Warum ich pseudonym blogge

Es ging ja schon heiß her beim Geschlechterallerlei. Obwohl das Blog offiziell erst im April so richtig losgeht, gab es bereits die erste Kritik am modus operandi: So wurde mir in der Diskussion zu meinem Artikel über den Männerstreik vorgeworfen, anonym aufzutreten und damit nicht glaubwürdig zu sein. Nun habe ich meinen Standpunkt in der Diskussion dargelegt, aber nachdem Martin Domig alias Flussfänger es noch in einem eigenen Beitrag aufgriff, möchte ich noch einmal „Butter bei die Fische“ geben und Inhalte nennen, die ich mit meinem Klarnamen zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht veröffentlichen möchte, die ich aber doch für wichtig halte.

Die ersten Kommentare, mit denen ich mich in dieser Filterblase bemerkbar machte und den Status des stummen Mitlesers verließ, betrafen den Artikel Männergesundheitsbericht 2013 und psychische Gesundheit.

Die Kernpunkte zusammengefasst:

  • Depressionen sind die wichtigste psychische Erkrankung bei Männern.
  • Depressionen werden bei Männern häufig nicht erkannt und führen zu Selbstmord.
  • Depressionen kollidieren mit den sozialen Anforderungen an einen Mann, so dass mit Ausgrenzung rechnen muss, wer sich zu seiner Krankheit bekennt.
  • Depressionen äußern sich bei Männern anders als man es erwartet, etwa durch Aggression statt durch Traurigkeit.

Ich habe damals als Betroffener bei Alles Evolution einige Punkte genannt, die nach meiner Erfahrung viele Außenstehende nicht erwarten:

„1. Aggression oder Wut sind tatsächlich “das letzte Aufgebot”, was man noch hat. Voran ging bei mir eine Phase, in der ich tief traurig war, was aber nicht akzeptiert wurde (“reiß Dich zusammen”, “wird schon wieder”, “jetzt ist auch mal gut”, “Du darfst Dich nicht beklagen”). Aggressivität äußert sich meist (auch) durch Aktivität und kann leicht als “überengagiertes Durchsetzungsvermögen” missverstanden werden (in Wahrheit ist man nie so wenig bei der Sache wie in dieser Zeit). Hinzu kommt, dass man sich mit aggressivem Auftreten tatsächlich an einigen Stellen im Leben durchsetzt. Das mag einen Sympathien kosten, aber man kann nicht alles haben und wenn man vorher der “gute” Kerl war, der sich selbst immer als “Verlierer” bei gemäßigtem Auftreten wahrgenommen hat, dann ist das pädagogisch eine fatale Lektion. (Das war jetzt alles bezogen aufs Berufsleben.)

Leider wird man gerade im Berufsleben schnell als “schwach” verhöhnt, wenn man zu erkennen gibt, dass es einfach zuviel ist. Da Männer tendenziell eher Vollzeit arbeiten und Berufsleben für sie eine größere Rolle spiel (Versorgerfunktion, egal ob sie akut gefragt ist oder nicht), trifft sie das besonders hart.

2. Es ist einer der Hauptirrtümer der jetzigen Zeit, dass man Depression mit “kraftlos in der Ecke sitzen und weinen” gleichsetzt. Es ist schon viel erreicht, dass man über Depressionen spricht und dass es Männer-Beispiele gibt, die Erfolg hatten (Sebastian Deisler, Robbie Williams).

Nach meiner Erfahrung können Leute mit Depression durchaus lachen, aktiv sein, kreativ sein usw. Es ist eher das Gefühl der Sinnlosigkeit (was die langfristige Zukunft / das eigene Leben angeht) und die Kraftlosigkeit (die meist eher psychische Erschöpfung ist), die eine Depression ausmachen. Depressive scheinen von negativen Ereignissen stärker getroffen zu werden (und eine Äußerung dessen wird bei Männern gerne als “weinerlich”, “sensibel” usw. gebrandmarkt, so dass sie diese Gefühle und Gedanken in Zukunft für sich behalten). Dieser stärkere emotionale Einschlag kann natürlich umgekehrt gerade Kreativität beflügeln (weil man sich einer Sache “ganz hingeben” kann), was dann wiederum zu Ergebnissen führt, mit denen man Leute beeindruckt.

Diese Aktivität und Kreativität macht es insbesondere bei Männern schwer, Depressionen zu erkennen und zu verstehen. Sie kann aber auch gleichzeitig ein wichtiger Weg aus der Depression heraus sein.

3. Es hat wenig Sinn, Leidensvergleiche zwischen Frauern und Männern anzustellen. Das lenkt zu sehr von der eigentlichen Aufgabe ab: Aus der Depression wieder herauszukommen. Letzten Endes können Medikamente und Therapie einen unterstützen, aber den Großteil der Arbeit muss man ohnehin selbst haben. Außerdem kann nichts “positive Erfahrungen im echten Leben” ersetzen.

Bei allem, was geschafft habe, kann ich mir immer sagen, dass ich das eben “wie ein Mann” angepackt habe, weil ich agiert und nicht reagiert habe. Es ist kein Zufall, dass die Popkultur voll von Beispielen ist, in denen ein “sympathischer Außenseiter” irgendwie den Durchbruch schafft – auch gegen Widerstände aus seinem Umfeld.

4. Ich rate jedem Mann mit Depressionen, sich gut zu überlegen, wem er sich anvertraut. Selbst bei guten Freunden oder Familienangehörigen ist es keine Selbstverständlichkeit, dass sie das verstehen, weil (wie oben aufgeführt) die bei Männern auftretenden Signale nicht als zu einer Depression gehöhrend wahrgenommen und damit als Krankheitsbild verstanden werden. Andererseits kann ich auch berichten, dass ich in meinem Umfeld genügend Leute habe, die mich verstanden haben oder es im Laufe der Behandlung gelernt haben.

Es gibt eine spezielle männliche Perspektive auf Depressionen und dabei sowohl besondere Hindernisse als auch besondere gute Verhaltensweisen. Da die Anzahl der Selbstmorde bei Männern um ein Vielfaches höher ist als bei Frauen, lohnt es sich, auch ein wenig Zeit auf diese Perspektive zu verwenden.

Was das Weinen angeht: Männer werden darauf trainiert, nicht in der Öffentlichkeit zu weinen. Bei Depressionen denkt man, die Leute würden ständig weinen. Das schlimmste Sympton auf der Skala ist jedoch, wenn man überhaupt nicht mehr weinen kann. Das fällt bei Männern natürlich nicht so schnell auf.

Hier gibt es eine schöne Parallele zum Märchen, in dem die Königstochter ihren Vater “wie das Salz” liebt und er sie daraufhin verstößt. Anschließend wird alles Gold im Königreich zu Salz und die Leute merken, wie wichtig so etwas Bitteres, nur in geringen Maßen Genießbares wie das Salz ist. Ohne es ist alles andere irgendwie fad. Genauso verhält es sich mit dem Weinen.

Noch eine Märchenparallele gefällig? Heinrich, der Diener des Froschkönigs, war so betrübt über die Verwandlung seines Herrn, dass er sich eiserne Bande um sein Herz legen ließ. Als der Eiserne Heinreich dann auf dem Kutschbock sitzt und den erlösten Herrn und seine Frau kutschiert, da kracht es einige Male ganz laut. Erschrocken über das Geräusch, fragt der König, ob die Kutsche zerbrechen würde. Da sagt der treue Diener: Keine Angst, das sind nur die eisernen Bande, die von meinem Herzen fallen. So fühlt es sich an, wenn man aus der Depression wieder herauskommt.“

Es gab auf diese ersten zwei Kommentare direkt eine Reaktion von Robin. Sie erwähnte ihre eigenen Erfahrungen, die sie in dem sehr lesenswerten Artikel „Man ist nur ein Opfer, wenn man in der Ecke sitzt und weint.“ zusammengefasst hat.

Ich antwortete damals: „Mein Eindruck ist scheinbar komplementär: Bei mir als Mann lobt man eigene Aktivität, aber jedes Anzeigen von “das ist mir jetzt zuviel” oder “da fehlt mir die Kraft für” sorgt für Irritationen.“

Unter dem Artikel “Der männliche und der weibliche Defekt” sprach ich es noch einmal an:

„Interessante Sache, die hier in den Kommentaren vor kurzer Zeit schon aufkam. Da schilderten Mann und Frau, wie gegensätzlich mit ihnen umgegangen wird bei Krankheit.

Von einer Frau wird erwartet, dass sie doch bitte das arme Opfer ist. Offensives Umgehen hingegen stößt auf Widerspruch.

Bei einem Mann wird begrüßt, wenn er aktiv ist und Dinge tut. Wenn er jedoch anzeigt, dass eine Situation/Aufgabe für ihn zuviel ist und er sie nicht tun will/kann, wird ihm das übel genommen.

Ich sehe hier deutliche Parallelen. Und gesund(heitsfördernd) ist diese Einstellung offensichtlich nicht.“

Ich habe damals kommentiert, weil ich einfach nicht schweigen wollte und meinte, mit meinen Erfahrungen etwas zu dem Diskurs beitragen zu können, aber pseudonym, weil ich mir andererseits auch bewusst war, wie gefährlich offene Bekenntnisse eines Tages werden können. Diese Lösung ist alles andere als perfekt, ich bin mir ihrer Nachteile bewusst, aber ich kann mir derzeit nichts Besseres vorstellen.

Wenn ich dann noch Fragen lese, wie sie letztens noch durch die Blogblase gingen, sinngemäß warum Männer nicht zu ihren Gefühlen stehen, dann muss eine gute Antwort aus meiner Sicht so lang und ausführlich werden, dass selbst Kommentare an ihre Grenzen stoßen. Darum möchte ich hier bloggen.

Eigentlich sollte das Thema „Eine männliche Sicht auf Depressionen“ mein erster Beitrag fürs Geschlechterallerlei werden. Es ist dann aber so viel geworden, dass ich den Artikel nicht fertig bekam. Da der mir besonders am Herzen lag, habe ich ihn nicht mit Biegen und Brechen heruntergeschrieben, sondern lieber andere Themen zuerst abgehandelt.

Letzten Endes wurde es aber auch zuviel Material für einen Eintrag. Zudem ist es wichtig, ein bestimmtes Maß an Allgemeinwissen voraussetzen zu können. Deswegen kommt also zuerst dieser Text hier zur Einstimmung.

Natürlich kann das wie eine reine Show aus Zitaten und Resteverwertung wirken. Ich denke aber, das alles mal zusammengestellt in einem Artikel ist schon viel wert und kann zum Weiterlesen animieren.

Erzählmirnix ist, man höre und staune, in erster Linie keine humorvolle Comicautorin, sondern Psychologin und Psychotherapeutin. Sie hat eine Reihe von Artikeln zu dem Thema veröffentlicht, zum humorvolle, an denen man dennoch den Ernst des Themas erkennt:

Dann gab es aber noch eine Interviewserie. Daran erkennt man, wie schade es ist, dass in letzter Zeit nur noch Comics erschienen sind (bei den Artikeln kann man sich ja nie sicher sein, ob sie nicht irgendwann gelöscht werden, weil sie nicht mehr gefallen… Erzählmirnix zeigt hier die Mentalität eines Wikipedia-Admins).

Insbesondere das letzte Interview sollte Hoffnung machen und zeigen, dass Depressionen kein ewiges Schicksal sind. Das ist natürlich noch einen eigenen Blogartikel wert… doch schauen wir einmal in die Runde. Da gibt es ja noch mehr Leute mit Depressionen:

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Doch selbst da ist die Welt ausnahmsweise mal nicht in Ordnung:

Es gibt viele Lieder, die mir zu dem Thema einfallen, aber am ehesten denke ich Moment an dieses hier. Die Single und das dazugehärige Album waren auch so passend mit Schwarzweißfotos illustriert…

U2: Beautiful Day

27 Kommentare zu „Warum ich pseudonym blogge“

  1. Sehr interessant. So hab ich das noch gar nicht betrachtet, auch wenn es natürlich jetzt, wo ich es lese, irgendwie sehr schlüssig klingt. Wobei ich das mit der Aggression von mir selbst kenne, obwohl ich eine Frau bin.

  2. „Wobei ich das mit der Aggression von mir selbst kenne, obwohl ich eine Frau bin.“

    Du musst jetzt ganz stark sein:
    Ich kenne gewalttätige Aggression mehr von Frauen als von Männern. Das ist meine persönliche Erfahrung, obwohl ich ein Mann bin.

    Das mit meinen Gewalterfahrungen stimmt. Das mit „obwohl ich ein Mann bin“ ist quatsch. Du transportierst hier gerade wieder einen gewissen Sexismus. Ach so: Ist ja keiner, ist ja positiv für die Frau. Positiven Sexismus gegenüber der Frau gibt es ja nicht. Mea culpa.

    Ich ärgere mich immer wieder, wenn man Leuten vorschreiben will, ihren „richtigen“ Namen zu verwenden. Es gibt Dinge, die kann und möchte man nicht laut sagen, weil sie sich als Bumerang im Berufs- und auch imn Privatleben erweisen können.

    Gerade Maskulisten werden gerne als Nazis usw. denunziert. Ich kann jeden verstehen, der gewisse Dinge eben nicht unter seinem richtigen Namen sagen möchte. Wir unterhalten uns hier nicht über das Wetter. Wir wissen alle, dass viele der Feministinnen Antifa-nah sind. Wir wissen alle, welche Methoden die Antifa nutzt.

    Meinungsfreiheit gilt doch tlw. nur so lange, wie man den Feminismus nicht kritisiert. Ein Bekannter von mir bekommt die letzte Zeit tlw. Panikattacken, weil er sich eben unter seinem richtigen Namen geäußert hat und sich nun bedroht fühlt.

    Meinen richtigen Namen kann man zwar in meinem Blog herausfinden, wohl fühle ich mich dabei allerdings nicht. Zuoft wurde ich als Maskutroll und Nazi beschimpft. Tja, dann bin wohl ein Nazi mit knallrotem Parteibuch.

    Wir sollten froh sein, dass sich Leute artikulieren und nicht darüber motzen und meckern, wenn sie es nicht unter ihrem richtigen Namen tun. Das sollte die Entscheidung jedes Einzelnen sein. Die Entscheidung gewisse Dinge eben nicht unter seinem richtigen Namen zu äußern kann ich gut verstehen.

    Es kommt aber bestimmt gleich wieder das Gefasel von „gängigen Standards“ und es wird auf Nachfrage wieder nicht gesagt, was „gängige Standards“ denn überhaupt sind. Es ist gängiger Standard wegen seiner Meinungsäußerungen beleidigt und diffamiert zu werden.

    DAS muss sich niemand antun. Zumindest nicht freiwillig.

    1. Wenn du das sexistisch findest, bitteschön, tu dir keinen Zwang an. Ich habe an anderer Stelle ja bereits vorgewarnt, dass dies durchaus passieren kann, da ich manche Dinge einfach vom Stapel lasse, ohne jeden Satz und jede Formulierung x-mal auf eventuell vorhandenen Sexismus zu prüfen. Asche auf mein Haupt.

      1. Gerade die Formulierungen, die man „einfach vom Stapel“ gelassen werden, zeigen mehr als die Formulierungen, die durch den „politisch-korrekt-mach-Wolf“ gedreht wurden.

        Gerade aber in Bezug auf Gewalt lässt eine solche Äußerung darauf schließen, dass Du den Mann grunfsätzlich für aggressiver hälst. Diese Erfahrungen teile ich eben nicht. Diese Ansicht wird aber an vielen Stellen verbreitet, was zu genau der Dämonisierung des Mannes führt, die wir haben.

        Zwänge tue ich mir im übrigen sowieso keine an. Du meinst also, dass Du Dir aufgrund von Vorwarnungen einen gewissen Sexismus herausnehmen kannst? Das ist auch eine Taktik, wenn auch keine gute. Man überlege es sich, wenn ich diese Äußerung getätigt hätte. Man würde mich wohl nicht mehr so ernst nehmen, wie ich es eigentlich verdient hätte.

      2. Ich halte mich für eine Frau, die aufgrund ihrer Aggression in der Vergangenheit angeeckt ist und sich oft auch Schwierigkeiten eingehandelt hat, mehr nicht. Tut mir leid, aber mir ist das hier echt zu anstrengend. Ich bin raus. Viel Spaß noch.

      3. Na klar: Jetzt bin ich es schuld; jetzt habe ich Dich mit Deiner fiesen Art vertrieben, obwohl DU Dich SEXISTISCH geäußert hast.

        Natürlich: So dreht man Spieße um. Hat was von Opferabo. Sorry.

        Ein einfaches:
        „Sorry, was blöd ausgedrückt!“,
        hätte doch vollkommen gereicht.

        Aber wenigstens hattest Du jetzt noch einen dramatischen Abgang.

        Jetzt bin ich mal sexistisch:
        Das mit dem Opferabo und dem Abgang ist sehr weiblich, das stelle ich fest, obwohl ich ein Mann bin.

        Ich fasse es nicht: Was war denn jetzt so schlimm? Ist es so schlimm, wenn man darauf aufmerksam gemacht wird, dass man sich blöd – gar sexistisch – ausgedrückt hat?

    2. Aggressionen sind nicht gleich Gewalt. Ich selbst bin nicht gewalttätig geworden, wenngleich ich ganz bestimmt häufiger als gewöhnlich aggressiv aufgetreten bin.

      Es ist auch deswegen ganz wichtig, das zu trennen, weil sonst Gewalttäter die billige Ausrede „Ich bin halt aggressiv!“ hätten. In Wirklichkeit ist jeder dafür verantwortlich, dafür zu sorgen, dass Aggressionen nicht in Gewalt umschlagen.

      „Der Mann als Gewaltopfer“ wäre auf jeden Fall ein ganz wichtiges Thema hier fürs Blog. Hättest Du nicht Lust, aus den verschiedenen Blogeinträgen, in denen Du davon erzählt hast, einen Gastbeitrag zu machen? Wenn da zuviel Emotionen mit im Spiel sind, kann ich verstehen, dass Du das nicht möchtest.

      1. Nein, ich möchte aus diversen Gründen hier nichts schreiben – außer in Kommentaren. 😉

        In meinem Blog steht auch alles, was ich so zu sagen habe.

    3. “Wobei ich das mit der Aggression von mir selbst kenne, obwohl ich eine Frau bin.”

      „Du musst jetzt ganz stark sein:
      Ich kenne gewalttätige Aggression mehr von Frauen als von Männern. Das ist meine persönliche Erfahrung, obwohl ich ein Mann bin.

      Das mit meinen Gewalterfahrungen stimmt. Das mit “obwohl ich ein Mann bin” ist quatsch. Du transportierst hier gerade wieder einen gewissen Sexismus.“

      Um das noch einmal aufzudröseln (wahrscheinlich werde ich’s bereuen, aber ich hatte es ja einen Artikel weiter versprochen):

      Meine Ansicht (ganz grob): Männer mit Depressionen zeigen mehr Aggressionen (als Traurigkeit / als sonst / als depressive Frauen).

      evilmichi: Aggressionen kenne ich auch als Frau.

      Das bedeutet nicht, dass Männer grundsätzlich gewalttätiger wären als Frauen. Ich hatte unter einem Artikel bei Onyx auch vermutet, dass Männer mit Depressionen auch deswegen mehr Aggressionen zeigen, weil diese Emotion nicht sanktioniert wird (im Vergleich zu anderen, etwa Traurigkeit, die man ja bei Depressionen erwartet). Es gibt also unter diesen Umständen die Annahme, dass Männer aggressiver auftreten – was aber nichts mit einer generellen Verteilung von Gewalttätigkeit zwischen den Geschlechtern zu tun hat.

  3. Ach so:
    Du hast mir gerade nochmal bewusst gemacht, dass Depressionen sehr wohl eins meiner Probleme ist. Ich habe ja auch mal einen Artikel geschrieben, der so hieß:
    Depressionen
    http://www.nuklearsprengkopf.de/2012/08/depressionen/

    Da ich aber die einzige „richtige“ Bezugsperson für meinen Sohn bin, muss ich sehen, dass ich diese Dinge so schnell wie möglich wegschiebe. Wegschieben ist keine Lösung – da muss ich mir noch etwas einfallen lassen.

    Dass das mit dem Wegschieben momentan noch ganz gut funktioniert, habe ich gerade daran gesehen, dass mir das zunächst gar nicht so bewusst war, dass es eben auch eins meiner Probleme ist.

    1. Für einen Alleinerziehenden muss es besonders schwierig sein, in Behandlung zu gehen, denn es gibt niemanden, der sich um das Kind kümmern kann in der Zeit, in der man Therapiestunden hat. Leider weiß ich nicht, ob es entsprechende Angebote gibt (hier könnte Erzählmirnix vielleicht weiterhelfen).

      Andererseits muss ich auch klar sagen, dass unbehandelte Depressionen ein Spiel auf Zeit sind. Das kann man nicht ewig aushalten. Und wenn dann mal wieder ein besonderes Tief kommt, kann es schlimm enden. Und für Angehörige ist es natürlich auch nicht schön, wenn ein geliebter Mensch oft so traurig und müde ist (siehe den Bericht von Martins Frau). Ich weiß leider auch nicht, ob sich Kinder dann die Schuld an der Krankheit des Elternteils geben.

      Deswegen kann ich jedem Betroffenen nur raten, sich über Therapieangebote schlau zu machen und lieber heute als morgen die nächsten Schritte in die Wege zu leiten, insbesondere weil man auf einen Platz eventuell warten muss. Ich denke, wenn man so wie Du mehrere gewalttätige Partner, Unverständnis der Polizei und eine Sucht überlebt hat, dass man auch den Weg aus der Depression finden kann. Wenn ich dann noch das alte Foto als Metaller sehe… Metaltexte (so wie ich sie kenne) erzählen oft davon, dass es sich lohnt, zu kämpfen, dass die schlechten Zeiten nicht ewig dauern werden und dass auf jede Nacht ein neuer Morgen folgt. Glaube mir, nie ist der Frühling so schön wie nach einem langen Winter.

      1. Bei mir ist es nicht ganz so tragisch. Es sind immer nur kurze „Anfälle“.

        Eine Therapie habe ich aber wegen „meiner“ Borderlinerin dennoch hinter mir.

  4. Verstehe ich das richtig, dass hier nun *ein* persönlicher Beitrag eines Verfassers zum Thema Depressionen herangezogen wird, warum das gesamte Blog anonym / pseudonym / bla läuft? Da stelle ich doch mal die provokative Frage, ob es ein Blog zum Thema Geschlechtergerechtigkeit oder ein Blog zum Thema Depressionen & Co. werden soll. Sorry, aber das sticht nicht. Man kann übrigens auch Geschichten mit persönlicher Betroffenheit anonymisieren, indem man z.B. Personen einfach durch A, B, C usw. repräsentiert wie in der juristischen Lehre.

    1. Ich finde es gut, dass Du nachfragst, denn Du hast es tatsächlich falsch verstanden. Wie der Titel des Artikel bereits aussagt, ist das nur die Begründung für mich. Der Rest kann das machen, wie er will, und macht es ja bereits anders. Ich selbst habe die Liste der Autoren auf der Seite Über eingetragen und ergänzt und jeweils, falls vorhanden, auf das persönliche Blog der Leute verwiesen. Darüber bekommt man in einigen Fällen direkt den Klarnamen heraus. Bei einigen Autorennamen gehe ich außerdem davon aus, dass es bereits die Klarnamen sind.

      Die Option, aus der Perspektive Dritter zu erzählen, war in dem Moment nicht mehr gegeben, als ich von mir selbst geschrieben habe – also praktisch in meinen ersten Kommentaren überhaupt, wie ich ja im Artikel erwähne. Es wäre auch umständlich, dann bei Rückfragen immer „muss ich mal eben die Person fragen“ zu schreiben oder „das wurde damals in dem Fall zum Glück dokumentiert“. Das kann man natürlich über Gastautoren machen, aber nicht in meinem Fall.

    2. Ich kann Graublau und andere verstehen, die pseudonym bloggen. Denn es hat nicht nur Nachteile, obwohl das vielleicht so klingt wenn man meinen Blogpost dazu liest.

      Gerade bei Geschichten aus dem persönlichen Umfeld muss man doppelt aufpassen, Menschen aus dem erweiterten Bekanntenkreis könnten auch anonymisierte Personen erkennen. So werden vielleicht Dinge öffentlich, die besser privat bleiben würden. Das halte ich übrigens für den größten Vorteil eines Pseudonyms: ich kenne einige Geschichten, die auf so manche Diskussion hier passen würden wie die Faust aufs Auge, bei denen einem erst mal die Spucke weg bleibt wenn man sie zum ersten mal hört. So wie das hier zum Beispiel. Es juckt mich oft über mehr solcher Anekdoten zu schreiben, nur kann ich das nicht machen weil ich die Privatsphäre der beteiligten Personen schützen muss. Es ist eine Gratwanderung, bei der eine einfache Anonymisieren mit A, B, C oft nicht reicht – ich müsste die Erzählung weiter verfälschen, bis zu dem Punkt wo ich selbst sie nicht mehr erkennen würde. Aber irgendwann ist dann der Punkt erreicht, an dem es keine Anekdote mehr ist sondern Fiktion, und das wiederum ist Gift für die Glaubwürdigkeit. Also lasse ich es.

      Der Mann aus meinem Beispiel von oben ist z.B. kein Polizist, und vielleicht habe ich mich beim Alter verschätzt. Aber der Rest der Geschichte stimmt.

      1. @martin

        „Gerade bei Geschichten aus dem persönlichen Umfeld muss man doppelt aufpassen, Menschen aus dem erweiterten Bekanntenkreis könnten auch anonymisierte Personen erkennen“

        Ich bin trotz Anonymität jetzt schon bei einigen Geschichten, die ich gern verbloggen würde, sehr vorsichtig, weil genug anonyme Blogger irgendwann aufgeflogen sind. Gerade bei Personen aus meinem näheren Umfeld bin ich da vorsichtiger geworden.

  5. Ich finde Männer, die weinen können sehr attraktiv. Aber ich kenne es auch diesen Druck im Hals, wegen dem es manchmal nicht geht..
    Eine herzliche Umarmung kann da oft helfen und das wünsche ich jedem in der Situation!

    Vielseitiger und sehr lesenswerter Blog.

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