schröder

    • Vinzenz schreibt:

      „[…] nur darf man sich fragen, ob das nicht sogar noch sexistischer ist.“

      Hast du da eine Skala oder eine Einheit in der Sexismus gemessen wird?

      • Ein „Aufschrei“ würde sich natürlich anbieten 😉

      • Graublau schreibt:

        Ordinalskaliert meine ich schon, Sexismus messen zu können, sprich: Ich kann sagen, was für mich sexistischer ist. Betrachten wir die beiden Szenarien: Welche Vorannahmen stecken dort drin?

        Szenario A: Männer kommen in Putzmittelwerbung nicht vor
        Szenario B: Putzmittelwerbung mit dummen und/oder unwilligen Männern

        Szenario A könnte man noch dadurch erklären, dass Frauen die Kaufentscheidung treffen und daher beworben werden wollen, dass man deshalb vor allem fähige Frauen präsentieren will, die etwa neben Job „mal so nebenbei“ putzen können.

        Szenario B arbeitet mit negativen Grundannahmen über Männer: Sie sind entweder unfähig, zu putzen, oder versuchen sich der Hausarbeit gezielt zu verweigern, indem sie maximale Unfähigkeit vortäuschen.

        Szenario B benötigt mehr Voraussetzungen. Diese gehen von einem negativen Männerbild aus. Also ist Szenario B für mich sexistischer.

  8. Pingback: Geschlechterstereotype in Abgrenzung zu Vermutungen aufgrund von Wahrscheinlichkeiten | Geschlechterallerlei

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