Ich war dabei

Ersteinmal zu meiner Person, ich bin 62. Als Dreijähriger bin ich mit meinen Eltern nach Süd Afrika ausgewandert, vor 15 Jahren kam ich mit meiner deutschen Frau und zwei Töchter nach Deutschland zurück. Die Kolonien hinken oft den Geschehenessen in der Welt hinterher, somit erinnere ich mich an einer Welt in der es verschiedene Regeln für Männchen und Weibchen gab und Jeder das als selbstverständlich akzeptierte.

Oft höre ich das Frauen früher unterdrückt wurden, aber Heute ist das nicht mehr so und die Frauen und Mädchenförderung ist demnach überzogen.

Diese Aussage ärgert mich, vor allen wenn sie von Maskulisten kommt, beide Geschlechter wurden in mancher Hinsicht benachteiligt und in anderer wieder bevorzugt, die Behauptung das Frauen und Mädchen nur benachteiligt wurden, sogar unterdrückt ist schlicht gelogen. Wenn ich an der Zeit zurück denke als ich die Schule verließ, würde ich nicht sagen das ich Schuldgefühle entwickeln müsste weil es uns Jungs doch so viel besser ginge wie den Mädchen, nein Neid beschreibt meine Gefühle genauer.

In meiner Zeit wurden Kinder in der Schule noch geschlagen, oder genauer gesagt Jungs wurden geschlagen. Hätte mir damals Jemand erzählt der Schmerz und die Demütigung vor der ganzen Klasse den Arsch versohlt zu bekommen ist eines der Privilegen für die ich mich später jeden Tag meines Lebens bei jedem weiblichen Wesen entschuldigen müsste, ich hätte den glatt nicht geglaubt.

Die Berufswahl für Jungs war eigentlich ziemlich eindeutig, es ging hauptsächlich darum möglichs viel Geld zu verdienen, vielleicht auch noch etwas um Prestige.

Die Mädchen in unsere Matrikgruppe hatten drei Möglichkeiten: Sie konnten selbst Karriere machen, sie konnten etwas studieren, was nicht unbedingt für einen Beruf nützlich ist, Philosophy, Geschichte, oder Kunstgeschichte waren sehr angesagt, oder sie konnten einfach jobben, meistens als Büro Assistentin, wenn sie in der Schule Tippen gelernt hatte, konnte sie ab sofort bis zu 250 Rand verdienen, damals war der Rand 5 Mark wert.
Grob geschätzt teilten sie sich in drei gleichgroßen Gruppen die die verschiedenen Optionen wahr nahmen, nur Margareth entschloß sich erst einmal ein Urlaubsjahr ein zu legen, während sie zu sich fand und entschloß was sie mit ihr Leben anfangen wollte. Für einen Jungen der nicht wie ich das Glück hatte Ausländer zu sein, wäre das unmöglich gewesen, das Militär ließ sich nur hinausschieben wenn man ein anerkanntes Lehrinstitut besuchte.

Als Jobberin zwischen Schulabschluß und Ehe, brauchte man keine Altersversogung, sie würde doch später in ihrer Ehemanns Altersversorgung aufgenommen werden, selbst Krankenkasse, konnte sie bei ihren Eltern weiter Mitglied bleiben. Die größten regelmäßigen Ausgaben waren waren neue Ballkleider die mehrmals jählich fällig wurden. Es wäre doch eine Zumutung ein Ball zu besuchen in ein Kleid das die Freundinnen schon gesehen haben.

Ich hatte einen Ausbildungsvertrag mit der Post abgeschlossen, die Post hatte damals noch das Monopol auf Fernmeldedienste, ich wurde sogar für die Zeit die ich auf der Fachhochschule verbrachte bezahlt, nach Abzügen, die vom ersten Tag an Altersvorsorge und Krankenkasse beinhalteten bekam ich knapp 100 Rand ausgezahlt. Am Wochenende durfte ich dann Mädchen ausführen und frei halten die mehr als das Doppelte von dem was ich verdiente hatten. Niemand fand das komisch, der Mann hatte zu zahlen und das wars.

Wenn Frau als Jobberinn bei den Eltern wohnt, dann eignet sich die Situation zum sparen , viele junge Mädchen gönnten sich einmal im Jahr eine exotische Reise, meistens eine geführte Reise durch Europa, durch sogenannte Student Tours angeboten, die Teilnehmer waren mehrheitlich keine Studenten und zu 80% junge Frauen zwischen Schulabschluss und Ehe.

Auch ich verlor meine erste feste Freundin als sie sich auf einer Studententour in ihren Schihlehrer verliebte, aber die Geschichte erzähl ich ein anderes mal.

16 Kommentare zu „Ich war dabei“

  1. Erst einmal Danke für den interessanten Text. Hast Du noch Verbindungen nach Südafrika? Sind die Verhältnisse dort heute noch ähnlich?

    Wenn ich solche Schilderungen lese, dann kommt es mir manchmal so vor, als wenn ein Teil der Frauen sagt: „Das bestehende System benachteiligt UNS.“ Und dann Männer dagegen halten und sagen: „Das stimmt nicht, das bestehende System bevorteilt Euch und benachteiligt statt dessen UNS.“.

    Wenn nun aber beide Seiten sich durch das bestehende System benachteiligt fühlen, kann es doch eigentlich nur darum gehen, wie ein neues gerechteres Geschlechtermiteinander aussehen sollte.

    1. Wenn nun aber beide Seiten sich durch das bestehende System benachteiligt fühlen

      Fühlen ist glaube ich der springende Punkt. Manchmal glaube ich, dass die Nachteile mehr gefühlt sind als dass es sie auch tatsächlich gibt. Vorteile gibt es eigentlich nie ohne entsprechende Nachteile, nur werden die nicht so stark wahrgenommen. In der Wahrnehmung dominieren die eigenen erlebten Nachteile über die eigenen Vorteile, und die Vorteile der anderen über deren Nachteile. Wenn man alles nüchtern zusammenzählt, könnte unterm Strich vielleicht sogar rauskommen, dass diese die Frauen so unterdrückende Gesellschaft wie im Artikel beschrieben vielleicht sogar gerechter war als unsere moderene Gesellschaft von heute.

      1. Wenn man deiner Argumentation folgen würde, dann wäre es die Frau, die nicht erkennt, wie viel besser sie es in der traditionellen Rolle hat(te). Aber wem nützt so etwas, wenn sich dann gleichzeitig wieder der Mann im Nachteil fühlt, weil in der traditionellen Rolle die gesamte Ernährungsverwantwortung bei ihm liegt?

        Daneben zeigt die geschilderte Episode auchnur einen Ausschnitt. Es stellt sich z.B. die Frage, wie es in diesem System Frauen erging, die keinen Mann fanden bzw. die kein Mann heiraten wollte.

  2. Wie ich das sehe, sage ich ganz offen am Anfang, jedes Geschlecht wurde in mancher Hinsicht bevorzugt und in mancher Weise benachteilt. Ob die/der Einzelne am Ende Gewinner oder Verlierer war hing in der Hauptsache von der einzelnen Situation ab. Den Punkt den ich machen will ist das in vielen Weisen auch Jungs und Männer unter den Gesetzen der alten Gesellschaft litten. So war es eine leichte Sache ZB. für eine Lehrerin einen Jungen zum Kollegen zu schicken sich ein paar Schläge ab zu holen, sollte ein Mädchen bestraft werden war Strafarbeit oder Nachsitzen angesagt, was für die Lehrerin Arbeit bedeutete, somit wurde dann doch gerne mal vergeben. Seit 1976 war Süd Afrika im Krieg gegen Kubanern und SWAPO in Angola, der Wehrdienst wurde bis Namibias Unabhängigkeit immer wieder ausgebreitet. 1986 waren 2 Jahre Militär angesagt plus 8 sogenannte Kamps über 10 Jahre. Im Berufsleben war es eine große Belastung noch Kamps machen zu müssen.

    Natürlich habe ich den Abschnitt meines Lebens beschrieben in den ich meine es Mädchen viel besser ging. Für Jungen war eine Berufsausbildung unverzichtbar weil er sonst keine Familie ernähren konnte, für ein Mädchen war es eine der Optionen die ihr offen standen.

    Es war schon eine Zeit der Veränderungen, so wurde zum Ende der 60er die Gehälter der Frauen und Männer an einander angepasst, die meisten Frauen nahmen es aber weiterhin als ihr Privileg wahr alles selbstverdiente für sich aus zu geben, die Familie zu unterstützen war Männersache.

    Vor kurzen war ein Bericht in den Medien von einer fünfzigjährigen unverheirateten Tochter eines griechischen Generals die eine großzügige Rente vom Staat bezog, das war nicht Korruption, das war Tradition. Mein Vater hatte eine unverheiratete Schwester die bei seinen Eltern lebte und auch auf Rücksicht ihrer Position beim Erbe der Eltern begünstigt wurde.

    Eine Frau die nicht heiratete ging es tatsächlich schlecht, besonders wenn sie keinen Beruf gelernt hatte. Männer aber auch, sie kamen in extra schweren Steuerklassen.

    Heute habe ich noch ein paar Freunde in Süd Afrika, mit der Familie bin ich leider verkracht.
    Auch Süd Afrika hat sich sehr verändert, Geschlechterpolitisch sehr zum Nachteil, man versucht nicht nur Schwarze zu begünstigen sondern Frauen auch, örtliche nennen das Doppelapartheid.

      1. Nein, offensichtlich nicht. Und leicht zu beeindrucken sind sie anscheinend auch … *pfeif*

  3. Das Problem ist relativ einfach: Männer kämpfen in der Regel für Verbesserungen für alle Menschen in der jeweiligen Gesellschaft, also humanistisch motiviert, während Feministinnen alleine für ihre eigene Gruppierung Vorteile, Extrawürstchen und Privilegien durchsetzen wollen – oftmals zum Nachteil von Jungen und Männern. Und genau hier kommen dann die Maskulisten ins Spiel, die das Ganze eigentlich nur wieder angleichen und verhindern wollen, dass ganze zukünftige Generationen von Jungen und Männern verlorengehen, weil man sich zu einseitig auf die Frauenförderung fixiert. Und für diese – ebenfalls wieder humanistische – Absicht werden Maskulisten mit Rechtsextremisten in einen Topf geworfen, ja geradezu dämonisiert als „Sturmtrupp des Patriarchats“ – wobei mir noch keine Feministin erklären konnte, ob z.B. eine milliardenschwere Frau Klatten oder bestens mit Politik und Wirtschaft vernetzte Frau Springer oder Frau Mohn auch zur Spezies der unterdrückten Frauen oder zum „bösen Patriarchat“ gehören.

    Ansonsten kenne ich es von verschiedenen Ex-Freundinnen, aus der Schul- und Unizeit auch nur so, dass Frauen vielfach ganz selbstverständlich bis 30 oder länger im Elternhaus bleiben, maximal geht es mit dem Studium eben ins Studentenwohnheim. Nach dem Studium gibt es dann erstmal eine schöne lange Reise, danach der gemächliche Berufseinstieg und das Abchecken der Kollegen auf Ihre Eignung als Partner und recht bald danach ist Frau dann auch schwanger, in Mutterschutz, dann in Teilzeit etc. In vielen Fällen habe ich mich schon gefragt, warum Frau überhaupt studiert (hat). Nicht nur auf Gund der für die freie Wirtschaft vielfach nachteilige Fächerwahl wie z.B. Geschichte oder anderen sozial- und geisteswissenschaftlichen Kram, sondern eben auch wegen der Laufbahn nach dem Studium. Da kommt nach einem Praktikum und vielleicht noch Volontariat häufig nur noch die Eheschließung nach oben (Hypergamie) als Meilenstein, Stichwort „Frau Doktor“ für die Arztfrau….

    1. Äh, das Gegenstück zu Feministinnen sind aber nicht Männer, sondern Maskulisten. Und ich wage zu bezweifeln, dass Maskulisten weniger nur die Rechte von Männern im Sinne haben, als Feministen nur die Rechte von Frauen, bzw. Frauen im Allgemeinen (also nicht speziell Feministen, sondern Frauen) weniger die Menschenrechte im Sinne haben und dafür kämpfen, als Männer im Allgemeinen (also nicht speziell Maskulisten, sondern Männer).

      Und ich kenne eigentlich nur Männer (nicht mal Studenten, bitte, bei denen würde ich es ja durchaus verstehen, sondern Männer, die teilweise schon lange fest im Arbeitsleben stehen), die länger als bis 25 bei den Eltern (=“Hotel Mama“) bleiben. Ich kenne allgemein nicht viele Leute, die nicht schon ausgezogen sind, bevor sie 25 waren, aber die, die ich kenne, sind ausnahmslos Männer. Welche rein persönliche, subjektive Erfahrung zählt nun mehr?

      Aber abgesehen davon … Wenn Feministen sich über Missstände beklagen, bspw. die Tatsache, dass typische Frauenberufe weniger Geld einbringen, als typische Männerberufe, wird ihnen so gerne ein „Warum studiert/lernt ihr auch etwas, bei dem von vorneherein klar ist, dass ihr ein niedriges Gehalt dafür bekommt?“ entgegengeschleudert. Darum jetzt auch die Frage: Warum entscheiden sich die Männer denn nicht, selber in Elternzeit zu gehen und nachher Teilzeit zu arbeiten?

      1. Maskulisten interessieren sich natürlich vorrangig für Männerrechte. Im Gegensatz zu feministischen Positionen wird aber weitgehend versucht eine für beide Geschlechter akzeptable Lösung zu finden. Ich habe zum Beispiel bisher noch keine ernsthafte Quotenforderung für den Beruf des Sekretärs entdecken können. Dabei handelt es sich durchaus um einen gut bezahlten und von Frauen dominierten Beruf.

        Warum sich Männer nicht für Elternzeit entscheiden mit anschließender Teilzeit? Weil es sozialer Selbstmord ist. Männer in Eltern- oder Teilzeit sind faule Drückeberger die sich von ihrer Frau aushalten lassen.

      2. Nein. Davon bin ich nicht überzeugt. Bzw. kommt es wie beim Feminismus auf die Strömung an. Es gibt gemäßigte Maskulisten und Feministen, die sehr wohl für Gleichberechtigung kämpfen und es gibt Feministen, die Quoten fördern und in jedem Mann einen Vergewaltiger sehen, und Maskulisten, die Frauen am liebsten das Wahlrecht aberkennen würden.

        Ich habe mittlerweile schon zu viele Männer in Teilzeit gehen gesehen, die nicht dafür geächtet wurden, um das zu glauben.

      3. Ach jetzt wird differenziert? Klar gibt es Revisionisten. Da geht es aber in aller Regel um Religion. Das größte Problem das ich persönlich mit Feministinnen, egal welcher Strömung, habe ist, dass sie sich fast alle der gleichen Kampfrhetorik bedienen.

        Viel zu häufig wird eine beliebige Form der Diskriminierung angeführt für einen subjektiv gefühlten Missstand. Auf eine sachliche Begründung kann man lange warten.

        Ich gebe offen zu, dass ich den Frauen da den schwarzen Peter zuschiebe. Unter Feminismus werden sowohl objektiv sachliche Probleme als auch krude Phantasien subsumiert. Ich sehe es genau deshalb nicht als mein Problem an wenn immer weniger Menschen das Gejammer ernst nehmen.

        Was die Männer in Teilzeit angeht – nur weil sie sich nicht beschweren bedeutet das noch lange nicht, dass nicht hinter dem Rücken getuschelt wird. Dass sie keine abwertenden Blicke oder gar offene Feindseligkeit zu erdulden hätten.

        Die Gesellschaft mag sich da langsam ändern. Ich würde aus meiner Erfahrung heraus vorerst keinem Mann raten in Elternzeit zu gehen. Zumindest nicht länger als ein paar Monate.

  4. Früher, so sagen uns alle Feministen, haben Männer die Frauen nach Strich und Faden ausgenutzt. Frauen wurden von Männern unterdrückt, wird uns gesagt. In diesen Artikel wollte ich lediglich den Punkt machen das die Benachteiligung nicht immer richtung Frauen und Mädchen ging, sondern auch Jungen und Männer wurden in vieler Hinsicht benachteiligt. Es ist kein versuch alle Probleme in der Welt zu lösen, es ist lediglich ein Bericht aus meiner eigenen Jugend der diese Tatsache bezeugt.

    1. Tut mir leid, aber mit der Benennung „Kolonien“ (in 1955…) und dem relativ leichtfertigen Umgang mit dem Begriff Apartheid hast du dich in meinen Augen unmöglich gemacht und bewiesen, dass du nicht unbedingt jemand bist, der gesellschaftliche Strukturen durchschauen kann.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.