Warum ich keinen Männerstreik brauche – aber mehr als nur ein Jahr des Mannes

Ich gestehe: Wahrscheinlich betreibe ich hier nur Wortklauberei. Dieser Text zeigt die Sicht eines männlichen Single-Junggesellen ohne Kinder unter 40.

Streik – was ist das?

Einen Streik kenne ich aus der Arbeitswelt: Die Arbeiter, jeder für sich zu unbedeutend, um etwas auszurichten, schließen sich zusammen und legen die Arbeit nieder. Typische Ziele sind höhere Löhne (als sie in Tarifverhandlungen angeboten wurden) oder Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

Entscheidend ist, wie groß der Schaden für das Unternehmen ist, denn davon hängt ab, ob es sich lohnt, einzulenken. Wird nur in einem Werk gestreikt und kann der Ausfall woanders aufgefangen werden, ist ein Streik witzlos. Gleiches gilt, falls ein großes Heer an Arbeitswilligen zur Verfügung steht, das statt der Streikenden die Arbeit übernehmen will. Daraus ergibt sich, dass in einigen Branchen leichter gestreikt werden kann als in anderen.

Die Streikenden haben daher ein hohes Interesse daran, dass alle (oder so viele wie möglich) mitmachen, denn damit steht und fällt der Streik. Gewerkschaften versuchen möglichst viele Arbeiter unter sich zu vereinen, damit nicht einzelne ihrem persönlichen (eventuell nur kurzfristigen) Nutzen folgen und als Streikbrecher fungieren. Die Unternehmensführung könnte ja lukrativere Bedingungen für diejenigen in Aussicht stellen, die nicht streiken.

Männerstreik? Welcher Männerstreik?

Was habe ich alles unter dem Etikett Männerstreik gefunden! Etwa junge Männer, die nicht den höchsten und besten Bildungsabschluss anstreben, den sie erreichen könnten; Männer um die 30, die in absehbarer Zeit keine Partnerschaft und Heirat anstreben; Berufstätige, die nicht alle Mühe darauf verwenden, die Karriereleiter nach oben zu klettern, sondern lieber eine solide Stelle anzielen, bei der ihnen noch Zeit für Hobbys bleibt, oder irgendwann aus dem Arbeitstrott, den sie als Hamsterrad empfinden, ganz aussteigen.

Aber was ist denn daran ein Streik? Üblicherweise gehören dazu Demonstrationen und Protestaktionen mit Symbolwert und Medienaufmerksamkeit, die Sympathie bei anderen Bevölkerungsgruppen erzeugen und Druck auf die andere Seite ausüben soll. Wenn gestreikt wird und die Leute machen erst einmal eine schöne Reise, gehen zum Basteln in den Hobbykeller oder bringen einige lange vor sich hergeschobene Arzttermine hinter sich, wird das dem Ziel und den Mitteln des Streiks nicht gerecht.

Weder haben sich die angeblich streikenden Männer abgesprochen, noch haben sie Forderungen aufgestellt – und schon gar nicht gibt es einen Druck auf die Männer, dass alle so handeln sollen. In meinem Bekanntenkreis etwa heiraten die Leute und gründen Familien – vielleicht später als ihre Eltern, wahrscheinlich mit größerer finanzieller Unsicherheit, und sicherlich mit all den Schwierigkeiten, die ein Familienleben mit sich bringt. Aber sie tun es. Wer es kann und will, ohne sich völlig zu verrenken, der macht es.

Und diejenigen Männer, die das Wagnis Ehe eingehen, sind doch keine „Verräter an der Sache aller Männer“. Im Gegenteil, darüber freue ich mich! Homosexuelle Männer, die sowieso nicht im klassischen gesellschaftlichen Anforderungskatalog vorkommen, haben offensichtlich Spaß am Körperlichen, an der männlichen Sexualität. Sollen sie haben! Ist doch super!

Wenn ich dann noch lese, wie negativ die unter Männerstreik beschriebenen Phänomene interpretiert und lauthals beklagt werden, kann ich nur zu dem Schluss kommen: Entweder es gibt keinen Streik (ich habe noch keine Aufforderung erhalten), oder er schlägt kolossal fehl.

Warum ein Männerstreik nicht funktionieren könnte

Doch stellen wir uns einen Moment vor, ein Allgemeiner Männerbund würde sich gründen und alle Männer unter seinen Fittichen zum Streik aufrufen. Zwar hätte jeder das Recht, nach wie vor seinen Interessen wie oben beschrieben nachzugehen, aber einmal die Woche (oder im Monat) gäbe es Demonstrationen in großen deutschen Städten, man organisierte Leserbriefwellen, es gäbe Bücher der Vordenker (der Streik wäre zur Not auf viele Jahre ausgelegt) und Veranstaltungen noch und nöcher. Nur eines dürften die Männer nicht: Sich so verhalten, wie es bisher von ihnen eingefordert wurde.

Gehen wir davon aus, dass die Mitgliedschaft in diesem Allgemeinen Männerbund freiwillig wäre oder dass es zumindest die Möglichkeit gäbe, ihm nicht anzugehören, selbst wenn man dafür Nachteile in Kauf nehmen müsste (als unsolidarisch gelten, von anderen geschnitten werden, eventuell sogar einige Stellen nicht bekommen). Dann hätte ich persönlich einen hohen Anreiz, nicht mitzumachen. Ich könnte auch ohne diese Organisation tun, was ich will. Sollte durch den Streik jedoch tatsächlich ein eklatanter Mangel an Männern entstehen, könnte ich davon hervorragend profitieren: Ich könnte, wenn ich wollte, eine bessere Position im Berufsleben bekommen, ohne mich entspechend abzurackern (wenn es wenige Kandidaten gibt, die Stelle aber besetzt werden muss, muss man nehmen, wen man kriegen kann). Bei der Damenwelt würden meine Chancen beträchtlich steigen, ohne dass ich einen Fingerschnipp dafür tun müsste. Für jeden, der bei knapperer Verfügbarkeit von Männern gewinnen würde, würde es sich lohnen, auszuscheren. Damit würde der Streik sabotiert.

In der Spieltheorie nennt man so etwas ein Gefangenendilemma: Könnten sich die Spieler wirksam absprechen, würden alle Beteiligten mehr erreichen; weil sie es aber nicht können, handelt jeder nach seinem unmittelbaren Vorteil. Schließlich kann ein „unkooperatives Verhalten“ nicht geahndet werden. Die fehlende Sanktionsmöglichkeit für „nicht kooperiende“ Männer würde einen Streik aussichtslos machen.

Ich glaube auch, dass ein Appell an „männliche Solidarität“ wirkungslos verpuffen würde. Wie Christian bei Alles Evolution bereits treffend bemerkte, mögen Männer Männer weniger als Frauen Frauen. Männer mögen sich zwar in allen möglichen Organisationen zusammenschließen, insgesamt jedoch konkurrieren sie untereinander und haben wenig Interesse, alle Männer mitzuziehen.

Das ist alles normal – denn wir wollen es insgesamt nicht anders

Doch schauen wir noch einmal auf die erwähnten Phänomene. Probleme sind sie ja nur, wenn bei der gegebenen Lage mehr drin wäre. Aber was ist die Ausgangslage?

Die Reallöhne in Deutschland – einem der wirtschaftlich stärksten Länder der Welt – sind gesunken. 2005 gab ein Artikel mit dem Titel „Generation Praktikum“ einem neuen Zustand einen Namen: Gut ausgebildete Leute, die dennoch (zumindest in den ersten Jahren) kein Bein auf den Boden bekommen.

Selbst bei der Sendung „hart aber fair“ gab es einen bemerkenswert ehrlichen Film: Moderator Frank Plasberg hatte auch ohne abgeschlossenes Studium kein Problem, eine sichere Stelle zu finden; die jungen Leute, die heute mit Abschluss in seine Fußstapfen treten wollen, erhalten befristete Verträge.

Das Gros der jungen Leute ist besser ausgebildet als ihre Elterngeneration, arbeitet härter, bekommt aber dafür weniger: Arbeitsleistung lohnt sich im direkten Vergleich weniger. Ob das gerecht ist, ob das die Zeiten so erfordern, ob schlaue Leute nicht einfach auswandern sollten – all das steht auf einem anderen Blatt Papier und soll hier nicht weiter interessieren.

Es gibt mindestens zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren: Wer im Beruf die primäre Erfüllung sieht, verzichtet weitgehend auf andere Interessen. Was ansonsten so an Leben stattfindet, muss nebenher laufen. Das Risiko besteht darin, dass man eines Tages den Job verliert und dann nichts anderes mehr hat, auf das die eigene Identität fundiert.

Viele Menschen sind jedoch risikoscheu. Für sie bietet sich ein anderer Weg an: Pfeif auf den Aufstieg, es ist ja bereits Karriere genug, nicht gefeuert zu werden und regelmäßig eine Gehaltserhöhung zu bekommen, die nicht durch die Inflation aufgefressen wird. Zum Ausgleich dafür, dass mehr Unsicherheit im Leben herrscht, muss auch mehr Freiraum für andere Interessen da sein.

Damit eng verknüpft ist jedoch die männliche Attraktivität. Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts. Insgesamt sind die Männer also automatisch unattraktiver geworden. (Es kommt wohl auch nicht von ungefähr, dass in den wirtschaftlich unsicheren Zeiten nach dem Zerfall der Sowjetunion die Selbstmordrate unter Männern stark anstieg, unter Frauen jedoch nicht, siehe folgendes PDF, Seiten 30-31)

Auch in dieser Hinsicht bieten sich wenigstens zwei Optionen: Entweder Partnerschaft, Ehe und Familie sind so wichtig, dass man doch in den sauren Apfel beißt und sich abrackert, um Karriere zu machen oder zumindest soviel Geld zu verdienen, um zum Ehemann und Vater zu taugen. Interessanterweise tauscht man hier bewusst eine Freiheit gegen die andere ein. Die Forderung, dass man „Frau und keine Karriere“ endlich unter einen Hut bringen können muss, klingt völlig abstrus. („Karriere“ ist denn auch weniger wie im klassischen Sinne ein steter Aufstieg, sondern eher ein solides Einkommen.)

Oder dem Fuchs sind die Trauben, die er nicht erreichen kann, zu sauer. Dann kann man sich jedoch wenigstens die Anstrengung sparen, das ganze Leben darauf auszurichten, ein attraktiver Heiratskandidat zu sein, und sich um seinen eigenen Kram kümmern. Für einige bedeutet das, an sich selbst zu arbeiten oder sich durch Frauen aufreißen die Hörner abzustoßen. Da die Wette darauf, dass man die Stelle behält und die Frau einen nicht verläßt, insgesamt unsicherer geworden ist, erreicht man wenigstens das Minimalziel, seinen eigenen Interessen nachgegangen zu sein.

Irgendwann ist vielleicht der Punkt erreicht, an dem man das lange genug gemacht hat. Dann kann man sich immer noch binden und wenn man inzwischen Geld angesammelt hat, umso besser. In den frühen Jahren nach Studium oder Ausbildung ist jedoch Illusion – das geht nicht mehr so wie vor noch ein oder zwei Generationen.

Und sollten Frauen und Männer in Deutschland aus welchen Gründen auch immer zu oft keine Lust mehr aufeinander haben – Globalisierung hilft! Dafür gibt’s doch den Latin Lover und die heiße Russin (eigentlich natürlich „den Südländer“ und „die Mittel- und Osteuropäerin“).

Zwischen diesen beiden Extremen gibt es jedoch Abstufungen. Die Leute heiraten ein paar Jahre später, gehen ein größeres Risiko ein, zu scheitern, setzen vielleicht weniger Kinder in die Welt als sie es ein oder zwei Generationen vorher gemacht hätten. Sie werden insgesamt betrachtet mit mehr Anstrengung weniger erreichen als ihre Eltern.

Das soll der Untergang des Abendlandes sein? Wie konnte sich das Abendland dann nur so lange halten?

Nach diesen Kriterien verhält sich ein Großteil der Männer äußerst vernünftig – ebenso wie ein Großteil der Frauen. Denn was hat man ihnen, sowohl Männern als auch Frauen, eingetrichtert?

Bindet Euch nicht zu früh! Stellt hohe Anforderungen an Euch selbst! Geht nicht zu schnell Kompromisse ein! Lebt lieber alleine als in einer unglücklichen Beziehung!

Es läuft darauf hinaus, dass man Entscheidungen trifft und mit ihnen lebt. Das ist das Verhalten eines modernen Menschen, der weniger durch vorgefertigte Bilder festgelegt wird als seine Vorfahren. Was ist daran schlecht?

Wenn wir gesamtgesellschaftlich – falls dieses „gesamt“ überhaupt möglich ist – etwas anderes wollten, müssten wir auch anders handeln, also anderes fordern. Doch wer möchte ernsthaft das Rad der Geschichte um einige Jahrzehnte zurückdrehen, um zurück zu den alten Verhältnissen zu kommen? Ich nicht und ich meine auch nicht, dass das geht. Von irgendeiner Gruppe zu verlangen, sie möge doch klein beigeben und sich mit weniger zufrieden geben, wird nicht funktionieren.

Und gesamtwirtschaftlich etwas ändern – dieses Fass möchte ich gar nicht aufmachen. Wenn wir das wollten und könnten, würden wir es tun. Da es nicht geschieht, kann der Leidensdruck insgesamt nicht so groß sein. Also wo ist das Problem?

Ein Jahr des Mannes? Dutzende!

2014 wurde als Jahr des Mannes angekündigt. Wenn ich mir durchlese, was unter diesem Stichwort erschienen ist, finde ich bisher „die üblichen Verdächtigen“ unter den Forderungen und Bewegungen.

Zwei grundlegende Erkenntnisse vermisse ich jedoch:
1. Das beste Rezept für ein Jahr des Mannes ist aus meiner Sicht ein Jahr, in dem ich als Mann mein eigenes Leben lebe. Politik, Gesellschaft, Welt… wenn ich das alles ändern muss, um glücklich zu werden, bin ich zum traurig sein verurteilt. Stattdessen sollte ich mich fragen, was mir gefällt und wie ich selbst aktiv und kreativ sein kann. Wenn ich das dann umsetze, muss das reichen. Das wird ja wohl mehr als nur mir selbst eine Freude bereiten, womit ich mir auch keine Sorgen um mich als soziales Wesen machen muss.
2. Wieso soll sich das nur auf ein Jahr beschränken? Der richtige Weg ist doch, in jedem Jahr Zeit für mich und meine Interessen zu haben.

Es gibt keinen ungeschriebenen Vertrag, nach dem ein Mann ohne jeden Grund Opfer bringen muss, und falls es das als gesellschaftlichen Konsens je gegeben hat, wurde dieser Vertrag gekündigt. Aber ohne Vertrag gibt es auch keine Pflicht zur Arbeit und damit keinen Grund zum Streiken.

Was vom „Streike“ übrig blieb

Vielleicht muss man manche Dinge unter dem Stichwort „Männerstreik“ bringen, damit sie Gehör finden. Ich mag solche (für mich falschen) Etikettierungen aber nicht. Und was wird unter anderem als Rezept angegeben?

„Hören Sie damit auf, Frauen die Tagesordnung bestimmen zu lassen, was die Themen Geschlechterpolitik, Beziehungen und Reproduktion angeht.“

Ein Mann, der das zuläßt, ist ein Waschlappen! Wie könnte der jemals streiken?

„Setzen Sie durch, dass Sie in Ihrer Partnerschaft besser behandelt werden. Sie müssen nicht grob werden, aber lernen Sie, Grenzen zu setzen. Wenn Sie Ihre Partnerin nicht respektiert, weisen Sie sie zurecht, auch vor Freunden. Frauen hassen es, öffentlich zur Rede gestellt zu werden.“

Ein Mann, der das… oh, ich wiederhole mich. Aber auch das hat nichts mit Streik zu tun, sondern mit modernem Leben.

„Und falls Sie von Ihrer Frau verlassen werden: Lassen Sie sich nicht von Ihrer Ritterlichkeit oder kulturell erzeugten Minderwertigkeitsgefühlen leiten, so dass Sie sich die Schuld am Scheitern Ihrer Beziehung geben. Es war die Entscheidung Ihrer Frau zu gehen.“

Entscheidungen und die damit verbundene Verantwortung… das hatte ich doch weiter oben schon. Also Frauen wie ganz normale Menschen behandeln. Klingt immer noch nicht nach Streik.

„Schützen Sie sich dagegen, unfreiwillig zum Vater gemacht zu werden.“

Mal abgesehen davon, dass jeder Verantwortung für Verhütung hat: Man denke, wie ich erst gestern schrieb, an die Kinder und was es wohl für ein „tolles“ Leben sein muss, wenn sie ohne vernünftiges Verhältnis zu ihrem Vater aufwachsen. Die Folgen der Vaterlosigkeit werden unterschätzt.

Also, so wie ich das sehe: Alles keine Streikmittel, sondern ganz normale Maßnahmen für ein verantwortungsvolles Leben!

Zusammengefasst: Männer steigen nicht aus der Gesellschaft aus, sondern machen richtig mit, indem sie unterschiedliche Wege gehen. Das Verhalten der jungen Generation ist den geänderten Lebensbedingungen geschuldet, auf die angemessen reagiert wird. Insgesamt wollen wir alle das auch so.

Ich glaube, dass es genug Frauen gibt, die mit solchen verantwortungsbewussten Männern zusammenleben wollen. Dafür braucht es keinen Kampf, nur eine vernünftige Suche, Offenheit und Neugier! 🙂

Popkultur

Was wäre ein Blogeintrag ohne Popkultur? Der Titel entspricht dem, was ich meine: Dass wir bekommen, was wir insgesamt auch gar nicht anders wollen (auch wenn es runtergebrochen auf eine einzelne Person immer fürchterlich ungerecht sein kann – aber es geht hier ja um das Gesamtbild). Gerade die erste Strophe, in der Michi Beck fragt, warum alles so doof ist, passt hervorragend – und nebenbei kann ich Bewegtbilder von einem Mann in Frauenkleidern mit pinkem Federschmuck in dieses Blog schmuggeln. 😉

Die Fantastischen Vier: Ernten was wir säen

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45 Kommentare zu „Warum ich keinen Männerstreik brauche – aber mehr als nur ein Jahr des Mannes“

      1. Falls Du Dich auf die Stelle meines Artikels beziehst, in der ich das Wort „Waschlappen“ verwendet habe: Das bist Du doch offensichtlich nicht. Du betreibst Dein eigenes Blog, in dem Du klare Worte findest und eine Position beziehst. Du hattest auch vor kurzer Zeit die Größe, einfach mal zuzugeben, dass Du Dich geirrt hast. Klingt nach einer selbstverständlichen Sache, ich finde es aber lobenswert. Der Tag, an dem das im Internet zu häufig vorkommt, ist noch lange entfernt.

  1. Zusammengefasst: Männer steigen nicht aus der Gesellschaft aus, sondern machen richtig mit, indem sie unterschiedliche Wege gehen. Das Verhalten der jungen Generation ist den geänderten Lebensbedingungen geschuldet, auf die angemessen reagiert wird. Insgesamt wollen wir alle das auch so.

    Ich denke dass es da noch zwei Gründe gibt, warum dieses Verhalten der jüngeren Generation so anders aussieht als das der Eltern. Über den ersten hatte ich kürzlich was geschrieben (Der Sinn des Lebens), in aller Kürze: wenn man Patienten auf dem Sterbebett fragt, was sie an ihrem Leben gerne anders gemacht hätten, sagten diese „ich wünschte ich hätte weniger gearbeitet“.

    Alle männlichen Patienten wünschten sich auf dem Sterbebett, dass sie weniger gearbeitet und mehr Zeit mit der Familie verbracht hätten. Jeder bereute es, so viel Zeit als Zahnrädchen in der Erwerbstätigkeit verlebt zu haben. Jeder.

    Der zweite Grund ist der, dass die Rolle als erwerbstätiger Familienernährer heute längst nicht mehr die selbe Wertschätzung erfährt als es früher der Fall war. Für Wertschätzung sind Männer nicht nur bereit ein Leben lang für andere zu arbeiten, sie gehen dafür sogar in den Tod. Wenn ihrem Tun aber die Wertschätzung genommen wird verliert diese Aufopferung für andere ihren Sinn und findet deshalb auch nicht mehr statt.

    1. …und weil ich gerade drüber gestolpert bin, weil es hier auch um die Trennung von der Frau ging:

      Entscheidungen und die damit verbundene Verantwortung… das hatte ich doch weiter oben schon. Also Frauen wie ganz normale Menschen behandeln. Klingt immer noch nicht nach Streik.

      Das ignoriert leider die Tatsache, dass man als Mann und Vater nach einer Trennung ganz schnell ruiniert sein kann. Ich bin selbst kein Freund davon dauernd mit dem Finger darauf zu zeigen wie ungerecht Männer in Trennungsverfahren oft behandelt werden. Wer das tut lebt nach seiner ganz persönlichen männlichen Form der Anleitung zum Unglücklichsein. Aber dass derartige Verfahren sich faktisch auf die Entscheidung junger Männer auswirken, keine Familie gründen zu wollen, weil sie dadurch das sehr reale Risiko der modernen Versklavung eingehen, lässt sich nicht mehr leugnen. Und bei jedem weiteren Bericht wie dem oben verlinkten werden es mehr.

      1. Das ging im Original auch so weiter; ich habe das aber absichtlich auseinandergezogen. Es ging mir nur um den Punkt, dass man sich nicht selbst automatisch die Schuld am Scheitern einer Beziehung gibt, wenn man verlassen wurde. (Es klingt auch völlig absurd, sobald man Mann/Frau wegläßt.)

        Wenn ein Mann bewusst die Entscheidung fällt, keine Familie gründen zu wollen (oder eben doch), zeigt das Verantwortung. Er muss nur mit dieser Entscheidung leben – genauso wie der Rest der Welt mit seine Entscheidung akzeptieren muss.

    2. Das ist eine sinnvolle Ergänzung, auch wenn man sich darüber streiten kann, ob sie nicht bereits implizit in der Leistung, die sich weniger lohnt, und dem höheren Risiko, Arbeit und Frau zu verlieren, steckt. Der Erwartungswert ist niedriger, also ist das Ziel weniger attraktiv. Natürlich kann man genau das jedem entgegenhalten, der sich über diese Situation beklagt: Welches Opfer bist Du bereit zu bringen, damit sich das ändert? Solange die Antwort „gar keins“ lautet, ist gesamtgesellschaftlich betrachtet bezogen auf das Verhalten der kritisierten Männer alles in bester Ordnung. Der Artikel über den Sinn des Lebens hat mir sehr gut gefallen; ich habe ihn deswegen schon mehrfach erwähnt.

  2. Kleiner Tipp: Tausche in Deinem Artikel mal Männer gegen Frauen und Männerstreik gegen Feminismus oder #aufschrei aus und frage Dich, ob Du ihn so veröffentlichen würdest und warum nicht. Auch wirst Du einen in der Stoßrichtung ähnlichen Text bei Feministinnen nicht finden.

    Es gibt eben u.a. strukturelle und gesellschaftliche Aspekte, die ein Einzelner nicht verändern kann und wo vorab Bewußtsein geschaffen werden muss, bevor Veränderungen möglich sind. Was im Feminismus als Erkenntnis in dieser Form Standard ist, wird hier unter dem Etikett „Maskulismus“ für Männer bestritten. Weil Männer ja z.B. gerne die Berufe mit der höchsten Unfall- und Sterblichkeitsrate ergreifen? Genau…

    Und genau deshalb wird der Maksulismus nie den Einfluß erzielen wie der Feminismus: Während die Feministinnen in den meisten Fällen am gleichen Strang in die gleiche Richtung ziehen, schaffen es die meisten Maskulisten nicht einmal in annähernder Form. Dieser Beitrag ist ein gutes Beispiel dafür, da er z.B. bereits alle Männer ausschließt, die sich noch gar nicht darüber bewußt sind, dass es gesellschaftliche und strukturelle Aspekte gibt, die beispielsweise dazu führen, warum es für Männer weniger Krebsvorsorge gibt und Männer eine kürzere Lebenserwartung haben als Frauen. Der Rat des Verfassers dieses Beitrags bestünde wohl darin, dann als Mann halt eine private Versicherung für solche Untersuchungen abzuschließen oder diese eben privat zu zahlen. Großes Kino.

    Das Ganze klingt als sei der Text von einem Teilnehmer – sofern es da welche geben sollte – von Fügners sonderbaren „Männerseminaren“ geschrieben woden und das meine ich nun keineswegs lobend 😀

    PS: Ich stimme pelzblog zu, dass es eine richtige Entscheidung war, bei diesem Gemeinschaftsunfug hier nicht mitzumachen.

    1. „Ich stimme pelzblog zu, dass es eine richtige Entscheidung war, bei diesem Gemeinschaftsunfug hier nicht mitzumachen.“

      Das ist mein persönlicher Unfug! 😉 Die anderen haben damit nichts zu tun.

      „Kleiner Tipp: Tausche in Deinem Artikel mal Männer gegen Frauen und Männerstreik gegen Feminismus oder #aufschrei aus und frage Dich, ob Du ihn so veröffentlichen würdest und warum nicht. Auch wirst Du einen in der Stoßrichtung ähnlichen Text bei Feministinnen nicht finden.“

      Das ist eine spannende Formulierung! Zum einen, ob ich das veröffentlichen würde, und dann, warum nicht. Die zweite Frage nimmt die Antwort auf die erste vorweg.

      Was ich geschildet habe, ist meine Perspektive. Um äquivalent die der Frauen zu schildern, müsste ich eine Frau sein.

      Viele Formulierungen funktionieren nicht, wenn ich die von Dir vorgeschlagenen Ersetzungen vornehme. Ich gehe davon aus, dass es sich nicht lohnt, das im Detail vorzumachen.

      Was aber von der Idee her nach wie vor passen würde: Auch eine abgesprochene Verweigerung der Frauen den Männern gegenüber würde nicht funktionieren. Trotz höherer weiblicher Solidarität würde es sich einfach zu sehr lohnen, nicht mitzumachen.

      Die wirtschaftliche Ausgangslage ist dieselbe, nur dass die weibliche Attraktivität nicht so sehr darunter leidet (aber das habe ich bereits aus männlicher Perspektive erwähnt). Zwischen „Und sollten Frauen und Männer in Deutschland aus welchen Gründen auch immer zu oft keine Lust mehr aufeinander haben“ und „Also wo ist das Problem?“ brauche ich gar nichts austauschen. Und die Zusammenfassung passt minimal umformuliert ebenfalls.

      Also danke für die Anregung! Es macht doch Hoffnung, zu lesen, dass Frauen einen Teil ganz genauso formulieren könnten.

      Warum ich mich jetzt bei der Wahl meiner Texte von Feministinnen und ihren Veröffentlichungen abhängig machen soll, habe ich nicht verstanden. Es würde aber auch dem Tenor des Artikels widersprechen, das zu tun, anstatt meinen Weg zu gehen.

      „Es gibt eben u.a. strukturelle und gesellschaftliche Aspekte, die ein Einzelner nicht verändern kann und wo vorab Bewußtsein geschaffen werden muss, bevor Veränderungen möglich sind.“

      Richtig, und das geschieht im Moment, und das ist gut so.

      „Was im Feminismus als Erkenntnis in dieser Form Standard ist, wird hier unter dem Etikett “Maskulismus” für Männer bestritten.“

      Was meinst Du mit „hier“? Hier in diesem Artikel? Wo habe ich denn das Etikett Maskulismus verwendet?

      „Während die Feministinnen in den meisten Fällen am gleichen Strang in die gleiche Richtung ziehen, schaffen es die meisten Maskulisten nicht einmal in annähernder Form.“

      Wer soll am gleichen Strang ziehen? Adrian und die Homosexuellen-Hasser? Erzählmirnix und die Frauenhasser?

      Es gibt doch ganz verschiedene Strömungen. Ich habe schon früher geschrieben (unter eine schöne Kritik von Adrian, die von Christian noch ausgebreitet wurde):

      „Wer Relevanz erreichen will, sollte verschiedene Gruppen einbinden und ihnen etwas zu bieten haben. Dazu gehören Homosexuelle ebenso wie Frauen, die im radikalen Feminismus nicht zu Hause sind und etwas anderes wünschen. Wer sowohl Heteromänner als auch Homosexuelle als auch Frauen auf seiner Seite hat, kann zumindest eine buntere Gesellschaft präsentieren, die vielleicht auch mehr Fröhlichkeit ausstrahlt und attraktiver wirkt als irgendwelche abgehobenen Gender-Extremisten, die alleine bestimmen wollen, wie die Welt auszusehen hat.“

      Also gerade dass nicht „Die sind alle gleich!“ gilt, ist wichtig und ein Zeichen, dass die angesprochenen Themen offensichtlich nicht von einer kleinen, radikalen Gruppe kommen. Es gab vor einigen Monaten mal einen Artikel von Christian, in dem anhand anderer Bewegungen erklärt wurde, warum Radikale einem Anliegen schaden und dafür sorgen, dass weniger andere öffentlich ihre Sympathie bekunden.

      Was jedoch die radikalen Feministinnen angeht: Die fallen regelmäßig übereinander her, von einem Strang kann da keine Rede sein.

      „Dieser Beitrag ist ein gutes Beispiel dafür, da er z.B. bereits alle Männer ausschließt, die sich noch gar nicht darüber bewußt sind, dass es gesellschaftliche und strukturelle Aspekte gibt, die beispielsweise dazu führen, warum es für Männer weniger Krebsvorsorge gibt und Männer eine kürzere Lebenserwartung haben als Frauen.“

      Inwiefern schließe ich alle Männer aus? Sage ich, dass mit diesem Text alle Probleme erledigt sind oder dass es außerhalb des von mir beurteilten Phänomens keine Probleme mehr gibt?

      Wenn Leute der Meinung sind, dass kürzere Lebenszeit von Männern und geringere Krebsvorsorge wichtige Themen sind, dann sollen sie diese ansprechen! Aber das geschieht doch auch. Das ist für mich nur kein Streik – und erst recht kein „gesellschaftliches Problem, das die jungen Männer durch ihr Verhalten erzeugen“.

      „Das Ganze klingt als sei der Text von einem Teilnehmer – sofern es da welche geben sollte – von Fügners sonderbaren “Männerseminaren” geschrieben woden und das meine ich nun keineswegs lobend :D“

      Die reale Welt ist der beste Lehrmeister. Ich bin jetzt auf Fügners „offenen Brief“ an Arne Hoffmann und Dich gestoßen. Ich finde bereits das ganze Vorgehen Fügners falsch, die Wortwahl, die Abwertung von Streiks an sich, den Pessimismus gegenüber großen Veränderungen… in Wirklichkeit bringt so etwas nichts.

      1. Nur noch als Nachtrag: Sich am Begriff „Streik“ aufzuhängen, ist halt auch nicht sonderlich zielführend. In der Subline von Smith‘ Buch heißt es ja nicht umsonst:

        „Why men are boycotting marriage, fatherhood and the American Dream – and why it matters“

        Insofern ist es halt Quatsch, sich da an Begriffen abzuarbeiten.

        Bevor ich es vergesse: Wo ist eigentlich Euer Impressum und wo kann man sehen hinter welchem Benutzernamen welche Person steht? So ist das Ganze nämlich etwas komisch, wenn man nicht einmal sehen kann, wer da was geschrieben hat

      2. @männerstreik

        „wo ist eigentlich Euer Impressum und wo kann man sehen hinter welchem Benutzernamen welche Person steht? So ist das Ganze nämlich etwas komisch, wenn man nicht einmal sehen kann, wer da was geschrieben hat“

        Wird man nicht sehen. Natürlich kann das jeder Autor gern anders haben. Warum findest du das so wichtig?

      3. „Sich am Begriff “Streik” aufzuhängen, ist halt auch nicht sonderlich zielführend.“

        Deswegen heißt es gleich vorweg in meinem Artikel: „Wahrscheinlich betreibe ich hier nur Wortklauberei.“ Wer sich an solchen Feinheiten stößt, hatte die Chance, den Text weiträumig zu umfahren.

        Wäre es nur das Wort gewesen, ich hätte das alles nicht geschrieben. In letzter Zeit habe ich jedoch häufiger von dem angeblichen Streik gelesen, und zwar sowohl positiv im Sinne von „das muss (bewusst) geschehen“ als auch negativ im Sinne von „das muss sofort aufhören“. Beides halte ich für falsch.

        “Why men are boycotting marriage, fatherhood and the American Dream – and why it matters”

        Den Untertitel habe ich auch gelesen, aber er hilft mir nicht viel weiter. Ich könnte den zweiten Artikel aufsetzen „Warum ich kein Boykott brauche…“ und große Teile wiederholen. Ein Boykott ist, wenn ich ausdrücklich erkläre, an irgendetwas nicht mitzumachen oder etwas nicht zu unterstützen. Ich hingegen meine, dass es sich nicht um eine bewusste Protestmaßnahme handelt, sondern einfach vernünftiges Verhalten.

        „Insofern ist es halt Quatsch, sich da an Begriffen abzuarbeiten.“

        Falsche Begriffe finde ich irreführend. Aber wie ich auch schrieb: „Vielleicht muss man manche Dinge unter dem Stichwort “Männerstreik” bringen, damit sie Gehör finden.“

        Übrigens finde ich maennerstreik.wordpress.com in mancherlei Hinsicht gut gemacht. Das Titelbild ist eine ausgezeichnete Wahl (die auch ausdrücklich erläutert wird), „Für Gleichberechtigung“ ist ein gutes, positives, griffiges Motto. Interessant auch: Wenn ich den als Lesenswert aufgelisteten Artikeln folge, komme ich auf „Warum ist Feminismus nicht cool?“ von Christian, in dem er auf seinen eigenen Artikel “Feministinnen: Frauen sind keine Sklaven, ihr seid keine Weltretter” verweist, der wiederum auf Lasst uns in Ruhe! Wir wollen so leben wie WIR sind! basiert. Es handelt sich um eine scharfe und starke Abrechnung einer jungen, offensichtlich emanzipierten Frau mit den radikalen Feministinnen. Ob das jetzt ein „in der Stoßrichtung ähnlicher Text bei einer Feministin“ ist im Vergleich zu meinem, kann ich gar nicht sagen (fände ich anmaßend). Es ist aber ein Artikel, der mich sehr anspricht.

        „Wo ist eigentlich Euer Impressum und wo kann man sehen hinter welchem Benutzernamen welche Person steht? So ist das Ganze nämlich etwas komisch, wenn man nicht einmal sehen kann, wer da was geschrieben hat

        Der Autor ist bei jedem Artikel angegeben, beim derzeitigen Twenty-Ten-Thema direkt unter dem Titel neben dem Datum der Veröffentlichung. Bei dem bisher einzigen Gastartikel habe ich das Pseudonym erwähnt, unter dem ich ihn bekommen habe.

  3. Ich setze jetzt schon zum fünften Mal zu einem Kommentar hier an. Vielleicht lasse ich den Text dieses Mal stehen.

    Ich bin hin- und hergerissen. Ich stimme Graublau in fast allen Punkten zu, seine Analyse deckt sich mit meiner Wahrnehmung der Lage.

    Allerdings stellt der Text eben auch einen Aufruf zur Nicht-Kooperation in einem Gefangenendilemma dar. Das mag derzeit durchaus die klügste Wahl sein, aber ich kann schon verstehen, warum wollepelz und maennerstreik Unbehagen empfinden. Es ist der Aufruf, weiterzuspielen, nachdem man entdeckt hat, dass die Karten gezinkt sind. Für das persönliche Glück sicherlich der beste Weg. Nur spielt es dem Zinker in die Hände. Wobei es ihn auch nicht jucken würde, würde man aus dem Spiel aussteigen.

    1. „Ich setze jetzt schon zum fünften Mal zu einem Kommentar hier an. Vielleicht lasse ich den Text dieses Mal stehen.

      Ich bin hin- und hergerissen. Ich stimme Graublau in fast allen Punkten zu, seine Analyse deckt sich mit meiner Wahrnehmung der Lage.“

      Also das ist mit das größte Kompliment, dass ich mir vorstellen kann. Mir hatten ja schon damals einige Deiner Anmerkungen gefallen (wobei mein Kommentar wiederum scheinbar einen eigenen Artikel bei Christian ausgelöst hat). Dann haben wir uns schön die ökonomischen Modelle um die Ohren gehauen.

      „Allerdings stellt der Text eben auch einen Aufruf zur Nicht-Kooperation in einem Gefangenendilemma dar.“

      Es liegt in der Natur der Sache, dass die Zielsituation des Gefangenendilemmas keinen eigenen Aufruf benötigt. Sie entsteht automatisch.

      Ich sehe einen Männerstreik (so wie von mir definiert) als Gefangenendilemma. Ich habe auch dargelegt, warum es sich für mich offensichtlich lohnen würde, nicht kooperativ zu spielen. Was andere Leute machen, ist egal, da ich davon ausgehe, dass genügend viele andere bei so einem Szenario ausscheren würden.

      „Es ist der Aufruf, weiterzuspielen, nachdem man entdeckt hat, dass die Karten gezinkt sind. Für das persönliche Glück sicherlich der beste Weg.“

      Ich erwarte von niemandem, dass er das macht, was ich tue. Das wäre auch völliger Blödsinn, denn umgekehrt habe ich ja keinerlei Interesse, etwas zu machen, was andere für mich entschieden haben.

      „Gezinkte Karten“ hieße für mich soviel wie „ein unfaires Spiel, bei dem man fälschlicherweise davon ausgegangen ist, dass es fair ist“. Ich brauche für meine Erklärung der Situation jedoch noch nicht einmal eine Annahme darüber, ob das fair ist oder nicht oder ob man mir früher etwas anderes versprochen hat. Und die zahlreichen Männer, die verschiedene Wege gehen (aber nicht mehr das machen oder schaffen, was man offensichtlich von ihnen erwartet), entsprechen ja gerade nicht naiven Spielern, die in ein abgekartetes Spiel einfach so fortsetzen. Insofern finde ich, dass dieses Bild die Sicht bereits unnötig einschränkt.

      Der Weg zum persönlichen Glück besteht aus mehr, als ich hier beschreiben konnte. Und ganz nebenbei habe ich ja nur aus einer bestimmten Perspektive geschrieben, die jemand anders allein schon deswegen nicht teilen muss, weil seine Lebenssituation eine andere ist.

    1. Wenn Du das Gefühl hast, dass Du Dich verbiegen musst, ist sie offensichtlich nicht die richtige. Das sage ich Dir mit meiner langjährigen Praxiserfahrung als Küchenpsychologe.

  4. Ich mache noch mal einen neuen Anlauf, aber irgendwie will der Kommentar mir nicht so aus den Fingern, wie ich mir das vorstelle.

    Das Unbehagen, das viele hier geäußert haben, hängt wohl damit zusammen, dass der Artikel ein wenig an die „Man Up!“-Propaganda erinnert, an den Aufruf des Arbeitgebers zum Streikbrechen.

    http://therationalmale.com/2014/01/20/suck-it-up/

    Und ich stimme dir ja zu: Für das persönliche Glück ist das sicherlich der beste Weg. Denn weder macht die Teilnahme an einem solchen Streik glücklich noch hat dieser Streik derzeit und für die nächsten Dekaden irgendeine Aussicht auf Erfolg. Er wird hierzulande wahrscheinlich nicht mal bemerkt werden. Eine Teilnahme würde zum männlichen Gegenstück der Person führen, die in „Anleitung zum Unglücklichsein“ (hat jemand den Link?) beschrieben wurde.

    Von daher stellt sich die Frage, wie man dennoch denen gegenüber solidarisch bleibt, die das Spiel mit gezinkten Karten nicht mehr spielen wollen oder können. Wie man weiterhin mitspielen und ein neues Blatt fordern kann.

    1. Die Aufforderung „Man up“ war mir kürzlich bei einer Diskussion über den Weg gelaufen. Du hast sie dort auch benutzt.

      Verstanden habe ich sie als „Fügt Euch in die alten Rollen“. Aber gerade das fordere ich ja nicht, im Gegenteil: Der Rest der Welt muss sich damit abfinden, dass Männer so handeln, wie sie jetzt handeln, oder eben die Umstände verändern, damit Männer sich anders verhalten. Ein Zurück in die alten Verhältnisse gibt es nicht.

      Da es keinen Streik gibt, kann er auch nicht gebrochen werden. Wenn er aber stattfinden würde, wäre das Ausscheren ebenfalls kein „Man up“. Letzteres hieße ja, sich mit weniger zufriedenzugeben als die Generation davor, und im Grunde das zu akzeptieren, was man auch ohne Streik bekommen hätte. Der Streikbrecher hätte jedoch Aussicht auf eine bessere Stelle und/oder eine attraktivere Frau, die er ohne Streik, dem resultierenden Männermangel und seinem raren Angebot nicht bekommen würde.

      Für das persönliche Glück ist das, was ich geschrieben habe, keineswegs hinreichend oder deckt alle Bereiche ab. Im Gegenteil, da bleibt genug Raum für politisches oder soziales Engagement (auch das ist ja „sich um seinen Kram kümmern“ – es kommt nur darauf an, wie wichtig das der jeweiligen Person ist). Aber auf all diese Wege zum Glück zu verzichten für einen Streik, der so nicht funktionieren kann, das mache ich nicht mit.

      Wie wir Menschen eine bessere Lage erreichen können als die, die wir jetzt haben? Ich bin wahrscheinlich komplett bescheuert, aber ich glaube einfach nicht, dass Frauen einen nur ausnutzen, sondern dass dieser Glaube einem nur selbst schadet. Das ist so eine wunderbare sich selbst erfüllende Prophezeihung – und das wird mich ganz bestimmt nicht glücklich machen. Ich sehe in meinem Bekanntenkreis genügend Leute beiderlei Geschlechts, die sich bis zur Erschöpfung abstrampeln, um eine Familie zu gründen und die Kinder gut zu versorgen. Ich sehe viele Unzufriedene, die (gemessen) an (zu) hohen Erwartungen scheitern, obwohl sie wahnsinnig viel machen. Ich sehe genügend Leute, die diesen ganzen Wahnsinn durchbrochen haben. Das ist aber nur die erste Beobachtung. Was man tun kann – das ist einen eigenen Beitrag wert. Danke für den Denkanstoß, Neuer Peter!

      1. Ich bringe heute einfach nichts Vernünftiges zustande. Vielleicht wird es ja als Gemeinschaftsarbeit etwas.

        Das zentrale Problem, um das wir hier in fast allen Beiträgen kreisen, scheint mir das folgende zu sein:

        Die gesellschaftlichen Strukturen, die Narrative, die diese Strukturen schützen und die Erwartungen, die durch sie produziert werden, richten sich sehr viel stärker am weiblichen Wohlergehen aus als am männlichen. Frauen wird in unserer Gesellschaft (und, soweit ich das überblicke: allen anderen auch) weniger Verantwortung abverlangt als Männern. Ihr Wohlempfinden ist ein Gut, das es zu schützen und verteidigen gilt. In der Regel durch Männer.

        Dieses Opfer wurde in der Vergangenheit dadurch vergolten, dass Männern mit größerem Respekt begegnet wurde. Dieser Respekt ist durch unzählige Diffamierungskampagnen verschwunden. Die Belohnungsstrukturen sind weggefallen, die Erwartungen geblieben.

        Die Erkenntnis dieses Umstandes und die gleichzeitige Realisierung, dass alle bedeutenden gesellschaftlichen Großnarrative exakt das Gegenteil verlautbaren, ist der Schock, den alle Männerbewegte in sich tragen.

        Nun stellt sich die Frage, an der sich die Geister scheiden und deren unterschiedliche Beantwortung auch das Unwohlsein hier hervorruft: Wie soll man damit umgehen? Verbittern? Frauen hassen? Gegen Windmühlen ankämpfen? Resignieren? Das Beste daraus machen (das scheint mir deine Lösung zu sein)? Aufklärungsarbeit leisten?

      2. „Nun stellt sich die Frage, an der sich die Geister scheiden und deren unterschiedliche Beantwortung auch das Unwohlsein hier hervorruft: Wie soll man damit umgehen? Verbittern? Frauen hassen? Gegen Windmühlen ankämpfen? Resignieren? Das Beste daraus machen (das scheint mir deine Lösung zu sein)? Aufklärungsarbeit leisten?“

        Ich finde, aus der Aufzählung kann man recht einfach die Spreu vom Weizen trennen. Bitterkeit erfüllt einen, nachdem man tief enttäuscht worden ist. Sie schützt einen eine Weile davor, noch mehr verletzt zu werden. Aber auf bitteremn Grund will nur wenig Neues wachsen. Hass bringt eh nichts und deutet eher darauf hin, dass man über negative Erfahrungen nicht hinweggekommen ist. Warum man gegen Windmühlen ankämpfen soll, weiß ich nicht. Resignieren führt nach meiner Erfahrung nur zu Bitterkeit oder Hass. Also bleibt eine Mischung aus „das Beste draus machen“ und Aufklärungsarbeit leisten. Aber Deine Aufzählung muss keineswegs vollständig sein, so dass es weitere Punkte geben kann (ich finde aber den kritisch-konstruktiven Ansatz sehr ansprechend).

        „Die gesellschaftlichen Strukturen, die Narrative, die diese Strukturen schützen und die Erwartungen, die durch sie produziert werden, richten sich sehr viel stärker am weiblichen Wohlergehen aus als am männlichen. Frauen wird in unserer Gesellschaft (und, soweit ich das überblicke: allen anderen auch) weniger Verantwortung abverlangt als Männern. Ihr Wohlempfinden ist ein Gut, das es zu schützen und verteidigen gilt. In der Regel durch Männer.

        Dieses Opfer wurde in der Vergangenheit dadurch vergolten, dass Männern mit größerem Respekt begegnet wurde. Dieser Respekt ist durch unzählige Diffamierungskampagnen verschwunden. Die Belohnungsstrukturen sind weggefallen, die Erwartungen geblieben.

        Die Erkenntnis dieses Umstandes und die gleichzeitige Realisierung, dass alle bedeutenden gesellschaftlichen Großnarrative exakt das Gegenteil verlautbaren, ist der Schock, den alle Männerbewegte in sich tragen.“

        Die Männer, die ich beschrieben habe, steigen aus diesem System der Anforderungen aus, ohne sich das Hemd aufzureißen und in Heldenpose zu erwarten, von Kugeln durchlöchert zu werden… 😉 Ich finde dieses Dramatisierende immer ein wenig störend. Ich dachte immer, wir Männer seien so sachlich. Und ebenso, wie ich mich nicht für irgendwelche Vorteile in die Pflicht nehmen lasse, die irgendwelche Männer in der Vergangenheit hatten oder andere Männer jetzt genießen, kann ich mich für meine persönliche Lage auf die Opfer berufen, die andere Männer vor mir gebracht haben oder jeden Tag bringen. Ich finde, es geht eine Nummer kleiner.

        Vor allem ist das, was ich beschrieben habe, völlig unabhängig davon, ob jetzt Frauen mehr berücksichtigt werden oder nicht. Es funktioniert in der Realität, das sehe ich jeden Tag und die Statistiken (die für die Mär vom „Männerstreik“ sorgen) sprechen anscheinend dieselbe Sprache. Damit ist das etwas, das viel größer ist als die aktive Männerbewegung (zu der ich mich nicht zähle); das ist etwas, mit dem man viel breitere Schichten der Bevölkerung erreichen kann! Deswegen wäre es unklug, weitere Annahmen dazuzugeben, die andere eventuell nicht teilen. Denn selbst wenn man Leute mal für ein Ziel einen kann: Im Detail oder bei anderen Punkten werden sie völlig unterschiedlicher Meinung sein. Das ist für mich die Magie von Massenprotesten: Dass da für eine Sache mal all der trennende Kleinkram ausgeblendet werden kann.

        Sehen wir es doch mal so: Dass ein Mann sich um sein Leben und seinen Kram kümmert, ist bei der jetzigen Grundkonstellation die richtige Strategie, ganz egal, was die sonstigen Bedingungen sind (also was die anderen machen). Damit ist es spieltheoretisch eine dominante Strategie.

        Zu dem ganzen Rest – vor allem: was kann man tun – muss ich ein anderes Mal schreiben. Für heute muss es reichen.

  5. @Christian:
    Ich finde, man sollte zu dem stehen, was man schreibt / sagt. Daher die Frage nach dem Impressum. Bei den Feministinnen gab es ja u.a. mal so wortvergewaltigte Aktionen wie „Gesichtin zeigen“ etc. Die „Wer braucht Feminismus“-Kampagne kommt ebenfalls ohne Gesichter nicht aus. Anonyme Kläffer in der Wüste bleiben erstmal anonyme Kläffer in der Wüste.

    1. Pseudonym ist nicht nicht anonym. Christian könnte meine Identität leicht herausfinden; er kennt ja meine „normale“ E-Mailadresse. Wenn ich hier also allzu viel Quatsch mache, hat das auch Konsequenzen.

      Wie etwa Gerhard oder Rotterdam habe ich mich entschieden, diese Sachen nicht unter meinem Klarnamen zu schreiben. Ich habe einen Artikel in Planung, den ich gerne veröffentlichen möchte, bei dem ich aber Bauchschmerzen habe, wenn er mit einer ganz einfachen Suche mit meinem Namen in Verbindung gebracht werden kann. Ich habe schon die ersten Kommentare bei Christian aus diesem Grund unter dem Pseudonym Graublau abgegeben (da wird sich also gewissermaßen ein Kreis schließen, wenn es denn zu dem Artikel kommt).

      Für einen pseudonymen Kläffer in der Wüste habe ich es innerhalb kurzer Zeit weit gebracht: Ein schönes geistiges Ringen mit Neuer Peter, und der Autor des Blogs „Männerstreik“ meldet sich. 🙂 Ich habe zum Glück gar nicht die Ambition, mich zu einem „Männerstreik-Blog-Gegner“ oder gar neuen Arne Hoffmann aufzuschwingen. Ich bin vollkommen zufrieden damit, mit meiner Sicht ein kleines Puzzlestück zum Gesamtbild beizutragen.

  6. Ein Impressum birgt Gefahren. Seiten, auf denen nicht zu kommerziellen Inhalten gelinkt wird oder die auch keine Werbung haben, benötigen kein Impressum.

    Ganz einfach. Dann bietet man auch radikalen Menschen – z. B. Mitgliedern der Piratenpartei – keine Adressen, die sie dann anonym besuchen können. 😛

    1. In den meisten Fällen ist diese Angst wohl unbegründet und das mit den Piraten dürfte wohl nur für Berlin zutreffen. Außerhalb von Berlin sind wahrscheinlich in allen anderen LVs nichtmal annähernd so viele Spacken unterwegs wie in Berlin alleine.

      WordPress.com blendet Banner ein – und nun? 😀 Allerdings geht es mir nicht um Haarspalterei, sondern um Glaubwürdigkeit. Die ist einfach IMHO nicht sonderlich groß, wenn ein Leser, der die Leute nicht kennt, auf diese Seite stößt. Es könnte genauso ein Fake von Feministinnen und / oder lila Pudeln sein.

      1. Ich merke, Du hast Dich sehr mit den Piraten und deren Verknüpfung zur Antifa beschäftigt. Gerade auch in NRW geht es da gut zur Sache.

        „In den meisten Fällen ist diese Angst wohl unbegründet“ – jeden einzelnen „anderen“ Fall möchte man nicht provozieren.
        Wie sollte das Impressum hier auch aussehen? Sämtliche Autoren hinterlassen dort ihre Anschrift? So als Vorlage für feministische Hetzlisten?
        Ich selbst bin auf einer solchen Liste gelandet und weiß, wie gerne solche Daten von den entsprechenden Personen gesammelt werden.
        Im Web kan man bald sowieso Fake nicht mehr von der Realität unterscheiden.

        Habe ich Dir aber gestern schon angedeutet.

      2. Es ist ganz einfach: Es gibt einen Gesamtverantwortlichen, der im Impressum steht. Und zu den Pseudonymen werden die realen Namen vermekrt. Der Gesamtverantwortliche sollte dann idealerweise die vollen Daten aller haben, wobei natürlich der Hinweis nicht fehlen darf, dass der Gesamtverantwortliche nicht für Artikel haftet, die namentlich eindeutig gekennzeichnet sind. Wenn man schon publizieren will, dann halt nach geltenden Standards.

        Ich habe selbst schon Dinge wie Stalking und Morddrohungen aus der rechten Ecke hinter mir, finde aber dennoch, dass man seinen Lesern dieses Mindestmaß an Transparenz schuldig ist.

      3. „Es könnte genauso ein Fake von Feministinnen und / oder lila Pudeln sein.“

        Mit der Angst muss ich leben. Christian wird ja auch gerne als feministisches U-Boot angesehen.

      4. „Und zu den Pseudonymen werden die realen Namen vermekrt.“

        Das war nie Ausgangsbedingung, um an diesem Blog teilzunehmen.

        „Wenn man schon publizieren will, dann halt nach geltenden Standards.“

        In meinem Paralleluniversum kann man auch pseudonym schreiben – mit all den Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt.

  7. Seinen Lesern etwas schuldig sein? Bitte?

    Ich bekomme nichts dafür, wenn mich jemand liest. Wem es nicht passt, dass bei mir Leute anonym kommentieren dürfen, mag sich vom Acker machen. Man entschuldige meine Ausdrucksweise. Ich bin es meinem Lesern eher schuldig, dass sie eingen gewissen Schutz genißen.

    Mit Verlaub: Das ist riesengroßer Quatsch.

    1. Tja, wenn Du zwischen Verfassern / Blogbetreibern und Lesern / Kommentatoren nicht unterscheidest, ist das natürlich so eine Sache der Logik. Im Übrigen kann man ja bei jedem Blog unter eigener Domaim im WHOIS nachschauen, das geht bei unter der Domain WordPress.com nicht.

      Aber kann mir auch egal sein, Rückgrat ist halt nicht jedermanns Sache.

      1. Es geht hier nicht um „Rückgrat“ – vor allem muss ich mir den Schuh nicht anziehen.

        „Es gibt einen Gesamtverantwortlichen, der im Impressum steht. Und zu den Pseudonymen werden die realen Namen vermekrt. Der Gesamtverantwortliche sollte dann idealerweise die vollen Daten aller haben, wobei natürlich der Hinweis nicht fehlen darf, dass der Gesamtverantwortliche nicht für Artikel haftet, die namentlich eindeutig gekennzeichnet sind. Wenn man schon publizieren will, dann halt nach geltenden Standards.“

        Ich denke, hier sind alle Autoren zu ermitteln, wenn es rechtlich darauf ankommt. Alles andere ist unerheblich. Die Frage, ob Kommentatoren auch eine gewisse Autorenschaft in einem Blog zukommt, wird immer wieder anders entschieden.

        Daher ist die Frage an Dich:
        Nochmal: Was sind denn die geltenden Standards?

  8. Streik ist wahrscheinlich sowieso das falsche Wort; denn ich denke nicht, dass man dabei grundsätzlich von einem temporären Zustand sprechen kann. Das sieht man auch immer wieder bei ähnlichen MGToW-Diskussionen; es ist illusiorisch anzunehmen, dass eine so kleine Anzahl von Männern durch eine bewusste Entscheidung irgendetwas bewirken wird. Auch wenn das Thema in der Anglospähre (Helen Smith, die ungefähr deine These unterstützt etc.) auch ausserhalb der Männerrechtsbewegung thematisiert wird und den Mainstream zumindest kurzzeitig beeinflusst hat, ist nicht davon auszugehen, dass der „Streik“ irgendetwas auslösen wird, selbst wenn man bei unserem Versorgungssystem alle Räder wegsprengt haben wir noch viel zu viel Vorwärtsmomentum. Selbst bei einer niedrigen Geburtenrate und einem extremen Absinken des männlichen Beschäftigungsgrades (Die Zustände betreffen wieder vor allem Amerika) wird es noch lange dauern, bis das überhaupt zu einem Umdenken aufgrund von Kollateralschänden führen kann. Bis dann werden wir höchstens um einiges ärmer sein und die Sündenböcke dafür werden natürlich die Männer sein.

    Das wiederhole ich hier auch nur, weil dem eine ganzen eine gefährliche Annahme zugrunde liegt: Wenn ich nur lange genug streike, werde ich am Ende dafür belohnt, dann ändern sich die Zustände schon von selber. Das ist natürlich gefährliches und unrealistisches Wunschdenken. Wenn man(n) „streikt“, dann besser aus der eigenen Überzeugung und individuellen Gründen, aber nicht, weil man denkt, man hätte irgendeine Chance gegen die Räder unserer Gesellschaft. Solch magisches denken ist der beste Weg ins persönliche Unglück.

    Und ja, leide erinnert dein Artikel schon etwas stark an Dinge wie die „Man-Up“- Kampagne. Männer sind hier weiterhin Menschen, die in erster Linie kühl und rational die Schäden anderer beheben sollen und grundsätzlich die veränderten und verletzende Einflüsse akzeptieren müssen. Das natürlich immer mit dem Verweis, dass sie doch bitte innerhalb der gleichen Gesellschaft ihr persönliches Glück suchen sollen, auch wenn sie von dieser Stück für Stück verbraucht werden.

    Trortdem Danke ich für Deinen Beitrag. Wäre ja langweilig, wenn alle das gleiche zu sagen hätten.

    1. Genau aus diesen Überlegungen finde ich es falsch, zu einem Streik (dieser Art) aufzurufen. Es wird nichts bringen, aber viele Männer ihre Lebensfreude kosten.

      Ich finde überhaupt nicht, dass Männer die Schäden anderer ausbaden sollen. Im Gegenteil, sie sollen sich um sich selbst kümmern. Wieviel man akzeptieren muss/kann, steht auf einem anderen Blatt. Ich denke aber, dass es ein Irrweg ist, zu glauben, ein einziger oder eine Handvoll Personen könnten – ohne irgendeine Macht – mal eben bestimmen, wo es lang geht _für alle anderen_. Das ist doch genau der Fehler radikaler Gruppen und der absehbare Misserfolg macht sie noch abgeschotteter gegenüber dem Rest der Welt.

      Da ein eigener Weg der Männer von Teilen der Gesellschaft abgelehnt und verdammt wird, beweist das doch nur, dass sie strenggenommen nicht innerhalb dieser Gesellschaft ihr Glück suchen. Und das ist der fundamentale Unterschied zwischen „Man up“ (so wie ich es verstehe) und meinem Standpunkt: „Man up“ will zu einem bestimmten Verhalten zwingen; ich gerade nicht.

      Zudem habe ich (bewusst) die Diskussion über Fairness ausgeklammert. Meine Überlegungen setzen an, noch bevor irgendeiner Gerechtigkeit (oder ihr Anstreben) ins Spiel bringt. Dass Männerrechtler und diverse engagierte Gruppen natürlich entsprechende Ziele haben, ist klar; die ganze „eigenen Weg gehen“-Chose ist aus meiner Sicht jedoch viel grundsätzlicher (und damit auch nicht mit „hehren Zielen“ verbunden, sondern in erster Linie für diese Männer).

  9. Der Artikel ingesamt ist sehr gut. Aber Männer, die toleranter sind (und damit automatisch) kooperativer würde ich nicht als Waschlappen bezeichnen. Das Gegenteil ist der Fall. Diese sind teamorientiert und gemeinschaftsfähig. Dass Frauen nun mal die Übermacht bei allen sozialen Belangen haben, ist halt inzwischen Fakt. Da hilfts nicht zu mauern, da muss man schlicht besser werden, um mithalten zu können, sprich: Sozialkompetenzen aufbauen.
    Das ist aber nur eine Marginalie. Insgesamt ein Spitzenartikel, über den ich mich sehr gefreut habe!

  10. „Was immer die Männer anfangen, um den Frauen zu imponieren: In der Welt der Frauen zählen sie nicht. In der Welt der Frauen zählen nur die anderen Frauen.“ – Zitat aus „Der dressierte Mann“, Esther Vilar, 1971 (!)

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